Neu auf Netflix: “The Willoughbys”

Das ist mal ein sehr eigenartiger Animationsfilm. Die Figuren sehr eigenwillig designed, ihre Frisuren überaus eigenwollig. (Hihih, Wortspiel.) Wir lernen ein äußerst glückliches Paar kennen, das sich mehr als selbst genug ist. Pech, wenn man dann ihre vier Kinder ist und in den Augen der Eltern ein einziger Störfaktor. Die Kiddies sind aber nicht dumm und erfreulich kreativ, also arrangieren sie einen Abenteuerurlaub für ihre Erzeuger, der sie – hoffentlich alsbald – zu Waisen machen soll. Es kommt natürlich anders und eine kugelrunde Nanny daher… Ja, und dann möge jede/r selbst sehen, was noch passiert.

Highlights: Ricky Gervais spricht die Erzählerkatze, der liebesgluckende Mr. Willoughby tut das mit drei Kolleradamsäpfeln und das Baby kotzt Regenbögen. Wer bis zum Ende des Abspanns durchhält, darf sich auf ein Katzenbonusvideo freuen.

Gelesen: Robert Harris – “The Second Sleep”

Da hat er sich einen Jux gemacht, der Mr. Harris und dystopische Science Fiction mit einer Erzählung aus dem mittelalterlich anstrengend christianisierten England verrührt und gut geschüttelt. Alles ein bißchen sehr vorhersehbar, manchmal ein bißchen platt (Technologie wird immer verknüpft mit dem “Zeichen des angebissenen Apfels”), aber atmosphärisch sehr geglückt und mit glaubhaften Protagonisten. Und weil er schreiben kann wie der Teufel, der Mr. Harris, wird man auf den 300 schnell lesbaren Seiten gut unterhalten.

Kann man lesen, muß man aber nicht.

C-Schnipsel

# Viertkläßler auf Tretrollern. Schülerlotsen. Feierabendstau. #Esistoffen.

# Trending on Twitter: @TrumpDeathClock

# Nachtrag. Die Königin singt: https://www.youtube.com/watch?v=7LcLqIHzNkY

# Frage aus gegebenem Anlaß: Wenn eine Familie vier Kinder hat, gibt es dann eigentlich zwei Sandwichkinder? Quasi doppelt belegt? (Bekomme gerade im Bekanntenkreis mit, wie der in der Vierten und die Abiturientin wieder in die Schule “dürfen” und alle Kinder sehr hin- und hergerissen sind, wer denn nun auf wen neidisch ist.)

# 30 Millionen+ Arbeitslose in den USA, die offizielle Quote nun bei über 15%.

# Gruß aus Italien: #andratuttobene

# Zweifel aus Deutschland: Wirklich? Und wenn ja, wann?

# Impulskauf auf dem Heimweg. Ein halbes Dutzend Aprikosen, zum Pfundpreis von 4,99. #Mangönntsichjasonstnichts. Wie auch?

# Google meldet, eine der häufigsten Suchen derzeit sei “Welcher Tag ist heute?”

Corona-Schnipsel – Maskenspezialedition, die zweite

# “Halshöschen”. Schöner als dieser chinesische Onlinehändler hat bisher keiner den sperrigen Begriff Mundnasenschutz ins Deutsche übertragen.

# Der allmächtige Markt funktioniert: Lieferzeiten werden kürzer und die Produkte billiger.

# Man trägt mir zu, dass die Parkplätze großer Einkaufszentren und Möbelhäuser mit Einmalmasken vermüllt sind. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis die unkaputtbaren Gummibänder in den Fischmägen aller sieben Weltmeere landen und kleine Heuler sich die Babyzähnchen an Plastikfiltern ausbeißen. Ach, Mensch!

# Das neue Normal: das Ziel ist nicht, wenigstens eine zu haben, sondern, dass die fünf schick sind.

Corona-Schnipsel – Die “Was wir bisher gelernt haben”-Ausgabe

# Die Zeit ist aus den Fugen. Nadeschda Scharfenberg beschreibt das Phänomen in ihrer Kolumne in der aktuellen Wochenendausgabe der SZ sehr treffend als “rasend langsam”. Es sei absurd: “Kaum ist ein Turbotag geschafft, gerinnt er zu einer Masse aus Kaugummizeit.” Genauso. Das hätte ich nicht treffender ausdrücken können und bediene mich darum des Zitats.

