Ich bin offensichtlich nicht der Typ Frau, dem man ein Blumengebinde verehrt. Auf meiner Türschwelle liegt stattdessen abends, wenn ich heimkomme, eine Tüte Gemüse. Heute “yellow squashes” (eine Kürbenart) und Avocados (weil man von denen ja nie genug im Haus haben kann). Ach Sam, du Grundguter.
Brennstoffe
Der Spritpreis ist hier aktuell auf einem Ganzzeithoch (was ein Scharlatan wie Newt Gingrich (einer der republikanische Mitwettbewerber um die Präsidentschaftskandidatur) zum Anlaß nimmt, seinen Anhängern zu versprechen, er werde als Präsident die Benzinpreise wieder auf $2,50 pro Gallone (das entspricht 66 US-Cent (1 Euro-Fuffzgerl) pro Liter) senken).
Den Vorschlag des Kneipenwirts von Nebenan finde ich erwägenswerter (und realistischer in der Umsetzung).
Einszweidrei, im Sauseschritt…
Vom Wecker aus dem Schlaf gerissen mit dem unbestimmten Gefühl, daß irgendetwas nicht ganz richtig ist. Die morgendlichen Routinen unter dem ständigen Risiko absolviert, beim nächsten Monstergähner die Kinnlade aber ganz bestimmt auszuhängen. Im Büro kleinäugige Zombies angetroffen, zur Kommunikation durch gesprochene Sprache unfähig. Den Feierabend wegen fehlenden Lichtschwundes verpaßt.
Was ist los? Wir haben in der Nacht von Samstag auf Sonntag auf Daylight Savings Time umgestellt, “Spring ahead”. Ich pflege an Wochenenden keine Uhr zu brauchen und da Computer- und Smartphone selbständig die Zeit anpassen, habe ich’s nicht mitbekommen und war heute früh “one hour short”. Da hat er schon recht gehabt, mein Chemielehrer selig, als er mir ins Pösiealbum schrieb: “Verliere am Morgen eine Stunde und du wirst den ganzen Tag nach ihr suchen.”
Vor Herbst werde ich die wohl nicht finden, dann ist “Fall back”.
Un-American Activities
Ich bekenne:
- Ich habe gegen das uramerikanische Recht auf Auswahl verstoßen und auf die Frage der Einpackerin im Supermarkt – “Paper or plastic, Ma’am?”- mit “I couldn’t care less.” geantwortet.
- Ich habe nur ein Pfund Butter gekauft, obwohl ich drei für den Preis von zweien hätte bekommen können.
- Ich habe nicht mit der Kreditkarte, sondern bar bezahlt. Viel schlimmer, ich habe Kleingeld abgezählt, damit der Kassierer mir einen glatten Betrag herausgeben kann.
- Ich habe meinen Einkaufswagen auf den dafür vorgesehenen Sammelplatz zurückgestellt.
Jawohl, ich übernehme die Verantwortung für psychische Langfristschäden bei Kassen-, Einpack- und Einkaufswageneinsammelfachkraft und, wo ich gerade dabei bin, den Untergang der US-amerikanischen Binnenwirtschaft durch Konsumverweigerung.
Manchmal habe ich direkt Sehnsucht danach, in einem deutschen Supermarkt angeraunzt zu werden.
Opposites attract
In letzter Zeit wirkt einer meiner Arbeitskollegen mitunter sehr erschöpft. Das liege daran, daß er eine neue Freundin habe und als ich das mit einem verständnisvollen Grinsen kommentiere, wehrt er ab: “No, no, it’s not what you think…” Die Neue sei vielmehr eine “Type A Person”. Das sind sehr umtriebige, geschäftige Menschen ohne Talent zum Alleinsein mit prallvollen privaten Terminkalendern bei denen ständig was los sein muß, am besten mit vielen Leuten. (Die konnten sich schon als Kinder nicht selbst beschäftigen und organisieren mit Leidenschaft “surprise parties”.) Er habe hingegen eher eine Type B Personality, definiert durch die Fähigkeit, einfach mal nichts tun können und sich trotzdem (oder gerade deswegen) sehr wohl in seiner Haut zu fühlen. Manchmal mache das Überallhinmitgezogen werden doch ein bißchen müde.
