1000 x Nebel

“Uiii”, sage ich zu meinem Automiteigner beim Losfahren, “schau doch, wie schön die Nebel auf den Hügeln liegen. Dieses Bild wäre so richtig feines flockblog-Material, wenn ich nicht schon längst alle Fluffweißmetaphern verbraucht hätte. Schäfchen hatte ich schon x-mal, alle Crèmes, von fraîche bis double auch, Milchschaum, Seifenschaum, Musselin- und Samtdraperien – alles schon mal dagewesen.”

“Wölfe”, sagt er. “Wie jetzt? Wölfe?” frage ich etwas ungehalten zurück. Weißer als der Sahnenebel vor uns geht doch gar nicht, Mann! Die lapidare Antwort: “Na, im Schafspelz…”

Und damit geht der Dank für die Idee zu diesem blogpost an Herrn B. aus San C. Und damit er nicht schon wieder in zwei aufeinanderfolgenden Einträgen vorkommt, bedanke ich mich hiermit in einem Aufwasch für die erfolgreiche Dell-Reha und die Überstundentelefonhotline. Schafspelz. Hah! Da hätte ich eigentlich auch alleine draufkommen können.

Wat nu?

“Sabine, Ihre Zukunft wird sich völlig verändern!” schreibt mir heute ein Herr, der mir gegen Geld ein Horoskop erstellen möchte. Im nächsten Satz teilt er mit: “Sabine, Ihr Leben wird nicht mehr dasselbe sein, sobald Sie die Antwort haben, die Sie erwarten.”

Wissen Sie was, Herr Astrologe? Sobald mir eine Frage hinsichtlich meiner Zukunft einfällt, deren Antwort ich jetzt schon kenne, kommen wir ins Geschäft.

Aus dem Vokabelheft

Wenn man jemandem etwas immer und immer wieder erklärt, also auf diesen Menschen einredet, wie auf ein krankes Pferd, dann heißt das hier etwas feiner formuliert: “I told you six times to Sunday.”

Ausgleichssport (und das mir!)

Ich habe immer noch so irre viel zu tun und es trägt nicht gerade zum Druckabbau bei, wenn DIE Abgabefrist erst von Freitagnachmittag auf Donnerstagmittag verschoben wird und dann noch mal auf Mittwochabend vorgezogen. Ich mußte also gestern Abend bis in die Puppen nachsitzen, durfte dafür aber heute extra früh aufstehen, damit ich rechtzeitig zu DER Telefonkonferenz im Büro bin. Ich weiß nicht, wie das bei anderen ist, aber wenn ich mir den Wecker auf viel früher stelle, wache ich ab Mitternacht ungefähr stündlich auf, weil mein Unterbewußtsein offensichtlich eine Höllenangst davor hat, das Klingeln zu verpassen. Supervoraussetzungen für einen weiteren arbeitsreichen Tag! Etwas Gutes kann man der Morgenstund’ doch abgewinnen: Im Osten steht tief eine rote Sonne, auf der anderen Seite steigen malerische Nebelschwaden aus dem Biotop und die Leuchttafel teilt mir mit, daß die Fahrtzeit bis nach San Jose nur 50 Minuten beträgt (sonst um die 80), das heißt ich bin nach einer knappen halben Stunde (sonst 60 Minuten) schon am Schreibtisch und kann heimlich sogar noch ein bißchen Liegengebliebenes wegarbeiten.

Nach fast drei Stunden am Telefon komme ich mit einer zweiellenlangen Aufgabenliste zurück und mir bleiben gute fünf Stunden, bis alles fertig sein muß. Ich schaffe das. Nicht ohne Kollateralschäden, die Fingerkuppen glühen, die Glühbirne in der Schreibtischlampe gibt ihren Geist auf, die Tastatur raucht, mein Kopf auch – erschwerend (Face the Ice-Challenge) hat unser Vermieter dafür die Klimaanlage auf Eiskaltblasen eingestellt, denn schließlich ist es doch schön warm. Draußen.

So, speichern, abschicken und nichts wie weg!

