Aus der Waschanstalt

Die Demirsche aus dem Dritten ist im Waschplan verrutscht und hat das erst gemerkt, als ich froh- und waschgemut mit meinem Korb voll ich-habe-eine-Woche-lang-geniest-und-gehustet-Bakterien-Wäsche vor den rotierenden Maschinen stand. (Vor denen sie ebenfalls stand und in Begleitung von Hund und Tochter Demir der Wäsche sinnierend beim schäumenden Drehen zusah, aber das ist eine andere Geschichte, die kein anderes Mal erzählt werden soll.) Frau Demir ist daraufhin in Verzweiflung ausgebrochen und hat angefangen zu weinen, Frau Demirs Töle solidargeheult und Frau Demirs Tochter geschimpft. Worauf Frau Demir in bester biblischer Schuldtradition ihre Haare raufte, sich mit beiden Händen gegen Kopf (“Duu-uumm bist du! Und bleeede!”) und Brust schlug und schließlich um Vergebung flehend vor mir auf die Knie sank. Keine gute Idee. Erstens war ich von soviel Krach und Drama am Samstagmorgen vollkommen überfordert (man erinnere sich, ich wollte nur rasch die Maschinen befüllen), und zweitens bedurfte es einer konzertierten Aktion von Tochter Demir und mir, die plärrende Mutter Demir vom feuchten Waschküchenboden wieder in die Senkrechte zu bringen.

Sobald sie stand, wurden wir informiert, dass sie, die Demirsche nämlich, frieher in Kraaaankenhaus gearbeitet habe, und ganz genau weiß, was Piieenktlichkeit ist und sie sich diesen Fauxpas bin in ihr duuunkles Graaab nie niemals nie nicht nimmermehr verzeihen werde können, ganz egal, wieviele Absolutionen ich erteile. Da schau her, Krankenhaus. Ich hätte Oper vermutet. Dramatischer Mezzosopran mit extra Drama und Triplemezzo. Mindestens.

Meine Fresse! Lesson learnt: Nie wieder Waschsamstag, nie niemals nie nicht nimmermehr!

Gerontologie für Anfänger

Uschi Glas ist da! Und Ireen Sheer! Simone Rethel-Heesters (Ihr 100-Jahr-Johannes ist wegen Ablebens vor 5 Jahren entschuldigt), Michael Schanze, Sky Du Mont, Heribert Faßbender – alle da. Sowie Voltaren, Bayern plus (der Radiosender, der ihre Platten spielt), das gestraffte Oberlid, Magnesium Oil (“Wohlgefühl einfach aufsprühen”), Mainz (Selbstbild: “Immer eine Reise wert!”), Bier (weil in Bayern), TIMPS (“In einer einzigen Sitzung von wackligen Dritten zu kaufesten* und festsitzenden Zahnprothesen.”), Heilendes aus dem Bienenvolk, Bayer, der Redondoball, Lachyoga, Demenz und Smart Living (und nein, keines scheint das andere auszuschließen), Zeitbote AG “die erste lizensierte Postdienstleistung für Briefe in die Zukunft”, Wobenzym. Alle da.

Aber trotz der Freude darüber, dass “es gelungen ist”, soviele lebende “Prominente hautnah” auf einem Fleck zu versammeln, bleibt noch Raum für die wirklich wichtigen Fragen des Lebens: “Gardening – the new kind of sex?”**, “Schönheitsoperation im Ausland – Was muß ich beachten?”, “Mahnschreiben – wie reagiert man richtig?”, “Gelenkschmerzen – was kann ich tun?”, “Welche Auswirkungen haben Handy, Satellitenfunk und belastende Erdstrahlen auf Nahrung, Trinkwasser und den Mensch?*** – Mit Live-Demonstrationen”****, “Smartphone, iPad, Computer, Laptop & Tablet – Wo liegt der Unterschied?”*****, “Warum Sie ihr Dünndarm alt aussehen läßt”****** und die Frage aller Fragen: “Passt die blaue Pille zur gelben?”. Antwort von Dr. Sabine Allwissend: Aber sicher, einmal mindestens.

