Alles Wichser!

Nein, stimmt nicht, nicht alle. Aber ich habe noch nie so viele Männer gesehen, die sich öffentlich einen runtergeholt haben und mit den Früchten ihrer Arbeit wahllos die Menge besprengten, im wesentlichen von dieser ignoriert. Bis auf einmal, wo ein Passant sich bei einem schweißüberströmten, hochroten und keuchenden Herrn angelegentlich erkundigte “Can I lend you a hand?”

Die zwei Freundinnen vor mir hatten es auch nicht leicht. “Wanna get spanked?” “Yeah!!” Pause. “Acutally, naaahhh, I donnu. Look, it’s, like, Charity Spanking, they might wanna get paid for it.”

Jan, ein netter Herr aus Holland (gut in seinen Fünfzigern, Lou van Burg wie aus dem Gesicht geschnitten) mit einem Frau-Antje-Häubje; wir kamen ins Gespräch. Jedes Jahr sei er hier, immer am letzten Wochenende im September. Dieses Jahr habe keiner mit ihm Fotos machen wollen. Da habe er kurzerhand das “Rockje” ausgezogen und trage nun nur noch G-String und Meisjes-Mützje und jetzt wollten alle wieder Bildje machen – schon war er wieder weg, für’s nächste Album. Das Straßenfest sei ja ganz nett, aber wirklich interessant seien die Pre- und Afterparties. So doll – doll – doll – in manchen Jahren könne er auf dem Heimflug gar nicht mehr richtig sitzen. Auf dem Weg zum Bus (re-routet, also weiß inklusive des Fahrers wieder keiner, wohin die Haltestelle denn verlegt worden sein könnte) bin ich an ein paar dieser Etablissements vorbeigekommen. Die heißen “Dead End” oder “Oscar EXTRA Wild” und alle Türsteher sehen aus wie Mr. T, aufgepumpte Schwarze  in schwarzen Muscle-Shirts und eng anliegenden Lederhosen, komplett mit Iro, Goldketten und -ringen und ganz bösem Blick.

Liza hat mich in ihre Frauengruppe eingeladen. Man betreibe dort Gehorsamkeitserziehung und sie und ihre Freundinnen seien schon ganz gespannt darauf, mein “Inner Beast” zu entdecken. Ich weiß ja nicht… Vorschlag zur Güte: sollte ich’s finden, maile ich ihnen ein Bild.

Wie bei jedem Straßenfest in San Francisco, gibts auch auf der “Folsom Street Fair” Verkaufsstände. Ich hatte mit einem Verkäufer ein längeres Gespräch über Haubretter (sehen so ähnlich aus, wie das, was meine Oma benutzt hat, um vor Urzeiten Wäsche im Zuber zu wenden). Kunststoff oder Holz? Glatt oder geriffelt? Oder gar mit kunstvollen Schnitzereien? Ist der Einsatz von Tropenhölzern politisch korrekt? Gibts das auch für Linkshänder? Habe von einem Kauf abgesehen. Will weder hauen noch gehauen werden, und für die Wäsche habe ich eine Waschmaschine.

Intimschmuck? Ach nö. Gay Hard Core Videos und Gleitcremes in allen Geschmacksrichtungen (sinnigerweise an einem Stand)? Danke, heute mal nicht. Politisch korrekte Puschelpelzunterwäsche (wie beruhigend: alles Kunstfaser, kein Tier mußte dafür sterben)? Brauch ich nicht, mir ist nicht kalt. Aber ein maßgefertigtes Schnürkorsett? Sowas habe mir doch bestimmt gerade noch gefehlt, ich soll mal gucken kommen. Mir wurde schon beim Zusehen ganz anders: zu viert zerrend wurde gerade eine Frau mit Weather-Girl-Maßen auf Bohnenstange geschnürt, dabei Brüste und Doppelkinne zu einer einheitlichen Masse komprimiert. Ihre Hautfarbe changierte von “Schweißigem Hummer” zu “Triefendem Burgunder”. Nein, nein, nein, das mag ich nicht haben.

