Messerscharf analysiert

Mr. Chester Wisniewski, erfahrener Senior Security Advisor bei der Sophos Group, einer IT Security Company aus dem Kanadischen, teilte dieser Tage in einem Interview mit, dass “Hacker-Mails kaum noch zu erkennen sind. Sie werden darin keinen einzigen Rechtschreibfehler und keinen Grammatikfehler finden”.

Ich darf also aufgrund dieser fachmännischen Analyse davon ausgehen, dass es sich hierbei um ein seriöses Angebot handelt, oder?

Von: Prono-Produzent Hartmut Kraus: Endlich Rezeptfrei + Offiziell Poetnz-Mittel für Ihre Standhaftigkeit

“Das Urteil fiel bereits im November”

Was, liebe Spon-Schreiberlinge fällt euch an diesem Satz auf? Genau, er ist einem von euch aus der Feder geflossen. Und darum erkläre ich es jetzt auch ganz langsam und zum Mitschreiben: Die Verben “fallen” und “fällen” sind, wiewohl sie ähnlich klingen, von unterschiedlicher Herkunft und (aufgemerkt jetzt!) Bedeutung.

Merke: ein Urteil kann nicht fallen. Nicht um, nicht vom Baum und auch nicht auf die Nase. Es wird gefällt. Von einem Richter. Dabei handelt es sich, falls sich noch wer von euch erinnert, um eine Passivkonstruktion. (Beispiel: Aktiv: Der Mann kauft einen Apfel; Passiv: der Apfel wird von einem Mann gekauft – dieselbe Aktion aus unterschiedlichen Perspektiven.)

Ich hatte es schon einmal erwähnt und tue das gerne noch einmal: sowas kann man dudeln. Bei www.duden.de. Auch alleine und ohne meine Mithilfe. Macht das in Zukunft gefälligst! Sonst…*

Für die, die’s wirklich genau wissen wollen, hier die grammatikalischen Details:

  1. “fallen”, althochdeutsch “fallan” ist ein starkes Verb, bedeutet “durch seine Schwere aus einer bestimmten Höhe abwärts-, in Richtung Boden bewegt werden” und wird wie folgt konjugiert: fallen, fiel, gefallen. Das Perfekt wird mit “ist” gebildet.
  2. “fällen”, althochdeutsch “fellan”, ist ein schwaches Verb, steht für “zu Fall bringen, umwerfen”, wird fällen, fällte, gefällt konjugiert, die Perfektbildung ist mit »hat«.

* Sonst muß ich mich halt wieder ärgern.

Deutschwort

Aus gegebenem Anlaß (wirklich ernsthafte Frühlingstemperaturen) holte ich heute meinen Übergangsmantel aus dem Schrank. Auch so ein Begriff, wo ich die englische Übersetzung erst einmal nachschlagen mußte – in einer Gegend ohne nennenswerte Jahreszeiten braucht man ihn halt nicht, den “between-seasons coat”.

Was hat der Haifisch?

Genau. Zähne. Sehr gut. Und wo trägt er die? Noch einmal richtig: in Christian Stückls Inszenierung der Dreigroschenoper im Münchener Volkstheater.

Sehr schön haben sie’s gemacht; da behutsam modernisiert, wo es nicht schadet, dem Abonnementspublikum alle Lieder gegönnt (wenn auch die Ballade der Seeräuber-Jenny um eine Strophe verkürzt war, Mann, Stückl, sowas merkt frau doch als Fan) und der Geschichte ansonsten in einem tollen Tingel-Tangel-Varieté-Freak-Show-Drehbühnenbild mit nur einem ganz kleinen bißchen Einsauen ihren Lauf gelassen.

