Dekret

Sobald ich die Weltherrschaft angetreten haben werde, werde ich Duftwässer, die noch lange lange nachdem ihre Träger*innen in die Welt hinausgegangen sind in der aufgeheizten Restluftmenge im Aufzug herumstehen, ausnahmslos verbieten.

Seid gewarnt, ihr Luftverpester: Verstöße gegen dieses dann eherne Gesetz werden empfindliche Strafen nach sich ziehen. Nämlich.

Bevor sich wer wundert…

Nein, leider keine Ferien: die Frau flockblog hatte ein wunderschönes langes Wochenende (faul), einen Firmenworkshop (stressig) und als Krönung ein unverträgliches Lebensmittel zu sich genommen und sich wieder von ihm getrennt (unschöne Geschichte).

Ab demnächst gibts wieder regelmäßige blogposts.

Gelesen: Scott Snyder & Charles Soule – “Undiscovered Country”

Das ist mal ganz was Neues und ich finde die Reihe jetzt schon großartig, obwohl ich erst bei Band 3 von (vermutlich) 13* bin. Reihe? Ja, es handelt sich um Comics oder, wie wir feinen Menschen das heutzutage nennen, “Graphic Novels”.

Die Autoren wagen ein Gedankenspiel: was wäre, wenn die USA sich vom Rest der Welt verabschiedeten? Eine große undurchdringbare Mauer um ihr Land errichteten, nichts mehr zu sehen, kein Geräusch, kein elektronisches Signal, kein Handel, keine Ein- oder Ausreise einfach ein “Wir sind dann mal weg” aka “The Sealing” (20. Juli 2029)? Außerdem eine geheimnisvolle Organisation namens “Aurora”, weil, ob weg oder nicht, USA ohne conspiracy geht gar nicht.

Herausfinden, was da vorgeht, kann man nur, wenn man nachsieht, und so macht sich 30 Jahre später ein bunt zusammengewürfelter Haufen recht gut aussehender sportlicher Menschen aus den unterschiedlichsten Disziplinen (Militär, Diplomatie (2, je einer für die beiden konkurrierenden Blöcke der restlichen Welt), Amerikanistik, Medizin, Journalismus sowie Haudegen-Pilot) auf den Weg über die Mauer.

Achtung, ab jetzt Spoiler.

Das Flugzeug stürzt ab und der Haufen steht irgendwo in den Wüsten und Canyons des amerikanischen Südwestens, bevölkert von Kreaturen des Wellsschen Dr. Moreau und Fahrzeugen aus den Werkstätten der Ausstatter von Mad Max. Alleinherrscher dieses Territoriums mit dem schönen Namen “Destiny” ist der “This Land is my Land”-“Destinyman” und seine Untertanen leben – gefälligst – nach dem Motto “Live free or die” und ja, die Anzahl an Waffen pro Individuum dürfte noch über der heutigen liegen.

Unsere Helden kommen da raus und weil ihr Auftrag ist “Walk the Spiral” fahren sie (mit dem Zug, so viel “City-of-New-Orleans”-Glory muss sein) in das Tech-Utopia “Unity” im pazifischen Nordwesten, da, wo früher mal das Silicon Valley war. Hoch, höher, am höchsten technologisiert, alles funktioniert, alles ist sauber, keiner hat Hunger, die Luft ist rein – doch, wie unsere Helden entdecken, der Preis dafür hoch. Zu hoch.

Weiter ins nächste Territorium. “Possibility”. Das Kapitel hätte ich gerne mitgeschrieben. Es geht um Folklore, Musik, Sagen, ikonische Figuren aus Filmen, Geschichten und ja, Comics – die helle Freude, dieses Bad in (pop)kulturellen Referenzen.

Triple-Hach!

Ja, und nun bin ich durch alle drei Bände durch, total begeistert von allem. Der Bildsprache, der Idee, der detailliert aufgebauten Hintergrundgeschichte, der fiktiven Sekundärliteratur (was die nicht alles schon an Archiven und Bibliotheken erfunden haben, hach), in kurz: dieser Chuzpe. Und? Und Vol. 4 soll erst im März 2023 erscheinen. Mensch.

Ich kann diese Comic-Reihe nur von ganzem Herzen empfehlen. Wenn die diese Qualität weiter aufrecht halten, dann wird das ein Klassiker des Genres.

Lesen! Lesen! Lesen!

