Gustav, gib Gas

Kurz vor 9:00 abends, das Telefon klingelt. “Hello, this is PG&E.” (“Pacific Gas & Electric” – genau die, deren Gasleitung am Donnerstag in die Luft geflogen ist.) Ja? Und was wollen Sie von mir? Eine Bandaufnahme wird abgespielt; ein Herr mit ausgebildeter Elmar-Gunsch-Sprechstimme (beruhigend, tief, sonor) läßt mich wissen, dass San Brunos Gasleitungen “purged” werden, und ich entweder zu den Haushalten in San Bruno gehöre, die nun für ein paar Stunden kein Gas haben werden oder zu denen, bei denen es nur nach Gas riecht, die sich aber deswegen keine Sorgen zu machen brauchen. *Schluck*

Habe sicherheitshalber schnell ein Stoßgebet an den Heiligen St. Florian gerichtet.

Hab ich’s nicht gesagt?

Kaum wird es Herbst (also was man hier so nennt; es ist tagsüber  25° C warm und schön sonnig), fangen die Supermärkte an, ihre Auslagen mit Halloween-Krempel vollzustopfen, Deko für im und um’s Haus, Süßigkeiten in Mega-Monsterpacks, lauter Zeug, das kein Mensch braucht. Das Schlimme ist, ich kann dem einfach nicht widerstehen! Und jetzt flattert an der Außenlampe eine (wetterfeste) Vollplastikfledermaus. Des weiteren besitze ich seit heute ein knatschbuntes Marshmellow-Pizzaslice (mit Augäpfeln und blutigen Körperteilen belegt), einen Marshmellow-Grabstein (mit Schokosirup zum Selberbeschriften) sowie kleine Kürbis-Schneekugeln mit Hexen und Geistern und (nochmal) Fledermäusen (bin halt mal Batman-Fan) und tütenweise Twilight-Saga-Treats. (Vampire sind mit  Karamell gefüllt, das Innere eines Werwolfes hingegen besteht aus Erdnußbutter.)

Das (und was ich sonst noch so finde; das gildet übrigens nicht als Kruscht kaufen, sondern ist angewandte Volkskunde)  werde ich alles in meiner großen Collage mit dem Titel “Die spinnen, die Amis” verarbeiten.

DADT

Im Sommer hatte ich schon einmal ausführlich über “Don’t ask, don’t tell” (wenn du deine Homosexualität verschweigst, darfst du in der US-Army dienen, sonst nicht) berichtet. (https://flockblog.de/?p=5253). Nun hat das kalifornische Bundesgericht geurteilt: das Gesetz ist nicht verfassungsgemäß. Entweder entscheidet nun der Senat (und das ganz sicher nicht vor den Wahlen im November) oder aber die Gerichte. Für die homophoben unter den Militärs brechen auf jeden Fall rauhe Zeiten an.

Wir begehen 9/11

In Palo Alto lädt die Grundschule ein:

Another great event happening in Palo Alto–the Aviation Day is this

         SATURDAY, Sept 11, 10a-4pm,
         Palo Alto Airport (end of Embarcadero near Golf Course).
         It’s free!

Here is the weblink:  www.paloaltoairport.aero

Some parents are pilots…

DANKE AN ALLE FÜRS FRAGEN UND SORGEN

Mir geht es gut, ich wohne 1.5 Meilen vom Ort der Brandkatastrophe weg und außer einem brennenden Horizont, Sirenen und Brandgeruch habe ich zum Glück nichts abbekommen.

Carmen nebenan hat das ganze Hause voller Kinder von Schwestern und Kusinen. Die leben in den Hills und sind evakuiert worden. Noch ist die Gegend für Zivilisten gesperrt. Die Familien sollen voraussichtlich nach dem Wochenende zurückkehren können und können auch erst dann eine Bestandsaufnahme machen. Im Moment wissen sie nicht, ob ihre Häuser überhaupt noch stehen oder wie stark sie zerstört sind. Alles sehr grausig.

