Farbenblind

Lieber Ingvar,

ich schlage eine Namensänderung vor. Nenn’ doch deine weißen und schwarzen Puppelen in Zukunft statt blauem oder grünem “Lekkamrat*” einfach “Politiskt Korrekt”. Und behaupte nicht so einen Schwachsinn wie “Regt zu Rollenspielen an, bei denen Kinder soziales Verhalten durch Nachahmen von Erwachsenen und durch Erfinden eigener Rollen entwickeln.”, sondern sag’ es, wie es ist: “Regt zu Rollenspielen an, bei denen Kinder typisch amerikanisches Verklemmtverhalten durch das krampfhafte Vermeiden der Erwähnung der Hautfarbe ihres Gegenübers lernen.

Farbenblind

* Lekkamrat bedeutet “Spielgefährte” oder auf gut Englisch: “Playmate”.

Der Bebauungsplan oder Hasso, fass!

“Fertiggestellt: Eine Stadt für Flüchtlinge” titelt heute das Würmtalumsonstkäseblättchen. Kommt da eigentlich nur mir “Der Führer schenkt den Juden eine Stadt” in den Sinn?

Ich stelle mir ja die Sitzung im Planungsausschuß seinerzeit ungefähr so vor:

Planer A: “Ja, wo tun mir sie denn jetzt hin, die Flüchtinge?”

Planer B: “Wie wär es mit der Wiese beim Gefängnis, gleich am Zaun hinter dem Schwerverbrechertrakt?”

Neinsager C: “Na, das geht nicht. So machen sie es in Schwäbisch Hall schon.”

Planer B: “Oder an der Böschung, neben der S-Bahn?”

Neinsager C: “Na, das geht auch nicht. Da sind die Ayinger vor uns draufgekommen.”

Planer B: “Und wenn wir sie einfach im Kalten draußen stehen lassen?”

Neinsager C: “Jetzt echt? Lageso? Das ginge nur, wenn wir arm und sexy wären, aber wir sind in Bayern.”

Und so ist es gekommen, daß an der Zufahrtsstraße zum Hintergräfelfinger Industriegebiet eine Stadt für Flüchtlinge gebaut wurde. Direkt neben dem Trainingsgelände des Vereins deutscher Schäferhundzüchter e.V.

Dahoam is Dahoam

Die Klospülung klemmt manchmal, die Balkontür auch, die Wohnungstür kann man nur beidhändig und unter Anwendung von Gewalt schließen, die Tür zum Wohnzimmer geht nur unter Kreischen auf, die Schlafzimmertür dafür nicht zu. Die Lichtschalter sind vollkommen unintuitiv verkehrtherum angebracht, dafür hat der neue Duschvorhang zwar ein bildhübsches Haimotiv, aber halt auch Hochwasser und ist einen ganz knappen Zentimeter zu kurz geraten.

Und wegen dieser ganzen kleinen Macken fühle ich mich in meiner neuen Wohnung erst so richtig daheim. Was sagt das jetzt über mich?

Das deutscheste Wort

Nachdem bei uns im Büro wg. Energiesparens pünktlich am letzten Abend vor dem Betriebsurlaub (noch so ein Deutschwort) die Heizung abgestellt wurde, war es heute früh so dermaßen bitterarschkalt, daß ich bei sämtlichen Heizkörpern die Einstellung “Stark Überhitzen” aufdrehen und dennoch bis zum Nachmittag elendiglich schlottern mußte, was auch daran gelegen haben mag, daß von insgesamt ca. 15 Heizkörpern gerade mal fünf bereit waren, Wärme zu spenden. Die anderen hatten sich an den Status bitterarschkalt gewöhnt, verblieben darin und werden demnächst dem Reparateur vorgestellt werden. Drei der funktionierenden sind auf meiner Seite im Büro, was die neben den bitterarschkalten sitzende Kollegin zu dem Schwur veranlaßte, sie werde nie wieder einen Job im Hochsommer antreten, das führe nur zur falschen Platzwahl. (Ällabätsch.) Natürlich wurde auf meiner Seite die Luft nach geraumer Zeit doch recht stickig und… Jetzt kommts: deutsch, deutscher, Stoßlüften.

Was habe ich über diesen Thread im Leo-Forum gelacht: bit.ly/1K01q2b.

Der Müllerin Lust

Ich hab ja viel aus Deutschland vermißt, da, in der amerikanischen Diaspora fern von Pfisterbrot und Essigessenz, aber am allerschlimmsten war immer die feiertagslose Zeit zwischen MLK (Martin-Luther-King-Day, immer am 3. Montag im Januar) und Memorial Day (letzter Montag im Mai). (Das ist die Phase im Frühjahr, für die man in Deutschland von allen Seiten mit Tips für die optimale Ausnutzung von Brückentagen überflutet wird.)

