Twin Peaks – Season 3, Episode 1

Dear David Lynch,

ich bin ein Fan. Ihrer Filme und Ihrer Serie Twin Peaks. Erst neulich habe ich mich mit einem Generationsgenossen wieder darüber unterhalten, wie wir damals, vor über 25 Jahren in den Zeiten vor Videorekorder oder – Gott behüte – Streaming, einen festen Abend pro Woche hatten, an dem wir mit ausgestecktem Telefon (ja, das war auch noch pre-Handy) auf ORF1 (ja, österreichisches Fernsehen gabs damals noch für umme im grenznahen Bereich und ja, München zählte dazu) für jede Folge vor dem Fernseher klebten und gar nicht fassen konnten, was Sie uns da vorsetzten in Ihrer spinnerten Geschichte um den Mord an einer jungen Frau in einer kleinen Stadt. Wir haben Ihnen ja sogar geglaubt, dass man in Amerika guten Kaffee kocht. (http://bit.ly/1DGxmIT)

Und nun, ein Vierteljahrhundert später also die dritte Staffel. Dass ich beim Anschauen des fast zweistündigen Piloten irgendwo in der Halbzeit eingeschlafen bin, mag mannigfache Gründe haben, ich hatte an dem Tag ein volles Reha-Sportprogramm absolviert, es war recht warm und schon recht spät. Aber jetzt, wo ich die ganze Folge gesehen und mich dabei ertappt habe, wie ich nebenher auf dem Handy herumdaddele und e-mails und Zeitung lese, bin ich auf die eigentliche Ursache gekommen. Dieses wirre Hin- und Hergespringe zwischen Orten und Zeitebenen, das Fischgrätparkett, die roten Samtvorhänge und die seltsam sprechenden Freaks, Bäume und Schattenwesen: es interessiert mich nicht. Schlimmer noch: es langweilt mich. Dass alle Darsteller mehr oder minder gut gealtert wieder am Set sind und Kyle McLachlan das Haar jetzt lang und den Teint bronzen trägt und von korrekt zu Killer mutiert ist (Dennis Hopper läßt grüßen), trägt höchstens für ein paar Minuten, aber doch nicht für zwei Stunden und schon gar nicht für eine ganze Staffel.

Wissen Sie, Herr Lynch, weil Sie David Lynch sind, gebe ich Ihnen und mir noch eine Folge. Und ich werde mich hüten, die alten anzusehen. Nicht, dass deren Zauber dann auch verflogen ist.

Sprachverwirrung

Handy, Mobbing, Fitness-Studio, Evergreen, Beamer und alle anderen Mitglieder der großen Familie der Pseudo-Anglizismen haben, wie ich jüngst einem großen Plakat in der U-Bahn entnehme, wieder Zuwachs bekommen, nämlich die “Pain Nurse”. Und genau wie die anderen Begriffe ist auch dieser wieder knapp daneben – der Angelsachse würde unter dieser Berufsbezeichnung eher jemanden vermuten, der professionell Schmerzen zufügt und nicht etwa jemanden, der dabei hilft, sie unter Kontrolle zu halten, so wie es bei ihm daheim die “Pain Management Nurse” tut.

Dann aber lese ich weiter und erfahre, dass die Dame nicht nur eine Schmerzensschwester ist, sondern auch erfolgreich eine Ausbildung im “Wundmanagement” absolviert hat. Jetzad. Da hat wohl wer beim Eindeutschen das Management verschoben. Warum bloß bzw. WTF?

Summertime

Meine Definition von Sommerglück sind lange Tage am Badesee mit viel Zeit im Wasser, unterbrochen von gelegentlichen Mahlzeiten und langen Lektüreeinheiten. Weil El Knie aber noch ein Anfänger in der Disziplin Von-der-Decke-in-den-senkrechten-Stand-kommen ist, habe ich mich bis dato dieses Jahr noch in Verzicht üben müssen. Frau möcht ja nicht an den Boden gepinnt sein und erst zu einem Baum robben müssen, auf dass der ihr hochhelfe.

