Ein Dreifach Hoch dem Fachmann!

Bis zur verabredeten Zeit mit meiner Freundin im Café Puck bleibt mir noch ein halbes Stündchen, um wieder ein paar Positionen meiner stetig nachwachsenden To-Do-Liste* abzuhaken. “Hallo Herr Suckfüll-Mitarbeiter”, sage ich und kann mir den Gedanken nicht verkneifen, was ein Amerikaner aus diesem Firmennamen machen würde, “ich bräuchte da so einen Einsatz für den Badewannenabfluß.” Mit einem enthusiastischen “Ja, gerne, die Dame, kommen’S mit mir” stürmt er voraus und dann stehen wir vor einer Wand voller “Sieberln”. “Brauchen’S jetzt mehr so ein Haarsieberl? Oder ein Bio-Sieberl, für Reste im Spülwasser? Soll’s Metall sein? Oder Kunststoff? Möchten’S ein weißes? Oder beige? Oder schwarz? Soll ja auch zur Küche passen, gell?” Ich bin kurz versucht, nach dem Farbton Eiche Rustikal zu fragen, lasse es aber bleiben, weil der Herr wirklich ungeheuer nett und liebenswert ist und weil in diesem Laden zu befürchten steht, daß sie’s haben. Und dann müßte ich es nehmen…

Angesichts der Preisspanne zwischen 80 Cent und maximal 1,35 Euro nehme ich auch den Mercedes unter den Sieberln, wenn der Mann denkt, das soll ich tun. Also “was”, frage ich, “würden Sie mir denn empfehlen?” “In jedem Fall das Haarsieberl, auch wenn’s a weng hochpreisig ist (€1,20). Das ist so dicht und feiiin (dabei zieht er Augen und Mund zusammen, als würden sie gerade in besagtes Sieberl gezogen und die Stimme geht nach oben), das können’S fast nicht reinigen, mit all die Haar, die des fangt. Und für d’Küch nemman’S des. Des is da Klassika, und nach am Jahr stecken’S as in die Spülmaschien und nach zwoa Joahr kaufen’S a neues.” Bis jetzt bin ich bei einer Rechnung von 1,95 Euro; ich hoffe nicht, daß der Herr von Verkaufsprovisionen leben muß.

“Jetzt bräuchte ich noch so Filzdinger für unter die Möbel…” Da, sagt er, bringt er mich zum Kollegen, der kennt sich da am besten aus. Stimmt. In dieser Abteilung lasse ich fast sechs Euro. Selbstredend begleitet mich der Filzkollege anschließend zur Fachfrau für Selbstklebe- und andere Haken. Und ich gebe nochmal 3,80 Euro aus.

Sagenhaft! Es gibt sie wirklich noch, die guten Dinge. Davon, Manufaktum, kannst du dir gleich ein paar Scheiben abschneiden.

* Erst steht da “Bügeleisen besorgen”, dann “an Destilliertes Wasser denken” und kaum sind die beiden Aufgaben durchgestrichen, steht da “Bügeln”. Es ist ein Kreuz!

Vom Einziehen

Gerade, als ich mich an den wirklich allerletzten Karton machen will, fällt mir zum ersten Mal auf, daß die Firma “S&M-Moving” mich umgezogen hat. Das erklärt einiges. Einiges!

Warum es überhaupt noch eine Umzugskiste gibt, wo ich doch neulich schon behauptet habe, die seien alle ausgeräumt? Nun, manchmal hatte ich etwas aus Kartons geborgen, über dessen Platz in der neuen Wohnung ich mir erst später Gedanken machen wollte oder konnte. Da habe ich flugs einen XXL-Karton für “Diverses” ernannt; quasi Weihnachtsüberraschung. Lessons learnt: bei zukünftigen Umzügen unbedingt den Namen des Umzugsunternehmens prüfen. VORHER! Darüber hinaus NICHT neue Kartons anfangen, die schlagen doppelt zurück.

