Nein, euer Phishing mag ich nicht

Vor allem, wenn’s so strunzdoof daher kommt wie bei dieser mail und der Absender support@lebanonemall.com heißt.

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Mag keine Reserven einführen. Dann hätte ich doch lieber eine Erbschaft aus Nigeria.

True Colors

Seit ich in einem Haushalt mit Kind wohne, weiß ich, daß es tatsächlich Lehrer gibt, die zu Schuljahresanfang Plastikheftumschläge im Farbton “Buttermilchweiss” einfordern.

Wenn’s der Büldung dient…

He’s got the look

Wer auf dem Land wohnt, verbringt unglaublich viel Zeit wartend auf Bahnhöfen (mich dünkt, die S-Bahn hat nachts Angst, allein rauszugehen). Allein in den letzten zwei Wochen fuhren mehrfach Züge halt mal nicht, begleitet, wenn überhaupt, von Anzeigen wie “Zug fällt aus”. Das ist a) wenig hilfreich und fühlt sich b) an wie “ällabätsch”.

Und dann sitzt man da mit seinem ausgelesenen Buch und guckt in seiner Verzweiflung so herum. Und Braco guckt zurrieck:

Gebender Blick

Anschließend überlegt man krampfhaft, was “facepalm” gleich noch mal auf Deutsch heißt. “Gebender Blick”? Ich glaube, es hackt. Und der Apostroph ist selbstverständlich auch verkehrt.

Unlocked

Who would have thought that Taylor Swift and I have something in common? And what may that be, you ask? Well, we both fought Apple and we both won. Unlike Taylor, I won’t get a lot of money for my victory but at least I can use my not-so-smart-phone with a German SIM card. That’s the phone which I had come to believe I had bought for real money a while ago anyway. Alas, why would Apple respectively AT&T care?

This one goes (in alphabetical order) to Paul and Vivek, my knights in shining armor, who couldn’t accept that AT&T would seriously insist on me flying 10k miles one way to walk into one of their stores to have this tiny piece of software unlocked without breaking the phone (jailbreak or otherwise) and encouraged me to talk to AT&T’s customer service one, two, three more times. Luckily, my middle name is “Persistence” and double-luckily, the last person in AT&T’s customer service was eventually tired of fighting with the person with the ugly German accent. And that finally resulted in having him direct me to the “Unlock Request Form” and whoowhoo! unlock the phone (maybe – after a 72 hour processing period).

How can one tell that her phone is unlocked and why would a back-up to iTunes only take 2 minutes? Who better to answer these burning questions than one of the fruit geniusses in the blue T-shirts. So I spent another 2 hours in the Apple Store this morning, amongst crowds and crowds of tourist who’s Apple devices were broken and kept them from taking selfies until my personal blue-T-shirt guy was ready for me and got it fixed in less than half an hour.

Without you guys in Menlo Park and a little help from a bunch of rather reluctant customer (what’s that?) service (never heard of?) persons I’d never have come that far. That is, to have a usable working phone without any data loss. IOU!

Besserwisser

Wenn ich früher mal zu früh dran war, bin ich gerne zum Zeitvertreib (und möglicherweise Bucherwerb) durch Buchhandlungen gestreunt. Irgendwann in den letzten sieben Jahren muß es, vor allem im Univiertel, zum großen Buchhandlungssterben gekommen sein.

Ich hab das verpaßt, aber die Autokorrektur meines Smartassphones weiß Bescheid. Sobal ich *Buc* getippt habe, schlägt sie “Buchhaltung” vor – und tut das konsequent weiter, bis zum letzten “G”.

Tageslosung

Dem an sich nicht unvernünftigen Ansinnen des bayerischen Königs Horst I, Flüchtlingsströme um das während der Oktoberfestzeit ohnehin aus seinen Nähten platzende München herumzuleiten (statt mitten zwischendurch), hat sein Innenminister mit dem Händchen für die jeweils unglücklichste Formulierung von allen mit der Aussage “”Insbesondere Asylsuchende aus muslimischen Ländern sind Begegnungen mit massiv alkoholisierten Menschen in der Öffentlichkeit nicht gewohnt” wieder einen ordentlichen Bärendienst erwiesen.

Bei Twitter heißt das in der Kurzfassung nun “#Oktoberfestung”.