Das Auto stand den ganzen Tag in der prallen Sonne, auf dem Heimweg schmelze ich fast im Stau und in meiner Phantasie wogen kühlende Gewässer und ich mittendrin. Halt a mal! Ich hab’ da eine Idee. Flugs zu Hause in die Schwimmklamotten geschlüpft, Kleidle und Sandalen (!) dazu und ab ins Bad, zum Wasser-Yoga mit Desha. Besser gehts nicht! Obwohl die Sonne wärend der Krieger-Posen vollends verschwindet, bleibt die Nacht lau und weil der Flutlichtbeauftragte ein dienstverdrossener Flutlichtbeauftragter ist, strecken, recken und balancieren wir unter einem wolkenlosen Himmel zum Licht eines leuchtfaulen Halbmonds und seiner Handvoll Sterndl.

Hach, Kalifornien, du machst das schon richtig. Ich will kein “March Miracle”* und daß das “snow pack” in der Sierra so niedrig ist wie noch nie seit Beginn der Wettermessung, ist mir alter Schneehasserin auch wurscht. “Weak Systems” hatten sie vorhergesagt und schwachbrüstig waren sie. In San Bruno regnete es in der Nacht vom Montag einen leichten Schauer, beim Kollegen in San Ramon (andere Bay Seite) in der Nacht vom Dienstag. Langt.

Ich bin eh mehr der Typ für die warmen Nächte. Und Tage.

* El Niño , die faule Socke, hätte uns ein Märzenwunder und viel viel Regen bringen sollen. Hatte dieses Jahr wohl null Bock.

OJ*

Konnägdschns zu einem Apfel-Adam, einem Tomaten-Toni** oder einem Fisolen-Fritz soll von mir aus jede/r haben, wenn ich nur meinen Südfrucht-Sam weiter ganz exklusiv allein für mich behalten kann. Und die neue 10kg-Nachschubkiste mit Texas Sweeties für den Frühstückssaft. (s. https://flockblog.de/?p=26179)

Jo is denn heit schon Sänksgiving?

* “OJ” ist mit Herrn Simpson weder verwandt noch verschwägert, sondern steht im Land der Abkürzungsfanatiker für “Orange Juice” (Orangensaft).

** Der Tomaten-Toni hinwiederum ist mit Toni B. aus San C. weder verwandt noch verschwägert. Toni B. glaubt nicht an Tomaten, nur an Ketchup.

Fragen Sie nicht Ihren Arzt oder Apotheker,

wenn der flockblog wieder keine Bilder mehr kann, sondern den begnadeten Software-Entwickler Ihres Vertrauens. Dann legt Wunder-Toni nämlich eine Nachtschicht ein und vermeldet anschließend:

“Tadaaaah!

Das “Change Uploaded File Permissions”-Plugin hab ich deaktiviert, das macht es eh nicht ganz richtig (hab da ein paar Fehlermeldungen im debug log gesehen). Das kann dann auch geloescht werden. Meines ersetzt die Funktionalitaet komplett. Du kannst Dir ja mal den source code anschauen und sehen, wieviel kuerzer man das machen kann (gut, das andere hat noch ‘ne settings page). 😉

So, das duerfte so schnell nicht kaputt gehen. Nehmt das, Updates!”

Ihr, ich, wir alle und Tante Frieda dürfen uns jetzt wieder auf bebilderte Mitteilungen aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten freuen.

DANKE!

Schlachtfest

Kuchen, erzählt der Kollege, dürfen in der Schule seiner Tochter nicht mehr im Ganzen, sondern nur noch fertig aufgeschnitten mitgegeben werden. “Ah,” glaube ich zu verstehen, “Kinderhände und Messer”. “Nope”, sagt er, ebenfalls ein Zugereister, “this is America. Messer sind nicht das Problem, sondern Red Velvet (Roter Samt).”

Bidde? Wie meinen?

REDVELVETFür die Pointe der Geschichte ist es hilfreich zu wissen, daß “Red Velvet” ein Schichtenkuchen für besonders hohe Feiertage ist und vor allem aus viel besteht, namentlich aus mit viel roter Lebensmittelfarbe (früher mal Rote-Beete-Saft) gefärbtem Fluffteig, viel weißem Zuckerguß und sehr viel Sahne.