Feuer in San Bruno

Man möge San Bruno wegen der Feuerkatastrophe doch großräumig umfahren erfahre ich auf dem Heimweg, ein ganzer Straßenzug stehe in Flammen, alle aktuell außer Dienst befindlichen Rettungskräfte sollen sich sofort zum Einsatz melden. Mir ist der Schrecken ziemlich in die Knochen gefahren und ich habe den Rest der Strecke mit äußerst gemischten Gefühlen zurückgelegt.

Erster Eindruck: auf Höhe Flughafen stinkt es nach Rauch, überall heulen Sirenen, es sieht aus, als stünden die ganzen San Bruno Hills in Flammen. Aktuell wird zum Glück nur von Verletzten berichtet, nicht von Toten. Man geht von einer explodierten Gasleitung aus, die offensichtlich das Feuer immer noch nährt und in einem riesigen Feuerturm in den Nachthimmel lodert. Unsere Seite, East of the tracks, ist glimpflich davongekommen, die Nachbarn haben eben erzählt, dass der Strom zwar gleich nach der Explosion ausgefallen, seit einer Stunde aber wieder da sei. Die Sirenen heulen immer noch, Qualm und Brandgeruch werden langsam vom Wind verblasen, durch die Straßen fahren Funkwagen, die zu Blutspenden aufrufen. Das werde ich jetzt tun.

http://www.nbcbayarea.com/news/local-beat/Huge-Explosion-Rocks-San-Bruno-102589904.html

Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei

Was aber tun, wenn man neu in der Gegend ist, gar geschieden, oder Gipfel des Schrecklichen, alle Freunde verheiratet sind? Man fliehe nicht etwa in Internet Chatrooms oder erlebe peinliche Momente bei Blind Dates. Nicht doch, es gibt – davon kündet ein grausam gut gelauntes Paar in Halbstundenabständen im Autoradio – “Events and Adventures”. Keine Partnervermittlung seien sie. Nícht doch. Ihre Profis bringen Menschen mit gemeinsamen Interessen zusammen, organisieren denen ein Unterhaltungsprogramm und die haben dann Spaß. Die Tugend, sich einfach mal sinnvoll selbst zu beschäftigen, scheint hierzulande nicht gelehrt zu werden.

Das ist wieder so einer von diesen “Funs”, wo man mich hinprügeln müßte…

Dust in the Wind

Bei gleißendem Sonnenschein sieht man manchmal auf der Autobahn dicke Staubfahnen, die sich auf den ersten Blick nicht so recht zuordnen lassen. Die naheliegendste Vermutung war immer, dass eine achtlos weggeworfene Kippe das vertrocknete Gras am Seitenstreifen entzündet haben könnte, allein, es roch nie nach Rauch. Hmmm, was denn dann?

Die Highway Patrol. Die Officers lauern in dieser Bruthitze in ihren Autos im Gebüsch, an schlecht einsehbaren Böschungen, hinter Kurven zwischen den Bäumen und wenn sie einen Temposünder erspähen, brechen sie mit quietschenden Reifen aus ihrem Versteck und jagen den Bösewicht.

Und dann qualmt’s.

After Labor Day – Nachtrag

Außerdem fängt nach Labor Day der Herbst an. Man merkt es am langen Wochenende nicht so direkt, aber am ersten Tag auf dem Heimweg: um Acht ist Nacht. Stockfinsterdunkle Nacht. Die ersten Stürme toben ums Haus (das schon wieder ächzt, als wolle es sich aus dem bißchen Verankerung reißen und als Arche selbständig machen), das Licht flackert und der Strom fällt mal kurz aus. Letzteres wird erst richtig schlimm, wenn die Batterien beider Laptops leer sind – oder wenn, wie gestern, das Internet weg ist. Weg im Sinne von fort, nicht per W-Lan und auch nicht per Netzwerkkabel. Da lernt man schöner Fluchen bei Kerzenschein. Nach einem Dreiviertelstündchen kam der Strom wieder und ich hatte noch 2 entspannte Stunden Männer in Uniform. “Pacific”, eine 10-Epsioden-HBO Miniserie – nach “Band of Brothers” die nächste Spielberg/Hanks-Produktion zum Thema “Unsere Jungs in der Ferne, die Demokratie rettend”. Sehenswert.

Das Internet hatte sich die Nacht über freigenommen. Ist aber jetzt auch wieder daheim.