Auf dem Hunsrück I

Nicht, dass ich auch nur entfernt irgendwas von Tennis verstehe. Aber dass sich auf dem Tennisplatz nebenan die Wiedergängerin von Monica Seles in Rückhandschlägen übt, das fällt selbst mir auf.

Und nein, du dumme Autokorrektur. Wenn ich Hunsrück schreibe, meine ich Hunsrück. Nicht Grundstück.

Heraus zum 1. Mai*

Mit einer langjährigen Genossin die traditionellen Grußbotschaften zum Tag der Arbeit ausgetauscht.

Dabei feststellen müssen, dass die Autokorrektur eine geschichtslose Gesellin zu sein scheint. “Hoch” war noch kein Thema, “die” auch nicht. Der nächste Begriff hat sie an ihre Grenzen gebracht; ab dem “I” fiel ihr bis “Intern…” nur “Internet” ein, und zum krönenden Abschluss “Solitaire”.

Nochmal zum Mitschreiben, du Revisionistin. Es heißt: “Hoch die internationale Solidarität!”

* Der “Regisseurin mit Spielverpflichtung” gewidmet. Rotfront, Schätzele!

Neu im Theater (Alte Madlschule, Bad Tölz): Der Zweite Ludwig – Wo der Wittelsbach rauscht

Man solle sich, warnt die Wettervorhersage, auf starken Regen, heftige Winde und einen entsprechend turbulenten Flug zum Brocken einstellen. Höchst ungern, noch dazu, wo die Sitzheizung am Besen immer noch nicht repariert ist (x Mal in der Werkstatt und der Mechniker kann “nix finden”) und ich außerdem null Bock auf Tanzen in kratzigen Wollschlüpfern habe.

Was ein Glück, dass die Pandemie immer für ein Alternativprogramm gut ist. Vor zwei Jahren, am Abend der Generalprobe vor dem Lockdown abgesagt, hat es Die Rothmüller/Liegl-Produktion vom Zweiten Ludwig nun endlich auf die Bühne der Alten Madlschule in Bad Tölz geschafft. Quadruple-Hach! Doch. Mindestens.

Eine ausführliche Kritik mit vielen Zitaten und Inhaltsangabe lasse ich bleiben, denn mit der hat sich die Frau Schneider von der SZ schon so eine Mühe gegeben, s. https://bit.ly/3vYroDp. (Wir wollen ihr nachsehen, dass sie offensichtlich die Simpsons und Thomas Pynchon nicht kennt. Man kann ja nicht alles wissen.) Außerdem nenne ich keine Namen, dafür will ich dem ganzen Ensemble von Herzen für einen wunderbar lustigen Abend danken! Das habt ihr gut gemacht, das dürft ihr wieder tun – die Ohrwürmer vor der Pause und vor dem Ende der Vorstellung sitzen da immer noch bombenfest. Außerdem inspiriert worden, mal wieder “Walk the Line” anzuschauen. Danke dafür.

Darüber hinaus wünsche ich meine verehrte Leserschaft darauf hinzuweisen, dass am 13. Mai wegen der großen Nachfrage eine Zusatzvorstellung stattfinden wird, für die es noch Karten gibt und die in meiner fachkundigen Begleitung besucht werden kann. Na?

Nimmer ganz neu im Fernsehen: “Beforeigners”

Ich habe in meinem Umfeld Menschen, deren Empfehlungen ich schätze und sicher sein kann, was denen gefällt, das mag ich auch. Also herzlichen Dank an Frau R. aus München für diese Serie, deren erste Staffel ich in drei Abenden weggeschaut habe.

Alles drin, was das Herz begehrt: Wikinger, Steampunk, Zeitreisende, Polizisten, korrupte und gute, böse Schurken, edle Underdogs, eine gemeine Wencke, Drogen, eine wunderbare Heldin (Wikingerin und Ermittlerin und in beidem glaubhaft). Doch, daran kann man Spaß haben. Es gibt herrlich komische Szenen und große Schmuddeltragödie und Oslo ist auch nicht mehr, was es mal war.

Anschauen!

“Ihre persönliche Einladung zum Ladies Finance Day am 18.05.2022”

… ist das jetzt sowas wie “Girl’s Day” für Frauen, die bei dieser (meiner) Bank schon seit über 40 Jahren ein Gehaltskonto führen?

Sehr geehrte Frau Flockblog,

wir sind stärker als je zuvor, wir verdienen unser eigenes Geld, wir haben unser eigenes Standbein im Beruf – und wir sind entscheidungsfreudig. Trotzdem sind viele Frauen noch immer zögerlich, wenn es darum geht, sich um die eigenen Finanzen zu kümmern. Andere engagieren sich bereits und möchten gerne mehr über die Perspektiven erfahren – z. B. die Entwicklung der Märkte oder Möglichkeiten, sich beruflich noch stärker durchzusetzen.
Wir informieren Sie breit über viele Themenfelder.


