Zielgruppenspezifische Werbung?

Meine – zum Glück virtuelle – amerikanische Drückerkolonne kann’s immer noch nicht fassen, dass ich das Time Magazine nicht mehr beziehe. Sie vermuten offensichtlich eine Geschmacksveränderung und tragen mir nun dieses Haarloser-Sixpack-Heft an:

Menshealth

Mir will scheinen, der Werbetexter hat, um es freundlich auszudrücken, ein sehr seltsames Frauen-, ach was, Menschenbild:

Men’s Health is the must-read magazine for women who want to live life to its fullest. Every issue of the magazine is a manual to better, healthier living in two key respects—physically and emotionally. Men’s Health magazine is your source of information on fitness, nutrition, sex and relationships, style, beauty and more. With success strategies, fitness tips and fashion and career advice, the magazine encourages readers to take charge and conquer all aspects of life. Each issue has something different to offer, such as healthy, delicious recipes and fun weekend activity ideas. Edited for a well-rounded readership, Men’s Health focuses on providing realistic goals and covering the issues most relevant to today’s modern woman.

Wie zum Beispiel Sex auf Bäumen.

Under Compression

El Knie will kein Hitzefrei. Es ist viel schlimmer: El Knie will keine Hitze. Wenn warm, dann leichte Schwellung, wenn heiß, dann macht er aus dem ganzen Bein einen dicken schweren Schwellklumpen und der ist dann in seiner Beweglichkeit eingeschränkt, was El Knie zum Anlaß nimmt, bei der Genesung keine Fortschritte zu machen. Nicht gut.

Woran das liegt? Mein Chirurg hat, fürchte ich, eine Trump-Rede zuviel gehört. Was noch schlimmer ist, er The Donald geglaubt und mir kein tropentaugliches Knie eingebaut, sondern eines, das bei Temperaturen über 20°C mit einem Monsterschwelleffekt aufwartet, an dem Mr. Lynch bei den Dreharbeiten zu Elephant Man seine helle Freude gehabt hätte. Ich nicht so. Ich nämlich muss das arme Bein jetzt immer schon früh morgens in einen dicken starren Stützstrumpf zwingen. Und weil ich Zweibeiner bin, kriegt das andere jetzt auch Stützstrumpf, um zu verhindern, dass es aus purer Nettigkeit seinerseits die Schwellung übernimmt. Sippenhaft, quasi.

Die bringen mich noch soweit, dass ich mich über einen regnerischen Tag freue. Ach, Neuknie, hätten wir das nicht ein wenig leichter haben können?

Oh mei, Jonny!

Moderne urbane Menschen werden mir zueinstimmen: es in der heutigen Zeit einfach, eigentlich viel zu einfach, an neue Möbel zu kommen. Seit aber die liebe Tradition des halbjährlichen Sperrmülls der Profitmaximierung der Kommunen weichen mußte, ist Gebrauchtmöbel wieder loszuwerden echt schwer.

Die Caritas hätte sich des roten San Brunoaner Gästefutons schon erbarmt, allerdings nur vor der ersten abschließbaren Tür und in Zeitfenstern, die sich auf mindestens einen halben Urlaubstag ersteckt hätten. Wißt ihr, wenn ich die Einzelteile erst selber in den Lift wuchten muß, dann findet sich auch jemand im Freundeskreis, der mir dabei hilft und mit mir und seinem großen Auto am Samstagvormittag zum Wertstoffhof fährt. Mit katholischen Vereinen hab ich, so scheint es, nie Glück; Caritas: zero points.

Weil aber meine Freundin Annette die Königin der eBay-Kleinanzeigen ist, haben wir das Sofa dort zum Verschenken ausgeschrieben und es ist auch gleich auf viel Interesse und Interessenten aus des Herrgotts weitläufigem Tiergarten gestoßen. Cipi rief noch am selben Abend an und teilte mit, er werde die Couch in der nächsten Stunde abholen, “bis gleich”. Das war am Dienstag. Cipi hat sich bis heute noch nicht nach der Adresse erkundigt. Der kriegt sie nicht. Kann ja gar nicht, weiß ja nicht wohin.

Jonny (der zweite) wollte auch ein neues Bett, umso mehr, als er auf dem Boden schlafen werden müsse, wenn es nicht bis Samstag sein eigen sei. Mir recht, je schneller das Ding weg ist, desto mehr Licht und Platz habe bald ich im Schlafzimmer, komm du nur. Ja, nein, also heute nicht, weil kein Auto. Morgen und Übermorgen geht bei mir nicht. Dann aber bestimmt Samstag. Am Vormittag. Ja, nein, doch nicht, da hat er wieder kein Auto und er komme eigens aus Erding angefahren. Aber am Samstagnachmittag. Ganz bestimmt. Transporter scheinen im Raum Erding zu den gefährdeten Arten zu zählen; ziemlich kurz vor Ablauf des vereinbarten Zweistundenfensters schrieb Jonny wieder, dass mit dem Auto was “schiffgegangen” sei und er dafür morgen komme.

Jonny schien mir ein eher umständlicher Typ zu sein, fast die ganze Interaktion fand über das Portal statt und meine Phantasie hatte aus ihm schon einen Cousin von Machete gemacht, denn er kann auch keine SMS schreiben (http://bit.ly/2tJz7oe) oder gar fernsprechen. Vielleicht hätte ich doch Josefine den Zuschlag geben sollen, allein, die wollte nicht mehr, denn “mehrere Männer habe ich nicht zur Verfügung” (hatte ich auch nie und auch nicht zur Bedingung gemacht, aber wenn Finchen meint) und überhaupt ist Jonny inzwischen auf dem Weg. Teilt er mit. Fernmündlich. Holla! Geht doch.