Tja dann. Viel Glück dem jungen Paar.
Vorfreude
In der Stadt ist heute “World Naked Bike Ride Day”. Kann ich nicht mitmachen, hab’ kein Fahrrad. (Nur deswegen, is’ klar.) In der San Francisco Bay macht gerade ein Grauwal eine Schwimmpause auf seinem Weg nach Mexiko, dem könnte man beim Fontänen blasen zuschauen und in Oakland tritt Flogging Molly auf (leider schon ausverkauft).
Auf meinem Plan steht hauptsächlich, das Haus besuchsfein zu machen, weil sich richtig viele Gäste angesagt haben. Am Montag kommt Christoph, am Freitag Uli und Rainer. Eine Woche nach deren Abreise werden Annette und Familie eintreffen – wie gesagt, richtig viel los und ich freue mich riesig! Damit ich nicht in Zeitnot gerate, habe ich vorhin vier Garnituren Bettzeug bezogen, Staub gesaugt und Spinnweben an den unmöglichsten Stellen entfernt. (Ich tröste mich ja immer damit, daß Spinnen harmlos sind (auch die mittelgroßen quergestreiften im Schlafzimmer) und ihre Anwesenheit auf ein gutes Ökoklima schließen läßt und nicht etwa zu große Zeitabstände beim Staubwischen. Es kann naürlich auch daran liegen, daß bei den vielen Ritzen hier im Haus die Übergänge zwischen Außen und Innen doch recht fließend sind und auch Insekten lieber im Warmen wohnen.)
So, schlafen können nun alle. Was gibt’s zu essen? (Fürs Trinken ist schon gesorgt.)
Was habe ich ein Dusel: Sam von Gegenüber hat die Obst- und Gemüsedistribution optimiert. Das neue Modell ist statt einer anonymen Kiste vor der Haustür am Freitagabend nunmehr Sabine am Samstagmorgen abzufangen und die Auswahl aus dem überreichlichen Angebot selbst treffen zu lassen. Mit kleinen Manipulationsansätzen wie “I think you like string beans (Grüne Bohnen), look here, I bring you big bag. No? Siiii! And you love bell peppers (Paprikaschoten in allen Farben)? No? Siiii!” Alles, was ein Vegetarierherz begehren könnte frei Haus und er schafft es irgendwie immer, in irgendeinen Beutel ein paar jalapeño peppers und Avocados hineinzuschummeln (sind schließlich Grundnahrungsmittel – in Mexiko). Ich bin schwerbepackt über die Straße zurück nach Hause gegangen und ich find’s so dermaßen klasse! Wir haben uns wenigstens darauf einigen können, daß er mir die Rohware liefert und ich mich dafür mit “processed food” (Kuchen, Pralinen, Brot etc.) revanchieren darf.
Zum Frühstück gab’s ein Omelette mit frischen Tomaten, Paprika und Avocados, zum Abendessen Bohnensuppe à la Mexicaine, schön scharf mit Jalapeños und Tomaten und Möhren und Kartoffeln (ich hoffe bloß, das Christoph Bohnensuppe mag, das ist ein schöner großer Topf voll geworden). Morgen früh gibt es Mango-Lassi und im Laufe des Tages werde ich wohl wieder Limettenkuchen backen. Sobald ich Mehl, Butter und Eier nachgekauft habe.
So ein netter Sam!
Was will uns der Bewerber damit sagen?
Published a book in China to introduce my theory on humanistic psychology!
Ich habe nichts hinzugefügt oder weggelassen – das ist der erste Satz (inkl. Satzzeichen) einer Bewerbung auf eine Stelle als Core Java Entwickler. Warum denkt er, daß es seine Chancen erhöht, wenn er mitteilt, ein Psychologiebuch geschrieben zu haben? Warum China? Und, wichtigste Frage von allen: warum verbrät er meine Zeit damit? Java kann er nämlich nicht.
