Das ganze Leben ist ein Quiz

Ich mache fürchterlich gerne Ratespiele, natürlich nur in Bereichen, wo ich mich auszukennen glaube, zum Beispiel “Wer hat’s gesagt? – Ordne das Zitat zu” und lasse mich dann vom Quizmaster recht loben, wenn ich (fast) alles gewußt habe.

Respekt! Sie sind entweder Sprachwissenschaftler, ein wandelndes Lexikon oder haben ein beeindruckend gutes Bauchgefühl. Sie kennen sich aus in der Welt der falschen Zitate. Damit hätten Sie gute Chancen als Kandidat einer Quizshow.*

Außerdem habe ich einen Newsletter abonniert, der mir jeden Tag ein englisches Wort schickt, damit ich errate, was es wohl bedeuten möge. Das heutige kannte ich zwar schon, möchte aber niemandem die wirklich witzigen Auswahlmöglichkeiten vorenthalten:

* * * Godspeed * * *

a) a wish for a successful journey

b) a marriage lasting less than twelve months

c) illegal drugs contaminated with dangerous substances

Ich wünschte, es wäre c). Speed + Gott (hier gleichbedeutend mit einem gefährlichen Wirkstoff); also quasi die drittmilleniale Kurzfassung von “Religion ist Opium für das Volk”.

 

* Damit mußte ich jetzt angeben 🙂

Es lebe das Placebo!

Wie verhält sich die Rationalistin, wenn vor ihr eine wirklich liebe Kollegin steht und ein braunes Fläschchen voller Zuckerkugerl schwenkt: “Hab ich eigens für dich zusammenstellen lassen, damit deine OP gut verläuft”?

Ich könnte ihr jetzt erklären, dass die Homöopathie den Ausgangsstoff dermaßen zerreibt, verschüttelt und verdünnt, dass er nicht mehr nachweisbar ist und es bis jetzt nicht eine Studie gibt, die die Heilwirkung von Globuli belegt. Hülfe aber weder ihr noch mir, denn es geht hier nicht um Wissen, sondern um Glauben. Mach ichs halt so: ich nehme das Flascherl an, weil ich mich über die Geste freue, sage ihr aber, dass ich ihre Überzeugung nicht teile – der einzige Effekt wird wohl eine leichte Erhöhung des Zuckerwertes sein, aber sei’s drum.

Sie hebelt mich trotzdem aus. Sie habe, sagt sie, sich schon gedacht, dass ich “so eine” bin. Deswegen habe sie mir ein Schutzengerl segnen lassen und dann drückt sie mir die beflügelte Plüschfigur in die Hand. “Woaßt, wenn der einmal einen Auftrag hat, dann schützt der Engel. Wurscht wen, auch eine Heidin wie dich, zum Beispiel. Befehl ist Befehl.”

Ja, dann, Engel: Paß bloß gut auf mich auf!

Redlich bemüht

Ich hatte mich im Rahmen des beschränkten Fassungsvermögens der üblichen Reiserolltasche extra angestrengt – aber die Vier-Wochen-Packliste von Krankenhaus und Reha geht da nicht rein. Nicht, wenn auch noch Unterhosen, Bücher und Strickzeug mitsollen. Also nochmal in den Keller und das seinerzeit als Fehlkauf abgeschriebene Monsterkofferungetüm* mit über 100l Fassvermögen hochgerollert und siehe da, alles drin und sogar noch Luft für die Dinge, die mir bis Donnerstagfrüh möglicherweise einfallen.

Dass man mit so einem Unfug einen ganzen Nachmittag verschwenden kann. Aaarrrggghhh!

* Dieses Monstrum habe ich bisher nur ein einziges Mal gepackt und gebraucht: bei meinem Rückflug ins Ungewisse aus den USA im August letzten Jahres und da waren wenigstens reichlich Mitbringsel drin.

Noch fünf Mal schlafen

Koffer aus dem Keller holen, dieses oder jenes nicht mehr anziehen (denn es soll ja mit), Faltstock und Ersatzbrille auf die wachsenden Mitzunehmenstapel* türmen, Lieblingshoodie waschen, Bett frisch beziehen, aufräumen, nochmal durchsaugen (denn frau hats ja bei der Heimkunft gerne nett), noch was vergessen?

Klingt eigentlich wie jede Reisevorbereitung, außer dass ich jetzt schon weiß, welches Mitbringsel mit nach Hause kommt. Hüfti wollte nicht länger das einzige Kunstgelenk in meinem Körper sein und hat sich ein neues Knie gewünscht. Gestern in einer Woche ist die OP und wenn mein Weihnachtsgeschenksknie und ich gut miteinander klarkommen, dann werden wir Silvester an den Chiemsee verbracht, zum Rehabilitieren.

Auf ein humpelfreies Jahr 2017ff!

* Einer davon ist nur Lektüre und ich fürchte jetzt schon, dass es nicht reichen wird.

Neu im Volkstheater: Der Stückl-Sturm

“Ficken!” “Fotze!” “Scheiße!” – Was ist da los? Vierjährige im Verbotenewörterrausch? Ein Tourettier beim Lebensmitteleinkauf? Ach woher denn. Das ist nur der Stückl, wenn er den Shakespeare ins Stückl-Deutsche übersetzt und dabei ist er ja gar nicht so, ein bißchen darf vom alten Meister bleiben, sowas wie Prosperos “Stoff aus dem die Träume sind*” und dass “die ganze Welt eine Bühne” sei und Mirandas entzückte Entdeckung der “brave new world”.

