Neu im Theater “Sein oder Nichtsein”

Herrschaftszeiten, bin ich vielleicht froh, daß in München gerade Wiesn ist. Doch, ehrlich, bin ich. Sonst hätte doch das Volkstheater niemals nie nicht ein “Oktoberfestspezial” ausgelobt, und die Karten für zwei wunderschöne Plätze ganz weit vorne zum Preis von einem abgegeben. Oans, zwoa, das Stück zum Film g’schaut!

Die Frau Salehpour hat sich ein Beispiel an den Inszenierungen vom Chef genommen: Lustvoll spielen, mehr Unfug als Fug machen, beim Slapstick auf je-den-Fall zu dick auftragen und, ganz wichtig, die Bühne einsauen. Letzteres mehrfach. Rausgekommen ist ein sehr flottes (wie ich das Wort hasse, vor allem, wenn’s kein besseres gibt) Ensemblestück über den Popanz – ganz egal wessen, ob Parteigenosse, Schauspieler, Pilot. Ich glaube, der Herr Lubitsch selig wäre zufrieden gewesen. Ich wars.

Falls wer sich eineinhalb Stunden nett unterhalten lassen mag, hier die nächsten Spieltermine: http://bit.ly/1jCzIC5. Und wer vor- oder hinterher noch gut essen mag gehe zu http://www.nam-bo.de/.

Lauter Traumjobs

Ihr Grundverständnis ist die Basis, um Sie hier sukzessive zu professionalisieren. Wow! Davon habe ich schon immer geträumt. Sukzessive professionalisiert zu werden – und das im Gegenzug für ein läppisches bißchen Grundverständnis; bloß blöd, daß weder der Duden noch der Internet den Begriff kennen.

Aber gut, ist eigentlich wurscht, in dem Unternehmen strebe ich ohnehin keine Karriere an, denn ich habe weder Erfahrung in der selbständigen Wartung und Instandsetzung von militärischen Fahrzeugen und Gerät (Schwerpunkt Panzerhaubitze) noch will ich nach Doha, Qatar übersiedeln. Ich werde allerdings in der nächsten Zeit bei Nachrichten aus dem Persischen Golf nach Leoparden und PzH 2000s Ausschau halten und mir selbst ein Bild davon machen, ob das lokale Instandsetzungspersonal unseres Kunden hinlänglich in den Bereichen Nutzung, Wartung und Instandsetzung von Sonderwerkzeugen ausgebildet und geschult ist. Nicht, daß ein Bewerber mir den König vergrätzt, der, je nach Schwere des Vergehens, entweder seinen Vigilance Specialist oder (worst case) den WEG-Verwalter auszuschicken pflegt, um das Arbeitsverhältnis zu beenden. (In der Fachsprache: External Ventures Management.)

Wer anschließend wenigstens noch als Roomboy eingesetzt werden kann, darf sich glücklich preisen.

Anmerkung: Wie immer, alles was kursiv gedruckt ist, ist wörtlich aus Stellenanzeigen in Online-Jobbörsen entnommen.

Tageslosung

Die S-Bahn stoppt mit quietschenden Bremsen auf offener Strecke. Der Fachsimpel im Nebenvierer weiß Bescheid: “Des kenn i scho. Des is fei ned der Elch, der wo bremst hat, sondern da Kompjuta.”

Geldanlage

Glänzend, glänzender, altgänzend – das, schreibt man mir heute sehr unaufgefordert, sei die einzig richtige Aktienanlage für mein Sauererspartes. Mir kommts ein bissele seltsam vor, für eine Faltbootwerft (was für ein tolles Wort!) weit vom Wasser weg mit einem Gipfelstürmer zu werben, aber was weiß ich schon. Wie? Der Mann heißt Noah? Ja dann.

Investiert, Völker!

Faltboot

Befehl ist Befehl

Abschlußnachricht auf eine Online-Bewerbung:

Wir überprüfen die Angaben in Ihrer Bewerbung und werden uns anschließend bei Ihnen melden.
Sie können nun das Fenster schließen.

Na gut, wenn Sie das sagen… dabei ist es doch heute gar nicht so kalt.

Unwort

“Und nun zum Wetter.” Auftritt eine Dame im in allen Sendern identischen Wetterfraukostüm, enge Hosen, hohe Schuhe, weites A-Shape-Hängerle mit Glitter, die mit den Händen gen Süden wedelt und davon spricht, daß “in weiten Teilen Bayerns in dieser Nacht mit Bodenfrost” zu rechnen sei.

Also jetzt ernsthaft, Herrschaften! Es ist gerade mal Ende September und allenfalls Spätsommer und Bodenfrost nicht nur ein Unwort, sondern ein Unzustand. Geh weg!

Clash of Cultures

Wahrscheinlich ist es nicht nur an mir unbemerkt vorbeigegangen, daß am 25. September in Deutschland der “Tag des Butterbrots” zelebriert wurde. Wenn mich sowas interessieren täte, hätte ich eh lieber mit den Amerikanern gefeiert, da ist 9/25 nämlich “National Lobster Day.”