Magdalena Wiedenhofers Polly war herausragend, eine unglaublich gute Schauspielerin mit einer Stimme, vor der man noch einmal extra niederknien möchte. Ganz wurscht, ob in den herausfordernden Gesangseinlagen oder beim Gurren, Quäken, Murren, Schmollen – die hats drauf und mir viel Freude gemacht. Sehr viel. Frederic Linkemanns Peachum ist eine Kreuzung zwischen dem herzzereißenden Schmierentheaterdirektor Emanuel Striese und einem schmierigen Jahrmarkttinkturentandler (von führenden Ärzten angerührt, gut gegen Haarausfall, Zipperlein, Zahnschmerz und Potenzverlust, alles in einer Flasche und für nur eine Reichsmark), darf im eineinhalb Nummern zu kleinen schmuddligroten Samtanzug eine ganz wunderbar häßliche Behaarter-Schmerbauch-Prothese ins Publikum strecken und ist wie von Brecht geschrieben, ein ganz großer Philosoph und ein sehr guter Schauspieler, der außerdem schön singen kann. Pascal Fliggs Macheath kommt daher, wie in einer Mafiafamiglia zum Lieblingssohn herangezogen; er ist auch gut, aber bei dem sprang bei mir der Funke nicht über; ich hätte lieber gesehen, wie Justin Mühlenhardt (Münzmatthias) sich in der Rolle schlägt – als Mackie-Messer-Azubi und -Moritatensänger war er nämlich klasse. Und wo wir gerade bei den Schurken sind, Leon Pfannenmüllers Hakenfingerjakob war ein ganz ganz feiner. Soweit zum Lob. Halt! Einen, nein zwei, hab ich noch. Thomas Kylaus quietschender Pastor Kimball war zum Totlachen und Pascal Riedels (ist der vielleicht hübsch!) Bettler-im-Training und Speichellecker-in-spe Filch ein Genuß. Fast vergessen: die “Alien Combo” in gelb-roten Tressenmänteln mochte ich auch (für den Orchestergraben waren die ersten drei Stuhlreihen entfernt worden)

Nun zum Tadel: Schade, dass Lucy (Kristina Paul) keine Singstimme hat, im Duell-Duett mit Polly war sie ganz und gar verloren und die Rolle gäbe auch mehr her, als sie spielen durfte – wobei die Nummer “Sich langsam, ganz langsam mit dem Rücken zu Gaffern im viel zu kurzen weißen Kleidchen aufrichten”, die hatte sie drauf. Ganz und gar fehlbesetzt war mit Ursula Burkhart die ohnehin etwas undankbare Rolle der Mrs. Peachum; nur Desparate Housewife auf Ersatzdrogen im zu engen und kurzen, aber dafür farblich unkleidsamen Hauskasack trägt nicht über drei Stunden. Auch Xenia Tilings Spelunkenjenny kam nicht zum Fliegen, also entweder sind dem Herrn Stückl für die Damen die Ideen ausgegangen, oder er mag sie nicht.

Wurscht. Die Dreigroschenoper steht schon 2011 auf dem Spielplan und wird in unregelmäßigen Abständen aufgeführt – wer mal wieder Lust drauf oder sie noch nie gesehen hat, gehe hin und freue sich dran.

Kleines Appetithäppchen: http://bit.ly/1MWyE4e.

Und nun zum Wetterchen

Kann mir mal jemand erklären, warum fast jeder, mit dem ich heute sprach, diesen ersten richtigen Frühlingstag mit mehr als 20°C sowie Vogelzwitschern, Ausschlagbäumen und Sonnenschein zum Winzwetterchen unter Absonderung der Vorrede “Mann, ist das vielleicht ein…” herabmindern mußte? Hmmm?

Familienplanenden empfehle ich nach diesen Konversationen ein paar Tage Zurückhaltung. Wenn die heute Nacht wirklich alle ihre avisierten Helden zeugen, dann wird es nämlich an Silvester recht zugehen auf den Entbindungsstationen.

Punkt, Punkt, Komma, Strich

Ich bin eigentlich recht schnell beim Wiedereingewöhnen; was mir wirklich fehlt sind die amerikanischen Ladenöffnungszeiten*, DAS KLIMA!, der Pazifik**, Salzwassermeeresgetier, Früchte, die nicht um die halbe Welt geflogen werden und dabei reifen müssen und Sam, mein bester Nachbar von allen, ach, Sam!

Ja, und eines noch. Ich hatte meine liebe Mühe, mich seinerzeit an die amerikanische Schreibweise von Zahlen zu gewöhnen (Tausend schreibt man auf deutsch 1.000,00 – auf amerikanisch 1,000.00) und jetzt stelle ich fest, dass ich solchermaßen gehirngewaschen bin, dass ich beim Datum jedes Mal erst überlegen muss, was gerade gemeint ist. 03/29/2016 entspricht der deutschen Schreibweise 29.03.2016. Es hilft nicht wirklich bei der Re-Adaption, dass ich gerade mit den amerikanischen Kollegen deren Reporting aufbaue und mein Excel nie versteht, für welches Land ich gerade Zahlen schreibe.

