Aus der Welt gefallen

Mann, ist das lästig! Seit Dienstag bin ich ohne Internet und fühle mich inzwischen, als lebte ich hinter dem Mond. Und zwar mindestens weit hinter Ganymed.

Noch hält mein Telefon den Kontakt zur Welt, aber um das als ausreichend zu akzeptieren, bin ich nicht Millennial genug. Also quasi gar nicht. Ich brauche einen gescheiten Monitor und eine vernünftige Tastatur und das Wissen dieser Welt einen Tastendruck entfernt. Ein unfähiger Provider, der mir Digital Detox zwangsverordnet, ist auf meiner Lebensnotwendigkeitenliste nicht vorgesehen.

Allerdings spüre ich, wie sich schleichend Resignation breit macht. Heute ist der erste Tag seit dem Ausfall, an dem ich nicht mit der Hotline des Providers telefonieren werde. Ich habe einfach keinen Bock mehr auf gutgeschulte Damen, die mich mit wechselnden Ursachen (alles, von “Systemstörung” bis “Ihre Dose ist hin”) und dem Hinweis, dass ihr Unternehmen bestrebt, aber nicht verpflichtet sei, meine “Umstände” in einem Zeitfenster von fünf (5) Werk(!)tagen zu beheben, auflaufen lassen. Ich mag nicht mehr.

Also werde ich auch heute mein aushäusiges Online-Asyl für das Nötigste nutzen und zu Hause meinem armen Modem, das seit Tagen mit allen LED-Lämpchen in den seltsamsten Rhythmen und Zyklen blinkt, den Rücken zukehren. Und auf “den Dechniker” hoffen, den mir die gutgeschulten Damen mit dem Ost-Akzent nun schon seit Tagen verheißen.

Drückt mir die Daumen!

Schlimme Schreibblockade

Kaum bin ich mal für ein langes Wochenende aus dem Haus, schon verabschiedet sich auch meine Internetverbindung und reist nach Sonstwo, findet dort die große Liebe und kehret nimmer heim. Oder stürzt in die Schlucht, ersäuft im See oder tritt einer Mariachiband bei. Egal. Hauptsache irgendwo, aber nicht zu Hause.

Seit meiner Rückkehr am Montagabend bin ich offline, aber dafür in regem Telefonkontakt mit der Hotline meines Providers. Deren Ansage von der Umstellung von analogen auf digitale Netze, die sie nur wegen meiner höchstpersönlichen Kundenzufriedenheit derzeit mit ganz ganz ganz leichten Serviceeinschränkungen vornehmen, kann ich schon auswendig aufsagen und meine 10-stellige Kundennummer ist mir wahrscheinlich auf ewig ins Hirn gebrannt.

Merde. Merde. Merde.

Stand heute wußte eine Mitarbeiterin zu erzählen, dass der Techniker, der offensichtlich wegen “der Dose” zu mir nach Hause kommen muss, den Autrag “angenommen” habe. Was er als nächstes tut, weiß sie nicht, geht sie auch nichts an. Der würde schon anrufen “wenner denn ma Zeit haben tut”.

Ich habe inzwischen eine Ausweichmöglichkeit gesucht und gefunden und wurschtle mich nun mit aushäusigem Fremdinternet so durch. Bisser denn ma Zeit haben tut und die hoffentlich dafür nutzt, was immer der Dose nun fehlen mag zu beheben. Ich will zurück ins World Wide Web!

Der tapfere kleine Zug

Nichts kann ihn aufhalten, hah! Nicht, dass ihm Übelwollende in der Würzburger Region mit “Hindernissen” unbekannter Natur die Gleise blockieren und ihn zu einer Umleitung durch blühende Landschaften, vorbei an Misthaufen, Hühnerställen und Weinbergen zwingen. Erst recht nicht, dass am Frankfurter Bahnhof seine Zugmaschine der “Überhitzung” erliegt – egal, er läßt sich eine neue bringen und schnauft tapfer weiter, seinem rheinischen Ziel entgegen.

Aus den geplanten viereinhalb werden so halt mal schnell sechseinhalb Stunden Fahrtzeit, aber der tapfere kleine Zug kennt sich aus: Fahrgäste auf niedrigen Temperaturen gefrierzutrocknen ist ein probates Mittel, um Revolten im Keim zu ersticken. (Ich war zum ersten Mal im Leben dankbar um den Herrn, der heißen Bitterkaffee zu überhöhten Preisen feilbietet…)

Ich weiß schon, Zugfahren ist ökologisch sinnvoll. Wird aber nicht sinnvoller, wenn man anderthalb mal länger als geplant unterwegs ist! Hah!

Obacht!

Ein Herr tritt der mitreisenden Dame nun schon zum wiederholten Mal auf die in Riemensandalen geschnürten Füßchen. “Jetzt passen Sie doch auf, Sie Dimpfel*!” schimpft sie.

Darauf der Herr, mit der ernsthaften Würde eines leicht Angetrunkenen: “Ich? Sie müssen achtgeben. Sie haben nur diesen einen Körper!” Anschließend geht er, die Rüttelbewegungen des Zuges gekonnt ausgleichend und begleitet vom sehr verblüfften Schweigen der Dame, nach hinten ab. Richtung Bordbistro.

A votre santé, Monsieur!

* Mit diesem Zugereisten-E gesprochen. So wie “stramme Wadel” oder “Schosch Hackel”.

Mobilblogger

Wie überaus aufregend! Draußen fährt die Landschaft vorbei und drin sitze ich, in einem moderat gefüllten erfreulich gut klimatisierten Abteil und fange gerade damit an, mir nach einem Hitzemarsch mit vollem (Roll-) Gepäck zum Waggon in Abschnitt G (der liegt kurz vor Pasing) die vor mir liegenden gut fünf Stunden Zugfahrt zu vertreiben.

