Muttersprache

Es ist ja nicht so, dass, bloß weil man eine Sprache von kleinst auf lernt, man ihrer auch Herr wird. Wie ich das meine? Nun, neulich erhielt ich eine e-mail, in der ich aufgefordert wurde: “Please get in tough…” Weil ich wohlwollend bin, nehme ich an, die Absenderin hat entweder eine übelmeinende Autokorrektur installiert oder auf ihrer Tastatur liegen “G” und “C” zum Verwechseln nahe und sie möchte wirklich gerne von mir hören.

Dennoch bleibt ein leiser Zweifel, denn im Angelsächsischen kennt man halt auch den Begriff “Tough Love”, was sich ins Deutsche ungefähr in der Bandbreite von “A Watschn hat no koam g’schadt” bis “Das tut mir jetzt mehr weh als dir” übertragen läßt. Mal schauen, was passiert, wenn ich antworte.

Schlimmstenfalls krieg ich dann sowas auf die Ohren.

tough love

Wieder mal Jazz

Im Rahmen der Munich Summer Jazz Week gastiert – noch bis einschließlich Samstag dieser Woche – das Chris Gall Trio (Chris Gall (p), Henning Sieverts (b), Peter Gall (dr)) in der Unterfahrt, mit Frank Möbus als Gast an der Gitarre. Und weil die Herrschaften Unterfahrt sich immer großartige Musiker ins Haus holen, war auch dieses Konzert eines der besten, das ich je miterlebt habe. Besonderen Dank für die Neuinterpretation von “Across the Universe”.

Den Genuß konnte noch nicht einmal die Dame bei uns am Tisch trüben. Akademikerin, gebildet, gepflegt und kultiviert, den Mund voller AfD-Sprech, mit einem reichen Fundus an Verschwörungstheorien  und keinem Sachargument gegenüber offen. Immerhin weiß ich jetzt, dass man in ihren Kreisen das lasche deutsche Asylrecht für die Anschläge auf die Twin Towers verantwortlich macht. So ein Gespräch hinterläßt bei mir immer einen etwas bitteren Nachgeschmack; ich habe jemandem, der den Diskurs eigentlich gar nicht will, weil er/sie sich im Gegensatz zu mir im Besitz der alleinigen und wirklich wahren Wahrheit wähnt, nichts entgegenzusetzen und will dann eigentlich nur noch in Ruhe der Musik zuhören und denke aber, ich sollte mich auseinandersetzen. Schwierig.

Reality-Dreaming

Einsame Hütte im Wald, kein Strom, kein fließendes Wasser, nix. Es klopft zwei Mal hart an die Tür…

Davon wache ich eine knappe halbe Stunde vor dem Wecker auf. Muß schon sagen, da war das Dream-Continuity-Team schwer auf Zack.

Neu im Kino: The Secret Life of Pets

Frau hilft ja gerne und kümmert sich natürlich um das Patenkind eines durchreisenden Freundes aus Kalifornien, während der noch einen WWT (Wahnsinnig Wichtigen Termin) wahrnimmt. Es könnte allerdings nicht schaden, wenn ich eine Ahnung davon hätte, wie man Elfjährige unterhält, aber soweit ich weiß, können Kinder in dem Alter schon sprechen und dann frag ich halt. Nein, shoppen bei H&M oder Pimkie oder so geht nicht, die haben sonntags zu. For real. Noch was anderes? Okay, McDonalds geht, aber das halten wir (vor allem ich) keine drei bis vier Stunden durch. Was noch? Kino? Prima. Welcher Film?

Aus purer Nettigkeit schaue ich mir dieses Jahr nun also schon den zweiten animierten Film mit Tieren an. Zootopia neulich war eine gar nicht mal so schlechte Adaption des konventionellen Rookie-Cop-Themas; Pets jetzt ist eine typische Big-Apple-Hommage, mit Glitzerlicht-New York bei Nacht, Skyline, rotzigen Dialogen, schnell geschnittenen Verfolgungsjagden und kommt daher im Gewand einer Buddy/Odd Buddy-Komödie (Stimmen: Louis C.K.  und Eric Stonestreet) und weil Rudy Giuliani seinerzeit mit seinen “Broken Window” Aufräumaktionen offensichtlich nur an der Oberfläche gewirkt hat, ist die Kanalisation bevölkert von bösgewordenen “Flushed Animals”, angeführt von einem durchgedrehten Duracell-Häschen namens Snowball (Stimme: Kevin Hart). Auch gar nicht so schlecht, vor allem, wenn man elf Jahre alt ist.

Und hinterher treffen wir uns mit dem Godfather (ich kann gar nicht aufhören, an Marlon Brando zu denken) im Biergarten und das amerikanische Kind bekommt eine ganze Maß Spezi vollkommen ohne Eiswürfel (“No ice? For real?”), ißt ihren ersten Steckerlfisch und ihre erste Riesenbreze und teilt jeden Bissen per Selfie mit den Girls daheim. Brav, Kind, schön weiter still beschäftigen, dann kommen dein Onkel und die liebe Tante Sabine auch mal zum Reden.

Noch nicht mal komisch

Wenn einem zu Diktatoren nichts mehr einfällt, ist das eine Sache und man befindet sich noch dazu in guter Gesellschaft. Wenn einem aber bloß noch Peniswurschtwitze einfallen, ist das doch eher armselig.