Edward A. Murphy, jr. gewidmet

Man mag manchmal zweifeln und häufig auch zu Recht. Nur eines ist sicher, nämlich, daß das Brot immer auf die Marmeladenseite fällt und daß, wenn man mit einer sehr bemessenen Anzahl an Klamotten reist, sich ausgerechnet die Lieblingshose einen bösen Riß zuzieht. Ich habe kein großes Talent für Nadelarbeiten (es sei denn, es wären Stricknadeln) und das bißchen, was ich an Nähzeug besitze, nähert sich deutschen Küsten gerade sehr langsam auf einem Schiff, wahrscheinlich tief unten in einem Karton mit der Aufschrift “Diverses”. Ich brauche Hilfe. Wie heißt gleich noch mal der 2. Katastrophen-Lehrsatz? Genau: “Fall’n die Kleider dir vom Leiber, hülft eilends, flugs und gern der Schneider.” (Ja, die fünf Taler Strafgebühr sind bereits in die Schlechte-Reime-Kasse einbezahlt worden. Nachforderungen somit zwecklos.)

Ab dann ist es ein Spaziergang: das Büro, in dem man mir Asyl gewährt, liegt auf der Schwanthaler Straße und ich gehe jeden Tag wenigstens einmal an einem Laden vorbei, wo es Telefonkarten gibt, günstige Reisen, Western Union, Ülker-Süß- und Salzigkeiten, ein Internetcafé, einen Kühlschrank voller Seltsamgetränke (und, ja doch, Christoph, und Fanta auch), Telefone und sonstige Kleinelektronik, Schreibwaren, Schmuck, tütenweise Knusperkörner, Schlappen, Kopftücher, Baklava, Shisha-Kohlen und -Tabak und hinten, hinten residiert Herr Yilmaz mit seiner Änderungsschneiderei. Wir werden uns schnell einig: “Riß? Muß zu!”, suchen gemeinsam die passendste Nähseide aus und Herr Yilmaz gibt mir “Quittung, wenn ich nix da”.

Falls mal wer einen Schneider braucht – nehmt diesen. Einfach zwischen Telefontheke und Bank durchgehen, Ülker rechts und Internetcafécomputerreihen links liegen lassen und dann dem Pfeil nach hinten folgen. “Morrgen fertick.”

Der große Unterschied

Es gibt wenig, was einen in Amerika noch kreditwürdiger macht, als zur 7., 12, 19. Kreditkarte noch eine 8., 13. oder 20. in den Geldbeutel zu stopfen. Selbstverständlich alle längst “pre-approved” und im ersten Jahr sowieso gebührenfrei und im vollen Rahmen überziehbar und dazu noch zu jedem Einkauf Punkte und Extrarabatte und weiß der Teufel was alles. Und alles vollkommen “free” und umsonst, von dem bißchen Restprivatsphäre abgesehen, das der Konsument sich bis dahin möglicherweise bewahrt hatte. Groß kümmern tut das keinen, das Marketing funktioniert, und der Kunde bekommt – vermeintlich – viel mehr, als er gibt. Alles, was das Herz begehrt, im Idealfall noch am gleichen Tag, selbstverständlich frei Haus geliefert und wenn’s wirklich mal dem Kundenwunsch nicht entsprechen sollte, dann nimmt der Briefträger die falsche Ware wieder mit und bringt am nächsten Tag noch was viel viel besseres. Vorausgesetzt, der Kunde zahlt. Wenn nicht, dann nicht. Dann holt sich die Kreditkartenfirma ihr Geld zurück. Jeden Cent und jeden Dollar. Mit langem Atem und Zins und Zinseszinsen und der gerade noch so unbekümmerte Konsument ist zum Schuldner geworden. Wenns ganz schlecht läuft, für den Rest seines Lebens. Als ich vor ein paar Wochen hingegen hier eine zweite Kreditkarte beantragte, wollte der Anbieter zuallererst wissen, ob ich nicht eigentlich schon eine hätte… Manchem Amerikaner hätte diese Art Verbraucherschutz wahrscheinlich Kopf und Kragen gerettet.

Dann hatte ich die neue Karte endlich in Händen und wollte damit Geld ausgeben. (Die Geschichte vom Ausflug zum Postcontainer in die Englschalkinger (oder sonst so wo) Peripherie oder davon, daß das Kreditlimit im ersten Monat bei 200 Euro liegt, erzähle ich auf Anfrage gerne in langen kalten Winternächten am Kamin). Einkaufen. Online. Bei einem Bekleidungshaus, so, wie ichs mir in Amerika angewöhnt hatte. Schnell und unkompliziert. Ja. Nein. Nicht ganz.

Also, angefangen hatte es ursprünglich damit, daß meine Mutter noch einen Gutschein von einem kleinen Versandhandel rumliegen hatte, von dem sie vermutetete, daß er sein Gültigkeitsdatum längst überschritten habe und nicht zuletzt deshalb das ideale Geschenk für die heimgekehrte Tochter sei.