Unser Ladies Finance Day wird Sie mit spannenden Gesprächsrunden und Vorträgen von ausgewählten Expert:innen dafür begeistern, sich von nun an eigenständig um Ihre finanzielle Zukunft zu kümmern.

Ja, haben die denn irgendwelche Körperteile offen? Was glauben die denn, was ich bisher getan habe?

Gelesen: Søren Sveistrup – “Der Kastanienmann”

“Du magst doch Thriller?” haben sie gesagt. “Hhhnnnjahajein…” habe ich geantwortet. “Manchmal.” “Ja, aber,” haben sie gesagt. “Diese dänische Serie? Mit dieser sehr schrägen Kommissarin Lund? Die fandest du doch gut?” “Jahaha”, habe ich gesagt. “Die schon. Habe sogar sehr positiv drüber geschrieben. Hier: https://flockblog.de/?p=45882.” “Na also,” haben sie gesagt. “Deren Autor hat einen Thriller geschrieben. Wurde auch verfilmt. Willst du den nicht mal lesen?” “Na gut,” habe ich gesagt. “Mach ich.”

Hätte ich mal besser bleiben gelassen.

Sveistrup hat einen 600-Seiten-Wälzer hingerotzt, nach genau demselben Strickmuster wie in “Forbrydelsen”. Unglaublich brutale Frauenmorde (immer erst grausamst halb totgeschlagen, dann noch bei vollem Bewußtsein Gliedmaßen abgesägt, dann ganz totgemacht), ein paar politische Machtspiele, ein eigenartiger Ermittler, dieses Mal männlich. Susanne Dahmann hat die Übersetzung aus dem Dänischen besorgt und sie noch schlechter hingekriegt, als die seinerzeit von mir schon als grauenerregend monierte deutsche Synchronisation der Serie.

Man kann das Buch nicht lesen, ohne ständig an den schlechten Übersetzungen hängenzubleiben. Und dass das Thema wieder die in epischer Breite ausgewalzte brutale Gewalt gegen Frauen ist, macht es nicht besser. Ich habe das Machwerk nach knapp 100 Seiten nur noch diagonal gescreent, in der Hoffnng, dass es besser werden möge. Aber nein, gar nicht, bis zum an den Haaren herbeigezogenen Schluss nicht.

NICHT, ich betone, NICHT LESEN!

Verschwörungstheorie (selbstgemacht)

»Komm Helenchen!« sprach der brave
Vormund – »Komm, mein liebes Kind!
Komm aufs Land, wo sanfte Schafe
Und die frommen Lämmer sind.

Da ist Onkel, da ist Tante,
Da ist Tugend und Verstand,
Da sind deine Anverwandte!«
So kam Lenchen auf das Land.”

So besang schon 1872 Wilhelm Busch das milde und ruhige Landleben, fern vom Lärm und der Sünde der Großstadt.

Hier setzt meine Theorie an: von wegen. Also, von wegen ruhig. Was immer die Landbevölkerung umtreibt, armen krachgeplagten Städtern ihre Wohnsituation als die erstrebenswertere anzupreisen: es ist gelogen. Möglicherweise halten sie auf diese Weise die Aufenthalte der Stoderer kurz, aber man weiß es nicht so genau.

Der (dem?) Morgen graut noch nicht einmal, da machen die Hühner von gegenüber einen Rabatz, als hätte jede persönlich gerade mindestens zwei Straußeneier ausgepresst. Das geht so weit, dass die Städterin Stein und Bein schwört, sie habe einen Hahn krähen hören, wiewohl die Locals das vehement abstreiten. “Mir hamma koan Hahn ned.” Dabei wäre das Hennenremmidemmi gar nicht nötig gewesen, weil die gesamte Vogelschar bereits lauthals mit ihren Erfolgen entweder bei der Wurmjagd oder bei der Brutzeugung oder bei beidem durch die Gegend halalit, dass alles zu spät ist. Aber sei’s drum. Frau dreht sich, das Kissen in beide Ohren gestopft, noch einmal herum.

Auftritt die hysterische Hauskatze: “Mein Frühstück will ich. Immediatley. Gleich. Sofort. Maintenant!” Die Gästin verweigert sich, schon allein aus Unkenntnis über den Lagerort der Futterreserven. Die Katze ruft den Kater herbei und die Forderng wird nunmehr gemeinsam und mit stark gesteigerter Lautstärke vorgetragen. Dann fällt der Hund von nebenan kläffend in das Geplärre ein.

Wohlgemerkt: Es ist Sonntagmorgen, noch keine halb acht. Ja, mir gehst weida mit der ländlichen Stille…