Der Auktionator in der Sitzreihe neben mir wartet schon recht ungeduldig, dass ich endlich mit der Tipperei aufhöre und mir seine Geschichten aus der spannenden Welt frühkeltischer Trinkgefäße anhöre. Ich glaube, das mache ich jetzt mal und werde mit der Frage eröffnen, ob alter Keltenkruscht tatsächlich “Antiquität” genannt wird.

Jedes Schlechte hat sein Gutes

Bei der Überschrift habe ich lange gegrübelt, ob es dieses Sprichtwort im Deutschen überhaupt gibt oder ob ich da eine wohlbekannte englische Redensart (There’s always something good in something bad) einfach eingebürgert habe und das Internet war dabei keine große Hilfe. Böses Internet!

Wurscht, ich wollte eigentlich auf etwas ganz anderes hinaus. Ulla nämlich, unsere heiße Hitzewelle. Meiner aktuell nicht von Erwerbstätigkeit blockierten Zeitplanung habe ich es nämlich zu verdanken, dass ich nun schon den zweiten Tag in Folge recht früh morgens im Schwimmbad aufscheinen und mir eine der begehrten “freien” Liegen (die anderen sind angekettet) zu einem Schattenbaum meiner Wahl zerren kann. Dann schwimme ich mir hin und wieder eins, trockne und lese ich bis zu Schulschluß + Mittagsessen und wenn die lärmenden Kids anrollen, packe ich gemütlich ein und verbringe den Rest des herrlichen Tages so lange auf meinem Balkon, bis es Zeit wird, in den Biergarten aufzubrechen.

Die Gesamtsituation ist zwar nicht zufriedenstellend, solche Details aber dann schon…

Heiliger Donald, hilf!

Amerika, höre ich, leidet unter der Zollpolitik des Präsidenten. Weil Stahl? Ach Quatsch! Weil Seltene Erden? Ach woher denn? Weil Harley Davidson und Heinz Ketchup? Nicht doch, geh weiter. Sondern, aufgemerkt: weil Bibel.

China ist der weltweit größte Hersteller von Bibeln und wenn die Christenlobby Trump nicht bald davon überzeugen kann, eine Ausnahmeregelung zu verfügen, dann wird demnächst auf jedes importierte “Good Book” 25% Zoll fällig. Man steckt ja nicht drin, aber möglicherweise werden die Frommen zukünftig nach dem Kauf teuerer Bibeln eher zurückhaltende Spender und das könnte sich am Ende negativ auf die Geldbeutel der Heilsprediger auswirken. Ogottogottogott!

Gelesen: Thi Bui – “The Best We Could Do – An Illustrated Memoir”

So geht Graphic Novel!

Thi Bui erzählt ihr Leben, gleichermaßen in Bildern und Worten.
Kurz zum Inhalt: Die Familie flieht nach dem Krieg aus Vietnam übers Meer. Amerika empfängt die “Boat People” mit der Begeisterung, die es auch heutzutage Immigranten aus armen Ländern entgegenbringt. Wie sie sich in einem fremden Land mit harter Arbeit ihren Platz erkämpft ist interessant, aber nicht das Besondere an diesem Buch.

Einzigartig ist vielmehr Buis Auseinandersetzung mit der Geschichte Indochinas, die nolens volens auch ihre Familiengeschichte ist. Wie sehr haben die Folgen des Kolonialismus und die Kriegseinsätze fremder Mächte ihre Vorfahren, ihre Eltern geprägt, wieviel davon trägt sie, drei Monate vor Kriegsende geboren und schon als Kleinkind geflüchtet, in sich und was davon wird sie an ihren neugeborenen Sohn weitergeben?

Mit sehr eindrücklicher Sprache und noch eindrücklicheren Bildern läßt sie ihre Leser*innen teilhaben und man folgt ihr gerne in diese doch sehr fremde Welt. Das Buch ist leider (noch) nicht auf Deutsch erschienen, sei aber trotzdem jede*r ans Herz gelegt. Es lohnt sich.

Herrgott noch einmal, Christen!

Wenn es noch eines weiteren Beweises bedurft hätte, dass Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung Perlen vor die Fundamentalisten sind, dann doch eure Forderung an Netflix, die Kurzserie “Good Omens” nach dem gleichnamigen Buch von Terry Pratchett und Neil Gaiman dringend abzusetzen. Weil nämlich Gott mit einer Frauenstimme spricht, die apokalyptischen Reiter ihre Pferde gegen Motorräder getauscht haben und ein satanischer Nonnenorden dafür stehe, dass Satanismus was ganz Normales, Leichtes und gar Akzeptables sei (s. http://bit.ly/2L9fOQf).

Bei soviel Dummheit, womit ich einmal den gesamten Tenor eurer Anschuldigungen meine und dann den Adressaten Netflix (wo die Serie doch von Amazon und BBC1 produziert wurde), dürft ihr euch jetzt wirklich nicht wundern, dass das Internet Spott und Häme über euch ausgießt. So kanns gehen, wenn man mit Schaum vor dem Mund gleich um sich beißt und keine Zeit auf Recherche aufwendet…

Am Schönsten machen das die beiden Streaming-Konkurrenten selbst. Netflix verspricht hoch und heilig, keine weiteren Folgen von Good Omens zu drehen und Amazon gelobt im Gegenzug, Stranger Things (eine der bisher erfolgreichsten Netflix-Produktionen) abzusetzen. Hihi.