Nachtrag zum Fasching

Als bekennender Faschingsmuffel habe ich das Wort “pappbenast” erfunden, und mich darüber wahrscheinlich mehr amüsiert, als ich es bei einem Jeckenumzug plus drei Beuteln Kamelle getan hätte.

Darum war es nur recht und billig, dass ich heute Nachmittag, entgegen der sonst üblichen bayerischen Gepflogenheiten, nicht frei hatte. In einem ansonsten leeren Bürogebäude neben ungestörter Arbeit die Zeit gefunden, darüber zu kontemplieren, dass das deutsche Äquivalent zu “holding down the fort” wohl “die Stellung halten” ist, dem Amerikaner der Begriff “Stallwache” jedoch vollkommen fremd zu sein scheint. Wenig überraschend, wer sich nach einem “home where the buffalo roam” sehnt, dessen Viecher stehen auf der Prärie rum. Und nicht im Stall.

Literaturempfehlung

Manchmal spicke ich noch in meinem US-Amazon.com account nach Neuerscheinungen und hier wie dort glauben die Marketingmenschen, dass, was andere Leute kaufen, ein Auch-haben-will-Argument ist. So wie heute, wo sie mich zum Kauf eines Buches mit diesem Klappentext animieren wollen: American and British soldiers find themselves in Taliban-controlled mountains, hunted by the murderous undead! Think The Walking Dead meets Black Hawk Down!

Das ist bestimm wahnsinnig gut gemeint. Dankeschön. Aber mir graut vor Zombies und wenn ich mal wieder schlechte Nächte haben sollte und das Flapp-Flapp-Flapp von Hubschrauberrotoren als Einschlafhilfe brauche, dann bewährt sich schon seit vielen Jahren M*A*S*H. Hab alles, brauch nix; dieses Werk müßt ihr wem anderen andrehen.

Sonst ändert sich nix!

Von wegen. Vorhin im Supermarkt, da war er wieder da. Stapelweise. Also known as “Die Gailtalerin unter den Schokoriegeln”.

Raider

Falls meinen jungen Lesern der Blogpost zu retro ist, erklären die mit mehr Lebenserfahrung euch den gerne…

“Buy now for V-day! Bra BOGO buy 1 get 1 50%”

Wofür das “V” im Büstenhaltersuperausverkauf des amerikanischen Versandhändlers wohl stehen mag? Vegetarier, vielleicht? Oder Victory? Veteran, eventuell? Venus? Wer mag, rate mit. “Was meinen Sie dahinten? “Victoria’s Secret”? Nah dran, aber nicht nah genug.”

Ist doch ganz einfach, eigentlich. Am V-day preist die Welt der Mode-, Süßigkeiten- und Schmuckhersteller sowie alle, die keine Scheu davor haben, Dinge ohne jeden kontextuellen Bezug rosarot einzufärben, ihren Schutzheiligen, den Ex-Bischof von Interamna.

Das ist doch allemal einen Zweit-BH zum halben Preis wert.

Oh Susanna

Weil es nichts gibt, das es nicht gibt, hält sich ein Magazin wie der Focus einen recht dramatisch aufgemachten +++ Karneval 2016 Live-Ticker +++ und seine Leser mit Eil-Updates zu den sturmwetterbedingt abgesagten Rosenmontagsumzügen – Mainz! Düsseldorf!! Münster!!! – auf dem Laufenden. Mir ist das ja so hoch wie breit, trotzdem werde ich irgendwie den Verdacht nicht los, dass manchem Verantwortlichen die böse böse Windsbraut als Absageausrede gar nicht so unlieb war. Aber was weiß ich schon von organisiertem Frohsinn in der Ära nach dem Domplattensilvester.

Um mein Krähennest im 5. Stock bläst die regenschwangere Susanna und wo’s gerade so en vogue ist, sag ich eben auch was ab. Jegliche Ausgehpläne für heute Abend nämlich. Hah!

War was?

Richtig. Auf der anderen Seite des Atlantik haben Männer ein Lederei herumgeworfen und die einen haben es besser gemacht als die anderen und gewonnen. Cold Play und Beyoncé musizierten, Budweiser “ditched the puppies” (d. h. die Bierreklame zum 50. Super Bowl war welpenfrei), dafür stampfen Brauereigäule (http://bit.ly/1Q2NCFX) gegen alles, vor allem unamerikanische Umtriebe. Man muß halt auch als Bierbrauer mit dem Wahljahr gehen…

Trotzdem, gut wars. Warum? Ein Freund aus Santa Clara (gleich neben dem Levis Stadium, wo der ganze Bohei stattfand) hat sein Haus für eine Woche an Fans und Presse weitervermietet und damit genug Kohle gemacht, um einen Familientrip nach Europa zu finanzieren. Ein Aufenthalt in Deutschland ist eingeplant. Ich freu mich schon.

Super, Bowl!

Küchenphysik

In Amerika werden Küchenherde eher mit Gas denn mit Strom betrieben und das Fifties-Monster in meiner San Brunoaner Küche war da keine Ausnahme. Nachdem mir am Anfang noch ein paar Mahlzeiten angebrannt waren, wurden mit der Zeit die Resultate wieder gewohnt gut und selbst die Kollateralschäden weniger. (Zu nah am Feuer und schon stehen Kochlöffel und Topflappen lichterloh in Flammen, auch Kunststoffschneidebretter sind stark schmelzgefährdet.) Nun, da ich wieder mit hiesigem M-Strom koche, genieße ich zwar, dass ich Nachwärme auszunutzen habe oder irgendetwas stundenlang auf kleinster Flamme simmern lassen kann, es fehlt mir aber auch der schnelle-Hitze-und-dann-sofort-Schluß-damit-Effekt meines Gasherdes. Die ideale Lösung wäre eine mittig in der Küche installierte Insel mit beiden Energiequellen.

Gut. Prima. Easy. Jetzt muß ich nur noch herausfinden, wie ich die nicht nur auf 2×2 Metern Küchenfläche unterbringe, sondern auch noch drumrumgehen kann. Ganz zu schweigen davon, dass Kühlschrank, Spülmaschine, Schränke, Spüle etc. dort weiterwohnen sollen und wollen.

Hmmm. Gibts da vielleicht irgendwas passendes im Raum-Zeit-Kontinuum?

…sed vitae discimus

Aus einem Schulzeugnis: “Der kleine Kerry läßt es im Fach Staatsbürgerkunde zumeist an Aufmerksamkeit mangeln und sich häufig von Basteleien ablenken. Für den weiteren Lebensweg empfehlen wir Ihrem Sohn, eine Ausbildung im Handwerk anzustreben.”

magna cartEs will scheinen, dass der Bub in dem ungeliebten Schulfach doch mindestens einmal aufgepaßt hat, sonst hätte er seinem zusammenklappbaren Faltkarren (“Magna Cart”, links) doch niemals diesen geschichtsträchtigen Namen gegeben. Ich bin Kerry Welsh nach schon wieder zwei Schwersttransporten in den Keller auf jeden Fall sehr dankbar für diese Erfindung und zufrieden mit mir, weil ich den “folding hand truck” von den American S&M-Packers habe umziehen lassen (auch wenn die sein Leichtgewicht durch den unmäßigen Einsatz von Einwickelpapier wahrscheinlich mindestens verdreifacht haben).