Letztes Jahr war passiert, was in die Schulannalen als “The Easter Incident” eingegangen ist. Die Osterkuchen waren der Reihe nach in handliche Portionen zerlegt worden, bis zum ersten Schnitt in ein zuckergußgeweißtes Lämmchen. Der legte das feuchte rote Innenleben offen, die sensibleren unter den Kindern trugen umgehend schlimme Traumata (drunter gehts nicht) davon und wollten nie mehr wieder Blutkuchen essen. Und darum gibt es seit dem bösen Osterzwischenfall in der Schule nur noch ausgetrocknetes (weil wg. morgendlicher Hetze schon am Vorabend aufgeschnittenes) Gebäck.

Auch vereinzelte andere Eltern, sagt er, fänden das ein wenig übertrieben. Das seien die, die gerade dem neuesten Erziehungstrend hinterherhecheln und nicht mehr Helikopter Eltern sein wollen, sondern “Free Range* Parenting” praktizieren, das heißt, ihre Kinder auch mal ganz alleine Mist bauen lassen.

* Den Begriff “Free Range” (freilaufend) kennt man hier sonst nur von Eierpackungen.

Nachtrag: In den USA ist die Erziehung von Angst geprägt. Das führt dazu, daß die meisten Kinder unter Aufsicht spielen oder im Haus herumsitzen oder in andere Häuser zu sogenannten “play dates” gefahren werden. Schon die Kleinsten werden mit “Stranger Danger” indoktriniert** und folgerichtig haben alle große Angst vorm Schwarzen Mann. Wenn sie dann älter werden, treten sie der NRA bei und schießen ihn tot.

** Hier ein Video zu Stranger Danger: http://bit.ly/1BpRmdv; viel Spaß mit den Kommentaren.

Kentucky schreit

In unserer beliebten Reihe “Schlechter Essen” präsentieren wir heute:

crispy burritoDie neueste monströse Kreation des Spitzbarts aus dem Südstaat ist “The KFC Crispy Burrito”. Bestehend aus einer frittierten Tortilla, gefüllt mit frittiertem Hühnchen. Und Käse. Und Speck. Und Bourbon-Barbecue-Soße.

krispy kremeUnd weil’s eh grad so schön knusprig (crispy) ist, hier das Neueste aus dem Hause Krispy Kreme: “The Krispy Kreme Doughnut Dog”. Ein Fleischfabrikabfallwürstchen (Hot Dog) in einem Schmalzkringel mit Zuckerglasur (Donut) sowie Speck (Bacon) und Himbeermarmelade. Fällt unter die Kategorie “extreme ball park food”. Das ist das, was der Zuschauer frißt, wenn er anderen Leuten beim Ausüben einer Ballsportart zusieht.

churro dogWer’s speckfrei möchte, greift zum “Churro Dog”, einem länglichen Schmalzgebäck mit Schokoladenguß (auf Ober- und Unterseite), gefüllt mit einem Churro (mexikanische Zucker-Zimt-Schmalzgebäckstange) sowie mehreren Kugeln Eis und ordentlich Sprühsahne (für Kalorienbewußte auf Nachfrage auch in der Süßstoff-Variante) und mehreren Lagen Schokoladensirupsoße.

Dazu empfehlen wir Diät-Cola oder ein Light Bier.

Danke, oh großer Whitespace-Seher! Weil nämlich ohne den besten aller Tonis, der mal “g’schwind die Permissions der neuen Dateien auf dem File Server angepaßt hat” dieser blogpost nie ein Augenschmauß geworden wäre.

Hoch die Tassen!

Race TogetherStarbucks, die Kaffeebudenkette aus Seattle, hat in einem Anfall von (möglicherweise) Gutmenschentum seinen Baristas aufgegeben, auf jeden Becher Kaffee nicht nur den falsch buchstabierten Namen des Bestellers zu schreiben, sondern auch “Race Together”* und dann, während Kaffee gekocht, Milch geschäumt, Sahne geschlagen und Eis kleingehackt wird, den Kunden in ein Gespräch zum Thema Rassismus zu verwickeln. Das ist so gründlich die Hosen gegangen, daß die Kampagne gestern nach nur einwöchiger Laufzeit wieder abgeblasen wurde. Unangemessen, billig auf der “Black Lives Matter”-Welle mitschwimmen, opportunistisch, zur falschen Zeit am falschen Platz, waren noch die freundlicheren Reaktionen.

