Oy, Corona

Ein geradezu nasenzerfetzender Niesanfall beutelt die Dame neben mir im Aufzug und ihre einzige Sorge neben der, ein hektisch hervorgenesteltes krümeliges Papiertaschentuch an ihre Nase zu drücken, ist die, aus ihrer Handtasche ein Heuschnupfenmedikament zu kramen und es mir mit wohl beruhigend wirkend sollenden Lauten entgegenzustrecken, damit ich keine Angst vor dem blöden Virus zu haben brauche.

Dabei hab ich doch bloß “Gesundheit” gesagt.

“Subscribe today!!”

…lockt mit gleich zwei Ausrufezeichen der amerikanische Zeitungshändler, der es immer wieder bei mir probiert. Ich überlegs mir.

Ganz sicher, sobald 45 auf dem Titelbild ist.

Virologie für Anfänger

Die größte Gefahr, das Corona-Virus übertragen zu bekommen, gehe derzeit von der möglicherweise entweichenden Luft in Luftpolsterverpackungsfolien aus. Wofern die solchermaßen sorgsam umhüllte Ware in Päckchen aus China komme. Oder Indien. Oder Italien.

Doch, das ist bestimmt wahr, das hat mir heute ein Mitarbeiter der Vermieterfirma erzählt.

Wennst mi frogst: Ich glaube vielmehr, er ist von dem infiziert, was eine unbekannte Dame am Freitag auf dem Mannheimer Bahnhofsvorplatz “Männer-Corona” nannte.

Traumdeuter, bitte übernehmen

Als ich heute früh vom Wecker in den Tag gebimmelt werde, habe ich den letzten Satz aus meinem Traum noch deutlich im Ohr: “Alternativen zu Bestand 3.”

Das hätte ich jetzt bitte gerne erklärt.

Gelesen: Florian Illies – “1913: Der Sommer des Jahrhunderts”

Forian Illies, Autor von “Generation Golf” und den Feuilletons der FAZ und der ZEIT, kurzer Stint als verlegerischer Geschäftsführer bei Rowohlt, ist nicht nur eine schillernde Figur der deutschen Kultur- und Literaturszene, sondern auch Buchautor, Kunsthändler sowie -historiker und Zeitungsherausgeber. Seinen “bislang größten Bestseller” “1913: Der Sommer des Jahrhunderts” aus dem Jahre 2012, habe ich jüngst in einer Remittendenkiste gefunden und auf meinen längergestreckten Bahnreisen weggelesen.

Tja. Ja. Hmmmm. Also, schlecht ist das Buch nicht. Oder vielmehr… Hmmmm. Ja. Vielleicht sollte ich erst mal erzählen, was es ist. Eine Anekdotensammlung ist es. Eine Art “Panorama-Seiten” wie in der Zeitung, aber über mehrere hundert Buchseiten weg. Kleine Geschichten von Promis. Aus Kunst, Kultur, Literatur, Theater, Film, Wissenschaft. In Seebädern, Ateliers, Salons, daheim und auf Reisen. Dreiecksgeschichten, Rivalitäten, saure Tage, frohe Feste. Erfolge, Niederlagen, Einzigartigkeiten und Banalitäten. Aus dem Jahr 1913, dem Jahr vor dem ersten Großen Krieg.

Große Literatur ist das Werk nicht. Aber es muß eine ungeheure Fleißarbeit gewesen sein, alle diese Geschichterln zusammenzutragen und sie so nett zu erzählen. Dass ich das Buch trotzdem mehr gemocht als nicht gemocht habe, mag daran liegen, dass ich (fast) alle Protagonisten kenne. Sie sind alle Teil des Kanon an Kunst und Literatur, der meine Jugend geprägt hat. Und es hat irgendwie einen gewissen Charme, Klatsch über die Brüder Mann, den jungen Brecht, den zerissenen Trakl, den schimpfenden Tucholsky usw. usf. zugetragen zu bekommen.

Es gibt einen 2. Band “1913 – Was ich unbedingt noch erzählen wollte: Die Fortsetzung des Bestsellers 1913”. Ich werds lesen wollen und hoffe auf die nächste Remittendenkiste – hab ja noch einige Bahnfahrten vor mir.

Und die ganze Vogelschar

Im Innenhof der Anstalt scheint ein äußerst paarungswilliger Amselherr zugezogen zu sein. In den höchsten Tönen trillernd singt er abends das Licht aus und schon früh, sehr sehr früh am Morgen den Tag herbei.

Die Abendlieder kann ich ja noch verstehen. Es wird dunkel, dann gut munkel und so weiter, doch, das entbietet nicht einer gewisse Logik. Aber in aller Herrgottsfrüh? Wenn noch nicht einmal ein winziger Lichtstreifen am Horizont sichtbar ist? Das muß doch nicht sein, Herr Amsel. Damit wecken Sie nicht nur Vogeldamen, sondern auch Menschen. Unter anderem mich. Und mein Wochenendausschlaf ist mir heilig. So sehr ich Ihnen eine Familiengründung gönne, um die Zeit geht meine Ruhe vor, Sie Vogel.

Probieren Sie’s doch mal mit Tinder. Das ist leiser.

Mein erstes Mal…

Absage einer Veranstaltung wg. Corona, “als reine Vorsichtsmaßnahme”. Und nun schau ich mir statt des Nachthimmels im Planetarium die lachende Sonne am schäfchenwolkigen Märzenhimmel in Echtzeit an.

Bin gespannt, wie oft das noch vorkommen wird, bis die Seuche vorbei ist.

Klärungsbedarf

Warum kennt man (also mindestens meine Generation) die Mitglieder der Roten Armee Fraktion mit Vor- und Zunamen, Täter vom rechten Rand aber allenfalls mit Vornamen und der Initiale des Nachnamens?

Hat sich die Gesetzeslage zum Schutz der Persönlichkeit geändert? Will man dem Vorbild der neuseeländischen Premierministerin folgen, die sagte: “Er wollte durch seinen Terroranschlag viele Ziele erreichen, aber eines war Bekanntheit, darum werden Sie nicht hören, wie ich seinen Namen erwähne. Er ist ein Terrorist. Er ist ein Verbrecher. Er ist ein Extremist. Aber er wird, wenn ich spreche, namenlos sein.”

Ich frage, weil ich das wirklich nicht weiß und gerne verstehen würde.