Dafür habe ich was gelernt: Humanistische Psychologie zielt auf die Entfaltung einer gesunden, sich selbst verwirklichenden und schöpferische Persönlichkeit.
Let’s take a ride
Hierzulande reitet man alles, Autos, Achterbahnen, Boote, Trucks, Straßenbahnen, Fahrräder, Rikshas, Motorräder… – sogar Spaß.
(Späßle g’macht.)
Als Toni unser Auto heute früh mal wieder mit ächzenden Achsen durch Schlaglöcher ritt, ist ihm ein Licht aufgegangen und er hat’s mir erklärt: die bauen hier die Straßen mit Absicht mit “uneven pavement”, weil der Westerner noch nicht recht über seinen inneren Lonesome-Cowboy-My-Rifle-My-Pony-And-Me hinausgewachsen ist.
Woody hat das schon 1946 gewußt: http://bit.ly/3vSHV
Frisch, fromm, fröhlich, frei*
Schulsport ist eine gute und nützliche Sache, vor allem, wenn man die Kinder mit der hiesigen Schulverpflegung vollstopft, wo Ketchup als exotische Gemüsebeilage gilt. Allerdings kostet Physical Education (“PE”) Geld und Geld ist knapp. Wie so oft an hiesigen Schulen baut auch die Schule meines Nachbarsbuben auf Eigeninitative und eine Variante der guten alten Tradition des “bake sale” (Kuchenverkauf für einen guten Zweck).
Es gibt eine ganze Industrie für “School Fundraiser”, Marktführer ist “World’s Finest Chocolate” (http://bit.ly/zl2CkV). (An der Schokolade ist nichts fein, nicht, wenn man schon mal Schokolade gegessen hat, die nicht “made in USA” ist.) Das Unternehmen vertreibt Schokoriegel in Kartons à 50 Stück, deren Umverpackung individuell mit dem Namen der Schule bedruckt ist. Zum Stückpreis von $1. Davon gehen 50 Cents pro Riegel an die Schule, die andere Hälfte an den Hersteller.
Alejandros Klasse an der “Belle Air School” muß für das zweite Schulhalbjahr $10,000 auftreiben, damit die Kinder Sportunterricht bekommen können. Das heißt, ca. 30 Kinder müssen 400 Schokoladenschachteln verkaufen (13,3 Schachteln = 666 Schokoriegel pro Kind), an Freunde, Verwandte, Nachbarn und Eltern. Die meisten Schüler haben Geschwister an der Schule, das heißt für die gleichen Freunde, Verwandten, Nachbarn und Eltern, daß man jedem der Kinder ein paar Riegel abkaufen muß. Carmen hat mir erzählt, daß die ersten Kunden immer die Eltern sind (und fluchen, weil ihre Kids dann ständig die Schokolade futtern, die so überreichlich im Haus herumsteht). World’s Finest Chocolate hat nämlich eine ganz perfide Verkaufsstrategie: die jeweils besten Verkäufer ihrer Klasse bekommen einen Ausflug in einer Limousine zu In-N-Out Burger. Deswegen sind die Eltern auch immer noch einmal die letzten Kunden, weil sie ihren Kindern den Spaß nicht nehmen wollen. Und World’s Finest Chocolate verdient sich dumm und dämlich.
Ich habe Alex gestern 20 Schokolädchen abgekauft, damit sollte meiner nachbarlichen Pflicht Genüge getan sein. Habe sie heute früh im Büro deponiert, abends waren es nur noch 10. Geht doch.
* Turnvater Jahn rotiert wahrscheinlich in seinem Grab.
Abwesenheitsnachricht
Heute hat mich ein Geschäftspartner wissen lassen, er sei ooo (Out-Of-Office). Für Vertretung ist gesorgt: “For hugs and general lifestyle advice, please contact [Name]“.
Scheint, daß sonst er in seinem Laden den Corporate-Shrink-Hut aufhat…