Die beste habe ich heute früh gehört: Wenn Starbucks schon so sehr an Chancengleichheit liege, unabhängig von Rasse und, wo wir gerade dabei sind, auch Geschlecht, dann möge man doch vor der eigenen Türe kehren und bei der Führungsebene im eigenen Hause damit anfangen.

Merke: In 99 von 100 Fällen ist gut gemeint das Gegenteil von gut.

* “Race Together” ist Wortspiel mit der Doppelbedeutung von “Race”, das je nach Kontext entweder Wettrennen oder Rasse bedeuten kann. “Together” ist eindeutig und steht für “zusammen” oder “gemeinsam”.

Gesegnetes Alter?

Sonntagnachmittag. Es läutet Sturm. Vor der Tür, die Hand noch immer auf der Klingel, ist meine greise Nachbarin Lyn, im feinen Rosenblüsle, mit frischem Lippenstift und gebürsteten Haaren. Klein und verhutzelt steht sie da und fragt mit einem Stimmchen, das schon die Erwartung in sich trägt, daß der Zeitpunkt gerade doch nicht paßt, an: “Can I come visit?”, was bedeutet, sie möchte nicht nur zwischen Fliegentür und Angel einen Schwatz halten, sondern hereingebeten und im Idealfall mit einem Heißgetränk und Keksen bewirtet werden.

Weil ich manchmal seniorenfreundliche Anwandlungen habe, und weil sie mich in diesem Moment wirklich so recht von Herzen dauert, lade ich zu Kaffee und Gebäck und sie erklimmt glückstrahlend einen Küchenstuhl, schaut mir beim Kaffeekochen zu, baumelt mit den Beinen und redet. Redet davon, wie der Pastor in der Kirche, der Kirche drüben beim Seven-Eleven, wo bei dem schlimmen 89er Erdbeben der Kirchturm herabgestürzt  ist und nie wieder aufgebaut wurde, was ja wirklich schade sei, weil die Kirche vorher viel hübscher war und wo sie jetzt öfter mal hingehe, also heute zum zweiten Mal, weil sie habe es zwar nicht mit der Religion, aber man könne schließlich nie genug Leute kennen, weil die, die man kennt, sterben einem ja unter den Händen weg, wie also der Pastor der Kirche, der Kirche drüben beim Seven-Eleven, sie heute öffentlich vor der ganzen Gemeinde, die ja nun nicht groß sei, aber doch immerhin groß genug, als daß man dort neue Freunde finden könne, wie also der gute Pastor sie heute vor allen anderen mit Namen begrüßt habe. Ganz hin- und weg ist sie, daß er sich an ihren Namen erinnert hat. Nur den Vornamen, aber das sei doch schon was. Und alle hätten ihn gehört.

Dann ist der Kaffee fertig und eingeschenkt und sie bewundert die Tassen und das Milchkännchen und nach dem ersten Schluck lobt sie mich, weil der Kaffee schmecke wie der ihrer Mutter, die bis zum Ende ihrer Tage die Bohnen noch mit der Hand gemahlen habe und dann portionsweise Wasser aus dem Kessel aufgegossen, damals als man noch so viel Zeit hatte für die guten Dinge, wobei ihr ihm Moment gerade entfallen sei, ob sie die Kaffeemühle eigentlich noch irgendwo und wenn ja, wo, herumstehen hat oder ob sie die, wie so viele andere Erinnerungsstücke an die Mutter seinerzeit wegegeben habe. Ja, sage ich, der Kaffee ist eigentlich geschummelt und besteht zu einem Gutteil aus Kakaobohnen und ich kaufe den bei Trader Joe. Hach, da leuchtet jede einzelne Falte in ihrem Gesichtchen auf. Trader Joe!* Besseres finde man hierzulande nicht. Der habe doch bestimmt auch diese unglaublich schmackhaften Kekse gebacken? Hat er nicht, aber sie freut sich so, daß sie auch den Bäcker Joe erkannt zu haben glaubt, daß ich ihr zustimme. Das freut sie gleich noch mehr.

