… und jetzt kommt ihr. Hah!
Flashlight Tours
In my humble opinion hatte ich das Thema “Gehen im Dunkeln mit einer Taschenlampe” nach Halloween und dem Winchester House für erledigt betrachtet. Bass erstaunt war ich dann unlängst, als ich sah, dass eine Taschenlampe bei den Palo Altans des Abends zur Standardausstattung gehört, damit man eben auf den holprigen straßenbeleuchtungsfreien Gehwegen der Gegend nicht auf die Schnauze fällt.
Wie sagte doch noch Mary, die Property Managerin unseres Bürogebäudes in San Francisco? “Lucky us – we live in a developed country”. Sie glaubt das.
US Unfug, die x-te
Geduld ist eine meiner Tugenden. Es macht mir in den seltensten Fällen etwas aus, auf Dinge zu warten. Schon gar nicht morgens, wenn ich bei Izzy in der Kaffeeschlange anstehe. Erstens weil ich weiß, dass der Senior des Unternehmens (Avi, der mir nach wie vor wahlweise Hebräisch- oder Jiddisch-Unterricht erteilt), den Kaffee mit höchster Sorgfalt zubereitet (und sich dafür viel Zeit nimmt, damit er noch ein bißchen mit seiner “Lovely Lady” (das bin ich) plaudern kann) und zweitens wegen des Schwarzen Brettes. Die Aushänge bieten eine umfassende Übersicht über das organic-esoterisch-intellektuell-hippiesk-liberal-universitär-jüdisch-kalifornische Weltbild – da müssen sich die Bayern mit ihrem “leben und leben lassen” ganz schön anstrengen, um mithalten zu können.
Heute habe ich eine Einladung von Annette Gates (keine Ahnung, ob mit Bill/Miranda verwandt oder verschwägert) gefunden. Annette betreibt die “Intentional Relationships GmbH” und richtet “Intentional Love Making Circles ™” aus. Alles ganz sicher: “Safe fully-clothed space to discover depths of sex & intimacy”. Wie’s geht? “LM Circles are intended to facilitate and support individuals in developing a practical at-home (self) lovemaking practice using the power of intention, breath, and orgasmic energy for manifestation. We do this through offering facilitated discussion and unique experiential exercises to feel erotic energy and visualize desires. Much like a yoga practice, these exercises become tools for a lifetime.
ILM Circles are also perfect for couples and individuals curious about learning body-based breathing in lovemaking, self-lovemaking, and deepening intimacy.” Und wohin soll’s führen? “Magic happens… through sharing we unite and discover we are not alone…” (Könnte den einen oder die andere beim self-lovemaking dann doch irritieren…)
Wahrscheinlich verstehe ich es nur falsch und Entenkreistanz im Sitzen auf der Wiese oder Sockenfüße vor Salzkerze sind das ultimativ-spirituell-sexuelle Erlebnis. Ich müßte mich aber sehr täuschen, wenn Magnus Hirschfeld selig jetzt nicht im Grab rotiert.
Einmal werden wir noch wach…
und dann ist endlich Thanksgiving, der Tag für die “Gratitude Attitude”. Schon heute früh auf der Autobahn war zu merken, dass die meisten sich wirklich ein langes Wochenende genommen haben, es war kaum Verkehr. Dafür haben sich die Stimmen der Radiowerbetreibenden überschlagen, welche Wahnsinnsbargains am Freitag auf die Early Birds warten (die Matratzenverkäufer waren wieder die eifrigsten Kämpfer in der Rabattschlacht). In den Nachrichten ging es vor allem darum, dass Manager im Einzelhandel doch für noch mehr Security sorgen sollen, damit nicht wieder – wie an allen Black Fridays in den Vorjahren – Menschen bei der Schnäppchenjagd totgetrampelt werden. In der zweiten Hälfte berichteten sie von einer Studie des Triple A (das hiesige Äquivalent zum ADAC) nach der 96% aller Amerikaner sich dieses Wochenende mindestens 50 Meilen von zu Hause wegbewegen und deshalb mit immensen Staus zu rechnen sei. (Inzwischen bin ich fast froh, dass ich arbeiten darf, dann bin ich wenigstens aus der Gefahrenzone.) Unser Bürogebäude war heute Nachmittag ab 3 fast vollkommen ausgestorben (nur ein kleines Häuflein wackerer Deutscher…) und die meisten Cafés und Restaurants in der California Street machen in den nächsten Tagen, wenn sie überhaupt offen haben, um 1 Uhr mittags zu, dann sind die, die verrückterweise arbeiten, abgefüttert und mit Laufkundschaft ist offensichtlich nicht zu rechnen.