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Nimmer ganz neu im Kino: The Nice Guys

Russell Crowe, Ryan Gosling und Kim Basinger. Come on, was kann bei der Besetzung schon schiefgehen? Hmmm. Der Film war inhaltlich weniger L.A. Noir als mehr so L.A. Hellgrau. Man wird sich seiner irgendwann in späteren Jahren als den Film erinnern, in dem Kim Basinger mit immer noch langem Blondhaar überzeugend die korrupte kalte Mutter einer erwachsenen (!) Tochter gab, das Kick-Ass-Girl mit Angourie Rice geradezu ideal besetzt war und Russell Crowe das erste Mal als John Goodman auftrat.

Eins noch: Lieber Ryan Gosling, bitte nehmen Sie bald einmal wieder eine Rolle an, in der Sie keinen Schnauzer tragen müssen – die Haare verstellen den Blick auf Ihre wunderbar bebenden Nasenflügel.

Anschauen? Ja, warum nicht?

Fleischeslust

Die Ärztin hat neulich ohnehin wegen der schlechten Eisenwerte geschimpft (“Ja essen Sie denn gar kein Fleisch??” – doch, das doppelte Fragezeichen war deutlich zu hören gewesen) und mir ist schon seit Tagen nach einem schönen Stück sehr blutigen Fleisches, das allenfalls mal für einen wenzigen Moment Kontakt mit der heißen Grillpfanne hatte – Gründe genug, mir mal wieder ein richtig schönes Entrecôte zu gönnen.

Weil ich mich kenne (Augen immer größer als Magen), nehme ich beim Landmetzger meines Vertrauens auf dem Markt trotzdem nur das kleinste und dann muß ich angesichts des geforderten Preises einmal sehr tief durchschnaufen. Huiuiui! Im mexikanischen Supermarkt hätte dieser Klumpen Rind allerhöchstens die Hälfte gekostet und wäre dafür von besserer Qualität gewesen.

Aber dafür gibt es in Amerika weder Pfisterbrot noch Quark.

Geschichten aus der Provinz

Manches verpaßt frau ja schon, wenn sie mal so sieben Jahre weg ist. Zum Beispiel, dass eine Dame namens Rita Falk* in ungefähr Halbjahresabständen “Provinzkrimis” absondert**: Nun haben mich unabhängig voneinander zwei vertrauenswürdige Gewährsmänner fast zeitgleich von diesem Umstand informiert, wobei zur Geschichte des einen gehörte, dass ihm der Kauf der Werke zur Selbstlektüre eigentlich so peinlich war, dass er das dringende Bedürfnis verspürte, die Buchhändlerin seines Vertrauens hinsichtlich des Empfängers anzulügen (“ist ein Geschenk”) und der andere mich via e-mail mit einem “Husch, husch, angucken, falls du noch nicht hast (gibt’s nur noch bis 1.8.)” zum nächsten Medium in die ARD Mediathek geleitete, weil nämlich die Frau Falk zu den Autoren gehört, die Dusel gehabt haben (s.**).

Ja, und dann hab ich ihn angeschaut, den “Winterkartoffelknödel”. Was soll ich sagen? Nett war’s. Ned mehr, ned weniger. Bißl oid san’s worn, da Eisi, da Simon, da Sigi und d’Moni und d’Enzi erscht. Dafür ist der Held “A Hund issa scho, da Eberhofer” jung, hübsch und viril, erinnert an den jungen Daniel Brühl und wird gespielt von Sebastian Bezzel. Fast wär’s mir schon ein bißchen zu königlich-bayerisch-dumpf-klischeeig geworden, aber die Nummer hat’s dann ziemlich rausgerissen: http://bit.ly/2aAns4k.

Fazit: man muss das nicht anschauen. Aber man kann und dann ist es kurzweilig genug für einen Fläzabend aufm Soffa.

 

* Ein Name, bei dem sich der Pseudonym-Verdacht geradezu aufdrängt, oder?

** Was mich zum einen an den Verleger eines befreundeten Autoren denken läßt, der dessen aktuelles Buch zwar nicht ins Programm nehmen wollte, ihm aber dazu riet, Regionalkrimis zu schreiben, weil die seit dem Kluftinger gehen wie geschnitten Brot und wenn’S richtig Dusel haben, auch noch verfilmt werden und zum anderen an Tucholskys misanthropischen Aufsatz “Der Mensch” und hier im besonderen an die Stelle: Der Mensch zerfällt in zwei Teile: In einen männlichen, der nicht denken will, und in einen weiblichen, der nicht denken kann. Beide haben sogenannte Gefühle: man ruft diese am sichersten dadurch hervor, dass man gewisse Nervenpunkte des Organismus in Funktion setzt. In diesen Fällen sondern manche Menschen Lyrik ab. 

Ödipus-Therapie

Statt Vatermord, Mutterbeischlaf und Komplex, Schweinsbraten mit Knödel & Krautsalat, weil bei Regen statt Innenhof der Glyptothek, Atzingergarten in der Schellingstraße. So im Nachhinein betrachtet wäre a bissel Niederschlag in Theben dem plattfüßigen jungen Helden vielleicht auch zuträglicher gewesen.

War schon nett unterm Schirm, bei Blitz, Donner und Prasselregen. Und mit Sicherheit nahrhafter. Aber das nächste Mal, lieber Wettergott, bitte wieder Kultur. Die spielen da zu deinen Ehren doch eh schon den “Sturm”.

Im Fernsehen

Alle Münsteraner Tatorts (oder Tatorte) sind komisch & schräg? Nein, nicht alle. “Tatort – Mord ist die beste Medizin” zum Beispiel war es nicht. Und das ist schade.