Geschickt wie ich bin, hat mich nícht ein Peitschenhieb getroffen. Für viele Besucher gehört anscheinend ordentlich ausgepeitscht zu werden zur Folsom Fair wie die Maß zur Wiesn. Merke: rote Rücken, Bäuche, Brüste, Hintern sind nicht zwingend auf Sonnenbrand zurückzuführen. Wenn das der Führer wüßte. Weiß er. In vollem Wichs und Uniform marschierte der GröFaz die Straße lang und posierte für (vor allem japanische) Fotografen. Die wiederum waren in phantasievollen Manga-Dresses unterwegs und hatten auch immer noch ein Schulmädchen in Uniform bei sich oder was fast Nacktes in Schnüren. Und wurden ihrerseits gerne von nackten Männern abgelichtet. Die Grenzen, wer da wen für außergewöhnlich hält, verschwimmen vollkommen.

Ich habe meine neue Kamera heißlaufen lassen – die Bilder sind aber nicht so doll – doll – doll geworden, wie ich das erwartet hätte (wir müssen noch klären, ob das an Kodak oder mir liegt). Ich werde sehr streng sieben und demnächst ein paar mehr posten.

Don’t know much about history…

Kassem G ist ein recht bekannter Vlogger aus Kalifornien und macht neben wunderbaren Studiointerviews (häufig mit abgehalfterten Pornostars, die er aus klassischen Werken, wie zum Beispiel dem Drehbuch von “Deep Throat”, szenisch lesen läßt) gerne mal einen Bummel über die Strandpromenade von Santa Monica und fragt Passanten aus. http://www.youtube.com/watch?v=pzJc7ou1-p8

Kudos to Toni, der mir die Welt der “Awkward Moments” erschlossen hat.

Unser tägliches Brot

wird hier großindustriell aus zu Tode gebleichtem Weizenmehl hergestellt und hat im allgemeinen die drittzahnfreundliche Konsistenz von Marshmellows. Die übliche Darreichungsform ist Toastbrot, Bun oder Bagel. Aus einem Land mit einer Phantastillion Brotsorten stammend, wird einem das eher kurz- als mittelfristig über und man sucht Alternativen. Es gibt sie. Bei – Überraschung! – IKEA, mit dem klangvollen Namen RÅGBRÖD FINAX. Man erstehe den Tetrapack Rye Bread Mix, füge warmes Wasser hinzu, schüttle gründlich, gieße den Pampf in eine Kastenform, ein Stündchen gehen lassen, ein Stündchen backen und hat herrlichstes körniges dunkles Roggenbrot.

Danke, Ingvar!

Thank God – it’s Friday!

Hierzulande gibt’s den Gruß “Happy Friday!”, den einem jede/r ungefragt statt des üblichen “Hi” oder “How are you?” entgegenschmettert. Stimmt, ich habe gestern wieder die Mülltonnen an die Straße gerollt (es fühlte sich nicht so an, als sei das schon wieder ein Woche her). Das Ende der Arbeitswoche scheint absehbar. Puuuaaahhh!

Also: “Happy Friday, everybody!”

Vorhin

muss Jesus bei mir gewesen sein – er hat seine Visitenkarte mit Photo an die Tür gepinnt. Ein gutaussehender Herr, offenes Haar, mittellang, mit gepflegtem Vollbart, eher mexikanische Gesichtszüge, weißes Gewand mit Staubmantel. Macht offensichtlich Karate und hat es zum Gelben Gürtel gebracht. Eine sehr angenehme Erscheinung und ich habe ihn leider verpasst.

Nicht schlimm, wenn ich ihn recht verstehe, gibts ihn auch elektronisch “Tenga a bien acceptar el Video o DVD gratuito” – umsonst. Werde Christo trotzdem nicht anrufen, no habla Espagnol.

Am Wochenende weggelesen

Iain M. Banks (das Mittelinital hat er nur im angelsächsischen Sprachraum, in der deutschen Übersetzung verschwindet das wundersamerweise) – Transition.

Geht schon. Ein intelligentes Verwirrspiel um einen weltumfassenden Konzern, der Böses im Schilde führt, um zeitreisende Attentäter und eine futuristische Version von Modesty Blaise, verschwimmende Realitäten (wie immer die Frage: was ist eigentlich Realität?) und (ganz netter Einfall, statt muslimischer) christliche Terrorgruppen (Monotheismus bleibt Monotheismus). Alles ganz nett und nicht dumm, aber bei weitem nicht sein bestes Buch.