Außerdem bin ich heute sauer mit meinem neuen Freund aus Schweden. Lampe Nr. 1 mit dem schönen Namen NOT habe ich ohne solche zusammengeschraubt und zum Leuchten gebracht. RANARP hingegen widersetzt sich, und zwar mit bösen Widerhaken da, wo ich laut Bedienungsanleitung schrauben soll. Verstehe ich nicht, kann ich nicht, mag ich nicht, wirft mich in der Leselichtaufstellungsplanung zurück.

Mit großer Freude hingegen darf ich vermelden, daß so gut wie alles den Umzug heil überstanden hat; abgesehen von 2 Margarita-Gläsern, bei denen die American Packers untypischerweise mit Einwickelpapier geknausert haben und einem Topfdeckel ist alles heil geblieben. Aktuell vermißt wird der Hamster, den ich Gabi mitzubringen versprochen hatte. Besondere Kennzeichen: er singt den Yankee Doodle (s. https://flockblog.de/?p=18890). Sachdienliche Hinweise zum aktuellen Aufenthaltsort des Musiziertiers nehmen Gabi und ich gerne entgegen. Und nun zu Konrad Toenz in die Schweiz…

Noch zwei, drei Tage – davon mindestens ein halber mit einem zweiten Paar Hände – dann bin ich fertig. Gerade rechtzeitig für meine ersten Übernachtungsgäste zu Silvester. Danach geht’s zügig an die Planung der Einweihungsfeier.

Buh- vs. Vekselmann – Neues von der Front

s. https://flockblog.de/?p=29403

Vekselmanns sind Spezialisten in akustischer Kriegsführung und setzen dabei ganz auf Anneliese Rothenberger*.

Buhmanns sind nach vielen Stunden Dauerbeschallung heute zum Wintersport abgereist.

* Das weiß ich, weil diese Platte bei uns daheim zu Weihnachen die schöne Bescherung begleitete und wir bei “Stille Nacht” immer mitsingen mußten. Das war auch nie schön. Wenn sie wenigstens Alt gesungen hätte, die Anneliese.

TMI*

Mann, Paula, altes Plappermaul. Du, ich, und vielleicht noch ein, zwei andere, haben mitbekommen, daß Edeka zu einem verblüffend günstigen Preis einen ausgesprochen guten Champagner verkauft und uns davon immer ein, zwei, drei Fläschchen auf Eis gelegt, um mit Freunden zu trinken (s. Nr. 3 auf der Liste: http://bit.ly/1QMlWem). Und bloß weil du tumbe Tratschtante das in der Süddeutschen unbedingt breittreten mußtest, haben ich und mindestens ein, zwei andere jetzt massive Nachschubprobleme**.

Einfach mal Klappe halten, Frau Bosch!

 

* Amerikanische Abkürzung für “Too Much Information”. Wird in Situationen verwendet, wo man nicht noch mehr Details von dem hören will, was das Gegenüber zu erzählen hat, zum Beispiel über seine Gallen-OP, seine Affäre mit der Blonden aus der Buchhaltung, seine 1001 semi-legalen Steuertricks etc.

** O-Ton Ladenschwengel: “Na, der is ausverkauft. Der woa in da Zeitung.”

Frauen und Technik

Stolz wie Oskar bin ich! Und das mit gutem Grund:

Bis vor einer Stunde habe ich meinen Blog nämlich mit dem Internet des Vormieters geschrieben. Doch heute habe ich sein Modem zum Provider zurückgetragen, einen neuen Vertrag geschlossen, eben meinsmeinsmeins angeschlossen und es geht mir wie weiland Boris Becker. Ich bin drin.

Und so dermaßen saustolz, daß ich das hingekriegt habe. Ganz alleine und ohne einen hektisch herbeigerufenen “Du, Schatz”.

Schöne Bescherung

Während ich über Kilroys lustige Holiday-Festivitäten schreibe, schraubt es neben mir.