# Schon der Barockdichter Andreas Gryphius befand “Es ist alles ganz eitel”. Aber hallo! Was tun wir nicht alles für unsere Außenwirkung? Der geradezu absurde (da ist es wieder!) Dresscode für Telefonkonferenzen, bestehend aus oben hui und unten schlampbequeminschlappen. Die obsessive Beschäftigung mit der Haarpracht, in den Kategorien Bartwuchs, herausgewachsener Schnitt oder, Gott behüte vor der schlimmsten aller Katastrophen, sichtbarer Ansatz. Ich habe im eigenen Bekanntenkreis miterlebt, wie Friseure mit hohen Vorauszahlungen bestochen wurden. “Hauptsache, ein Termin in der ersten Öffnungswoche!”

# Ich bin eine hoffnungslose Idealistin. Ich hätte gedacht, die wilde Entrümpelei der ersten kontaktgesperrten Wochen würden bei den meisten Menschen zu einer Neubesinnung und -bewertung ihres bisherigen Konsumverhaltens führen. Wenn ich mir die Bilder aus den überfüllten Fußgängerzonen an diesem Wochenende so ansehe, scheinen die meisten doch mehr so Platz für – endlich! – Neueinkäufe geschaffen zu haben. Die Aluhutdeppen in denselben Fußgängerzonen werde ich noch gesondert besprechen. (Wenn ich mich etwas abgeregt habe.)

# Unter Bezug auf die beiden vorhergehenden Paragraphen. Wie schnell Gesichtsmasken zum Fashionprodukt werden konnten. Es ist alles ganz eitel.

# Der Virus ist auch richtig.

Corona-Schnipsel

# Der Mann der Vielnäherundspenderfreundin, als er beim Einkaufen einen Freund trifft, der eine der von ihr gefertigten Stoffmasken trägt, mit unverhohlenem Stolz: “Ja, das ist eine von uns.”

# Wo stehen wir eigentlich gerade? Statistisch, meine ich? Im Ländervergleich? In den Mortalitäts- und Genesungsraten? Irgendwann im Laufe der letzten zwei Wochen muß ich das Interesse daran verloren haben und kann es derzeit beim besten Willen auch nicht mehr aufbringen.

# “Immunitätsausweis”. Hmmm. Mich trieben seinerzeit eher die Bedenken um, wie man Menschen fälschungssicher als immun kennzeichnen könne (#Äskulapstab-Tattoo). Dass manche eine Jetztgleichinfizierung fürs Dannadabeisein in Betracht ziehen würden, auf die Idee bin ich gar nicht gekommen.

# Besser könnte ich meinen aktuellen Corona-Zustand gar nicht beschreiben, als mit meinem Verleser in einem Zeitungsartikel über einen Bored Collie.

# Der Elektronikmarkt-Scout berichtet, dass die Kopfhörer- und Druckerregale ähnlich abgegrast seien, wie vor ein paar Wochen die mit Nudeln oder Klopapier. Rückgabeversuche sind bei diesen Produkten aber wohl eher auszuschließen.

# Jüngst habe ich das Wort “Videoschalte” als sehr aus der Zeit gefallen angemahnt. Aus gegebenem Anlaß weise ich darauf, dass der Begriff “Schaltkonferenz” kein Stück besser ist. Herrschaften!

# Ich habe Xavier Naidoo noch nie leiden können. Und von Attila, dem Veganerkoch hatte ich bis dato noch nicht einmal gehört. Wie können solche Vögel Menschen so verrückt machen?

# Auf dem Spielplatz und den umgebenden Grünanlagen der Wohnanstalt kreischen sich heute viele Kinder vor Freude an der wiedergewonnenen Bewegungsfreiheit schier die Lungen aus dem Leib. Noch höre ich das mit Wohlgefallen.

# Fußball, Friseur und Fingernägel gehen wieder. Nachdem die Prioritäten (darüber hinaus Möbel shoppen und Kirche gehen, inkl. Kommunion mit Mundschutz) nun abgearbeitet sind: wie wärs denn endlich mit Kultur? Kabarett, Theater, Kino, Musik usw.? (Ich weiß, Kinder sind auch ein Thema. Aber nicht meins.)

