Sauber derbleckt

Bravo, Luiserl! Jetzt hast as raus! Das war die beste Fastenpredigt, die die Mama Bavaria ihren Schrazn beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg je um die Ohren gehauen hat, und jeder Tadel darinnen hochverdient. Was sie über wen gesagt hat, steht für jeden zum Selbernachlesen in der Zeitung, aber wie sie den Balanceakt hingekriegt hat, mit einem Lächeln (mütterlich, aber doch saugemein) den vor ihr sitzenden Politikern Moral zu predigen, das hat mir schon sehr recht sauguat gefallen.

Noch a mal: Bravo, Luiserl! Bin gespannt, ob du nächstes Jahr wieder dabei bist.

Singspiel war auch. Viel besser als letztes Jahr, schon fast ein Musical. Und mit Musiktheater hab ich’s halt ned a so. Nicht mal vom Rosi.

Über das Bloggen in der Heimat

Früher, also in den letzten sieben Jahren, da war ich wo fremd und mir lief ständig neues Fremdes und Befremdliches zu und ich verbrachte jeden Abend wenigstens eine halbe Stunde allein im Auto und kontemplierte schöne und treffende Formulierungen für Menschen auf der anderen Seite des Atlantik, denen das Fremde auch fremd war und denen ich es nahe- oder wenigstens näherbringen wollte.

Seit ich wieder hier bin, lebe ich mit meinen Leserinnen und Lesern im selben Kontext. Wir haben Zugriff auf dieselben Medien und Informationen und ich habe oft das Gefühl, nichts Neues und schon gar nichts Besonderes oder Befremdliches mehr zu erzählen zu haben, wie zum Beispiel, dass The Donald ernsthaft Chancen hat, Kandidat der Republikaner und möglicherweise Präsident zu werden oder dass die Kaufhauskette Target vor lauter gender-correctness die Trennung zwischen Girl’s und Boy’s Toys aufgehoben hat, und jetzt nur noch neutral “Spielsachen für Kinder” anbietet oder dass der Magistrat von San Francisco endlich entschieden hat, das Aussetzen von Butterfliegen zu bannen. Scusi, das passiert mir jetzt manchmal – der korrekte deutsche Begriff ist selbstverständlich Schmetterlinge. Ja, doch, Schmetterlinge dürfen, wie das bei Hochzeiten im Amerikanischen inzwischen der Brauch zu sein scheint, nicht mehr “into the wild released” werden. Wo kämen wir denn in der Blumenkinderstadt sonst hin. Hmmm?

Aber zurück zum Thema. Themen, nämlich. Für nur schräge Fundstückerl (“Nebensächliches bei den Grammys: Bieber bringt Bruder”) ist mir der flockblog zu schade und dass die Presse jetzt jeden englischen Boris zu Davids Horst macht, und auch sonst das Zumhorstmachen gerade in Mode ist, lesen meine tageszeitungsaffinen Leser selbst. Ich weiß noch nicht recht, wie ich damit umgehen soll.

Bitte bleibt mir gewogen, denn eines weiß ich sicher – ohne zu schreiben gehts nicht mehr. Worüber? Es wird sich weisen. Denn: “sie brauchen das Beste für den wertvollsten unserer 5 Sinne!”, wer immer sie (und “uns”) auch sein mögen.

Schneeheeflöckchen, Weiheißröckchen

Da wollte ich einen wahnsinnig positiven blogpost über die Schönheiten des beginnenden Lenzes schreiben, über morgens beim Aufwachen schon hell und abends auf dem Heimweg immer noch und über einen Föhnsturm, der sich anfühlt wie ein Santa Ana-Wind mit Frühlingshauch und freche Knospen an Zweigen und Kroküsser in Vorgärten und dann ist das helle Licht am Morgen extra hell, weil es gefrorenes Liegewasser reflektiert und ich muß wieder die warmen Goretex-Stiefel anziehen.

Weißt du was: Hau einfach ab, du weißer Dreck!

Werbersprech

resized

Hmmm. “Größenangepaßt”. Das klingt natürlich besser als “Liebe Kunden, die wir für dümmer halten, als sie sind, wir haben die Packung geschrumpft.”

“Great job making it to this point!”

freut sich die amerikanische Steuererklärungssoftware – wir haben es geschafft, der IRS und Kalifornien die Steuern für 2015 zu erklären, obwohl ich nicht mehr im Lande, sondern irgendwo “Foreign or US possession” lebe.

Leicht macht es Amerika seinen Weggezogenen nicht gerade. Vor allem dann nicht, wenn eine Steuerrückzahlung ins Haus steht. Da kostet eine Überweisung an ein deutsches Bankkonto gleich mal $50.00 “flat fee” für die Umstände, die sich irgendwer damit machen müßte, und Kalifornien ist gar nicht erst imstande, e-filing zu akzeptieren, wenn der Geldzurückhabenwoller im Ausland wohnt. Die bestehen ganz altmodisch auf das Zustellen der Steuererklärung per Post.

