Es ist nicht alles Gold…

Ich hatte die Absicht, die beiden Tomaten, die ich gerade dem Gemüsetandler vorm Haus zum Wiegen gebe, mit meinem Einkaufswageneuro zu bezahlen und noch was rauszubekommen und war dann doch etwas überrascht, dass er für die beiden mittelgroßen Fruchtgemüse 3,85 berechnen will. Befragt warum, erklärt er mir, dass es sich a) um die besten Tomaten der Welt handle und b) draußen der Preis fürs Pfund angeschrieben sei.

Hab mich dann doch für die weltzweitbesten Pomodori entschieden, weil ich nämlich weiß, dass die besten sowieso nur aus dem Garten von Carmens Schwiegereltern in Sacramento kommen.

Bravo “Wolfgang”!

Bist ein braves Hoch und machst eine sehr schöne Hitzewelle; ich fühl mich schon fast wie im Frühling in Kalifornien – weiter so!

Neu im Kino: Vor der Morgenröte

Das Thema könnte so dermaßen Schulfernsehen sein: ein alternder deutscher Schriftsteller in den ausgehenden 30er und frühen 40er Jahren im Exil.

Und dann macht Maria Schrader aus diesem vermeintlichen Langweileransatz einen grandiosen Film über Stefan Zweig (kongenial gespielt von Josef Hader – ja, dem Brenner-Hader) und den stetig wachsenden Konflikten des entfremdeder Werdenden mit Vaterland und Muttersprache, seiner Zerrissenheit an der als solche angenommenen Pflicht, weniger Priveligierten zu helfen und der zunehmenden Sprachlosigkeit angesichts seiner Entwurzelung.

Besetzt und gespielt zum Niederknien – danach möchte man nur noch Zweig lesen, weil’s ja doch schon eine Weile her ist, seit der Schachnovelle und Maria Stuart und…

Anschauen! Anschauen! Anschauen! Anschauen!

Erdbeermond

Ich hatte bei dem Namen eher einen Rotton erwartet, wurde dann aber von einem perfekt gerundeten riesigen Silbermond beschienen. Auch recht. Schon lange nicht mehr so gut geschlafen…

José-Pablo-Carlos-Juan-Enrique-Diego-Hector-Javier-Ésteban-Jésus de la Mañana

hat um eine Namensänderung ersucht. Er wolle sich hinfort José-Pablo-Carlos-Juan-Enrique-Diego-Hector-Javier-Ésteban-Jésus de Hoy nennen.

Meinen Segen hat er. Kaum drohe ich Anfang Juni damit, vom Kaufvertrag des im Januar bestellten, bezahlten und seitdem mit großer Vorfreude erwarteten Sekretärs zurückzutreten, schon legt er beim Schnitzen einen Zahn zu und das gute Stück wird soeben von zwei kräftigen Möbelpackern in mein Wohnzimmer getragen. Und ist genauso schön wie erhofft. (s. https://flockblog.de/?p=30148)

Bis zum nächsten Mal, wenn ich ein Möbel brauche, Señor de Hoy!

The streets are paved with gold. Oder?

Manch einer, sagt die Legende, sei auf das Gerücht hin nach Amerika ausgewandert, dass das Geld dort auf der Straße liege und man es nur aufzuheben brauche, wenn einem an einem Vermögen gelegen sei. Das ist, wie ich aus eigener Erfahrung berichten kann, nur zu einem äußerst eingeschränkten Teil wahr. Bis auf einen einzigen Zwanzigdollarschein, von dem Toni noch heute behauptet, er müsse ihm ein Wimpernzucken zuvor aus der Hosentasche geglitten sein, habe ich eigentlich immer nur Pennies gefunden, an einem ganz guten Tag auch mal einen Dime und an besonderen Ausnahmetagen den einen oder anderen Quarter (in sieben Jahren geschätzte vier). Das ist zwar nett, langt aber nicht zum oben genannten Vermögen.