Setzen, sechs.

massatelier

Ich stehe vor dem Schild und frage mich: Ist ein Massátelier eine Art Sommelier für feine Brände? Oder beschäftigt er sich mit Backwaren? Oder Fischen?

Dann sehe ich im Fenster Tuchwaren und Schnittmuster und komme zu dem Schluß: Das Schneiderlein mag tapfer sein, Rechtschreibung kann es nicht.

How does it feel?

“Und? Wie fühlt es sich an, wieder zurück in der Heimat?”, fragt mich ein amerikanischer Freund am Telefon. “Bist du schon angekommen?”

Hmmm. Gute Frage. Ich weiß es nicht so genau.

In den sieben Jahren meiner Abwesenheit hat sich hier viel Amerika breitgemacht. Der letzte Schrei in München sind Burgerbratereien, wo man sich sein Fleischpflanzl “customized” (mit diesem, ohne jenes oder auf dem / unter jenem) – ich erinnere mich, daß dieser Trend gerade ganz neu war, als ich in San Francisco ankam und sich bis heute gehalten hat, weil der gemeine amerikanische Foodie ißt wie ein mäkeliger Fünfjähriger. (Soße nur über die Fritten, die Erbsen rechts vom Fleisch, wenn sie links liegen, werden sie da liegengelassen und Tomaten nur in Würfeln, weil sie in Scheiben vollkommen ungenießbar sind usw.) Die Koffeinhaltige-Heißgetränke-in-Pappbechern-Herumtragen-Unsitte hat noch viel weiter um sich gegriffen, als es damals bei der Eröffnung der ersten Starbucks-Filialen möglich schien und Irgendwas-im-Rennen-auf-der-Straße-aus-der-Hand-zu-essen scheint inzwischen Bestandteil der hiesigen urbanen Eßkultur geworden zu sein. “To go”, “Take-out” und “Take away” (was übrigens nur der Brite als “zum Mitnehmen” versteht; dem Amerikaner bedeutet das sowas wie “Tu’s weg!”, zum Beispiel die eklige Spinne im Schlafzimmer). Ich bin da ganz “old school”, ich kann im Sitzen und in Ruhe essen und ziehe das außerdem vor.

Meine Lieblingserrungenschaft in der amerikanischen Gastronomie, also kostenlose und unbegrenzte Mengen Wassers zu jeder Mahlzeit, hat sich hier leider nicht durchgesetzt, nicht brauereifrei und schon gar nicht -gebunden. Ganz im Gegenteil: man bekommt, auf Nachfrage und wenn man vorher schon was anderes getrunken hat, eventuell und ohne Begeisterung auch mal ein Glas Leitungswasser hingestellt. Im kleinstmöglichen Behälter, häufig lauwarm und ganz sicher ohne “Refill”. Beim angesagten Veganer im Glockenbachviertel findet die Pläpperbrühe trotzdem ihren Weg auf die Rechnung. Als “Osmosewasser” und recht teuer. WTF?

Was ich sehr zu schätzen weiß (und dem amerikanischen Freund ein totales Graus war), ist, daß man hier selbst beim Arbeiten den Jahreszeiten ausgesetzt ist. Er saß bei 30°C+ Außentemperatur in einer gefütterten Jacke im Büro und hat geschlottert, ich habe selbst in leichtem Sommerkleid und Sandalen in meinem Münchener Büro geschwitzt. So what? Es ist (bzw. war) Sommer und da ist das normal und gut so. Ich nehme übrigens keine Beschwerden aus Kalifornien über die anhaltende Hitzewelle mehr an. Schickt einfach alles, was euch zu viel ist, zu mir! Winter is coming und ich kann jeden Sonnenstrahl gebrauchen.

“You see”, erkläre ich dem Freund, “für mich ist vieles hier in Deutschland halt einfach immer noch “normal”. Zum Beispiel muß ich mich nie wieder mit hirnrissigen Maßeinheiten herumschlagen. Nehmen wir nur einmal Unzen (ounces). Die unterschiedlich schwer wiegen, je nachdem, ob man Festes oder Flüssiges mißt. Oder Längenmaße. Bis dato habe ich noch an keiner deutschen Autobahn ein Schild gesehen, das einen darauf hinweist, daß die nächste Ausfahrt in dem Bruchteil X eines Kilometers (Halbdreiviertelfünftel oder so) zu erwarten sei. In den USA sind dergleichen Angaben gang und gäbe. Ich habe allerdings an einer deutschen Autobahn auch noch nie ein Billboard für irgendwas gesehen, diese Riesenschilder mit den teilweise doch sehr absurden Reklamen fehlen mir sehr, schon als flockblog-Material. Wenn ichs recht bedenke, nur deswegen.