Klingeln und dann die Tür auch aufdrücken bedurften zwar mehrerer Anläufe, die kurze Konversation sowie Abholen & Verladen verliefen jedoch ohne Komplikationen und das Schlafsofa IKEA LÖVAS ist nun in meinem Leben Geschichte. So nach und nach verschwinden die letzten US-Reste. Ist das ein Zeichen, dass bald mal wieder ein Umzug bevorsteht?

Beileistenbleiben

Meine Springbackform ist seit dem Rückzug verschollen und weil man sowas wirklich immer mal brauchen kann, trifft es sich doch ganz gut, dass gleich am ersten Standerl beim Kirchenflohmarkt ein funkelniegelnagelneues Modell auf eine Käuferin wartet. Bevor ich zugreife, schaue ich mich erst einmal um und finde noch was saumäßig praktisches aus Silikon (ich liebe Küchenzeugs aus Silikon) sowie eine Reiskugel, von der ich gar nicht weiß, wie ich bisher ohne ausgekommen bin. Damit habe ich eine nette Auswahl für einen zukünftigen package deal zusammen, schalte in den Basarmodus und steige in die Verhandlung ein. “Was, gute Frau, wollt Ihr für die Backform haben?” Sie nennt einen Preis nah am Ladenverkaufspreis und ich pariere damit, dass ich nicht mehr als 2,00 Euro für das Ding ausgeben wollte, was sie mit “Sie miaßten mindestens Zwoafuffzig zoin” kontert, worauf ich, die Backform in der Hand haltend (das ist beim Flohmarkt das Äquivalent für “ich habe ein verbindliches Angebot angenommen und erwäge den Kauf”), mit den Worten “schau mir mal, auf welchen Preis wir kommen, wenn ich mehr nehme” damit beginne, die anderen Teile aus meiner vorher getroffenen Auswahl zusammenzutragen. Derweilen erkundigt sich eine andere prospektive Kundin nach dem Preis der Backform, bekommt wieder den nah am Ladenverkaufspreis-Preis genannt, akzepiert und mir wird die Form entrissen und fast schon triumphierend an die Mehrbietende verkauft.

Ich bin natürlich entrüstet und unter Protest abgezogen und habe das Angebot der anderen Stände keines weiteren Blickes gewürdigt, frage mich aber seitdem: Haben die Damen des katholischen Gesangsvereins einfach keine Ahnung von den gängigen Flohmarktregeln oder sind sie schlichtweg qua Religion so dermaßen skrupellose Geschäftsfrauen? Sollten diese Weiber nicht besser bei ihren Hymnen bleiben? Oder ist es ganz anders und Anti-Kruschtella, die Göttin, in deren Zuständigkeitsbereich der Füllgrad von Wohnungen liegt, hat ihre schützende Hand über mich gehalten? (Unter Einsatz fremden Bodenpersonals, aber das haben die wahrscheinlich nicht mal bemerkt.)

Ja dann. Danke, Frau Göttin, stehe ich halt weiter einem Haushalt ohne Springbackform und Reiskugel vor. Hat die letzten hummppfzich Jahre ja auch funktioniert.

Dear Sir Winston!

Es gibt Tage, an denen sich die tiefe Weis- und Wahrheit Ihrer wohl berühmtesten Zweiwortmaxime aufs trefflichste offenbart.

Nehmen wir doch den heutigen, ganz spezifisch den überaus schwülen Sommerfreitagnachmittag, an dem sich im gut aufgeheizten Quälmaschinenraum mit langer Fensterfront zur Westseite ein an einer Hand plus einem Daumen abzählbares Häuflein Menschen, aus gleichen Teilen zusammengesetzt aus schwer bis leicht übergewichtigen Damen mittleren Alters in locker-flattriger Habs-nicht-so-mit-Sport-Kleidung sowie präpotenten Tattoo-Jungmännern mit osteuropäischem Migrationshintergrund, in in jede Richtung tief dekolletierten Muscle-Shirts und halblangen beuligen auf Hüfte geschnittenen Cargohosen, Schweißsturzbäche absondernd und pornokompatibel keuchend an den Geräten plagt.

Ich schwöre, es hat gezischt wie Tiefkühlfritten in heißem Fett, als ich anschließend zur letzten der fünf heutigen Trainingseinheiten ins Bewegungsbad eintauchte. Und ich habe dabei die ganze Zeit nur an Sie gedacht, Sir Winston. “No”, hab’ ich gedacht, “No effing Sports! It’s nothing but Blood, Sweat and Tears!”

Ich bin halt einfach mehr der Sunshine-Lollipops-and-Rainbows-Typ…

Gestern in der Unterfahrt

hat der sehr geschätzte Bastien Rieser (s. https://flockblog.de/?p=30532) mit Bravour seine Abschlußprüfung abgelegt – und weil er Musiker ist mit einer Band und vor Publikum. Schee wars. Dem gönne ich von Herzen jedes Stipendium, das neueste ist eines für das Berklee College of Music in Boston. Ist nur schade, dass man ihn dann in München nicht mehr so oft hören wird. Wer noch kann, nutze die Gelegenheit. Mehr auf https://www.bastienrieser.com/sound/.

Alles Käse

Weil ich heute Abend zum Grillen eingeladen bin, denke ich mir, “bring ich doch was Feines mit”. Wer hätte denn damit rechnen können, dass der Grillkäse GlutGut (oh mei) nur am Strand und offensichtlich nur an Menschen norddeutscher Herkunft mit einem sehr seltsamen Sinn für Humor serviert werden darf?

Kaese