Meine persönlichen Weihnachtsmänner Drako aus Kroatien und Aleks aus Lettland schleppen Kartons herauf und herein, packen aus, Akku-Schrauber heulen (Fachmänner verwenden keine Imbusschlüssel, dieses fragwürdige Privileg ist Laien vorbehalten) und kaum eine Dreiviertelstunde später stehen BESTÅ, MARVIKEN und SILVERÅN, wo sie hingehören und warten, nein, nicht aufs Christkind, sondern auf mich, auf daß ich sie vollräume und dann vollends eingezogen bin. Und die blöde Falschrumschranktür am Schlafzimmerschrank drehen sie in einem Aufwasch auch noch von links- auf rechtsöffnend. Gute Weihnachtsmänner. Sehr gute.

Wie ich neulich gelesen habe, nennt man, was bei ausgewilderten Tieren “to go feral” heißt, bei Ethnologen “to go native”. Looks like I went Swedish, denn so viele Ikea-Möbel wie jetzt habe ich in meinem ganzen Leben zuvor nicht besessen.

Jäder nor ein wänziges Stöck!

Der Vermieter unseres Büros im Silicon Valley (ja, er heißt Kilroy, das ist schon ein Witz in sich, so wie die immer über ihre Mieter wachen), hat gestern zur Mieterlobhudelweihnachtsfeier eingeladen. Gleich um halbe neune in der Früh, damit nicht etwa Arbeitszeit verloren geht und mit alles und bunt: Kaffee, Tee, klebrige Süßteilchen, Rudolph und dem kinderfestwürdigen Hinweis, daß die süßen Stückchen abgezählt sind. Eins für jeden und gut. Gefälligst.

Und weil” ‘T is the season” nicht ohne den Gegenwert der ausgereichten Mahlzeiten als eine kleine Spende einzufordern. Zwengs Steigerung der Spendenwilligkeit gibt es für jede gute Gabe ein Tombola-Los. (Wird wahrscheinlich ausgehen wie nach jeder Vermietertombola, die ich in den anderthalb Jahren dort miterlebt habe, nämlich mit unzähligen e-mails an alle, man möge doch seinen verdammten Preis jetzt endlich abholen, bevor er weggeschmissen wird.) Das einzige, was zu einer ganz typisch amerikanischen Einladung noch fehlt, ist der Hinweis, wann die Gäste bitte wieder verschwunden sein mögen.

Kilroy Einladung

Wenn ich sowas lese, läßt mein Heimweh nach der Bay schlagartig nach und ich freue ich mich irgendwie, daß mich die Homeland Security heimgeschickt hat.

The Legend of the Pickle

Quizfrage: Was ist das?

Saure Gurke Christmas PickleQuizantwort: Es handelt sich, wie unsere Brüder und Schwestern jenseits des Atlantik jederzeit mit überkreuztem Herzen und Todeswunsch zu beschwören bereit sind, bei der Tannengurke um altes deutsches Brauchtum*. Angeblich wurde das gläserne grüne Cornichon traditionell im Astwerk des geschmückten grünen Weihnachtsbaumes versteckt und wer es zuerst fand, bekam ein zusätzliches Geschenk und war im kommenden Jahr vom Besuch beim Augenarzt befreit.

In meinen Haushalt hat das Gürkchen als Gastgeschenk Einzug gehalten, geschnürt an eine Tüte selbstgebackener Platzerl. Ach, Matthias, du hattest mich schon mit den Keksen und natürlich dopppelt mit dem Argument, daß es ein besseres Geschenk für eine Nichtweihnachterin gar nicht geben kann. Stimmt. Vielen Dank! Sauerpower rulez!

Saure Gurken Power

PS: An alle, die mir immer sagen, bei mir stehe zuviel Kruscht herum. Da! Ich kann nix dafür. Der kommt von selbst ins Haus.

* Genau wie der ganz alte Brauch, einen lachenden Owi zu Ochs und Esel an die Krippe zu stellen.

Dresscode

Fashionistas aufgepaßt: das Packen für Fernreisen ist einfacher geworden. Man trägt (sobald dem Karton entrissen) in München im Dezember dasselbe leicht gefütterte Baumwoll-Hoodie wie in der Bay Area. Ob auf dem Weg zur Arbeit, downtown oder am Strand. (Naja.)

Und das ist gut so.