Habe dieses Thema beim letzten Training mit meiner Physiotherapeutin aufs Tapet gebracht. Wir haben eine Möglichkeit gefunden, die eine Art ausdrehender Schraube involviert und dann – ganz kurz – mutiges mit dem heilenden Knie den Boden touchieren. Der Weg dahin war allerdings kein leichter: wir können nämlich beide nicht abstrahieren, wie am eigenen Körper anzuwenden sei, was jemand gegenüber vormacht. Haben wir uns halt in der kleinen Behandlungskabine nebeneinander gequetscht (ging ganz einfach, sie trägt Konfektionsgröße 32. Maximal.) und wupps hatte sie das Problem und anschließend ich die Lösung verstanden.

Now lifting is easy. Badesee(n) – ich komme!

Hoch damit!

Beim Stadtbummel mit dem Freund aus Australien konnte einem nicht entgehen, dass der modische Unterwäschetrend dieses Sommers die “Bralette” ist, eine Art Corselette, dazu geschaffen, Brüste ordentlich zu quetschen und zu heben und so geschnitten, dass die spitzenverzierten Träger dieses Dingens unter der Kleidung hervorlugen. Huiuiui!

Ich will mich mal damit herausreden, dass es an seinem Akzent lag, dass ich ihm zunächst “Buletten” und dann deren bayerische Entsprechung, die Fleischpflanzerl erklärt habe.

Maul halten!

Früher, als ich noch eine aufstrebende Jungfeministin war, vermittelten mir Bands mit Namen wie “Schneewittchen” städtebaulich fragwürdige Informationen wie “unter dem Pflaster, ja da liegt der Strand” und berieten mit “komm reiß auch du ein paar Steine aus dem Sand” zu einer Karriere als Archäologin oder sonstiger Buddelei*.

Heute nun kommt mir meine fairgetradede Öko-Ananas nicht nur mit der Aufforderung daher “nenn’ mich ‘Süße Tropenkönigin'”, nein, sie behauptet auch “unter meiner Schale wächst die Sonne”, was wahrscheinlich die Achtsamkeitstante aus der Chiemsee-Reha in Verzückung versetzt hätte, mir als Linguistin jedoch kalte Schauer über den Rücken jagt.

Dass Nestlé sein (und durch eine vorausgegangene finanzielle Transaktion nunmehr mein) Frühstücksmüsli** (in deren Sprech “Cerealien-Produkt”) mit einem “Vollkornhäkchen” adelt, war da bei der heutigen Morgenmahlzeitzubereitung nur noch das Tüpfchen auf dem I.

Herrschaften, am Sonntagmorgen will ich mich nicht schon vor der ersten Tasse Kaffee (“Fair Trade mit dem vollmundigen Geschmack der kolumbianischen Hochebene”***) aufregen müssen – man unterlasse hinfort diesen Marketing-Dummschwätz.

 

* Ja, ich weiß auch, dass sie’s mehr als Aufruf zu “Macht kaputt, was euch kaputtmacht” verstanden haben, allein, wirklich verständlich ausgedrückt haben sie sich nicht…

** Nimm das, Türkisch!

*** Wie schmeckt Hochebene im Vergleich zu Tiefebene im Vergleich zu Tal?

Im Gleichschritt marsch!

Wenn ich auf der Besetzungsliste von “A Chorus Line” gestanden hätte, wäre der Film unter dem Titel “Domino Day” in die Lichtspielhäuser gekommen. Bis dato hatte ich angenommen, dieses mein Nulltalent, Choreographien zu adaptieren (“uhund jetzt alle einen Kreuzschritt links. ALLE!”), wäre unschlagbar, doch gestern im Bewegungsbecken der IRENA-Reha habe ich meinen Meister gefunden. Der war nämlich schon von der simplen Anweisung, sich diagonal zu bewegen (rechtes Bein und linker Arm nach vorne, dann wechseln) solchermaßen überfordert, dass er wilde Fontänen aufwirblend durchs Becken pflügte und jeweils bereits nach spätestens einer halben Bahn entknotet werden mußte.

