Labor Day Weekend

Das Labor Day Weekend (erstes Wochenende im September) steht in Amerika für das Ende des Sommers, danach trägt der Mann von Welt bis zum nächsten Frühjahr weder weiße Schuhe noch Strohhut.

Am Labor Day Weekend vor zwei Jahren bin ich angekommen, um hier zu arbeiten und zu leben. Letztes Jahr sind wir fürs lange Wochenende nach Los Angeles gefahren, um mal was neues und anderes zu sehen. Dieses Jahr stand es ausschließlich unter dem Zeichen der Erholung. 3 Tage Nichtstun. Habe ich wunderbar hingekriegt. Toni hatte das Auto und ich den Garten. Sollte als Erholung für die vor mir stehende Viertagewoche vollkommen ausreichen…

Fast Food

In letzter Zeit waren die Arbeitstage immer ausgesprochen lang, damit schwand auch die Lust, abends noch eine vernünftige Mahlzeit zuzubereiten. Weil das dem Hunger aber wurscht ist, ließen wir fremdkochen. Und zwar von Papa John Schnatter, einen Herrn mit solchermaßen hohen Ansprüchen, dass sie auch den unseren genügen können…

Tiefkühlpizza wäre zwar nur halb so teuer, ist aber leider ungenießbar – wegen dem Gewürz, das Amerikaner für Oregano halten und in Unmengen in ihre Tomatenpampe rühren. Papa John tut das nicht. Der ersetzt, kundenwunschgemäß, die Tomaten- durch Knoblauchsoße, reicht als Belag nur Käse und kriegt es hin, wirklich nur eine Hälfte der Pizza mit Oliven zu bedecken. Guter Herr Schnatter!

make my day

Eben im  CalTrain (das Auto ist in der Werkstatt um neue Stoßdämpfer zu bekommen): der Schaffner, langes Haar im Pferdeschwanz, Walrossbart, beides sehr in Pfeffer und Salz, viel bunter Ohr- und Handschmuck, betritt gut gelaunt das Abteil. Über das reguläre „Tickets – please. And today I accept passes (das sind Monatskarten), too“ hinaus bekommt jeder Fahrgast noch eine nette individuelle Bemerkung. Ich nutze die Chance, ihn zu fragen, ob man nach wie vor den Zug wechseln muss, um zur Haltestelle California Avenue zu gelangen. Ja, das solle ich bitte tun. In Palo Alto. Ach so? Nicht in San Carlos, wie sonst immer?

Hmmmm…. Eher nicht. Ich stünde dort dann mutterseelenallein auf dem Bahnsteig. Er wolle damit nicht gesagt haben, dass San Carlos nicht sicher sei, aber, „you know, they just fired their police department. A nice young lady like you, all alone. No good. If you were my daughter I’d want you to be safe.“ Wenn der Mann (höchstens gleichaltrig) mir schon vor 8:00 Uhr morgens so viel Honig um den Mund schmiert, dann steige ich selbstverständlich erst in Palo Alto um. Oder in Helsinki. Whatever he says…

Nochmal Radio, Verkehrsfunk

Obwohl die Geschwindigkeit hier begrenzt ist (im allgemeinen auf maximal 65 Meilen pro Stunde auf der Autobahn) hört man ständig davon, dass sich Autos überschlagen, über mehrere Spuren über den Highway schliddern und dabei ein paar andere mitreißen. Wenn die Unfallstelle geräumt ist wird gemeldet, dass die Fahrzeuge nunmehr “are sitting on the shoulder” – was mich angesichts der Bilder, die mir dabei durch den Kopf schießen, jedes Mal zum Schmunzeln bringt.

Toni und ich haben übrigens die Theorie entwickelt, dass die Funktion “Sich-aus-dem-Stand-überschlagen” in amerikanischen Autos serienmäßig eingebaut ist.