Wer keine Lust auf schwere Fragen hat, kann sich mit “neuen Fun-Hobbies für Jedermann” ablenken, zum Beispiel “Taschen Upcyclen” (wenn schon ausländisch, wie wäre es mit “Pimp my Purse” bzw. “PMP statt PMS!”?), “Wein und Gesang”, “Reload your love”, “Der Weg zum perfekten Sattel”, “Begeisterung leben”, “Gstanzl Workshop”, “Die Organisation Islamischer Staat und ihr Kalifat” sowie “Darmreinigung durch Kräuterkraft”. Mit neuer Handtasche, frisch gesattelt, love-reloaded und darmgereinigt könnte man wegfahren: “Eine Reise durch Bayerns Heilbäder + Kurorte. Mit dem Bayerischen Pilgerbüro fremde und faszinierende Welten sicher und komfortabel entdecken” (heißt das, die stellen für Bergtouren jetzt endlich Sänftenträger?) oder einen Trip in den Europapark Rust planen, an Sonntagen mit Stefan Mross sowie dem “Sasionangebot ‘Sommer’ inklusive Kuchen” oder sich auf den von der Schwarzen-Sheriff-Big-Band gesicherten Weg machen: “Mit Muße und Musik von Macchu Picchu bis nach Angkor Wat – die Sicherheit reist mit!” Aber das ist noch lange nicht alles; unter dem Motto “Schick. Aber nicht Schicki Micki  präsentiert K+L Ruppert die aktuelle Frühjahrsmode! Mit den Gewinnerinnen des Die 66 Modelcastings 2016!” Wobei ich mich ja frage, ob “Die 66” (aussprich “dei sixtysix”) sowas wie der “Club 27” der vor- und vorvorherigen Generation sein soll. Wer dann noch “Die Lichtkraft – vegetarische Ernährung und Meditation” sowie “Die Kraft der Schalen” wohlbehalten übersteht, darf ein Los fürs Gewinnspiel kaufen. Hauptpreis: Kurzurlaub, 2. Preis: Drei-Gänge ShowMenü, 3. Preis: Golf-Kurs, Trostpreis: Zaubertheater.

“Was”, geneigte Leser, fragt ihr euch, “Was ist nur mit unserer Lieblingsbloggerin los? Schreibt sie im Fieberwahn von Schreckensvisionen und wie kommt sie bloß auf sowas? Muß man ihr Suppe bringen? Oder besser eine Zwangsjacke?” Nicht doch. Mit mir ist wieder alles in Ordnung, danke der Nachfrage. Ich habe bloß in der letzten Wochenendausgabe der Süddeutschen einen Prospekt gefunden, der diese Messe bewarb: http://die-66.de/index.html; Zielgruppe dieser Veranstaltung mit dem Namen “Die 66” (nein, ich wiederhole mein Witzle von vorhin nicht!) sind Menschen über 50. Also wir. Also, viele von uns – und ihr jüngeren Leser kommt auch noch dran. Wir kommen alle noch dran. Großes Wolferl-Ehrenwort.

Seriously? Golfkurs? Heilbad? Kaufest? Michael “Dünndarm” Schanze? Zu alt für Geräte mit Monitor? Make Garden Not Love? Nochmal: seriously? Ich empfehle den Veranstaltern, vor dem Besuch der K+L Ruppert Modenschau die Einnahme von zwei blauen und einer gelben Pille mit ein wenig lauwarmem Wasser. Danach Gartenarbeit. Oder Darmreinigung mit Klangschalen. Vorzugsweise ein letzter Brief in die Zukunft.

* “Kaufest”. Diese Wortschöpfung mußte ich auch erst drei Mal und im Kontext lesen, um sie zu verstehen. Beispielsatz, aus meiner eigenen Wortschmiede: “Bißfester Apfel vs. Kaufesten Zahn oder Nur die Hahten kommen in’ Gahten”.

** “Gardening – the new kind of sex?” War den Machern diese schwachsinnige Frage selbst so peinlich, dass sie sie in der Hoffnung, dass es dann immerhin nicht jeder gleich versteht, auf auswärts gestellt haben? Oder läuft das auf Hardcore Bliehmschnsex hinaus? Und will man es wirklich wissen?

*** Die Autoren des Heftes scheinen es zu mittelprächtigen Abschlüssen in den Leistungskursen Malen nach Zahlen und Synchronschwimmen gebracht zu haben – bei ihrer Zielgruppe wurde der Akkusativ in den Schulen noch gelehrt und in der geschriebenen sowie der gesprochenen Sprache angewandt.

**** Live Demonstrationen über die Auswirkungen von Erdstrahlen auf den Mensch. Ich hoffe, das gibts bald als youtube-Tutorial.