# Mein Lieblingswort aus dem heutigen Interview der SZ mit Seiner Söderschaft, Staatsträger (https://bit.ly/2zsvn1q), war dann doch, dass man im hiesigen Mia-san-mia-Bundesland nach dem “Bayernplan” agiere. Doch, Maggus. Sehr hübsch.

# Seit letzter Woche hat der Klamottenladen bei mir auf der Straße wieder auf. Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber das ist mir gerade sowas von egal. Also, noch egaler als vorher ist gemeint.

Und nein, das möchte ich mir gar nicht vorstellen…

Gelesen: Hellmuth Karasek – “Soll das ein Witz sein?”

Man hätte es sich eigentlich schon beim Griff in die Remittendenkiste denken können, dass da, wo “Mit einem Vorwort von Dr. Eckart von Hirschhausen” draufsteht, keine kluge Analyse des Witzes in der Tradition von Karl Kraus oder Siegmund Freud drin sein kann.

Aber dass eine gar so schlimme Ansammlung unkomischer Witze mit Kommentaren im Herrenwitz-Offizierskasino-Ton und angeschlossener Beschimpfung anderer Witzesammler (zuvörderst Salcia Landmann) und ordentlich Namedropping (“als ich einmal mit Billy Wilder…”) zwischen zwei Buchdeckel gepresst wurde, läßt für mich nur einen Schluß zu: Karasek war zwar nicht mehr jung, brauchte aber das Geld und kannte wen bei Heyne, der ihm noch einen Gefallen schuldete.

Dieses “Werk” würde ich gerne den Menschen spenden, die im Netz Videos verbreiten, wie man Klopapier selbst macht. (Nein, hab ich nicht erfunden. Gibts.)

Corona-Schnipsel

# “Schatz, ich glaube, es wird Sommer. Meine Brille beschlägt nicht mehr beim Maskentragen.”

# Das Problem wird werden: immer sind alle da. Lange Wochenenden. Pfingstferien. Sommerferien. Immer alle da. Alle. Immer. Mir fehlen sie jetzt schon, die herrlichen Sommer in der leeren Stadt.

# Cosmopolitan, dem Magazin für Frauensex und sonstigem Gedöns fällt aktuell nix mehr zu den Immergleichenthemen ein. Macht aber nichts. Im Mai dürfen wir uns über “The Ulitmate Distraction Issue” freuen. Ich vermute Artikel wie “Als ob wir Frauen es nicht schon schwer genug hätten… Mir fehlt die passende Maske zu diesem Outfit.”

# Aus der Duden-Redaktion ist zu hören, dass der Begriff Covid-19 ein “heißer Kandidat” für die Aufnahme ins Wörterbuch sei. Lockdown, Shutdown und Social Distancing stehen “unter Beobachtung”. Noch im Rennen, aber mit wenig Aussicht auf Erfolg: Corona-Party und Infodemie.

# Wenn zur Zeit jemand niest oder hustet, führt das – selbst in Telefonkonferenzen – zu einer, ich möchte sagen, erwartungsvollen Pause und er/sie fühlt einen Druck, sich zu erklären. “Verschluckt”, kommt dann gern. Oder “Heuschnupfen”. Mich erinnert das sehr an eine meiner frühen Beobachtungen amerikanischer Auffälligkeiten. Dort hatten auch immer alle nie Erkältungen. Noho, sir! Allenfalls Allergien.

# Ich vermisse den Straßenverkehr aus den Anfängen der Bleiben-Sie-zu-Hause-Corona-Tage. Kaum Autos unterwegs, das Tempo verlangsamt, und die wenigen Verkehrsteilnehmer rücksichtsvoll. Diese Woche gings am Freitagnachmittag wieder zu wie am Stachus um Zwölfe und das fehlende Hupen der letzten Wochen wurde kollektiv nachgeholt.

# Neulich an einer anderen Art von Gabenzaun vorbeigekommen. Mit Wäscheklammern fixiert hing dort eine Galerie von Kinderhand gemalter Hausarrestbilder, sorgfältig laminiert. Meist blühende (weite) Landschaften. Man konnte das arme eingesperrte Kind förmlich vor sich sehen, wie es sich mit seinem roten Ball und Mama und Papa auf die sonnengebadete Wiese träumte. Daneben ein Schild, das zum Mitnehmen aufforderte und ein “Spänden”döschen.