Nach dem Feuer

San Bruno räumt auf und versucht, zur Normalität zurückzufinden. Dazu gehört, dass seit heute vor einer Woche die ersten Bewohner (bis heute allerdings immer noch nicht alle) der von Gasexplosion und Großfeuer betroffenen Wohngegend zu ihren Häusern zugelassen wurden; kenntlich gemacht mit Armbändern (“so wie in Disneyland”). Für manche war es denn auch das Ende des Schreckens: ein grüner Aufkleber am Haus bedeutet, dass es sicher ist, das Haus wieder “in Betrieb zu nehmen”, mit Hilfe der Mitarbeiter von PG&E Strom, Gas und Wasser wieder anzuschließen und dann wieder zu wohnen. Carmen von nebenan ist ihr Dutzend Gastkinder los, ihre weit verzweigte Verwandtschaft ist soweit glimpflich davongekommen. Bei einer Schwippkusine war die gesamte Garage samt Inhalt (Garagen sind hierzulande Speicher und Keller) löschwassergetränkt. Das sieht sie aber gelassen, statt des Aufwands für einen Garage Sale werde sie nun eben das Gezerre mit der Versicherung haben.

Versicherungen. Großes Thema. Im Amerikaner ist das Bestreben ein Eigenheim zu besitzen quasi genetisch verankert. Wer “nur” zur Miete wohnt, hat es “nicht geschafft”. Also nimmt man horrende “Mortgages” (Hypotheken) auf, um zu einem “Home” zu kommen (dann folgt “Home Improvement”). Da man fast nie selbst neu baut, sondern kauft, übernimmt man nicht selten die Hypothek des Vorbesitzers, zu dessen Konditionen, wie immer das Zinsniveau zu dieser Zeit war. Als “Sicherheit” besteht die Bank auf Versicherungen für Neueigentümer, Grundstück und Immobilie; wo diese abzuschließen seien, diktiert sie ebenfalls – meist beim bankeigenen oder -assoziierten Versicherungsunternehmen zu dessen nicht zwingend wettbewerbsfähigen Raten. Klar, dass da nicht mehr viel Geld für eine Hausratsversicherung übrig bleibt. Das heißt, dass bei den Menschen, deren Häuser zerstört sind, die Bank aus der Versicherung entschädigt wird, die “Besitzer” aber nicht. Sie müssen, bis das Haus wieder aufgebaut ist (große Auseinandersetzungen, in wessen Verantwortung der Wiederaufbau fällt, laufen schon), ihre Hypotheken weiterbezahlen, irgendwo im Hotel oder bei Freunden Unterschlupf finden und alles, was in den Häusern war, aus eigener Tasche ersetzen. Es gibt dem Vernehmen nach 37 Häuser mit “orange tags”, das bedeutet, die Bewohner können zwar ihre Habseligkeiten herausholen (und dann irgendwo für Geld einlagern), aber nicht mehr zurück, weil das Haus vermutlich abgerissen werden muss. Darüber hinaus eine zweistellige Zahl von Häusern mit roten Markierungen, die nie mehr betreten werden dürfen.

PG&E hat zwar einen bis zu 100 Millionen Dollar schweren Hilfsfonds bereitgestellt, mit Soforthilfen für die einzelnen Bewohner und einem Riesenpappendeckelscheck über drei Millionen für die Gemeinde San Bruno (auf einer Betroffenen-Versammlung überreicht), muss sich aber auch den Anschuldigungen stellen, dass man von der korrodierten Leitung seit über fünf Jahren gewußt, die zurückgestellten Gelder aus dem Reparaturfonds aber nicht ausgegeben habe. Ich könnte mir vorstellen, dass auf das Unternehmen eine Sammelklage mit immensen Schadenersatzforderungen zukommt.

Aktuell ermitteln allerlei Behörden, es wird immer klarer, dass in den vierziger Jahren mehrere dieser “Natural Gas” Leitungen mitten durch damals menschenleeres Gebiet in Kalifornien gelegt, und diese Gegenden später als Bauland ausgewiesen wurden. Das Problem ist also aus aus einer Mischung aus Profitgier und “wird schon gutgehen”-Wurstigkeit hausgemacht. Überall wird inzwischen getestet und repariert. Die Nachbarn, die tagsüber zu Hause sind, erzählen, dass immer wieder Strom und Gas abgestellt werden – ich bin nicht sicher, ob wir uns schon wieder sicher fühlen können.