Autoradio

Die Moderatoren meines Autoradiosenders KFog loben fast täglich Konzerteintrittskarten für die Gewinner lustiger Ratespiele aus. Heute wollten sie wissen, wer nicht in diese Reihe passt: Willie Nelson – Dave Matthews Band – Rolling Stones – John Lennon – Jerry Garcia. Ich hatte keine blasse Ahnung, die meisten Anrufer auch nicht. Mehrheitlich wurde ein Drogenzusammenhang vermutet, also noch nie wegen Marihuana-Besitzes erwischt worden oder gar deswegen eingesessen oder als einziger noch nicht wegen einer Überdosis in der Notaufnahme vorstellig gewesen oder… Alles ganz falsch. Obwohl: Das mit den Drogen ginge schon in die richtige Richtung.

Kleiner Hinweis (falls wer mitraten will).

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Gewonnen hat Patty aus Sunnyvale: vier aus der Reihe waren schon Namenspaten einer Eiscremesorte von Ben&Jerry. Nur die Rolling Stones haben die Aufnahme in diesen Olymp (noch) nicht geschafft. Dabei hätten sie mit “Sticky Fingers” doch so eine gute Vorlage geliefert…

Eingemeindet?

Zu meiner großen Verblüffung habe ich heute gesehen, dass da, wo bei mir im iPhone bisher immer das Münchener Wetter angezeigt wurde, auf einmal steht, der Ort heiße “Unterfohring”.

Gebietsreform?

Welcome to San Francisco

Mauro, ein früherer Kollege und seine Freundin Martina machen seit Anfang August eine große Kalifornienrundreise. Freitagnacht sind sie für ihre Greater-San-Francisco-Etappe in San Bruno eingetroffen. Gestern haben wir gemeinsam die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besichtigt: die Outlet Mall in Gilroy sowie einen – eher lächerlichen – Sonnenuntergang am Pazifik. Außerdem noch gut gespeist in “Barbara’s Fishtrap” in Half Moon Bay – wobei ich immer noch gerne verstehen würde, warum Amerikaner glauben, dass alles was aus dem Wasser kommt besser schmeckt, wenn man es in einen Teigmantel hüllt und frittiert. Sonst können sie doch auch alles grillen…

Die Beiden sind heute auf die andere Bayseite gefahren, sich den Campus in Berkeley und das Stadion der “Golden State Warriors” anzusehen. (Ich wußte gar nicht, dass es das gibt. Aber ich bin ja erst seit zwei Jahren da.)

Meisterfreitag

Gestern habe ich es nach zwei Wochen endlich mal wieder zum Meister geschafft, knapp und außer Atem, aber geschafft. Ich solle warten, Anthony sei noch nicht bereit. Seine Meisterschaft saßen derweil im Klassenzimmer und spielten auf der Flöte, ein Bild wie aus der Anfangssequenz eines Kung-Fu-Films. Nach 10 Minuten bin ich auf Zehenspitzen doch in den Raum gehuscht, wurde in einen Klangteppich aus tiefen Tönen eingewoben und war binnen kurzer Zeit “calm and grounded”. Flöte weg, prüfender Blick aus Meisteraugen, Diagnose “your aura looks crumpled”. Nicht nur meine Aura, werter Meister, ich auch. Mir tut alles weh, ich bin verspannt und übermüdet. “Get up. Turn round. Sit down. Shut up.” Haltet ein, oh Meister. So spricht man nicht mit mir! Andererseits… ich bin fix und fertig, viel zu alle für Widerspruch. Also Maulhalten, rittlings auf den Stuhl setzen – und eine wunderbare Nackenentspannungsmassage bekommen. Hätte von mir aus noch stundenlang so weitergehen können, bedauerlicherweise traf irgendwann meine verspätete Mitschülerin ein.

The Master, vom Massage- zum Lehrmodus wechselnd: dann fange man jetzt mit der Eröffnungssequenz für Qi Gong an. Er macht vor, wir nach. Erin, verwirrt – das habe sie doch schon die beiden letzten Male (als ich nicht da war), geübt. Meister, verlegen lächelnd, ja, schon, bloß falsch rum – er habe ihr die Sequenzen versehentlich in der falschen Reihenfolge erklärt und deswegen solle sie besser ihre Erinnerung auslöschen (“blank your memory”) und noch einmal neu anfangen. Qi Gong verkehrt – er ist wirklich der Jerry Lewis der Schamanen…

Nach den Sommerferien fängt eine neue Unterrichtssequenz an, es liegen schon 4 Anmeldungen vor. Er hat uns nunmehr zu seinen “Meisterschülern” ernannt, wir dürfen hinfort assistieren. Bin sehr gespannt, wie sich das entwickeln wird.

