Neulich in einem Zeitungsartikel über einen Herrn namens Baumung über den Begriff Forstsamendarre gestolpert. Und wer diesen Begriff, wie ich, vorher noch nie gehört hat, lerne, wie ich, dass eine Forstsamendarre eine Einrichtung ist, die Baumsamen zu Saatgut verarbeitet und freue sich, wie ich, dass ausgerechnet ein Herr Baumung hier Beruf und Berufung gefunden hat,
Ach, Spiegel,
Lasst es euch gesagt sein: Entrüstung kommt immer besser mit korrekter Rechtschreibung.

Aus dem Vokabelheft
Das langt hinten und vorne nicht oder, wie ich heute im Meeting höre: “Das ist höchstens ein Tropfen auf dem Heidenstein”.
Nicht, dass der Tag danach besser geworden wäre. Aber es war ein schöner Versuch.
Osterspaziergang
Was Goethe kann, dachten sich meine Gastfamilie und ich (ist das jetzt wirklich schon sechseinhalb Jahre her, dass ich bei euch Asyl fand?) können wir schon lange, und brachen gestern zu einem Osterspaziergang auf.
Wir fanden, wie vom Geheimen Rat postuliert, Strom und Bäche vom Eise befreit, den alten Winter in die rauhen Berge zurückgezogen, geputzte Menschen in farbigen Kleidern und die Natur in Auferstehung. Außerdem Bratwurscht und das beste Eis (sagen die) beim Hermannsdorfer und als Krönung sind wir einen veritablen Kreuzweg entlang spaziert, bis zum Frauenbründl. Die Votivtafeln im Inneren, die liebevoll hergestellten Dankesgaben und die vielen bemalten Steine rund um das Kapellchen zeugen von der Frömmigkeit und dem Marienglauben der Pilger. Dass mir dann noch eine Dame auf dem Rückweg mit Woityla-Akzent “Gesecknete Osstern” gewünscht hat? Geschenkt. Im Wortsinne.
Bloß die Inschrift auf dem Kapellenbankerl habe ich nicht ganz verstanden… Hod wer a Idee?


Ferien-Kulinarik II
Die unendlich vielen Büffetschüsseln im Urlaub trugen immer kleine Schildchen, die dreisprachig, in Englisch, Deutsch und Russisch auf ihren Inhalt verwiesen. Der braune Baatz in der fast verführerisch klingenden Schale mit dem “Rosenrind” ließ sich denn auch nur vom Klang des englischen “Rose Beef” als gut durchgebratener Rinderbraten ableiten.

C-Schnipsel – Die Museums-Edition
Ich weiß nicht, ob man sich das Büchlein kaufen muss, aber an dem Thread mit den Auszügen daraus kann man Freude haben: https://twitter.com/wluef/status/1394588397033951234?lang=en
Ja is denn schon wieder Lockdown?
Heute, pünktlich um 10:00 Uhr vormittags, scheint bei einem großen Teil der hiesigen Nachbarschaft das Heimwerkervirus ausgebrochen zu sein. Rundherum klopft es und hämmert und kreischt (das sind die Hiltis im Stahlbeton) und tut und macht. In den kleinen Pausen in dieser Kakophonie meint man zu hören, wie Farbe an die Wand geklatscht wird.
Ich fahr dann jetzt einfach mal aufs Land und wünsche allseits frohes Osterbohren.
Ferien-Kulinarik I
Als Dessert wurde häufig “Om Ali” gereicht, was ich fälschlich mit “Alis Tante” übersetzte, korrekt wäre natürlich “Alis Mutter” gewesen. Aber wer schlägt sowas schon im Urlaub nach?
Om Ali ist ein Brotpudding aus kleingeschnittenem Weißbrot oder Croissants, angereichert mit reichlich Rosinen, Datteln und/oder Feigen, Pistazien und Nüssen aller Art, gewürzt mit Vanille, Muskat, Honig und/oder Zucker und wird in einer Milchrahmsahnesoße mehr gestockt als gebacken. Das Ergebnis ist so wohlschmeckend wie nahrhaft.
Alis Mama und meine drei täglichen Schwimmstunden in der Sonne fehlen mir am meisten.
Gelesen: Ocean Vuong – “On Earth We’re Briefly Gorgeous”
Es gibt nicht viel Schlimmeres, als kurz vor der Abreise noch ein paar Handvoll Seiten in einem Buch nicht gelesen zu haben. Nimmt man es mit, ist es nach viel zu kurzer Zeit Extralast, läßt man es zu Hause, muß man aufs Ende viel zu lang warten. Ja, ich weiß, meine Sorgen möchte ich haben.
Ocean Vuongs Erstling ist dageblieben und vor lauter Ankommen und Kühlschrank füllen und Wäsche waschen und langen Arbeitstagen habe ich ihn erst heute ausgelesen. Es spricht für die Qualität dieses eigen- und einzigartigen Formats, dass ich nicht erst ein paar Kapitel zurückblättern mußte, sondern gleich an der Stelle, an der ich vor etwas über zwei Wochen abgebrochen hatte, wieder anknüpfen konnte und sofort wieder drin war in seinem langen Brief an seine Mutter.
Er schreibt poetisch, teilt Autobiographisches, Gefühle und Gedanken. Generationsübergreifende Kriegstraumata spielen eine ebenso große Rolle wie sexuelle Indentitätsfindung, die Armut des White Trash im sterbenden Rust Belt, die grausame Gewalt und die Opioidkatastrophe, die diese Armut unwillkürlich nachzieht, die Fremdheit von Einwanderern und der verzweifelte Versuch, bloß nicht als fremd aufzufallen im vermeintlichen Meltingpot Amerika. Fakten speist er in gewandter Beiläufigkeit ein, so, dass man erst einige Zeilen später mitbekommt, warum die wesentlichen Wendungen im Leben der Protagonisten geschehen sind.
Ein sehr großartiges Buch, das unbedingt gelesen werden sollte. Die deutsche Übersetzung ist unter dem sehr gelungenen Titel “Auf Erden sind wir kurz grandios” erschienen. Ich glaube, ich werde das gelegentlich auch lesen, einfach, um zu sehen, wie diese poetische Sprache in ein anderes Idiom übertragen wurde.
Lesen! Lesen! Lesen!