In Deutschland, spezifisch im Südwesten Münchens, ist das anders: hier habe ich in dieser Woche jeden Tag einen Euro von der Straße aufgeklaubt. Da kommt dann schon was zusammen, kein Vermögen, aber immerhin. Heute hat es bisher nur zu einem Fuffzgerl gelangt. Bedeutet das, dass meine Glückssträhne schon wieder zu Ende ist oder dass ich nochmal ausgehen soll oder dass sich für Geld zu bücken einfach auf Dauer doch kein lohnendes Geschäftsmodell ist?

Rock DJ

Wann ist denn das passiert? Selbst die Jüngeren unter meinen Freundinnen und Freunden feiern auf einmal schon ihren fünfzigsten Geburtstag und deswegen durfte ich neulich mithelfen, Vorschläge für die Playlist für den Party-Plattenaufleger beizusteuern.

Schon auffällig, was die paar Jährchen Altersunterschied bei der Musikauswahl ausmachen. Wo für mich Alt-Woodstocklerin* Titanen wie die Stones, die Eagles, Queen, Guns N Roses und die Who (diese Aufzählung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit) eine unverzichtbare Selbstverständlichkeit sind, scheinen die bei diesen jungen Menschen gar nicht mehr so hoch im Kurs zu stehen.

Glücklicherweise wurde nach dieser Ära noch viel Musik produziert und so konnten wir uns dann doch noch auf viele schöne Lieder einigen. Hauptsache: tanzbar.

Let’s party!

* Okay, okay, ich war zu Woodstockzeiten noch in der Grundschule. Aber immerhin: schon in einer Bildungseinrichtung. Immerhin.

Neu auf Amazon Prime: “Preacher”

Die Vorlage für die Fernsehserie ist eine 10-bändige Graphic Novel von Garth Ennis und Steve Dillon, die ich sehr gerne mag. Sehr drastisch, sehr brutal, sehr lehrreich, wenn man wissen will, wie der gemeine Südstaatler und im Speziellen der Texaner an sich ist, wie er ist.

Wo die Verfilmung hin will, habe ich nach nunmehr drei Folgen noch nicht ganz verstanden. Sie ist bis dato eher lose an den Comic angelehnt (die Hauptfiguren sind der Vorlage entnommen und sehen sich ähnlich) kommt aber ansonsten daher, als hätten der Quentin und sein Spezl Roberto sich verabredet, ein Splatter-Movie zu drehen. Zwei Folgen gebe ich ihnen noch, bis dahin habe ich mir wahrscheinlich eine Meinung gebildet, ob die Umsetzung in ein anderes Medium gelungen ist.

Wer mag, bilde sich seine eigene. Neue Folgen gibts immer montags auf Prime.

Mehr Jazz

Das war vielleicht was, gestern in der Unterfahrt: eine 26-Jährige (Anna-Lena Schnabel), die aussieht, als dürfe sie im Kino noch nicht mal alleine in Filme ohne Jugendfreigabe und dann – trotz Erkältung – ihrem Saxophon Töne entzaubert, um die sie mancher Alte beneiden dürfte, ein Pianist (Florian Weber), der die Saiten seines Steinway mit allerlei Unfug belegt (Flaschen, Klimperlinge, Dies, Das) und auf diese Weise das Instrument ganz neu klingen läßt, ein Bassist (Phil Donkin), stets im innigen Dia- oder Trialog mit seinen Quartettkollegen und der sich so richtig freuen kann, wenn sie wieder zusammen- oder auseinanderfinden und ein Schlagzeuger (Dan Weiss), der keine Zimbel auf der anderen läßt.

Das Anna-Lena Schnabel Quartett stellte seine erste gemeinsame Platte “Books Bottles and Bamboo” vor und wem nach einem ungewöhnlichen Musikerlebnis ist, dem sei sie von Herzen empfohlen.