Ex obligo

Neulich, morgens. Die U-Bahn stottert von Station zu Station und bleibt alle Nase lang für ein unbestimmtes Weilchen im Schacht stehen. Kurz vor dem Goetheplatz befindet der Fahrer, seine Gäste seien jetzt stark genug und klärt auf: Die Ursache, sagt er, sei in der “Kleisbelächung vor uns” zu finden.

Da sage noch einer, für schöne neue Wortschöpfungen müsse man immer die koksende Kreativbranche bemühen.

Die Zeit ist aus den Fugen

Es gibt einen alten jiddischen Witz und der geht so:

Die Taschenuhr eines russischen Bäuerleins versagt den Dienst, also geht er zum Uhrmacher. Als der die Uhr hinten öffnet, fällt aus den Zahnrädchen eine tote Wanze heraus.  Daraufhin schlägt sich der Bauer verständnisinnig an die Stirn und konstatiert: “Ah, Maschinist kaputt!”

Ich bin sehr gespannt zu hören, zu welcher Diagnose die Blau-T-Shirt-Geniusses im Apfelladen kommen, wenn ich denen mein No-longer-very-Smart-Phone vorstelle, das seit neuestem gerne mal 10 Minuten nachgeht.

Neu im Kino: The Big Short

Besetzt zum Fingerabschlecken: Christian Bale, Steve Carell, Ryan Gosling, Brad Pitt, gescheit, witzige und pointierte Dialoge* und lehrreich noch dazu – es gibt ü-ber-haupt keinen Grund, sich diesen Film nicht zügig anzusehen!

Also ab ins Kino! In München läuft er vielerorts im Original, meist mit Untertiteln, und seit gestern weiß ich endlich, dass die opportune Übersetzung für das “Fuckface” die “Arschgeige” ist. (Hätte in dem Kontext keinen Besseren treffen können.)

Anschauen! Anschauen! Anschauen!

* Für den Vorgeschmack und zum Nachgenießen: imdb.to/1RPohFT

Komme gleich

Ba-rrrimm! Ba-rrrimm! Och nö! Nicht jetzt! Viel zu früh und ganz falsche Schlafphase, so kann ich nicht arbeiten! (Hysterischen Regisseurston dazudenken, bitte.) Was in CalTrain-Zeiten nie gegangen wäre (und in S7-Zeiten auch nicht so recht), ist mit einer Wohnung in U-Bahn-Nähe und einem morgendlichen Fünf-Minuten-Takt gar kein Ding. Einfach den Wecker auf eine halbe Stunde später stellen, sofort wieder einschlafen, sich nunmehr erquickt von Eos’ Rosenfingern wachstreicheln lassen und auf dem Weg ins Bad den Wecker vor dem zweiten Lärmen ausschalten.

Wie einen doch sieben Jahre Nahverkehrsentzug die guten Münchener Verkehrsbetriebe schätzen lernen lassen.

Über die Psychologie der Fußbekleidung

“Boots”, lerne ich gestern beim Schaufensterbummel, sind “Best Buddies”, “Flip Flops” machten “Fun Friends”, und “Peep Toes” seien “Freche Gören”. Ich hülfe den Marketinglern ja gerne mit einer weiteren Alliteration aus, allein “Pißnelke”, wiewohl zutreffend, ist wenig verkaufsfördernd und “Pippi Langstrumpf” erhöbe wohl einen zu hohen Anspruch an die Trägerin. Ich meine, wenn die Schuhe schon Pippi sind, was bleibt denn dann für die Frau darin noch übrig?

Außerdem liegen sie vollkommen falsch. “Peep Toes” ist, wenn Sabine bei der Abreise aus Amerika ihre eh schon häufig getragenen Lieblingssocken für den Aufenthalt im Dürrnhaarer Gastheim einpackt, sie dort wenigstens einmal wöchentlich durch die Waschmaschine jagt und dies auch im neuen Heim fortsetzt. Irgendwann bricht das harte Münchener Wasser selbst die strengste Faser und mir bleiben nun nur zwei Möglichkeiten: Socken stopfen oder Nachfolger einarbeiten und Trennung.

So, wie ich mich kenne, werde ich am Wochenende mein Nähzeug suchen. Bis auf die paar Löcher sind die Dinger schließlich noch pfenningguad…

Test as test can

Wir sollen in der Firma ein neues ERM-System (Electronic oder Enterprise Resource System) bekommen und nachdem die beiden Herren Entwickler sich nun seit zwei Wochen mit der Customization herumgeschlagen haben, war heute Beta- (oder wie ich es nenne Blondinen-) Testing erwünscht. Für sowas melde ich mich immer gerne und hatte denn auch ein sehr unterhaltsames Stündchen mit den zunehmend entsetzteren Herren.