Aber jetzt bin ich ja wieder da und werde zu Himmelfahrt nach Spanien geflogen sein und gedenke, mir dort einen schönen Lenz zu machen und dabei darüber nachzudenken, was ich an Fronleichnam unternehmen soll. Sowie Ostern, Pfingsten und wo wir grad dabei sind, Mariä Himmelfahrt.

Gott mit dir, du Land der Bayern…

Wollt ihr fleißige Waschfrauen sehen?

Bei zwei von drei Aufenthalten im Waschkeller treffe ich dort unten auf Frau Demir (aka “Die Demirsche aus dem Dritten”, fürderhin kurz “DDD”) und ihre Kläfftöle. Ich befülle und entleere Waschmaschine oder Trockner oder hänge Wäsche auf oder ab. Was man halt so macht in einem Waschkeller. Aber was treibt DDD?

Promeniert sie zwischen Handtüchern, T-Shirts, Hosen, Putzlumpen, Bett- und Unterwäsche, weil es ihr zu weit ist, in die Stadt zur Gaultier-Ausstellung zu fahren? Trägt sie ihre Kleidung nur stundenweise, damit sie dann wieder einen Grund hat, sie zu waschen? Ist sie heimlich im Auftrag Ihrer Reinlichen Majestät tätig? Mit der Lizenz zum Weichspülen? Warum sind um sie herum eigentlich immer Pfützen?  Ist der Hund undicht oder wohnt die da unten im Grottenolchappartment? Warum sonst feudelt einer singend den Boden? Oder ist es ganz anders und sie verdient – auf Kosten der Hausgemeinschaft, die mit ihrer Miete den Krempel finanzieren – mit Waschdiensten für andere ihren Lebensunterhalt? Hat sie noch Kapazitäten frei? Bekommt man die Wäsche anschließend gebügelt und gefaltet in Seidenpapier eingeschlagen zurück und was kostet sowas?

Und vor allem: möchte man es wirklich so ganz genau wissen?

Don’t mention it

“Ich”, protze ich, vor Stolz noch immer fast berstend, an Neujahr bei meinen Gästen, zwei Vollblut-Javaentwicklern, “ich habe mein Internet angeschlossen und zum Laufen gebracht. Ganz alleine!”

“Du”, erwidern sie, gänzlich unbeeindruckt, “hast also die beiden Stecker eines Kabels in die jeweils einzig mögliche passende Buchse gesteckt und das Paßwort richtig abgeschrieben. Und?”

Man kann sich als Künstler sein Publikum gar nicht sorgfältig genug aussuchen. Aber echt jetzt, ey.

Für gut befunden

Meine neue Wohnung hat den Zwei-Übernachtungs-Gäste-Test mit Bravour bestanden und obwohl die Küche viel kleiner ist als in San Bruno, es ist wie immer und alle sind drin. Die Nachbarn haben uns netterweise mit viel Oh-und-Ah-Feuerwerk beböllert (besonderes Lob an die mit dem Dachgarten ganz oben rechts), die Sicht vom 5. Stock ist super und wenn es dann doch irgendwann zu kalt wird, geht man einfach rein und schaut die Restkunststücke der Besserspätalsniepyromanen durch das Panoramafenster im Wohnzimmer an.

Doch, ich muß schon sagen, das Jahr hat gut angefangen. Gut geredet, gegessen, getrunken. So kann das weitergehen. Schön, daß ihr da wart, Toni und Christoph! Und gut, Toni, daß du deine Bahnfahrzeiten vorausschauend so geplant hattest, daß du vom “Erweiterten Raumschutz” (wg. Terrorwarnung) gar nichts mitbekommen hast.

Übrigens: Gästezimmer sind etwas sehr schönes, aber es geht auch ohne. Gut sogar. Also kommt mich besuchen!

Different priorities

Ich wünsche ja in diesen Tagen allen und meiner Leserschaft ein gutes / wundervolles / glückliches Neues Jahr und füge hinzu, daß Gesundheit, Frohsinn und Wohlstand auch mit dabei sein sollen.

Der amerikanische Neujahrsgruß dieses Jahres lautet fast unisono: “Have a safe and happy New Year!” So gesehen, bei mehr Schußwaffen in Umlauf als überhaupt Einwohnern, Texas endlich wieder offen tragend (nicht das Haar, nur besagte Schußwaffen) und Donald Trump auf dem Weg ins Weiße Haus wünsche ich den Amerikanern ebenfalls ein sicheres Jahr 2016.

Deutsches Fernsehen

Ich hatte ja dieser Tage viel Spaß an 90 Minuten “Ein Mord mit Aussicht – Der Film” mit der ganzen wundervollen Bagage um Caroline Peters und Bjarne Mädl und dem Spiel-im-Spiel-Tatort “Wer bin ich?” mit Ulrich Tukur und den Kommissarskollegen aus anderen Tatörten.

Wenn die Sendeanstalten so weitermachen, kaufe ich mir vielleicht doch irgendwann wieder einen Fernseher.