
Wer’s erklären kann, kriegt einen Taler.

Wer’s erklären kann, kriegt einen Taler.
# Dass ich mit Maske schlechter sehe, ist erklärbar. Egal wie eng eines meiner Alltagsmodelle beim Aufsetzen zu Hause anlag, irgendwann verrutscht was und dann steigen die Nebel auf. Aber dass ich, trotz unbedeckter Ohren, auch schlechter höre, zeigt mir einmal wieder, wie sehr alle Sinne sonst doch zusammenarbeiten.
# Der Monolog der Kollegin, die für sich das Tragen von Gesichtsmasken rationalisiert. “Ich ziehe meine an, wenn ich U-Bahn fahre, weil ich muß und denke mir immer, dass sie ja nicht mich schützt, sondern andere. Dann sehe ich, dass alle anderen auch eine anhaben. Die schützen mich. Und wir einander. Doch eine gute Sache.”
# Der Stich, der mich jedes Mal trifft, wenn wieder eine abgesagte Veranstaltung im Kalender hochpoppt. Man hätte sich doch schon arg vorgefreut.
# Die Vielnäherundspenderfreundin über eine ganz neue Empfindung: “Hab neulich beim Einkaufen eine meiner Masken getroffen – auch komisch, meine Tunika über einem fremden Gesicht.”
# Das ungute Gefühl, dass es mit der Wiedereröffnung des Landes doch ein bißchen zu schnell geht und dann im Juni diese Wiederaufnahme im Deutschen Theater womöglich stattfinden könnte. 
# Die Bekannte einer Bekannten, die ihre Angstlust in Chatrooms und anderen dunklen Internetecken mit Verschwörungstheorien füttern läßt, über eben diese. “Voll auf Corona” sei die.
# Noch was fürs Herz: Probably Tomfoolerys YouTube-Filme. Zum Beispiel dieser https://bit.ly/3fp6Vi8 (The Great Realisation), jener https://bit.ly/3bdVk26 (The Strangest of Times) und als Zuckerl noch der da https://bit.ly/35AbVfq (Donald’s report). Sehr Hach!
Bento leitet einen Artikel mit Leseempfehlungen in den Zeiten von Corona mit diesen Worten ein.
Ach, wie schön ist es, einfach mal in eine andere Welt abzutauchen, besonders während der Coronakrise. Eines der schönsten Mittel dafür sind immer noch Bücher. Ganz besonders die dicken Wälzer, für die man im Alltag keine Zeit hatte, bekommen jetzt ihren verdienten großen Auftritt. … Und hübsch im Bücherregal sehen diese dicken Schmuckstücke auch noch aus.
Ich könnte jetzt schon kotzen.
Damit die Streamingpeople unter den Bento-Lesern sich nicht allzusehr umgewöhnen müssen, wird jeder Wälzertyp zugeordnet:
Für Fans von Jesmyn Ward, J.R.R. Tolkien und “Game of Thrones”, Büchern, die spannend, aber keine Krimis sind, die berühren, aber keine Romanzen sind, scharfen Beobachtungen, deutscher Geschichte und Drogenstorys, New-York-Romanen wie “Damals” von Siri Hustvedt, Margaret Atwood, “Herr der Fliegen” und “Blade Runner”, Stepptanz, Geschichten über Freundschaft.
Meine Fresse! Wie blöd gehts denn noch? Inzwischen kann ich schon gar nicht mehr so viel essen, wie ich kotzen möchte*.
Falls wer sich immer noch nicht genug vor Bento graust und wissen will, welche Bücher diesen Fans zugeordnet werden, lese er/sie hier: https://bit.ly/2YJmz1M.
* Das Zitat ist geklaut, und so vielen Urhebern zugeschrieben, dass es inzwischen Volksmundcharakter hat.
Sonne, Regen, Rasentraktor.
Amen.
…ist ein fianziell äußerst gut aufgestellter anti-Trump Super PAC, gegründet unter anderem von George T. Conway III, einem prominenten Anwalt. Außerdem Ehemann der “White House counselor” Kellyanne Conway.
Soweit zur Vorrede. Dieser Super PAC hat letzte Nacht dieses Video mit dem Titel “Mourning in America” veröffentlicht, eine einminütige dystopische Momentaufnahme eines Landes, in dem die Pandemie-Todesrate entsetzlich hoch ist. Es endet mit den Worten: “There’s mourning in America. And under the leadership of Donald Trump, our country is weaker, sicker and poorer. And now, Americans are asking, ‘If we have another four years like this, will there even be an America?’ ” (https://bit.ly/3djiW6P)
Mr. President was not amused und hat die halbe Nacht lang böse Tweets absondern müssen.
Ganz besonders pikant ist das Video, wenn man weiß, dass Ronald Reagan im Wahlkampf 1984 ein Friede-Freude-Eierkuchen-Filmchen, benannt “Morning in America”, lanciert hatte, dessen Schluss lautet: “It’s morning again in America, and under the leadership of President Reagan, our country is prouder and stronger and better. Why would we ever want to return to where we were less than four short years ago?” (https://bit.ly/2YJ73D4) und dass 45 für seinen aktuellen Wahlkampf ein Sequel geplant hatte.
Man muss sich eine Formulierung wie “weniger als mehrere hundert Euro” echt auf der Zunge zergehen lassen.

Der Münchner Merkur scheint sich einen ganz besonderen Sonderberichterstatter zu leisten:

Grad vorhin klingelts und vor der Bürotür steht ein ganz lieber früherer Kollege mit weit vorgestreckten Armen und präsentiert mir ein Kästchen. “Oh,” will ich, hin- und herchangierend zwischen vorgetäuschter Schüchternheit (mit Schmollmund und nach oben gerichteten Augen) und jubeliger Freude (bei Bedarf mit Auf- und Abhüpfen), rufen: “Oh, Gold und Geschmeide! Für mich? Deswärdochnednödiggwä*.” Weil ich aber doch eher Realistin als Girlie bin, nehme ich erst mal das Kästchen (weil, Schwäbin bin ich schließlich auch), schaue rein und finde darin ein Pfund feinster, gerade mal daumenlanger Baby-Kräuterseitlinge. Er habe, erklärt er, mir “einfach mal eine Freude machen wollen.” Hat er.
Ein Sonnenstrahl an einem Wolkentag. Meine Freude und Dank sind aufrichtig und beauftragt, ihm eine Weile nachzuschleichen.
* Wer im Schwäbischen aufwächst, inhaliert diesen Disclaimer quasi mit der Muttermilch. Ja, auch wenn die Mutter aus dem Rheinland stammt.
Wer, wenn nicht Melania, kennt sich mit psychisch Kranken im nahen Umfeld bestens aus?