***** So liebe markenverdummte Kinder, setzt euch, die Tante muß euch jetzt amal was sagen. Auch wenn’s wehtut, ein iPad ist auch bloß ein Tablett – woher nehmt ihr iGnoraten eigentlich die Chuzpe?

****** Weil der Dünndarm bekanntermaßen das hinterhältigste unter den Organen ist? Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass gemeine Menschen das kleingeschriebene “ihr” zu bösesten Mißinterpretationen ausnutzen könnten. Zum Glück sind gerade keine gemeinen Menschen da.

Der Möbelschnitzer von Mexiko

ist ganz offensichtlich eine Zierde seines Berufsstandes. Wahrscheinlich ist José-Pablo-Carlos-Juan-Enrique-Diego-Hector-Javier-Ésteban-Jésus de la Mañana schon längst damit fertig, meinen neuen Sekretär ganz ganz sorgältig mit seinem Stechbeitel aus einem ganz ganz großen Stamm zu meißeln und braucht den mindestens einen Monat, um den der Liefertermin nach hinten verschoben wurde, halt noch für seine Signatur.

Montags nie

Man möchts kaum glauben, aber an Montagen kocht der Vegetarier nicht; nach drei Reservierungsversuchen bei explizit vegetarischen Restaurants habe ich aufgegeben.

Phhh! Dann gehen mein Besuch und ich halt zum Inder.

“Your Refund Status Update”

Es ist doch jedes Jahr dasselbe: kaum ist die Steuererklärung abgeschickt, nervt mich TurboTax (mein amerikanisches Steuererklärungsprogramm) und will mir noch tausende andere Dienstleistungen rund um mein Geld verkaufen, die ich alle nicht brauche. Mir reicht völlig, wenn ich meine zuviel bezahlten Steuern zurückbekomme und dann mit amerikanischen Ämtern erst mal nichts mehr zu tun haben. Und weil ich das weiß und weil das so ist, mache ich die e-mails gar nicht erst auf.

Das scheint TurboTax zu verstören, und weil sie Amerikaner sind, gehen sie nach dem altbewährten Prinzip “Viel hilft viel” vor und schicken die “Halloho!-Es-gibt-Neuigkeiten”-Nachricht seit einer Woche erst zwei und seit vorgestern sogar drei Mal täglich. Und Tatsach’: Viel hilft viel – bevor die meinen Posteingang vollends verstopfen, schau ich halt doch nach.

Potzblitz! Die IRS hat mir tatsächlich keine zwei Wochen nach Einreichen der Steuererklärung mein Geld zurückgegeben. Und zwar – man halte sich fest – per Überweisung. Okay, nicht auf ein unamerikanisches Konto. Aber trotzdem. Well done!

Held der Arbeit

Seine schlimme Erkältung noch nicht einmal ignorierend hat er sich die ganze letzte Woche ins Büro geschleppt, der Unentbehrliche. Wenn er nicht gerade bellend und rotzend in Meetings saß, starrte er mit fiebrigen Augen auf Monitore oder zog auf der Suche nach Heißgetränken (“Gibts bei euch noch Tee?”) durch die Räume und eine feuchte Zellstoffspur hinter sich her. Am Wochenende, versprach er, werde er sich auskurieren und dann werde es ihm wieder besser gehen.

Ich wünschte, ich könnte das durch eigene Ansicht bestätigen, kann ich aber nicht, du Bazillenschleuder, du elendige!

Ich bleibe dann mal zu Hause, fiebere, niese und huste und bin stolz auf meinen neuen Haushalt: Inhaliergerät, Nasenspüler, Transpulmin – alles seit Jahren nicht mehr gebraucht, aber mit einem Griff gefunden. Haaa-aaaptschti!

Geschenkter Gaul

“Leben Sie eigentlich gerne in München?” will vorhin beim Einkaufen eine junge Dame von mir wissen und als ich bejahe, befindet sie, dass das einzige, was mir zu einem wirklich erfüllten Dasein in der Isarmetropole noch fehlt, ein Abonnement der Abendzeitung sei. Da, hier, ein Freiexemplar, und dort, ja dort, unterschreiben, wegen der Subskription. Langsam, junge Frau, ich habe die AZ früher gerne gelesen, vor allem wegen ihres Kulturteils; wenn der immer noch so gut ist, dann sprechen wir uns wegen meiner verbindlichen Unterschrift zum mindestens einjährigen Erwerb Ihres Heftes noch einmal.

