Auftragsarbeit

Habe heute Nacht die Weisung bekommen, ein Kompendium der dreistesten Lügen zusammenzustellen. Die erste, die mir einfiel (hey, ich bin ein Kind meiner Zeit), war Walter Ulbrichts “Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!” und ich habe mich selbst im Traum geärgert, dass ich nicht genau wußte, ob das Zitat mit “Keiner hat…” oder “Niemand hat…” anfängt – und dass ich den exakten Wortlaut, weil schlafend offline, nicht googeln kann.

2. Trump (Gesamtkunstwerk)

Für den dritten Platz bin ich durch die Titel von Filmen, Liedern, Büchern gegangen und habe mich schließlich für “Was ihr wollt” entschieden. Denn es wird immer “Twelfth Night” gespielt werden, unabhängig davon, was das Publikum sich wünschen täte. Kurz abgeschlagen dahinter liegt das hoffnungsfrohe “Tomorrow never dies”. Von wegen! In den Händen eher dystopisch orientierter Drehbuchautoren… oder wahlweise denen des Herrn von Platz 2 sähe Morgen nämlich ganz schön alt und schwer moribund aus.

Ja, so ist das, wenn die Frau flockblog träumt.

Nimmer neu im Kino: “Once upon a Time in Hollywood”

Immerhin habe ich es geschafft, drei der Oscar-Kandidaten zu sehen und bevor die Statuen heute Nacht übergeben werden, noch schnell mein Beitrag zu Tarantinos Werk.

Es ist, wie alle geschrieben haben, eine Liebeserklärung an das alte Hollywood, seinen Glanz und seinen Glamour und die vermeintliche Verfügbarkeit seiner Frauen. Mir wäre es wurscht, ob nun Brad oder Leo eine Auszeichnung für die ihnen auf den Leib geschriebenen Rollen kriegen, sie machen es beide gut. Ich will aber ganz explizit ihren Kumpel Quentin für die Musikauswahl loben – ein jeder Titel in der jeweiligen Situation ein Volltreffer. (Pars pro toto: “Mrs. Robinson” und José Felicianos (nicht Mamas and Papas!) “California Dreaming”.)

Wer ihn noch nicht gesehen hat, sollte das nachholen. “Once upon a Time in Hollywood” fühlt sich an wie damals, als zu Beginn eines Filmes noch der MGM-Löwe brüllte.

Gelesen: Herbert Lackner – “Als die Nacht sich senkte”

“Europas Dichter und Denker zwischen den Kriegen – am Vorabend von Faschismus und NS-Barbarei”

Der Untertitel sagt eigentlich schon alles. Wobei die Besonderheit von Lackners Werk darin liegt, dass er sich auf österreichische Kunstschaffende fokussiert (Alma Mahler, Franz Werfel, Arthur Schnitzler, Joseph Roth, Stefan Zweig, Karl Kraus, Robert Stolz, Sigmund Freud, u.v.m) und die Besonderheiten der austriakischen Nachkriegszeit des Großen Krieges, ihres Antisemitismus, Präfaschismus und Faschismus.

Unbedingt Lesen! Lesen! Lesen!

Gelesen: Arnaldur Indridason – “Schattenwege”

“Schattenwege” hatte ich neulich günstig aus einer Remittendenkiste geborgen und weil man (ich auch) hierzulande Indridasons Erlendur-Krimis kennt, dachte ich mir, “damit kann man nicht viel falsch machen” und dass man sich auf Zugfahrten auch mal leichtere Kost zuführen dürfe.

Jein. Also letzteres trifft unbedingt zu, klar. Bei ersterem zweifle ich. Sicher, weil der Roman auf zwei Zeitebenen (2. Weltkrieg und heute) spielt, habe ich im Schnelldurchgang sehr viel über die neuere isländische Geschichte gelernt. Aber wie? Langatmig, bräsig, behäbig, breitgetreten, uninspiriert. Da ich aber die Originalsprache nicht beherrsche, kann ich nicht beurteilen, ob das Indridasons Erzählstil geschuldet ist oder einer schlechten Übersetzung. Weswegen auch immer, die Lesefreude leidet. Dass sich der Verlag Bastei Lübbe nebenher das Lektorat spart und selbst gröbere Rechtschreibfehler durchgehen läßt, macht es nicht besser.

Darf man getrost ungelesen lassen.

Gastbeitrag

Frau S. aus D. machte mich heute auf diesen lesenswerten Artikel aufmerksam: http://bit.ly/39iBHWe.

Unschwer zu erraten, dass ich mir bei dem Satz “Sein eigenes Apartment ließ er bald von boudoirmodern auf Louis-n‘importe-goes-Safari ummöblieren und mit der großen Goldpulverdose überzuckern.“ schon sehr gewünscht habe, er wäre mir eingefallen.

