Blogpost mit Katzenbild

Ich bin eher nicht der Typ, der über anderer Menschen Unzulänglichkeiten lästert (nein, nein, und nochmal neihein), aber die Konversation, die ich jüngst in der U-Bahn mitgehört habe, hat viel zuviel Anekdotenpotential, als dass sie nicht weitererzählt werden müßte. Und wir anderen Mitreisenden habe alle, den Blick fest gen Boden gerichtet, nicht über die Dame gelacht, sondern mit ihr (ja doch, ja, ganz bestimmt, voll ehrlich).

Also es war so: aus einem mit drei Damen und ihren Einkaufstüten voll besetzten Vierer schmettert der Walkürenritt und nach einem Blick auf ihr Mobiltelefon teilt die eine den anderen mit, ihre Tocher werde sich verspäten, sie habe ihr diesbezüglich eben ein Whiskas geschickt.

Ich find das sehr schön. In your face, WhatsApp!

katzen würden

Fernsehen

Ich habe ja immer noch keinen Fernseher, aber das macht nix, solange die Sendeanstalten nur ihre Mediatheken pflegen. Wenn ich dann auch noch von irgendwoher mitbekomme, was auf dem Programm steht, dann gucke ich auch mal was und bin heilfroh, dass ich streame, weil ich um 20:15 Uhr zur Tatortzeit üblicherweise noch nicht soweit bin.

Letzten Sonntag zum Beispiel. Tatort München “Mia san jetz da wo´s weh tut”, hochgejazzt bis zum Gehtnichtmehr – der Leitmayr und der Batic ermitteln im Milieu. Ich setze mich also gegen kurz nach neun entspannt aufs Soffa und dann zeigt man mir dickstes Balkanpathos und resignierten Bayerngrant, Aggro Grünwald in Pastell im pastellfarbenen Loft, einen Ludenwiener Kottanscher Prägung und seine Posse, einen Amoknerd auf Speed, eine kleine zwei-, dreihundert-Personenfeier im Die-Da-Oben-Anwesen (Villen sind ja sooo Derrick), eine edle Hur’ mit Goethestrassenbettelelendsblick (“help me”-Flüstern statt Schänderschlachten) und ich muß mich recht ärgern über all diese Karikaturen und bin nimmer so entspannt. Man möcht gar kein gutes Haar an diesem Schund lassen. Außer einem. Die Musik, die war gut.

Hätte ich nicht einen Toni, der mich daran erinnert, dass manchmal auch gute Sachen kommen, ich hätte es mit dem Fernsehen erst mal wieder gelassen. Ich habe aber einen Toni, und darum bin ich auf die letzte Folge der “Anstalt” hingewiesen worden und habe gesehen. War das ein Spaß! Allen, die diese Folge noch nicht angeschaut haben, sei sie sehr ans Herz gelegt. Gibts hier: http://bit.ly/1oAYvbu.

Musikantenknochen

Laptop, Notizbuch, Stift, Headset, bis zum Anschlag volle Kaffeetasse, der ganze Kladderadatsch – ich hab immer beide Hände voll, wenn ich mich auf den Weg in ein Nachbarbüro mache, um an einer Telefonkonferenz teilzunehmen. Und dann ist die Tür zu. Und dann drücke ich einfach mit dem Ellenbogen die Klinke runter, die Tür geht auf, ich durch und schließe sie mit einem eleganten Hüftkick wieder. This is nämlich not America.

In den USA haben nämlich alle Türen Drehknäufe. Tür zu bedeutet: entweder so lange dagegen treten, bis irgendwer aufmacht oder Laptop, Notizbuch, Stift, Headset, bis zum Anschlag volle Kaffeetasse, den ganzen Kladderadatsch irgendwohin zurücktragen, wo sie gefahrlos abgestellt werden können, Türe selbst öffnen, Laptop, Notizbuch, Stift, Headset, bis zum Anschlag volle Kaffeetasse, den ganzen Kladderadatsch drin vorsichtig abstellen und nochmal los, die Türe schließen.

Es wußten vielleicht viele nicht, aber das belegt glasklar: Deutsche sind viel größere Ellbogentypen als Amerikaner.

Neulich abends in der Vorstadt

Jüngst habe ich mich mit einem Spezl in Hanni’s und* Joschi’s Hadener Bistrot auf ein Feierabendbier getroffen, aber nur, weil der Googlemops diese Lokalität als die beste Treffschnittstelle für den für beide jeweils am wenigsten umwegigen Heimweg identifiziert hatte. Wir sind nebenberuflich Strenggrammatiker und wenigstens einer Fremdsprache mächtig und damit, wie sich bald herausstellte, nicht direkt Mitglieder der Zielgruppe dieses Etablissements.

