oranje

Ich habe doch gestern von der Kürbismafia erzählt, die einem zu jedem Feiertag im Winterhalbjahr pumpkinhaltige Nahrungsmittel aufzwängt. Heute hat der Frozen Yogurt Shop den Vogel, wahrscheinlich einen Truthahn, hihihi, abgeschossen (den Klang des “Hihihi” bitte leicht edgar-wallace-film-hysterisch vorstellen). Leuchtendoranger Frozen-Pumpkin-Yogurt in unglaublich originellen knatschorangen kürbisförmigen Plastikservierpötten (Einheiten fangen bei halben Gallonen (=knapp 2 Liter) an) mit grünen Zipfeldeckeln. Sie behaupten, ihr Eimer voll Eisbrei sei nicht nur ein leichter Dessertgenuss für die ganze Familie sondern auch eine wunderschöne Dekoration für die Thanksgivingtafel.

Selbst schuld. Mussten die Native Americans seinerzeit wirklich diese Einwanderer über den harten Winter durchfüttern?

Glück gehabt

Ich kam heute morgen mit verbeulter Brille und Gesicht hilfesuchend bei Optikers an – und die reizenden Menschen dort haben aus Fassung und Glas einen Garantiefall gemacht. Alles neu für geschenkt.

Muss jetzt nur noch herausfinden, wo angeschrammte Nasen und Wangen gegen neue ausgetauscht werden…

In China essen sie Hunde,

hier in Amerika werden sie von Schulkindern gewaschen. Die Zöglinge der  San Carlos Central Middle School bei Toni ums Eck sind jung und brauchen das Geld. Und um sich im Wettbewerb zwischen all den anderen Pfadfinder-, Kirchen-, Sportvereins- und Schülergruppen eine bessere Position zu schaffen, gibt es bei ihnen nächstes Wochenende nicht “Car” sondern “Dog Wash”.

Würde mich interessieren, wie die Versicherungspolice in diesem safety-fanatischen Land formuliert ist… (Kinder gegen Hunde, Hunde gegen Kinder,  die Schule gegen alle/s…) ist bestimmt mehrbändig.

The Heat is on

Wir werden im Moment vom Wetter verwöhnt und haben einen herrlichen sonnigen November, jedoch ist es seit der Umstellung auf Winterzeit allerspätestens um 5:00pm stockdunkel und die Nächte sind kalt. Also heizen.

Habe ich eigentlich schon einmal vom Heizsystem im Häuschen erzählt? In jedem Raum sind an einer der Wände direkt unter der Decke solche Lüftungsschlitze heaterangebracht. (Das System wurde in den 20er Jahren patentiert und seitdem nicht mehr verändert.)  “Heizung anmachen” geht so, dass ich mit einem Kleiderbügel den Schlitzschachthebel nach oben schiebe und das Thermostat auf über 68° F einstelle, dann ertönt unter dem Dach, wenn die Flamme zündet, ein dumpfes OUMMPPFF (ich möchte gar nicht drüber nachdenken, dass über meinem Kopf Gaszufuhr und Brenner sind und unter dem Haus der San Andreas Graben verläuft. Nein, möchte ich nicht) und kurz danach bläst heiße Luft und gelber Staub (?) aus den Dingern. So lange, bis die eingestellte Temperatur erreicht ist. Große Menschen halten diesen Zeitpunkt, namentlich im Stehen, für viel eher gekommen als kleine. Dann kühlt das Haus wieder ab, bis es dem Thermostat zu kalt wird, und das Geblase geht wieder von vorne los.

Schlafen mit eingeschalter Heizung ist unmöglich. Viel zu laut. Also warm zudecken. Toni hat sich bei Ikea eine Decke gekauft, die heißt DESASTRÖS oder so ähnlich und er empfiehlt sie als “sehr kuschelisch”. Wir fahren ja jeden Abend auf dem Heimweg in East Palo Alto vorbei. Wir sollten einfach mal anhalten. Und warme “Comforters” kaufen.