Ich weiß nicht, was geschehen ist; ist die AZ irgendwo nach tief unten gedriftet oder hat sich mein Leseverhalten so dermaßen geändert? Um die letzte und einfachere Frage zuerst zu beantworten: Natürlich hat es das, ich habe in den letzten sieben Jahren mehrere andere deutsche Tageszeitungen nur online gelesen und dabei verpaßt, dass die AZ auf billigstes Boulevard-Niveau abgesackt ist. In dem ganzen Heft gibt es keine 20 Sätze, die das Konstrukt Subjekt-Prädikat-Objekt-Punkt überschreiten, die Überschriften sind reißerisch, wenigstens die Hälfte der Inhalte sonstwo abgeschrieben und das bissel Lokales und Kultur würde ich, sowohl des Inhalts wie auch des Sprachniveaus wegen, eher in der BR-Regionalbus-“Berichterstattung” erwarten.

AZ SPO

Ich kenne leider niemanden in der näheren Umgebung, der Einwickelpapier für “Fish’n Chips” brauchen täte und so fällt selbst der Trost weg, dass Bäume wenigstens nicht umsonst gestorben sind. Schade.

Wundersame Waschwelt

Als ich neulich mein übliches Waschzeitfenster in den Waschplan eintragen wollte, mußte ich lernen, dass vom Vormieter geerbte Reservierungen nur eine begrenzte Haltbarkeit zu haben scheinen, denn den Waschsamstag hat, von jetzt bis immerdar (das heißt vorläufig bis Ende April), eine einzige Familie durchgehend gekapert. Weil’s ja an sich egal ist, wann Wäsche rein wird, wollte mich vorhin für eine Alternativzeit einschreiben. Bei der Fahrt nach unten stieg im Dritten eine unter der Last zweier voller Wäschekörbe schnaufende Dame zu und da hab ich mir gedacht “ah, die ist das”, und war dann nicht wenig verblüfft, als sie ihre zu einer langen Reihe anderer Behältnisse Ungewaschenens dazustellte. Sie muß meinen erstaunten Blick bemerkt haben und hat mir im Abgehen erklärt, dass “die Tante” die Wäscheberge heute im Laufe des Tages wegwaschen, -trocknern bzw. -aufhängen werde.

Hmmm. Wer ist wohl “die Tante”? Würde sie mir gegebenfalls auch einen Waschgefallen anbieten, den ich nicht ausschlagen kann? Was muß man tun, um Waschpatinnenkind zu werden? Hab ich einen Waschkrieg verpaßt? Bin ich versehentlich auf eine Dependance der Haderner Waschmafia gestoßen? Was ist in dieser Szene das Äquivalent zu Zementschuhen? Und wo ist die Demirsche aus dem Dritten abgeblieben? Wo ihre Kläfftöle? Muß ich mir Sorgen machen?

Bis diese Fragen geklärt sind, kommt meine Schmutzwäsche montagabends dran. Da haben sowohl Frau Demir wie die Tante waschfrei. Hoffentlich.

Vol de Nuit

Lange nach Mitternacht haben wir genug geredet, getrunken, gegessen und ich mache mich auf den Heimweg von Schwabing nach Hadern. Was in der Bay Area entweder mit Alkoholabstinenz verbunden gewesen wäre (“Report Drunk Drivers”) oder wegen langer Strecken und später Uhrzeit zu teurem Ubern geführt hätte, ist in München mit seinem wunderbaren MVV quasi ein Spaziergang. Ich brauche mich eigentlich nur zu entscheiden, ob ich Nachtbus mit Nachtbus kombiniere oder Nachtbus mit Nachttram oder einfach die letzten Metros nehme. Irgendwas geht immer und ist gut aufeinander abgestimmt. Nehmt dies, CalTrain, SamTrans, BART und euch gefälligst ein Beispiel!

Hatte ich eigentlich schon mehr als hundert Mal erwähnt, wie sehr ich es genieße, ein paar Steinwürfe entfernt von einer U-Bahn-Haltestelle zu wohnen? Mindestens verdoppelt wird der Genuß, wenn sich, wie diese Woche, die Meldungen von “Problemen auf der Stammstrecke” fast täglich wiederholen. S-Bahn? Probleme? Not for me, Babe. Not anymore.