Zum Glück waren wir wegen Pfingstferien und Allgemeiner Freitagsnachmittagsunlust nur zu zweit im Pool – bei den sonst üblichen bis zu acht Teilnehmern wär’s ohne Baywatchretter nicht gut ausgegangen.

Aus dem Vokabelheft. Quasi.

Ich bewundere ja immer wieder die Unverfrorenheit, mit der man im Englischen Substantive verbalisiert. Mein neuestes Lieblingsbeispiel habe ich in der nachfolgenden Beschreibung eines wahrscheinlich nicht sehenswerten Films gefunden – immerhin: die Wortschöpfung ist schon sehr hübsch.

Plot: A bombastic throw-back horror-comedy that follows three young women who go out partying one night and find themselves Frankensteined together in one body. Now they must put aside their differences so they can find who did this and exact revenge!

Gelesen: Ben H. Winters – Underground Airlines

In “Underground Airlines” spielt Winters mit der Geschichte der USA: was wäre wenn das Attentat auf Lincoln VOR der Abschaffung der Sklaverei verübt worden wäre, der Civil War nie stattgefunden hätte, die Südstaaten (Louisiana, Mississippi, Alabama und die Vereinigten Carolinas) am Konzept der Sklaverei festgehalten hätten und dieses Recht im 18. Amendment bis heute als unveränderbar und unumstößlich festgeschrieben worden wäre?

Ich bin seit der Last Policeman-Trilogie großer Winters-Fan, unter anderem, weil das Konzept des Ich-Erzählers angesichts des Endes der Welt so ungeheuer schwer durchzuhalten ist und er das großartig löst. In “Underground Airlines” gelingt es ihm nicht. Die Idee bleibt gut, die zeitgeschichtlichen Referenzen (Jesse Owens in Berlin zum Beispiel) zwingen in diesem Kontext zum Nachdenken, aber seine Figuren bleiben dieses Mal seltsam holzschnittartig und die Auflösung am Ende des Buches ist keine, sondern nur eine verwaschene hollywoodtaugliche Ende-Version.

Trotzdem lesen.

One of these days

In der Reha-Einrichtung lief heute alles schief. Erst der KG-Physiopaht indisponiert, dann die Lymphdrainiererin im Rahmen ihrer sehr bescheidenen Fähigkeiten ebenso sehr bemüht wie sehr unerfahren und sehr erfolglos, der Ersatztherapeut (“mir ist meine Patientin heute ausgefallen, pack ma’s, auch wenn ich mehr so auf die obere Körperhälfte spezialisiert bin”) trotzdem willens, von El Knie Höchstleistung zu fordern und ihn damit äußerst erfolgreich auf Höchsttemperatur zu treiben und schließlich der Reha-Einrichtungs-Gefrierschrank im Eimer und das für El Knie vorgesehene doppelte Therapie-Eispack leicht über Raumtemperatur. Hrrrgggnnn! Wobei, das mit dem “erfolgreich” halte ich ja für eher fragwürdig: habe heute zum ersten Mal seit langem wieder so richtig hinken müssen und die Krücken beim Busfahren nicht nur wegen der Mitreisenden gebraucht. Doppel-Hrrrgggnnn!

Dabei hätte ich es ahnen können. Wenn ich morgens um Sieben schon in der Zeitung mißlese, dass es im “Würstchenstaat” Katar gerade rund geht, dann kann aus so einem Tag nix G’scheits mehr werden…

Was ist denn das für ein Traum?

Bei dem mir, aufwachend, nur die Frage “Did i ever ask you to wash Ketchup?” im Gedächtnis bleibt?

Manchmal bin ich ganz froh, dass sich mein Hirn nachts alleine mit sich selbst beschäftigt und mich schlafen läßt… Es reicht völlig, dass El Knie zur Zeit wieder jeden Morgen um 4:00 Uhr früh rummuppert. (Da schlafen selbst die Krawallvögel noch.)