Erntedankfest

Nächste Woche Donnerstag ist Thanksgiving. Dass der gemeine Amerikaner diesen Feiertag mit der Familie und einem großen Truthahnfestfressen begeht, ist aus Film und Fernsehen bekannt und dass es bei diesen Familientreffen gegebenenfalls auch Disharmonien geben kann, auch (siehe hierzu meinen vorigen Post zu häuslicher Gewalt).

Als gemeine Mitteleuropäerin kann ich nicht umhin, ein paar Absonderlichkeiten anzumerken. Ich bin felsenfest überzeugt, dass die kürbisproduzierende Industrie wieder ihre Finger im Spiel hat: man wird mit Pumpkin-Rezepten überhäuft (stecken sogar an der Haustür, wenn man abends heimkommt). Pumpkin-Pie, -Soup, -Cookies, -Pickles, -Bagels usw.usf. – und das soll alles noch zum Truthahn und den anderen traditionellen Gerichten gereicht werden. Über die Reste und Wochenvorräte an Turkey Sandwiches macht jeder Witze, allein Google zeigt  2.140.000 Ergebnisse für thanksgiving leftovers – da muss die Nation wohl durch. turkey costumeVon jedem Supermarktprospekt grinsen einen händchenhaltende Kinderpaare in Pilgerväter bzw. mütterkostümen an und man muss sich sehr anstrengen, nicht doch irgendwie einen Puter umsonst zu bekommen. (Gibts für alles, für Einkäufe über $150, oder wenn man fünf von 500 teilnehmenden Produkten nimmt, oder…) Ungeschlagener Markführer ist die Firma Butterball (mir verdirbt schon der Name den Appetit), die unter http://www.butterball.com/tips-how-tos/tips/thanksgiving-guide noch dem Zurückgebliebensten in einfach nachvollziehbaren Schritten erklärt, wann mit dem Auftauen des Vogels angefangen werden muss.

Die meisten haben am Tag nach Thanksgiving (The Day Afer T-Day) ebenfalls noch frei. Wenn man sich wie ein guter Amerikaner benehmen will, geht man Shoppen (“Black Friday” = Sales-Day des Jahres und wer sich der Familienidylle durch fühes Aufstehen entzieht, bekommt irrwitzige early bird discounts) und seinen Christbaum besorgen. Danach ißt man Reste.

Den Rest des Wochenendes verbringt man mit dem Anbringen der Weihnachtsdekoration. Und Resteessen.

grün und blau

Zur Zeit findet allerorten die auf großen Bannern über den Hauptstraßen angekündigte “Domestic Violence Recognition Week” statt. Nun frage ich mich: wie geht das? Wird am Ende der Woche das farbenschillerndste von einem Mitglied des Haushalts zugefügte Hämatom prämiert? In nach Geschlecht und Alter aufgeteilten Gruppen? Gibt es verschiedene Disziplinen, zum Beispiel Hauen, Stoßen, Stechen? Sitzt Dieter Bohlen in der Jury? Und welche Preise sind ausgelobt? Zum Beispiel ein alttestamentarischer, bei dem man  seinem Widersacher (der von kräftigen Menschen festgehalten wird) dasselbe zufügt? Ich werde mich einschmuggeln und dann berichten: ich bin nämlich eben im Dunkeln auf einem unebenen Bordstein hingefallen und habe den Sturz mit der linken Gesichtshälfte abgefangen. Ich sollte mich mit meiner blutigen Nase und der morgen wahrscheinlich blauen Wange gut behaupten können.

Richtig ärgerlich ist, dass meine jüngst erstandene Brille beim Aufprall Funken geschlagen hat und jetzt gar nicht mehr so neu aussieht. Gar nicht mehr. Wird eine Herausforderung für die Herrschaften Optiker.

Job Offer

Das gibt’s, glaube ich, auch nur in Kalifornien: die University of California in Santa Cruz sucht einen Bibliothekar/Archivar. Aber nicht irgendeinen, sondern einen echten Deadhead als “Grateful Dead Archivist

Falls wer Interesse hat, die “position is open until filled”, Details hier: http://chronicle.com/jobs/0000615682-01 – John Stewart hat einen netten Beitrag dazu gemacht: http://blogs.wsj.com/speakeasy/2009/11/13/stoners-need-apply-uc-santa-cruz-hiring-a-full-time-grateful-dead-archivist/

Neu im Buchhandel

scan1271 Mir gefällt ja, dass das Buch schon vor dem eigentlichen Erscheinungstermin verramscht wird und welchen Titel Amazon als Bündelkauf anbietet… Der Hype um Mrs. Palins Werk hier wird auf jeden Fall täglich mehr.