When shall we three meet again?

Double, double toil and trouble; Fire burn, and caldron bubble

Macbeth ist einer meiner Favoriten in Shakespeares Werk (und außerdem eine der kürzesten Tragödien, was in einer sehr kühl-klammen kalifornischen  Nacht (die Hitzewelle war nach 2 Tagen leider schon wieder vorbei) im Freilichttheater nicht zu verachten ist). In Schauspielerkreisen kursiert das Gerücht, auf dem Stück liege ein Fluch, und deshalb darf der Name nicht ausgesprochen werden. Ersatzweise wird die Bezeichnung “Das schottische Stück” verwendet.

Wenn man am Morgen schon eine Begegnung mit einem verfluchten Fahrprüfer hatte, kann man abends risikofrei ein verwünschtes Drama ansehen, schlimmer kann’s nicht mehr werden. Wurde es auch nicht, im Gegenteil. Der wunderbare Jud Williford spielte einen großartigen Macbeth, einen getriebenen gebrochenen Charakter, im 21.-Jahrhundert-Scharfschützendress (schwarz, mit kugelsicherer Weste). Warum ihn Regie und Kostüm daheim in Schloss Dunsinane unbedingt in einen Nicky-Schlabber-Hausanzug im Al-Bundy-Stil stecken mußten, hat sich mir nicht erschlossen. Extrem gut auch der Darsteller des Banquo, Nicholas Pelczar. Mit der Lady war ich, wie immer, nicht ganz zufrieden – die habe ich aber auch noch nie so gesehen, wie ich sie mir vorstelle; das werde ich wohl mal selbst inszenieren müssen.

Wie Regie und Ausstattung es geschafft haben, im Himmel über den Kulissen einen Gerade-Nicht-Mehr-Vollmond, nebelschwadenumwabert, passend zur schottischen Hochebene scheinen zu lassen – Hut ab! Wirkte sehr großartig. Was sonst noch? Wie üblich wurde viel gemördert und im Blut gesuhlt, als Extra gab es noch eine Folterszene (Zange vs. Fingernägel) und die Hexen trugen eine Art weißer Burka mit schwarzen Fechtmasken. Ganz gut, aber die Komödien liegen ihnen besser.

Auf dem Rückweg zum Parkplatz mitgehört, eine Freundin zur anderen: “You know, I did, like, miss the Kilts.” “Yeah, I know exactly what you mean – I’d have expected they showed, like, Braveheart.” Wirklich blöd, dass Mel Gibson wohl gerade nicht verfügbar war…

Sehr amerikanisch, dass CalShakes meint, einen Disclaimer auf Plakate und Eintrittskarten drucken zu müssen: PLEASE NOTE: Macbeth is a play about the dark side of humanity, and this production does not shy away from the brutal, violent nature of the work. We recommend you use your discretion in bringing young children to this production. Wahrscheinlich sollte man sie besser daheim vor den Fernseher setzen, sonst würden sie sowas sehen: http://tinyurl.com/27jevb2. Die Dame raucht. Auf offener Bühne. Skandal! Dass sie mordet, wäre ihr ja noch nachzusehen. Aber rauchen? (Ich halte es für einen vollkommen sinnfreien Regieeinfall. Der Regisseur wollte, glaube ich, zeigen, dass sie unter Stress stand – oder, dass wer anfangs raucht, später zurecht dem Wahnsinn verfällt. Man weiß es nicht.)

PS: in der Pause hatte ich eine Begegnung der dritten Art (ich hab nix gemacht, nur in der dafür vorgesehenen Ecke rumgestanden und geraucht). Dazu mehr in einem der nächsten Posts.