* Die usrpüngliches Anzahl der “Vereinigten” Staaten war 13.

Gelesen: Kazuo Ishiguro – “Klara and the Sun”

Eines voran, ich bin noch nicht zu einem Schluß gekommen, ob das Buch mir gefällt oder nicht. Es ist ein Genre-Mix zwischen Science Fiction und Kunstmärchen in Richtung Hans-Christian Andersen, eine sehr eigenartige Diskussion dessen, wofür man Kinder in die Welt setzt und wer zur größerer, ehrlicherer, bedingungsloserer Liebe fähig ist: die leiblichen Eltern, deren Kinderwunsch in Erfüllung gegangen ist oder die AF (Artificial Friend), eine Art Roboterfreundin, die man anschafft, damit das Kind nicht vereinsamt.

Wir finden uns in einer Gesellschaft, die das allerbeste für ihre Nachkommen will. Kinder bessergestellter Eltern werden “geliftet”, eine nicht näher beschriebene Prozedur, die ihre intellektuellen Fähigkeiten massiv steigert, allerdings mit dem Risiko einhergeht, dass sie schwer erkranken und das Studentenalter, für das man sie gepimpt hat, gar nicht erreichen. Regulärer Schulunterricht unterfordert sie, also werden sie zu Hause an Bildschirmen von der akademischen Elite unterrichtet.

In einem solchen Haushalt lebt Josie mit ihrer Mutter und der Haushälterin und irgendwann auch Klara, der künstlichen Freundin. Erzählerin ist eben diese Klara, was der Geschichte manchmal einen fast kindlichen Ton gibt, denn sie ist in einem dauerhaften Lernprozess und hat noch nicht für alle Themen, mit denen sie konfrontiert wird, den passenden Wortschatz. Man darf sie aber nie unterschätzen, auch wenn sie sehr naiv (und wertfrei) beobachtet und verortet, sie hat einen klaren moralischen Kompaß, und ist letztendlich humaner und humanitäter als die Menschen, die sie erlebt und mit denen sie interagiert.

Ganz egal, ob das Werk “gefällt” oder nicht, es läßt einen erst einmal nicht los, weil die Fragen doch sehr tief ans Menschliche, Allzumenschliche rühren.

Lesen!

Humpta! Humpta! Humpta!

Wer blasmusikt denn hier, verdammt noch mal, in aller Herrgottsfrüh… ah, okay. Das ist die Kirche von Gegenüber und ihre Prozessionslärmhanseln.

“Von mir aus”, denke ich, während ich mich zu wildem Glockengebimmel rumdrehe und mir die Decke über die Ohren ziehe, “wegen denen habe ich schließlich heute frei. Dann sollen sie halt Krach ma…”. Und bin über dem Gedanken auch schon wieder eingeschlafen.

Triple-Hach!

Es gibt einfach nichts Schöneres als lange warme helle Sommernächte, mit Supermond als Sahnehäubchen. Ganz wurscht, ob in der Stadt, auf dem Land oder an einem großen Wasser. Hauptsache lang, warm und hell!

Richie Rich (Haderner Edition)

“B’halt’s”, spricht der ca. zwölfjährige Rotzlöffel und läßt dem Eismann die fünf Zehnerl Wechselgeld wieder auf den Teller fallen. “Woaßt, in meiner Spardosen, da raschelts, wenn man sie schüttelt.”

Geht intensiv schleckend nach links ab. Drei Kugeln Schlumpfeis. So cool muß man erst mal sein…

Neu auf Netflix: Ricky Gervais – SuperNature

Ricky Gervais ist Spezialist für sehr böse Comedy und dieses Special ausgesprochen sehenswert. Wie man in Bayern sagt: “A Hund issa scho und scheißen tut er si nix. Gar nix.”

Für Nicht-Bayern: das ist ein Kompliment und drückt höchste Hochachtung aus.

Den Finger am Puls der Nation

… hat natürlich niemand so sehr wie die BILD-Redaktion und geifert über ein Thema, das sie offensichtlich arg umtreibt. Wie kann ein Autobauer nur auf die hanebüchene Idee kommen, seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zukünftig nicht mehr als “Audianer”, sondern mit „Audianer_innen“ ansprechen zu wollen?

Dass sich der “Verein Deutsche Sprache” nicht entblödet, ins gleiche Horn zu tuten, finde ich dann doch eher verwunderlich. Hört dem Klatte sonst einfach keiner zu?