“Und?”, will er wissen. “How about the food? Gorgeous, huh?” Klar, ey, Essen ist ein ganz großes Stück Heimat. Noch muß mich beim Lebensmitteleinkauf sehr einbremsen, weil es all die guten Dinge auch morgen noch geben wird. Und übermorgen. Und nächste Woche. Auch Trüffelleberwurscht und Pfisters Kürbiskernlaib. Morgen. Übermorgen. Nächste Woche. Auch Milch gibts wieder im Liter und auf Wunsch in Glasflaschen, nicht in Gallonen- oder Halbgallonenplastikcontainern. Diese Milch wird, selbst im Kühlschrank, nach guten zwei Wochen einfach sauer. Flockt aus, klumpt, riecht nach Joghurt. Es ist nicht so, daß amerikanische Milche nicht verdürbe, aber sie braucht dafür wesentlich länger und stinkt nach Eintritt des Todes nach Gammelfleisch und das fehlt mir jetzt so ü-ber-haupt nicht.

Auch schön: Hiesige Supermärkte schreien einen nicht an. Gut, man wird an der Kasse gefragt, ob man Herzen oder Punkte sammelt, aber das ist es dann auch. Kein “2 zum Preis von 1”, kein “Das noch dazu, wenn man dies kauft”, kein “Komm vor 12:00, kaufe fünf und bekomme dazu noch ein FREE GIFT!” Nein, man begnügt sich mit dem Angebot der Woche, wobei ich mir beim Lebensmittel einkaufen eh vorkomme wie im Schnäppchenparadies; Grundnahrungsmittel halbwegs ordentlicher Qualität sind im Vergleich zu den USA wesentlich günstiger. (Putzmittel übrigens auch.) Themen wie Recycling und Nachhaltigkeit werde ich gelegentlich einen eigenen blogpost widmen, das würde diesen Rahmen sprengen. In a nutshell: Deutschland ist Weltmeister.

“Es ist schon komisch”, sage ich. Wenn ich aktuell “Daheim” denke, dann ist das mein Häuschen in San Bruno, der Garten, mein Bett, meine Küche. Natürlich ist mir intellektuell klar, daß dieser “Heimaturlaub” nicht mit einer Rückreise in die Staaten enden wird. Trotzdem. Da scheinen Herz und Hirn noch Synchronisationsschwierigkeiten zu haben. Wird sich schon noch verwachsen, ich bin ja erst (heute auf den Tag genau) einen Monat hier.

“Aber weißt du”, frage ich den Freund, “was das Allerbeste ist und woran ich mich erst wieder gewöhnen muß?” Weiß er natürlich nicht. Kunststück. Aber er rät richtig: “You got way more friends down there, right?” Ja. Und die stelle ich dir alle vor, wenn du mich im nächsten Jahr besuchen kommst.

Sonntags nie

Da will ich meiner Gastfamilie einen schönen Willkommenskuchen backen und merke beim Zusammensammeln der Zutaten, daß es mir geht wie Palmström, der hat nämlich auch kein Fett im Haus. Ein gerademal noch flaschenbodendeckendes Resterl Öl hier, einen Eckerl Butterschmalz da (immerhin gibts hier überall Butterschmalz und man muß nicht erst beim Inder “Ghee” besorgen) und keine einzige Butterstange. Wie? Doch, in amerikanischen Rezepten bemißt man Butter in Stangen (sticks). Eine Stange entspricht einer halben Tasse. In San Bruno wäre ich in dieser Situation am Sonntagabend kurz zum Seven/Eleven gelaufen oder rasch ins Auto gesprungen und hätte in einem der nahegelegenen Supermärkte vor einer Riesenauswahl an Fetten gestanden.

Jetzt ist Improvisationstalent gefragt.