“The good people of the world are washing their cars…”

und wer würde Sheryl Crow da nicht recht geben wollen.

Weil wir a) selbstverstänlich gute Menschen sind und b) das Wetter am Wochenende wieder viel zu schön für inhäusiges war, haben wir am Samstagnachmittag Auto gewaschen. Ganz typisch, vorne in der Einfahrt, wie alle anderen in meiner Straße. Jeder hat nach Gusto beschallt, das ergab eine abenteuerliche Geräuschkulisse.

Neben dem Effekt, dass das Auto jetzt blitzt und funkelt wie nie, habe ich mich endlich bei Sam von gegenüber fürs Bäume schneiden bedanken können (den Apfelbaum nimmt er sich nächste Woche vor, damit die Vögel noch ein paar Tage Zeit zum Ernten haben), stellte sich Lyn dazu, um von den Zeiten zu plaudern, als sie selbst noch fuhr (und einen Kurs besuchte – war eigentlich nur für Männer, “but they did accept everbody who paid” – um Öl- und Reifenwechseln zu lernen) und stellten Carmen, Francisco und die Buben im Vorbeigehen fest: “long time no see”. Das ist schon eine tolle Nachbarschaft!

Der November gibt sich im übrigen große Mühe: das Wetter ist herrlich, so lange die Sonne scheint ist man mit einem T-Shirt hinreichend bekleidet. Es wäre allerdings wesentlich more convenient, wenn es nicht so entsetzlich früh dunkel würde, und wenn es schon dunkel sein muss, dann doch bitte nicht gleich solche Temperaturstürze (nicht isoliertes Holzhaus, also bibber).

Covenience*

Convenience ist hierzulande das A&O, ob es sich um essfertig vorproduzierte Mahlzeiten, Kreditkartenkonditionen oder die Rückgaberichtlinien von Kaufhäusern handelt. (Es wäre hingegen vermessen, den Öffentlichen Nahverkehr sowie Behörden mit diesem Begriff in Verbindung zu bringen.) Wahrscheinlich ist der Anspruch auf höchstmögliche Kundenbequemlichkeit in einem mir nicht vertrauten Zusatzartikel zur Verfassung verankert.

Sehr convenient sind die Öffnungszeiten meines Friseurs, unter der Woche bis abends um 09:00, an Wochenenden von 10:00 Uhr früh bis 06:00 Uhr abends. Besonders convenient ist, dass meine Friseurin  ihre aktuelle Kundin mit halbfertig bemalten Nägeln und dem Hinweis, dass Cindy nachher das Finish machen werde, sitzen ließ und mich eiligst mit vielen “my dears” und “sweethearts” ins Hinterzimmer komplimentierte, um mir erst mal ein Paket Kaffee zu schenken. Warum? Weil ich ihr doch zugeraten hätte, die Reise in die alte Heimat nach Vietnam zu machen und das war “the trip of my life”.  Wie das? Sie sei in den Siebziger Jahren einer der Vietnam-Boat-People-Flüchtlinge gewesen und hätte sich nun, nach so vielen Jahren, wieder mit ihrem Herkunftsland versöhnt. Und ohne meine Ermutigung wäre sie doch nie im Leben gereist. Ich fand’s viel zu viel der Ehre, aber sie hat sich nicht abbringen lassen. Dann bekam ich einen vietnamesischen Kaffee gekocht und zum guten Schluss die Haare geschnitten.

A bissele inconvenient möcht’s für die andere Kundin gewesen sein, als ich ging, wartete sie immer noch mit Papierfetzelchen zwischen den Zehen auf “Finish”.

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* gemäß Webster’s dictionary:
“Entry Word: convenience
Function: noun
Meaning: something that adds to oneʼs ease <a house with all the modern conveniences that buyers have come to expect> — see comfort 2″