“In dem Amerika”,

wie mein Vater meine Ex-Gastheimat zu nennen pflegte, wäre ich, hätte mich, wie heute, die Lust überkommen, Heidelbeermuffins zu backen, flugs zum Mexikaner gesaust, hätte Blaue Beeren gekauft und stünde schon an der Rührschüssel. Hierzulande hätte mir das gestern einfallen sollen.

Weil ich ja der eher lernfähige Typ, kriege ich es inzwischen auch (wieder) hin, meine Friseure-, Pedikür- und Brauenzupfertermine für den Samstag zu vereinbaren, weil eben auch Friseure, Pediköre und Brauenzupfer den Sonntag heiligen. Und das ist gut so! In dem Amerika gibt es nämlich dem Vernehmen nach Unternehmen, deren Mitarbeiter tagsüber Windeln tragen müssen, weil Toilettenbesuche während der Arbeitszeit verboten sind und so wichtig kann die Bequemlichkeit der einen gar nicht sein, dass dafür die Menschenwürde anderer mit Füßen getreten wird.

Back ich halt Dattelmuffins.

Schade.

Es ist nie schön, wenn ein Gast den lang geplanten und vorbefreuten Besuch kurzfristig absagen muß, hat aber, Frau D. aus E., auch sein Gutes: die Rumpelecke auf dem Balkon habe ich unter Schweiß und Flüchen in eine nette Beilauernachtlangdraußensitzecke transformiert, das Badezimmer funkelt mindestens wie der Blue Oppenheimer, die Gästebettwäsche ist frisch bezogen und harrt, bekränzt von Lavendelsträußchen der Gäste, die da hoffentlich bald doch kommen.

Bloß den Feldsalat auf Röstgemüsebett mit Kürbiskerndressing, extra Kürbis- und Nußknusper sowie Grillkäseecken: den esse ich dann eben erst mal alleine.

Was tun?

Die zweite große Lebensfrage eines Amerikaners ist laut Turbotax, dem größten Online-Steuererklärungshilfeanbieter, diese:

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(Sinngemäß: Sparen oder Ausgeben? Das große Dilemma mit der Steuerrückzahlung.)

Diese Frage war für uns Zugewanderte nie so wirklich schwierig zu beantworten, denn mit “Sparen” ist gemeint, dass der Steuerzahler das Geld gleich beim Staat liegen läßt, als Anzahlung auf eventuell möglicherweise irgendwann in der Zukunft fällige Steuern. Zinslos, wobei das nun heutzutage nicht mehr der maßgebliche Grund wäre. Wir wollten unser Geld im allgemeinen wiederhaben und fürchteten uns auch nicht eventuell möglicherweise irgendwann im nächsten Jahr, Schulden beim Staat zu haben (“to owe”).

Die erste der wichtigen Fragen, fragt ihr? Mann, ist doch klar: “Shall I stay or shall I go?”, in diesen Tagen häufiger durch den Zusatz “to Canada” ergänzt.

Berechtigte Frage

Vorhin im Bus: “Mama, Mama, jetzt sind wir schon drei Mal an der Haltestelle “Neuer Friedhof” vorbeigekommen, müßte die jetzt nicht endlich “Alter Friedhof” heißen?

Heda, Mai!

Herhören! Erste und letzte Warnung! Wenn du so weitermachst, wird dir der Beiname Wonnemonat entzogen und durch Zweitapril, billiger ersetzt. Nein, Widerspruch ist zwecklos. Du hast dazu nichts zu sagen.

Sei einfach sonnig und wonnig und alles ist vergeben. Zefix!

Schon wieder

Der MVV, lese ich heute, erklärt die neuesten S-Bahn-Ausfälle auf der Stammstrecke mit einer defekten Gleisstopfmaschine. Alles Quatsch! Die Gleis-Stopfmaschine funktioniert doch wie eine Eins.

Neu im Kino: London Has Fallen

Es gibt gute Actionfilme und es gibt schlechte Actionfilme und es gibt eine Produktion wie “London Has Fallen”.

Spoiler-Alert!