Von mir aus. Was tut frau nicht alles für ihr Geld.

Reimmigrationsgrammatik

Verben haben keine Steigerungsform? Von wegen. Ich, zum Beispiel, bin viel angekommener als ich es vor ein paar Wochen noch war. Nicht nur habe ich bei Pfisterbrot meine erste volle Stempelkarte gegen einen Viertellaib Brot und eine Brotzeitbox aus der Tagesaktion eingetauscht, nein, ich schmiere mir auch jeden Morgen ein Pausenbrot und nehme es in einer der inzwischen vier (!) Boxen, die sich seit meiner Rückkehr in meinen Haushalt geschmuggelt haben, als Lunch mit in die Arbeit.

Und mittags erwidere ich brav den traditionellen Gruß der alteingesessenen Kollegen. Mahlzeit!

Alles Wurscht!

Er freue sich, sagt mein britischer Gesprächspartner am Telefon vorhin, heute ganz besonders aufs Abendessen, denn es würden “bangers and mash” gereicht. Wie? Keine Ahnung, was das sein soll? Mann. Mann. Mann. “Bangers”, das seien doch diese wunderbaren stark gewürzten Bratwürste in einer Cumberland-Soße und “Mash” nicht etwa ein Mobile Army Surgical Hospital, sondern Kartoffelbrei. Dann kennte ich möglicherweise auch “Toad-in-the-Hole” nicht? Das sei auch sowas ganz besonders feines, nämlich Bratwürste und braune Soße im Teigmantel. Aber best of the best sei ja für ihn “bubble and squeak”. Aha. Und woraus besteht das? Ordentlich Bacon, Gemüsereste und Kartoffelschnitz in einer Pfanne mit einander verbraten, zum Stocken gebracht und dann “wie Kuchen” in slices serviert.

Man muß wohl seit vielen Generationen nicht von seiner Insel runtergekommen sein, um sowas zu mögen – mich hat’s noch nicht einmal in der Feinschmecker-Version von Jamie “Add some Splashes of Olive Oil” Oliver angemacht: http://bit.ly/1ToYm6W

My dear Californians

There are things that I do not wish to read, e.g.

  • “Und warum sind das jetzt abends schon wieder 27 Grad in der Wohnung? Mitten im Winter?”
  • “Alles gut hier drüben. Die Kirschblüten spriessen und das Wetter wird warm und wärmer.”
  • “Went to the beach and had a lovely time. Even me got a tan. Somewhat anyway. The others called it ‘sun-burn’.”
  • “Wish you’d been here: we had a great BBQ in our backyard the other day.”

Do I really have to tell you that I haven’t worn sandals in ages, have no effing clou why I brought my T-shirts or any other summer gear over here, don’t even know what “tan” means anymore and I am cold whenever I am outside* irrespective from the amount of layers I am wearing and yes, that includes scarfs (note the plural!) and gloves (okay, plural here comes naturally).

You know me and the mood I get in when I am cold. It doesn’t really help to know that y’all are warm. It just adds kinda homesickness to the freezing.

* Even though people here call this a “mild winter”.

Neu im Kino: Hail Caesar!

Einen Jux haben sie sich gemacht, die Brüder Coen und ihr sensationeller Cast mit der Geschichte vom “Fixer” (Reparaturbeauftragten) Eddie Mannix, der in den Jahren von Cold War und Red Scare, als die Studios in Hollywood noch wer waren, die Stars noch für Skandale gut, die Klatschkolumnistinnen allmächtig und schwule Männer doppelt böse und mindestens neben Sodomisten auch russische Spione, nur seinen Job macht und darum alles tut, damit das Unzählige-Komparsen-unzählige-Kostüme-noch-viel-mehr-Sandalen-Passionsspiel vom zum rechten Glauben konvertieren Römer vollends in den Kasten kommt.

In meiner allerliebsten Lieblingsszene wird Frances McDormand beinah erwürgt; wie es dazu kommt, ist zum Brüllen. In meiner anderen allerliebsten Lieblingsszene tanzt ein Matrosenballett und Channing Tatum gibt den Primusballerinus. Dann noch ein Cowbub (Alden Ehrenreich), der auf den jungen Wilden Marlon Kowalski getrimmt wird, George Clooney als Depp, Tilda Swinton als Zwillingsschwestern in Kostümchen, wie von Coco Chanel entworfen, wenn sie von Gaultier träumt. Und die Dialoge im Haus in Malibu erst. Alles auch Lieblingsszenen.

Ich war very amused. Wer Lust auf richtig gute Unterhaltung hat, der/die soll anschauen! Anschauen! Anschauen!