Überhaupt, Miranda. Die einzige Frauenrolle im Sturm, im Wallegewand mit vui Holz vor der Hüttn. Sie gewinnt bei Stückl, vor allem deshalb, weil sie, kaum vom Vater dem Manne anheimgegeben**, auf einmal Texte aus “Der Widerspenstigen Zähmung” aufsagt. Das tut ihr und dem Stück gut.

sturm-mehmet-sozerBei den Männern hat sich die Kostümbildnerei fürs elisabethanische Beinkleid mit fett mit Socken vollgestopften Hosenlätzen, Hemd, Weste, Knappjäcksche sowie Hut entschieden, was Mehmet Sözer (auf dem linken Bild rechts außen) aussehen läßt wie wahlweise Marilyn Manson oder von Tim Burton erfunden – außer Prospero (Pascal Fligg, gut wie immer), der eine Art Mahatma-Toga trägt. sturm-pascal-fligg

Caliban (Timocin Ziegler), der Arme, leidet wie in jeder Inszenierung daran, dass sein Verhältnis zu den Mächtigen masochistische Züge trägt und muß zur Strafe Milla Jovovichs Wickeldress aus “The Fifth Element” auftragen und den ganz ganz armen Ariel (Enno Haas, eine Entdeckung) haben sie in einen Ganzkörpernylonstrumpf mit fleischfarbener Miederhose drunter gesteckt. Hab ich nicht verstanden. Muß ich vielleicht auch nicht.

Der Sturm tobt eindreiviertel sehr kurzweilige und unterhaltsame Stunden, dann ist die Bühne und die halbe Mannschaft eingesaut, die Intrigen aufgelöst, die Geister freigelassen (Caliban erst, wenn er die Bühne geputzt haben wird); nur das junge Paar hat sich nicht gekriegt. Und das ist gut so – zwischen Miranda (Carolin Hartmann) und Ferdinand (Jonathan Müller) britzelt nicht das leiseste Fünkchen. Die haben beide wen anderen verdient. Tinder soll in solchen Fällen hilfreich sein.

Hingehen, anschauen, unterhalten lassen. Es macht Spaß, wenn das große Sturm-Pathos in der Latrine landet.

* Wenn man dem Internet glauben darf, lautet das vollständige Zitat: “Wir sind aus jenem Stoff aus dem die Träume sind und unser kurzes Sein umfängt ein Schaf.” Ist ja hübsch, aber wahrscheinlich aus der postfaktischen Ära.

** “Von mir geschenkt, und von dir selbst erworben, empfang’ denn meine Tochter.”

Aus dem Vokabelheft

Erinnert sich noch wer an “Kleine Haie”? Dann vielleicht auch daran, dass die klassische O-Sprechübung für den deutschen Jungschauspieler lautet:

“Oben thront der Nonnen Kloster.
Voll von Trost, voll hoher Wonne
Wohnen dorten fromme Nonnen,
Loben Gott vor Morgenrot.”

Wenn der Amerikaner Stimmbildung betreibt ist sein O-Mantra:

“How Now Brown Cow?”

Auch hübsch, oder?

“We miss you”

…schreiben die Damen und Herren von Russian River Vacation Homes und schicken Bilder von unserer frisch renovierten Villa Ursula und neuen Ferienhäusern, falls Ursel etwa nicht mehr unseren veränderten Ansprüchen genügen sollte.

russian-river

Ach guys, wenn’s doch nur das wäre… I miss you too und täte nichts lieber, als uns für ein winterliches “3 for 2 Special” einzumieten.

Neu im Kino: Arrival

Im Winter 2013 war ich schon begeistert von Ted Chiangs Kurzgeschichtensammlung “Stories of Your Life and Others” (s. https://flockblog.de/?p=21315), jetzt ist die filmische Adapation von “Story of Your Life”, der Geschichte über eine Linguistin, der es gelingt, die Sprache von nichthumanioiden Aliens zu entschlüsseln, im Kino und gut geraten.

Man mag es (wie ich) schade finden, dass Jeremy Renner (ein von mir hoch-, oft aber unterschätzter Schauspieler) nur zum Stichwortgeber für Amy Adams reduziert wurde; sie ist aber wirklich großartig, was ein wenig dafür entschädigt. Wenn ich mir den Film noch einmal ansehe, dann werde ich ganz bestimmt auf die letzten fünf Minuten verzichten, denn da haben sie ein zuckersüßes und vollkommen unnötiges Hollywoodhappyende angepappt.

Ansonsten: anschauen! Anschauen! Anschauen!

Broken English Spoken

Die Frage, warum sein Kollege nicht mehr auf Auslandseinsätze geschickt werde, beantwortete unser Berater mit “seine Englischkenntnisse wurden von den Muttersprachlern nicht akzeptiert”.

Habe diese Replik in meine “Euphemismus-des-Jahres”-Finalisten-Auswahl aufgenommen.

Wort des Jahres 2016

Das Wort des Jahres 2016 ist also “postfaktisch”. Paßt.

Bloß, an den Zustand an sich gewöhnen dürfen wir uns nicht, sonst heißt irgendwann eine deutsche Kanzlerin wie so ein Schlagerfuzzi.

Und das wäre Wahnsinn.