Der Plot ist eigentlich gut: der britische Premierminister stirbt nach einer Routineoperation und alle Staatslenker der (vorwiegend) westlichen Welt, inklusive Big Oil und exklusive des russischen Präsidenten müssen sehr kurzfristig zur Beerdigungszeremonie nach London anreisen und kaum sind sie eingetroffen, dann… Dann dürfen sich alle CGI-Experten austoben und London explodiert. Westminster Abbey? Knall, Bumm, Feuer, Rauchschwaden, Schutt, Asche. Alle wichtigen Themsebrücken? Knall, Bumm, Feuer, Rauchschwaden, Schutt, Asche. Buckingham Palace? Der Tower? St. Paul? The Eye? Genau: Knall, Bumm, Feuer, Rauchschwaden, Schutt, Asche. Und so weiter, bis kaum mehr ein Stein auf dem anderen steht und fast alle tot sind.

Fast alle? Ja, noch lebt er, der amerikanische Präsident. Und warum das auch so bleiben wird? Weil er ein gutes Händchen bei der Einstellung seines Ober-Man-in-Black (Gerard Butler) bewiesen hat – der schießt, sticht und würgt die Bösen, wo er sie trifft. Jeder Schuß letal, jeder Stoß eine Leber, jedes Genick ein Bruch. Das Schurkenkillen zieht sich über eine gute Dreiviertelstunde, mal aus dem Helikopter, mal aus dem Auto, mal per pedes (rennend, versteht sich) und dann kommt’s zum großen Showdown: der gepanzerte Wagen aus dem Fundus des britischen Geheimdienstes hält einem Rammangriff nicht Stand (typisch Engländer!), überschlägt sich, der Sicherheitsgurt sitzt bombenfest (hihi), dem Helden wird sein Präsident weggenommen und soll zur Primetime vor laufenden Kameras exekutiert werden. Ahaber nicht mit Herrn Butler! 100 Terroristen in der Londoner Terroristenzentrale? Das ist exakt genau der richtige Ein-Mann-Job für ihn!

Knall, Bumm, Feuer, Rauchschwaden, Schutt, Asche, Blut, Schreien, Stöhnen (die anderen). Präsident befreit, Kopfwickelfeinde alle tot, MI-6 Maulwurf exekutiert, Held gerade noch rechtzeitig zur Entbindung der hochschwangeren Blondgattin daheim und weil er so ein dermaßener Held ist, ist auch das Kinderzimmer keine Baustelle mehr, sondern ein pastelliges Paradies. Und dann sitzt er da, der große Killermaschinenmann mit den Bärenpratzen und hält sein winziges Wutzeltöchterchen (mit extra nachgefeuchteten Haaren) und sie schauen miteinander Faux News, wo Vizepräsident Morgan Freeman gerade mit staatstragender Stimme erklärt, der Krieg gegen den Terror, inklusive gezielter Drohnenschläge auf Hochzeitsgesellschaften sei der einzige Garant für die Freiheit der westlichen Welt und unsere Kinder. Was bleibt einem Helden da zu tun? Er tut, was er tun muss: legt das Kind weg, geht zu seinem Mac und löscht seine Kündigung. Film aus.

Amerikanische Propaganda finanzieren traditionell die Heeresgattungen und die Geheimdienste. So ein Film braucht kein Crowd Funding, die Crowd soll einfach nur noch mal eingehämmert kriegen, dass der Westen gut, und die Nachthemdträger aus den staubigeren Ecken der Welt böse Terroristen sind.

Nicht anschauen.

Von wegen!

50 ist das neue 30

Neinneinneinneinnein!

50 ist 50 und wesentlich näher am Rentenalter als 30! Und das ist gut so.

Dernière

Ich mag letzte Vorstellungen auf dem Theater genau so sehr wie erste und habe mich darum sehr gefreut, dass ein kleines Häuflein Aufrechter mit mir am Samstagabend nach Tölz gefahren ist, um die Dernière von Penelope (https://flockblog.de/?p=30502) anzusehen. Es hat sich sehr gelohnt, die Premierenaufregung war verflogen, alle hatten sich freigespielt und waren mit der genau richtigen Mischung aus Spaß und Wehmut dabei. Ganz großes Lob!

Aus is, gar is und sehr schad is, dass wahr is.