Andrerseits: wir wohnen direkt auf dem San Andreas Graben…

Sam hat eine Samenbank

Sam, mein Nachbar, Gärtner und lieber Freund von gegenüber hat mich gestern aufgesucht, um mir mitzuteilen, dass es an der Zeit sei, sich um die Herbstvorbereitungen im Garten (also in meinem Garten) zu kümmern. Er werde zunächst mal Rasen mähen.

Nix mähen, erst Kaffee trinken. Dabei haben wir die Planung angegangen. Für die Details, hochbinden?, zurückschneiden?, ausmachen? umsetzen? ergingen wir uns in den Außenanlagen und besprachen sie direkt am Objekt. Ich komme mir dabei immer sehr britisch vor, wie eine Dame (nein, nicht Lady Chatterley!) um die Zeit der vorletzten Jahrhundertwende und trage mental einen Hut, der auch in Ascot nicht unpassend wäre.

Anschließend lud Sam zu sich, er habe da nämlich eine Überraschung. Aus dem Fernsehen! http://tinyurl.com/26er6lz Und hat er mir einen Topsy Turvy Upside Down Tomato Planter (Bild links) geschenkt. Weil einem doch hier der Wind immer die Tomatenpflanzen umblase… Das Monster steht jetzt erst mal im Garten und wartet aufs nächste Frühjahr. Viel interessanter fand ich seine Samenbank: von allem, was bei ihm so herrlich wächst und gedeiht, sammelt und trocknet er die Samen. Ich freue mich schon riesig, ich darf mir jederzeit holen, worauf ich Lust habe.

Nächstes Frühjahr wird’s noch schöner da draußen – falls sich’s wer anschauen mag?

119.6 Millionen Dollar

aus ihrem Privatvermögen hat Meg Whitman bis heute in ihren Wahlkampf um den Posten der Gouverneurs in Kalifornien gesteckt (die Wahl wird im November stattfinden). Mal ganz abgesehen von der europäisch-ethischen Indignation -“ja glaubt die denn, dass sie für ihr Geld alles kaufen kann?” – (ja, ich denke das glaubt sie und bei den Amerikanern ruft die Bereitschaft, so viel eigenes Geld für ein Ziel zu investieren, eher Bewunderung als Entrüstung hervor), frage ich mich, was ihre Droge ist. Macht? Wahrscheinlich. Wer es geschafft hat, als CEO Ebay von einer 30-Mann-Klitsche zum Multi Milliarden Global Player zu pushen, der kann möglicherweise gar nicht mehr anders.

Dass ihre Rechnung (mit genau diesem Erfolg permanent zu protzen) aufgeht, habe ich inzwischen in Gesprächen mit bis dato Wählern der Demokraten mit Schrecken zur Kenntnis genommen. Man werde ihr eine Chance geben, also dieses Mal republikanisch wählen. Bei eBay habe sie’s auch geschafft, warum also nicht auch beim vor dem Staatsbankrott stehenden Kalifornien. Außerdem habe sie zugesagt, die Steuern nicht zu erhöhen.

Money makes the world go around.

Back to school

Jetzt, wo die Schule wieder angefangen hat, werden Eltern mit Tips überflutet, wie sie ihre Sprößlinge von Drogen fernhalten können (die Schule bei mir in der Nachbarschaft hat einfach ein Schild an die Tür gehängt, auf dem steht, dass von Drogenbesitz und -handel auf dem Schulgelände abzusehen sei und handschriftlich ergänzt, dass das auch für den Parkplatz gelte).

Eltern, denen diese Präventionsmaßnahme nicht ganz  ausreichend scheint, bekommen auf  http://www.drugfree.org/ wertvolle Ratschläge zum Umgang mit ihren Puberinos. Man solle zum Beispiel mit den Jugendlichen sprechen (oha!). So ganz beiläufig, in Alltagssituationen. Wenn das Kind zum Beispíel Hausaufgaben mache (“Sag, Schatz, hast du das mit der Bruchrechnung verstanden? Rauchst du eigentlich Pot oder nimmst du Pillen?”). Oder (das ist mein Favorit) wenn man das Kind nachmittags zur Mall fahre. Wie oft hat meine liebe alte Mutter doch die Fahrt zum Einkaufszentrum als Gelegenheit genutzt, um mit mir über Drogen zu sprechen.

Ganz ehrlich? Nie. Die hätte mir was gehustet, wenn ich meine Nachmittage mit Shoppen verbaselt hätte.