Zunächst hat mich das System begrüßt mit “Congratulations, your inbox is empty” und für diese “Glückwunsch, daß dich keiner mag”-Nachricht habe ich mich mit “use-cases” gerächt, mit denen sie (weder Entwickler noch System) nie gerechnet hätten, Knöpfe in den unintuitivsten Reihenfolgen gedrückt, mal schnell ein paar von anderen angelegte Projekte gelöscht (ganz böse!) und mich überhaupt benommen wie die Axt im Walde. Wie gesagt, ich hatte viel Spaß, habe Aufgaben und Projekte und sonstiges Wichtichzeug kreiert und war dann schwer begeistert, als das System in der Timeline loggte, ich werde dies “in a few moments” getan haben werden. Huiui. (Es wird noch zu klären sein, ob es sich um eine Hellseherfunktion oder schlichtweg mangelnde Sprachkenntnisse handelt.)

Nur eins, Jungs: das war aller-, allerhöchstens Pre-Alpha-Testing. Bis Beta dauert es noch a weng. Trust me.

Eure Testerin from Hell.

Erwischt

Vor lauter Rechnerumeinandertun und runterfahren und wieder neu starten und auf Drehrädchen und Fortschrittsbalken starren, hatte ich vorhin mal Zeit, mich mit den wirklich wichtigen Fragen des Lebens zu beschäftigen, nämlich: “Welcher Charakter aus Game of Thrones bist du?”*

Ergebnis:

Cersei - welcher-charakter-aus-GOT

Ooochhh, soooo schlecht ist die Cersei jetzt auch wieder nicht. A bissele harsch, vielleicht, aber ein Herz aus Gold. (Ich vermute, es liegt vor allem daran, daß ich mich als eher urbanen und warme Temperaturen vorziehenden Typen geoutet habe. Woran sonst?)

* s. bit.ly/1ZKWeGM

Augen auf beim Möbelkauf

Das überaus Praktische an Ikea-Möbeln ist die einfache Montage mittels beigepacktem Inbusschlüssel*. Das überaus Unpraktische an Vormieter-Ikea-Möbeln ist die Demontage, beginnend mit der Not, das passende Werkzeug aufzutreiben und, sobald sich eines erfolgreich gefunden hat, das Lösen von Schrauben, die seinerzeit mindestens von Iron Man in das Möbel gedemmelt worden sein müssen. Wurscht, ich habs geschafft, mit nur einer Blase in der Handfläche und nach drei Touren waren denn auch alle Einzelteile in den Keller verbracht und hatten eine Lücke hinterlassen, die demnächst ein Sekretär füllen wird.

Von euch, Moebel-Ladenzeile.de, wird es jedoch ganz bestimmt keiner werden. Schreibmöbel mit Namen wie “Norbert”, “Rosi” und “Nancy”, noch dazu angepriesen unter dem Label “home affair” möchte ich bei mir zu Hause nicht wohnen haben.

* Jawohl. Inbus. Mit “N”. Wer’s nicht glaubt, für den habe ich es gedudelt: http://bit.ly/1NtqyP3

Harte Zeiten

Meine Astrologenfreundin würde jetzt bestimmt von einem Neptun-Transit unken oder von einem Pluto-Blizzard oder was weiß ich? Ich weiß nur, daß meine Rechner gerade samt und sonders (also alle beide) unter Hardware-Problemen leiden. Der eine blinkert aufgeregt und abwechselnd in rot und grün hin und her, statt in beruhigendem Dauergrün anzuzeigen, dass seine Batterie heil und funktionabel ist. Ein Austauschakku ist bestellt, der braucht aber ein paar Tage, bis er aus Korea hierherkommt und dann muß ich ihn auch noch einbauen, was ich noch nie getan und wovor ich einen Höllenrespekt habe.

Der andere mag seinen Strom nicht mehr trinken. Ich habe alles versucht, was man in solchen Fällen tut: Ein anderes Gerät eingesteckt. Die Steckdose funktioniert, Strom ist drauf. Stecker getestet: alle einmal rausgezogen und wieder reingesteckt, an den Kabeln herumgewackelt, geflucht. Alles scheint seine Richtigkeit zu haben: die Ladegerät-LED leuchtet blau; bloß die Stelle, wo der Strom in den Rechner soll, hat eine Macke und verweigert nach kurzem Zucken und Blinkern weitere Aktivität. Ist das nun das Ladegerät? Oder auch was ernsteres? Mann, habe ich das dick! Mal sehen, ob das ein “known problem” ist und was die Fachwelt dazu zu sagen hat.

So, nun habe ich, wie empfohlen, das Notebook angehoben und von unten sanft mit der Fingerspitze auf den Produktnamen (“Inspiron”) geklopft – da schau her, er gibt ein Lebenszeichen von sich. Und nein, die Empfehlung kommt nicht von meiner Astrologenfreundin, sondern aus den Dell-Benutzerforen. WTF?

Nimmer ganz neu im Kino: The Martian*

Seit die Nerddichte um mich herum so nachgelassen hat, geht immer keiner mehr mit mir in solche Filme (ich hab ja noch nicht mal den neuen “Star Wars” gesehen…) und darum hat es ein wenig gedauert. Es fühlte sich dann aber an, als hätte ich ihn schon gesehen gehabt. Buch lesen und ein durchschnittliches Vorstellungsvermögen waren vollkommen hinreichend.

* Oder, frei nach Ridley Spielberg, “Saving Astronaut Watney”.