Aber sonst ois isi. Dahoam is dahoam. Und schee is scho.

 

* Dass mir die Ladenöffnungszeiten fehlen, hat mich selbst am meisten überrascht. Aber es war halt doch gar zu convenient, sich, wenn wirklich mal ein Neukauf anstand, des Nachts oder am Sonntag durch die Mall treiben zu lassen und Sachen anzugucken und anzufassen, oder auch mal an was zu drehen oder ein Stöffsche zwischen den Fingern zu reiben. Ist aber nicht wichtig genug, als dass es sich nicht durch Online-Shopping lösen ließe.

** Ich suche immer noch wen, der das ganze Geberge bis nach Italien rüber gegen eine angemessene Menge Meeres tauschen wollen würde. Einzige Bedingung: mein Steg in Pacifica müßte dabei sein. Und der von Santa Cruz mit den Seelöwen und dem schönen Sandstrand.

Nimmer ganz neu im Kino (aber nicht ganz so alt wie E7): Deadpool

Da sich die Ostertage bis gestern nicht wirklich an die Wettervorhersage hielten und statt “frühlingshaft mild und sonnig” mit einer Siffkälte daherkommen, bei der einem zum Meteorologenkreuzigen wird, greife ich auf Plan B zurück und hole Filme nach. Viel Zeit bleibt mir eh nicht, weil sich neulich herausgestellt hat, dass ich die letzte Staffel “Game of Thrones” vor dem Start der neuen Season noch einmal sehen muß, weil ich offensichtlich durch meine Teilnahme an der Reality Show “Shall she stay or shall she go?” aus dem Hause Homeland Security im letzten Frühsommer etwas abgelenkt war und nicht mehr so ganz genau weiß, wer gerade tot ist. Abgesehen von Jon Snow, und bei dem sind wir uns alle nicht so ganz sicher…

Gut, dann also “Deadpool”. Eine Comic-Verfilmung, die mir aus gewöhnlich gut unterrichteter Quelle als recht unterhaltsam empfohlen worden war. Den Comic mochte ich nicht besonders, verglichen dazu ist die Verfilmung besser. Mr. Pool kokettiert mit dem Böser-Bube-Image (aber Herz aus Gold, natürlich), changiert zwischen Superheld und Supervillain, zieht fröhlich mit sehr losem Maul und wilden Späßen unter Absonderung vieler Zitate durch das Marvelverse; ansonsten Materialschlacht und Kunstblut.

Kann man anschauen, muß man aber nicht.

Ich bedauere nur, dass ich nicht in einem amerikanischen Kino war, da sind Zuschauer gerne schockiert, wenn der Held böse Worte sagt – sie wären aus dem Entrüstetsein nicht mehr rausgekommen.

Hausmannskost

Eigentlich wollte ich heute früh bei meinem Fleisch- und Wurstwarenstand auf dem Wochenmarkt (jaja, kaum kauft man dort mehr als einmal, schon wird der bessere der beiden Metzger auf dem Markt mit einem Possesivpronomen belegt) wieder eine Batterie guter Suppeneinlagen erstehen, allein, andere Kunden waren weiser gewesen als ich und hatten zurücklegen lassen und darum war bis auf einen versprengten Speck-ck-K-K-nödel (die Extra-Ks sind dem Beinamen “Südtiroler” geschuldet) schon alles aus. Hmmm. Und nun? Ich lasse meinen Blick kreisen und er fällt auf blasse mit Paprikaschnipseln verzierte Klöpse und weil die Metzgersfrau eine schnelle ist, erkennt sie sofort, dass ich ihre selbstgemachten “Netzkoteletts” probieren will. Recht hat sie. Kenn ich nicht, nehm ich.

Sehr gute Entscheidung. Die Netzkotellets entpuppen sich als Fleischpflanzl de Luxe aus Kalbsbrät, gehüllt in ein Schweinenetz und gehen, wie von der Frau Metzger versprochen, beim langsamen Anbraten noch einmal auf das Doppelte auf. Nur bei der Angabe “zwei pro Person brauchen’S scho” hatte sie wohl eher den gutgenährten Metzgersgatten im Auge. Mir hat eines mit einer Feldsalatbeilage lässig gereicht. Macht nix. Die Frau Metzger sagt, die schmeckten auch koid.

Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst Willen tun*

Um die nachfolgende Geschichte zu verstehen, muß man wissen, dass an Sonn- und Feiertagen hier in der Wohnanstalt ein Waschverbot gilt. Das läßt den Vielundoftwäscherinnen zu Ostern nur den Samstag, um ihren Hang zur Reinlichkeit auszuleben und führt zu einem übervollen und noch strenger als sonst getakteten und überwachten Waschplan.

Ich war ja gerade nur unten, um zu sehen, welche freien Abende in der kommenden Woche noch zur Auswahl stehen und wurde dabei Zeugin folgenden Dialogs (weniger feine Menschen würden von Zänkerei sprechen).

Waschfrau A ist gerade dabei, ihre Wäsche aufzuhängen und dabei eine Unzahl von bereits vorhandenen Fremdwäscheklammern von der Leine zu entfernen und auf einem Häufchen zu sammeln.

Waschfrau B kommt dazu und ist empört! “Wäscheklammern auf der Leine bedeuten, dass diese Wäscheleinen reserviert sind. Sie müssen Ihre Sachen woanders aufhängen.”

Waschfrau A kümmert das nicht. Sie hängt stoisch weiter Wäsche auf und Klammern ab.

Waschfrau B stemmt die Hände in die Hüften und wird lauter: “Das macht man hier so! Das sind meine Leinen! Suchen Sie sich andere. Da, die dahinten zum Beispiel.”

Waschfrau A, irritiert, aber kampfbereit: “Warum? Warum ich? Hängen Sie Ihre Wäsche doch dahinten auf.”

Waschfrau B, Typ kleine Kampfhenne, gibt nicht auf: “SIE MÜSSEN WOANDERS HIN! DIESE LEINEN HABE ICH RESERVIERT!” und fängt an, rundherum anderer Leute trockene Wäsche herunterzureißen, damit die dumme Plunze A sieht, wieviel Platz überall sonst noch ist.

Waschfrau A ist fertig und geht.

Waschfrau B ist fassungslos und ich Depp habe den Moment verpaßt, wo ich mich stumm aus dem Staub hätte machen können und kriege die volle Suada ab: Sowas sei ihr ja noch nie passiert. Das sei doch wie Sodom und Gomorrha, das könne man doch nicht zulassen. Unerhört sei das! Frechheit! Mir wirds langsam zu laut, ich wollte mich doch nur in den Plan eintragen und zu meiner Unterhaltung nebenher ein bißchen Hennenkampf schauen. “Na warte, Baby”, denke ich mir “Jetzt schlägt die Klagemauer zurück”, und bemerke zum einen, dass dahinten wirklich noch genug Platz sei und zum anderen, dass ich von ihrer Methode genauso wenig halte wie von Handtüchern auf Liegestühlen (Merke: in einem Fall wie diesem ist Nachtreten reine Notwehr), was bei Waschfrau B, die sich inzwischen nur noch von Feinden umgeben wähnt, zu hysterischer Schnappatmung führt. Allerhöchste Zeit, zu gehen.

Was wetten wir, dass Waschfrau A ihre Wäsche morgen “dahinten” findet?

 

* Dieses Zitat verdanken wir Herrn Richard Wagner aus Leipzig, da, wo man die Regel mit dem “Infinitiv mit ‘zu'” nicht ganz so eng sieht.

Aus dem Vokabelheft

Aufgabe:
Bitte übersetzen Sie ins Deutsche: Tutkimuskeskus.

Hinweis:
Bitte verwenden Sie nicht Google Translate, sondern Ihre Phantasie.

Ja? Sie wollen lösen?

Sehr hübsch. Aber leider, “Tutkimuskeskus” ist kein Zauberwort aus Pippi Langstrumpf (“Liebe kleine Krummelus. Niemals will ich werden gruß.”) und auch nicht die Entsprechung zu “Alle Musen küssen gleichzeitig” in einer Südseeinselsprache und schon gar nicht das praktische Dingsdingerlings aus dem Ikea-Badezimmerkatalog. Schade.

Wir danken Ihnen dennoch für Ihre Teilnahme und freuen uns mit Ihnen an der kleinen Alltagsflucht. Na, hatten Sie Spaß? Gut so! Gern geschehen. Merke: Wenn man nicht aufpaßt wie der Kollege Haftlmacher, dann nimmt das zauberschnelle Internet allem Fremden das Geheimnis. Gleich, sofort, auf Knopfdruck.

———————————————————————————————–

Übersetzung:
“Tutkimuskeskus” ist finnisch und bedeutet Forschungszentrum.