Neu im Kino: 1917

“Den mußt du dir anschauen”, empfiehlt ein Freund den Film. “Die Story ist denkbar einfach. ‘Geht von A nach B’. Und wenn der nicht den Oscar für beste Kamera kriegt, dann weiß ich auch nicht.”

Recht hat er, wie meistens, wenn er Filme empfiehlt. “1917” ist, wie jeder gute Kriegsfilm, ein flammendes Fanal gegen den Krieg, gegen das sinnlose Schlachten junger Männer wegen der Ehre des Vaterlands.

Die Kameraführung ist “One Shot” (eine einzige Einstellung, kein Schnitt), das heißt, als Zuschauender ist man immer auf Höhe der Protagonisten. Im Schützengraben, in Leichenbergen, im Dreck, im Geschützfeuer, im niedergehackten Obstgarten, im rasenden Schmelzwasserfluß. Man hat also immer genauso viel oder wenig Information wie die Figuren. Das macht den Film so intensiv wie wenige, die ich bisher gesehen habe. Und wenn der nicht den Oscar für beste Kamera kriegt, dann weiß ich auch nicht.

Unbedingt anschauen! Anschauen! Anschauen!

Nimmer neu: “A Shaun the Sheep Movie: Farmageddon”

Im Wald hinter der Mossy Bottom Farm stürzt ein Raumschiff ab und die blaue Alien Lu-La, die mit ihm kam, versteckt sich verschreckt hinten im Schafstall. Wo sonst? Shaun und die Gang tun alles, was in ihrer Macht steht, um das Schiff wieder flott und den kleinen Fremdling wieder nach Hause zu bekommen. Gegen die Umtriebe böser Regierungsagenten und die Absicht des Farmers, mit einem spacigen Vergnügungspark sensationslüsterne Touristen zu melken.

Shaun hat sich verändert. Er ist nicht mehr nur das liebenswerte Schlitzohr, bei dem zwar manchmal was schiefgeht, das aber immer Dusel hat, sondern ein auf Randale gebürsteter halbstarker Hammel, der mit seinen Kann-kaum-noch-gehen-vor-lauter-Kraft-Streichen bösen Schaden anrichtet. Aber, hey, es ist Aardman-Kinderfilm und man kennt die Charaktere und ihre Charakter und natürlich kann keine Katastrophe so schlimm sein, dass das Ende nicht doch gut wird.

Sagte ich Kinderfilm? Bei “Farmageddon” ist wieder gelungen, was ich wirklich schätze: die Kleinen sehen ihr Lieblingsschaf + The Flock und es wird auch schon mal gepupst und gerülpst und der Farmer tritt sogar in Unterhosen auf. Haha! Hihi! Haha! Die Großen dürfen sich an Zitaten aus vielen Sci-Fi-Filmen freuen. Außerdem wird gepupst und gerülpst und der Farmer tritt sogar in Unterhosen auf. Alle haben Spaß. Ob mit oder ohne Begleitkind.

Übrigens finde ich die Idee bezaubernd, dass die Raumschiff”pilotin” ein vorwitziges Kleinkind und hochbegabte Geräuschimitatorin ist. Und nächste Weihnachten wünsche ich mir ebenfalls ein Paar telekinesefähiger Leuchtschlappohren…

Anschauen! Anschauen! Anschauen!

Helau! oder Fasching im Pfarrsaal

Wir machen eine Mottoparty! Traumberufe, ey. Mach mit! Als Polizist. Oder Arzt, Baumeister, Rockmusiker (geeignet bei dunkler Hautfarbe oder Bereitschaft zum Blackfacing), Astronaut, Koch oder Feuerwehrmann.

Ach, du hast einen doppelten X-Chromosomensatz? Dann gehörst du zahlenmäßig zur Minderheit. Vorschlag: komm doch zum Beispiel als Friseurin. Krankenschwester in enganliegendem rosa Catsuit geht auch. Oder Domina (tut mir leid, bei der dritten von rechts mit geschlitztem Rock, High Heels und hoch erhobenem Stöckchen war das meine erste Assoziation). Ebenso wie Sportlerin mit knappem Oberteil, Stewardess oder Karla Kolumna (rasende Reporterin mit schwerem Tonbandgerät und altmodischer Kamera). Willst du nicht? Du würdest lieber Polizistin, Ärztin, Baumeisterin, Rockmusikerin, Astronautin, Köchin oder Feuerwehrfrau sein?

Nein, nein, nein, meine Liebe. Wir sind die katholische Kirche. Und traditionelle Rollenverteilung ist uns heilig. Auch im Fasching. Nicht, dass uns noch wer auf dumme Ideen kommt.