Ich hatte in Erinnerung, daß die Befristung von Gutscheinen rechtlich zumindest eine Grauzone darstellt und dies auch in meinem Telefonat mit dem Versandhändler zum Ausdruck gebracht, worauf man sich zur “Überprüfung der Gutscheinnummer” zurückzog (den Prozeß hat man sich als Laie so vorzustellen, daß mir für ein paar Minuten “Für Elise” ins Ohr geschrammelt wurde und der Versandhändlerzuständige derweil aus dem Fenster starrte) und anschließend mitteilte, ja, doch, man werde den Gutschein “aus Kulanz” akzeptieren und wünsche mir ein “schönes Einkaufserlebnis”. Ich glaube allerdings inzwischen, daß außer meiner Hörweite dieser Dialog ablief: “Und was will die?” … “Was kaufen? Von uns? Hat die sich mal überlegt, was für einen Aufwand das für uns bedeutet?” … “Hat sie nicht. War ja klar. Wie wärs, wenn wir der jetzt im Gegenzug einfach mal was Fehlerhaftes liefern, und dann sieht sie nämlich mal, wie das ist…”

Prima, geht doch. Da bestelle ich doch flugs online eine schöne warme Jacke. Ich gebe den Gutscheincode ein (was wider Erwarten auf Anhieb klappt) und bezahle die Differenz flott per Kreditkarte. Nein, tue ich nicht. Kreditkarten werden nicht angenommen. Dann nicht. Die EC-Karte vielleicht? Nein, auch nicht. Mit Plastik haben sie’s einfach nicht. “Sofortüberweisung” kenn ich nicht (und will ich nicht), obwohl mich diese Option die ganze Zeit geradezu aufdringlich anblinkt – Herr im Himmel, wie kriege ich jetzt diese paar extra Kreuzer an den Mann? Was tut man nicht alles für eine warme Jacke – nach drei Mal Bestätigungs-e-mail-Hin- und Her sind sie bereit, das Geld per Lastschrift einzuziehen. Danke, oh guter Warme-Jacken-Händler. Danke. In der Zeit, die ich inzwischen auf diese Bestellung verbraten habe, hätte ich ein komplettes Schaf scheren und die Wolle schon mal waschen können.

Man ist zugegebenermaßen als Bis-vor-kurzem-noch-amerikanischer-Konsument total verwöhnt. Da kann man selbstverständlich sein Päckchen “tracken” und weiß so ungefähr, in welchem Vierstunden-Zeitfenster die Ware eintreffen wird. Hier jetzt eher nicht so. Es bleibt die Hoffnung, daß er schon irgendwann liefern wird, der grummelige prekär Beschäftigte in seinem Hemd mit dem Götterbotenlogo. Tut er. Irgendwann. Und dann ist das warme Jackele da und warm und paßt und hat – einen defekten Reißverschluß. Darn it. Das ist sie, die Rache der Bestellungsannehmer – jetzt kann ich mich nämlich mit der Rückgabe mangelhafter Ware herumschlagen.

Ganz einfach sei das, steht auf der Rechnung. Ich brauche, was in den USA schon undenkbar wäre, nur eine gebührenpflichtige Rufnummer anzurufen und mit der freundlichen Dame am anderen Ende einen Abholtermin fürs originalverpackte Packele vereinbaren. Wählen. Warten. Dame dran. “Ja, also, ich hab da eine Retoure…” “Umtauschen machen wir hier nicht. Das müssense zurückschicken und neu bestellen.” “Ja, will ich ja. Die Ware ist nämlich defekt.” Kein Wort des Bedauerns oder der Entschuldigung oder dergleichen kommt der Dame über die Lippen, stattdessen herrscht sie mich an: “Knnmmr?” Wir klären auf meine Kosten, daß sie damit “Kundennummer” meint und sie läßt mich alles herunterbeten: Name, Kundennummer, Rechnungsnummer, Liefer- und Abholadresse, Artikelnummer, wiederholt jede Angabe, verspricht sich jeweils mindestens einmal und fängt dann nochmal von vorne an und ich spüre, wie um mein Haupt herum kleine Rauchwölkchen aufsteigen. Gleich breche ich aus! Und mit guten Grund. Als ich ihr nämlich sagen will, welcher Abholtag mir konvenieren täte, pariert sie damit, daß sie immer nur für den nächsten Werktag disponiere. “Was anderes gann mein Gombuder nüsch.” Blöd, aber üsch gann am nächsten Dag nüsch. Hrrrrgggnnn! Ruf ich halt die Woche drauf nochmal an und bin fast ein bißchen überrascht, daß die Abholung tatsächlich reibungslos funktioniert. Übrigens: Die Wolle meines imaginären Schafs hat inzwischen mehrere Waschgänge durchlaufen und liegt in einem duftend weichgespülten Haufen vor mir.

Warum würde es mich nicht wundern, wenn ich sie, bis ich dann auch das Geld wiederhabe, längst gesponnen, verwoben und zum Janker gewalkt hätte? Macht nix. Heute bin ich gnädig. Allemal besser als nur hirnloser Nochmehrkonsum.