Es ergab sich heute, dass ich im Abstand von einer halben Stunde von zwei Menschen deren Thanksgivingpläne erzählt bekam; ich fand das sehr interessant. Der erste war ein Geschäftsmann, der mit mir in Palo Alto den Zug bestieg und wir kamen ins Gespräch, weil wir uns beide über die Durchsagen hinsichtlich des “modified schedule” für den Freitag, der im Internet verfügbar sei, amüsiert haben – ihn einfach an den paar Bahnhöfen auszuhängen war anscheinend nicht möglich. Alex fliegt heute Nacht noch nach Chicago und von da aus mit dem Auto weiter nach Sonstwo, Illinois, weil er tut, was ein Mann tun muss. Und das wäre? Drei Tage im Haus seiner Eltern zu verbringen, sich wie ein Kind behandeln zu lassen und trotzdem nett und freundlich zu bleiben. Meistens fährt er am letzten Tag schon Stunden zu früh zum Flughafen und vertreibt sich die Wartezeit auf den Flieger mit Power-Surfen, weil’s daheim kein Internet gibt. Meinen Vorschlag, einfach zu behaupten, dass sein Wunschflieger ausgebucht war und er deshalb leider leider einen viel früheren (mit W-Lan an Bord) nehmen muss, fand er höllisch ausgefuchst. Will er machen. Wir haben uns so verquasselt, dass er beinahe verpaßt hätte, in Milbrae umzusteigen. Auch eine Variante…
Dann: Carmen, die Nachbarin. Sie bekocht morgen “Close Family”, das sind zwei Schwestern und der Bruder mit ihren Familien sowie Eltern und Schwiegereltern, man werde allein 9 Kinder zu Gast haben. Ihr Arbeitgeber sei aber ein guter und gebe immer einen zusätzlichen bezahlten Tag frei, den habe sie heute zum Vorbereiten und Putzen genutzt. Sie freut sich richtig, alle mal wieder um sich zu haben. Sie wird einen Schinken in den Ofen schieben (“who likes turkey anyway?” – das ist eine Frau nach meinem Herzen), jeder bringt was zu essen mit (“potluck”) und gespeist wird in der Garage von “disposables” (Einweggeschirr), dann ist es auch nicht schlimm, wenn was runterfällt. Ich habe meine Klappstühle angeboten und Platz in meiner Mülltonne, denn die armen Jungs von der Müllabfuhr müssen sowohl an Thanksgiving wie am Black Friday arbeiten (nur die Verwaltung ist “on Holiday Schedule”). Es wird ganz sicher laut und fröhlich und mit viel Mariachi-Musik…
Danach geht es dann nur noch um die Resteverwertung. Mein Supermarkt hat eigens online eine “Leftovers Lounge” eröffnet: http://www.safeway.com/IFL/Grocery/Thanksgiving-Leftoverslounge?om_u=CUIonD&om_i=_BLDQ5IB73oEaZW&#iframetop
HAPPY THANKSGIVING!
Feiertage weltweit
Ich will gerade unseren Corporate Calendar auf den neuesten Stand bringen, in einem Mini-Multinational mit Standorten auf 3 Kontinenten ist es ganz hilfreich zu wissen, wer wann was feiert, und stoße dabei auf die folgende Website. Habt mit mir Freude an dem, was die unter “Feiertag” verstehen und was ihr Babelfisch daraus macht:
“Willkommen zu www.feiertage-weltweit.com !
Diese Website informiert Sie darüber, wann alle Banken wegen religiöser oder öffentlicher Veranstaltungen geschlossen sind. Bedeutende Ereignisse (Wahlen, Generalstreik, Aufruhr und Unruhen…), sowie hauptsächlichhandelmessen und Sportfälle sind ebenfalls aufgelistet.”
Vor allem an den Sportfällen hätte ich Interesse…
Blödfug
Felix hat schon wieder was nettes gefunden: http://www.peopleofwalmart.com/
BIG GAME
Ihr erinnert euch? DAS lokale Football-Game der Universitätsmannschaften Stanford vs. Berkeley – da haben wir im letzten Jahr Berkeley in Berkeley fulminant siegen sehen. Dieses Jahr war Stanford an der Reihe, letztes Wochenende das Spiel auszurichten. Ich bin ja auch nur deshalb nicht hingegangen, weil die Giersäcke keine Einzelkarten verkauften, sondern nur Vier-Spiele-Bündel.
Habe ich sie eben nicht wieder verlieren sehen. Ätsch!
“Brain Development Study”
Per Aushang im Coffee Shop sucht das Stanford Medical Research Center für diese Studie ausschließlich weibliche Probanden im Alter von 14 bis 18 Jahren, die sich an zwei Nachmittagen ausgedehnten Befragungen und Tests stellen sowie noch einmal zwei Stunden für ein Abschlußgespräch einplanen sollen. Als Aufwandsentschädigung erhält jede Teilnehmerin einen $150-Einkaufsgutschein für das Stanford Shopping Center. (Sehr zielgruppenorentiert). Heute früh beim Anstehen um den Morgenkaffee mitgehört: der eine Teenie zum anderen: “Ah, I dunno… I’m like only 15… I gotta like call these guys and find out whether I like can join in…”.
Wer, wenn nicht Du, Sweetheart?
Hab nix gesagt. Nicht mal vernehmbar gegrinst, mehr so innerlich. Soll ich mich nun in solchen Momenten über meine Selbstbeherrschung freuen oder nicht?
Die im Frozen Yogurt Shop spinnen jetzt vollkommen:
es gibt alles wie letzte Woche, orangen Eisbrei in orangen kürbenförmigen Kübeln – bloß alles noch “pumpkinisher”….
Wenn man,
weil es in der Firma spät geworden ist, sich auf dem Heimweg noch schnell bei Papa John’s eine Pizza besorgt und sich die Wartezeit mit der Lektüre der Notizen im Schaufenster vertreibt, dann findet sich dort auch ein Fahndungsplakat mit der Überschrift “Endangered Runaway” – wie immer man sich die Flüchtige dann vorzustellen hat.
Zum Dinner liest man sich gegenseitig die Pizzaschachtel vor; Papa John leidet an einer Spielart der Logorrhoe und läßt alles, was er für mitteilenswert hält, auf seine Pizzakartons drucken, zum Beispiel, dass auf seine Pizza nur Wasser und Seife, ach Quatsch “real meat” und “real cheese” kommen. Ich hätte Probleme, mir unwirkliches Fleisch vorzustellen. Käse aber auch.
Das geht aber weiter, alles, was daheim die Vorsilbe “Bio” trägt, heißt hier “Organic”. Ich frage mich schon immer, was anorganische Lebensmittel sein sollen…