Der Abend wurde aber trotzdem ganz nett, nicht zuletzt, weil wir sehr viel Freude an der handgemalten Tagesgerichtespeisekartentafel hatten. Höhepunkt war der vom Küchenchef empfohlene Hauptgang Rip Eye steak mit cole slow, gefolgt vom Desert: Muss au Chocola**.

Glückwunsch. Broken Auswärts, spoken perfect!

* Nein, leider nicht Nanni. Und ja, ich fands auch schade.

** Klingt fast schwäbisch und würde in diesem Falle übersetzt mit: “[Ich] muß auch schon Cola [trinken, weil ich so müde bin].”

Bestgehaßte Werbung

Zur Zeit pflastert Unilever die U-Bahn-Werbeflächen mit dieser mißratenen Denglish-Konstruktion:

körpergeruch

Erstens ärgere ich mich, dass sie’s dann nicht vollends auf Englisch durchgezogen haben (so schwer wäre ein Begriff wie “body odor” nun auch nicht zu entschlüsseln) und zweitens mag ich sowas nicht schon in der viel zu frühen Früh sehen. Drum hätte ich dem jungen Mann heute Morgen beinahe die Abnahme seiner Broschüre mit einer Auswahl von Schweißen (Nacht-, Sport-, übermäßig etc.pp.) und “Anworten zu all deinen Schweiss-bezogenen Fragen” verwehrt.

Aber dann habe ich an den flockblog gedacht, und dass man als gute Kolumnistin für Alltagsschwachsinn auch eine Pflicht seinen Lesern gegenüber hat. Voilà. Thank you for lesing.

Ein Hoch dem Hoch

Gestern war das Hoch ja noch eher so ein Mogelleo.

Heute hingegen, heute habe ich meinen Balkon auf an-einem-Nachmittag-ein-Buch-in-der-Sonne-auslesen getestet und das Resultat war äußerst zufriedenstellend. Hoch, Leo!

(Für den Sommer werde ich mir ziemlich sicher etwas Beschattendes einfallen lassen müssen.)

Dinner is served

Mit knurrendem Magen entfahre ich dem U-Bahnschacht, mein Abendmahl noch recht unentschieden kontemplierend. Beim Gemüsetandler weiß ichs dann: “Ich hätte gerne vom Feldsalat, so zwei gute Handvoll. Und diese Karotte.” Die sieht nämlich schon so aus, als wäre ihr heute Abend zum Raspeln (doch, doch, als Viktualienkennerin sieht frau das einer Möhre an). Als Beilage wähle ich beim Bäck hinten einen Laugenzopf mit ordentlich knusprigen Kürbiskernen drauf und dann heischt beim Türken eine von der Rispe entwischte Reifsttomate so dermaßen nach Würfeln, dass sie auch noch ins Körbchen darf.

Noch schnell Waschen, Schleudern, Reiben, Schnipseln – und die Mozzarellakugerl aus dem Kühlschrank mit in die Schüssel; Säuern, Ölen, Salzen, Pfeffern und schon ist mein Frühlingsmahl bereitet. Und jetzt, wo der blogpost geschrieben ist, gibts Abendessen.

Im sehr frühen Tau

“Hat er ihn schon?” “Weiß nicht, was glaubst du?” “Kann’s nicht genau sehen, frag doch mal den Schorsch, ob der was weiß. Ich frag drüben bei der Hannelore.” “Okay. Bin dann mal beim Schorsch.” “Du, Schorsch, hast du mitbekommen, ob er ihn schon hat?” “Ha? Was? Nein, kein Ahnung. Vielleicht weiß die Bibi was?” Und dann fragt der Schorsch die Bibi und der Heiner die Hannelore und die Hannelore geht rüber zu den Mayers, weil die sonst immer über alles Bescheid wissen und die kennen sich aber auch nicht aus und reden dafür mit wem anders und es ist viere früh und ein Elendsbetrieb und -lärm in diesem Innenhof. Zwei Stunden lang pfeifen sie’s von allen Dächern, bis dato liegen jedoch keine Erkenntnisse vor, ob der frühe Vogel den Wurm ergriffen hat.

Daraus muß ich schließen, dass es bei den Vögeln ist wie bei den Menschen: Hauptsache, die Luft ist mit Geräusch gefüllt.

Messerscharf analysiert

Mr. Chester Wisniewski, erfahrener Senior Security Advisor bei der Sophos Group, einer IT Security Company aus dem Kanadischen, teilte dieser Tage in einem Interview mit, dass “Hacker-Mails kaum noch zu erkennen sind. Sie werden darin keinen einzigen Rechtschreibfehler und keinen Grammatikfehler finden”.

Ich darf also aufgrund dieser fachmännischen Analyse davon ausgehen, dass es sich hierbei um ein seriöses Angebot handelt, oder?

Von: Prono-Produzent Hartmut Kraus: Endlich Rezeptfrei + Offiziell Poetnz-Mittel für Ihre Standhaftigkeit