Heute sei einfach so ein guter Tag, sagt sie. Erst war sie nämlich in der Kirche drüben beim Seven-Eleven mit dem netten Pastor, auf dem Rückweg habe sie ihre Freundin ganz hinten in unserer Straße besucht, die zum Glück von der schlimmen Lungenentzündung genesen sei und schon wieder herumlaufe und sie vielleicht nächste Woche beim Kirchgang begleiten werde und sich ganz arg für Lyns viele Genesungskarten bedankt habe, dabei habe es die arme Frau so schwer, wo ihr doch letztes Jahr erst ihre langjährige Freundin weggestorben sei. 40 Jahre hätten sich die beiden ein Haus geteilt und Lyn vermutet, sogar das Schlafzimmer, aber sie maße sich da kein Urteil an. Komisch sei es aber doch, oder? Und jetzt hätte sie wieder eine “Companion” im Haus, und die sei min-des-tens 20 Jahre jünger. Aber sie, Lyn, sei ja tolerant. Total tolerant. In ihrem Senior Center gibt es sogar ein schwules Paar. Das seien Männer, da sei “das” doch eher normal. Bei Frauen, kneift sie das ganze Gesicht zum Runzelapfel zusammen, sei es doch eher unnatürlich. Aber sie sei die letzte, die in diesen Angelegenheiten Vorurteile habe.

Nachdem wir das geklärt haben, bespricht sie noch die allgemeine Sicherheitslage. Ganz schlecht. Sobald es dämmere, lege sie den Riegel vor und schließe ab. Zwei Mal. Nachts rausgehen? Nie im Leben! Da müßten sich die jungen Auftakeldinger gar nicht wundern, in ihren nabelfreien Fähnchen, wenn Männer über sie herfallen. Ich widerspreche, selbstverständlich, und sie läßt mich auch ausreden, vor allem, weil sie weiß, daß sie recht hat und ich nicht. Wenn schon nachts als Frau draußen, dann eben nicht zu Fuß, sondern im Auto. Wobei, Auto, das wollte sie mich immer schon mal fragen (so ein geschickter Themenwechsel), warum kauft mir meine Firma eigentlich keinen Mercedes? Sie selbst fahre ja nicht mehr. Damals, als sie mit über 70 einen Unfall mit Totalschaden (“I totalled my car”) hatte, an dem selbstverständlich jemand anders Schuld war, habe man doch beim DMV ganz impertinent darauf bestanden, daß sie noch einmal die Führerscheinprüfung ablege. Mit Sehtest und schriftlicher Prüfung und, das sei doch kaum zu glauben, auch noch mit praktischer Prüfung. Am meisten Bammel habe sie vor dem Sehtest gehabt, weil ihre Augen damals schon nicht mehr so gut waren, aber da habe sie sich durchgemogelt und die hätten das nicht mal bemerkt. Das Genick gebrochen habe ihr die theoretische Prüfung. Ihr, die noch heute ganz genau sehe, was Autofahrer falsch machen, weil sie nämlich genau weiß, wie es richtig wäre. Und dann lassen die Deppen sie durchrasseln. Sie konnte auch dafür nichts, die haben ganz einfach die falschen Fragen gestellt.

Der Tag ist noch immer ein besonders guter Tag für Lyn, der Kaffee ausgetrunken, der Plätzchenteller bis auf einen Höflichkeitskeks geleert (“I shouldn’t, but I have no will power”) und Lynnie wird hibbelig. Erstens ist jetzt die Blase voll und ihre Mutter hat immer gesagt, daß eine Dame am besten daheim aufs Klo geht und zweitens fängt in fünf Minuten ihre Lieblingssendung im Fernsehen an, das Sonntagnachmittag-Special auf dem Country & Western-Kanal, zum Mitsingen- und tanzen. Ob ich vielleicht…?

Nein. Ich tanze nicht. Außerdem, wenn ich heute noch eine gut Tat tue, dann brauche ich einen Träger für meinen Heiligenschein.

 

* Trader Joe gehört zum Imperium der Discounter-Brüder Albrecht. Für uns Ausländer ist das ein Laden mit eß- und bezahlbaren Lebensmitteln, für Lyns amerikanische Geschmacksknospen ein Feinschmeckerparadies.