Neu auf Netflix: ” Don’t Look Up”

Ich glaube, bei dieser Produktion war es so:

Ein Zoom-Call. Adam McKay fragt in die Runde: “Könnt ihr mich hören? Halloho? Meryl? Leo? Jennifer? Cate? Rob? Jonah? Mark? Thimotée? Tyler? Ron? Alle da?” [Bestätigendes Gemurmel.] “Su-uper! Dann schnell, bevor hier das Internet wieder zusammenbricht: es muss flott gehen, wir müssen vor Dreikönig 2022 rausgekommen sein, weil, naja, ihr wißt schon. Jahrestag. Sturm aufs Kapitol und so. Die Youngster-Zielgruppe habe ich mit Ariana und Kid im Sack, die kriegen wir. Ihr seid alle voll typgerecht besetzt, das spielt ihr im Schlaf. Ach was, spielen, chargieren langt. Ich erklärs euck kurz. Jennifer entdeckt, dass ein Meteorit auf die Erde zurast und sie in einem halben Jahr zerstören wird. Ihre Warnungen werden ignoriert. Dann volle Mediensatire, auch digital. Anschließend Sinneswandel, Meryl macht den Trump, aber besser. Schließlich Auflösung, Zerstörung. Aber Family Values. Sound good, oder?

Meryl, du bist meine Präsidentin. Typ Trump, aber in weiblich mit blonder Korkenzieherlockenfrisur. Tut mir leid, da musst du durch. Schau dir bitte ein paar Trump-Auftritte an. Ja, ist grausig, nochmal, tut mir leid. Aber dafür kriegst du eine Uber-Patrioten-Szene mit rot-weiß-blauem Feuerwerk auf einem Flugzeugträger, bei der sich alle Republikaner ärgern werden, dass sie ihnen nicht vorher eingefallen ist.

Leo, du verwandelst dich vom menschenscheuen Astronomie-Professor zum Medien-Drosten, das machen wir mit einer Rasur und Cate. Cate, du weißt, was du zu tun hast. Klamotten und Make-up gut tragen. Unterkühlt sexy. Das bist du. Das schaffst du.

Jennifer, erinnerst du dich an “Silver Lining”? Genau. Schnelle Stimmungsumschwünge, Verzweiflung, Fassungslosigkeit, auch mal Rumbrüllen. Ruf das wieder ab, aber in billig. Geht das?

Rob, du spielst mir “edel sei der Mensch, hilfreich und gut”, mit einer Prise BLM. Diverser wirds nicht. Jonah, von dir brauche ich Doppel-D, hihi, Don jr. & Doof – einfach zitieren, mehr ist das nicht. Ron. Rohon, hallo? Ron, du bist mein alter Patriotenpilot. [Beiseite: Schade, dass wir Bruce Willis nicht gekriegt haben.] Klar, mit Uniform und alles. Tyler, als du selbst. Timothée, Schatz, von dir krieg ich aufmüpfiges Surfer-Street-Kid, oder? Ja, Kappe mit Schild nach hinten, Superidee! Machen wir.

Mark, dich brauche ich leicht creepy. Denke dir Elon, Steve und Michael Jackson. Mit allwissenden Smartphones und Kiddies auf der Bühne, aber dabei Großkapitalist und Weltherrschaft. Kindliche Begeisterung gepaart mit Gruselgrausamkeit und Flüsterstimme. Spielst du, wenn man dich morgens um drei wachrüttelt mit links? Eben. Sag ich doch.”

Ein großartiger Cast.

Vollkommen vergeudet an das, was man bei Holly-Flix Satire nennt.

Die, die Trumps Magas “die Eliten an den Küsten” nennen, werden mit wahlkampfgesangsähnlichen Einlagen der tumben Mützenträger aus den Fly-Over-Staaten bedient, wobei “Don’t look up” (zu dem Kometen, der demnächst die Erde zerstört, den aber alle ignorieren, weil er gerade nicht auf die Agenda passt) verdächtig wie “Lock her up” klingt – kurz, es wird jedes Klischee gemolken. Ganz fürchterlich: Meryls Präsidentin raucht. Das ist in den USA bekanntermaßen nahe am Verbrechen. Nicht bei dieser Figur, die dafür auch noch Stimmzuwächse einheimst. Grausig.

Satire ist das nicht. Schon gar nicht, wenn man sich die Enden ansieht. [Vorsicht, Spoiler.] Die Guten essen um einen großen Tisch ein gemeinsam mit Bluts- und Wahlverwandten zubereitetes letztes Abendmahl und akzeptieren gefasst und reflektiert ihr unausweichliches Ende im Kreise ihrer Lieben, wobei die sonst für Thanksgiving reservierten “Wofür-ich-dankbar-bin”-Statements nicht fehlen dürfen. Die Bösen entkommen in ihrer Tycoon-Arche-Noah-Rakete zu einem erdähnlichen Planeten, entgehen aber auch dort der gerechten Strafe nicht. Hah!

What an utter shite!

@Netflix: Mit dir bin ich für dieses Jahr fertig. Mach mal wieder was Vernünftiges!

Neu auf Netflix: “The Power of the Dog”

Ich glaube ja, das war so:

Jane Campion schreibt an Benedict Cumberbatch: “Bene-Baby, ich hatte eine tolle Idee. Ich besetze dich quasi total gegen deinen Typ. Ich mache aus dir den Archetyp des toxisch männlichen. Harter Typ, ungewaschen, naturverbunden und grausam, bösartig zu Schwächeren, loyal zu seiner Gang, aber eigentlich A Lone Wolf. Mit breitbeinig amerikanischem Akzent, weil Cowboy.”

Als die Antwort auf sich warten läßt, legt sie nach: “Gut, von mir aus. Du kriegst auch einen eigenen Brokeback-Mountain-Moment. Mit Nacktbaden.”

Nachdem Cumberbatches Zusage eingetroffen ist, schreibt sie eine weitere Nachricht: “Kirsten, heul doch.”

Das wäre dann der Film gewesen. Außerdem kein Hund.

Binge-Watching – Fernsehen, Serie: “Forbrydelsen”

Im deutschen Fernsehen ausgestrahlt unter dem Titel “Kommissarin Lund – Das Verbrechen”.

Das ist aber auch das einzige, was ich an dieser mit unendlich vielen Preisen ausgezeichneten Serie zu bemäkeln habe: die Synchronisation. Mei, ist die mies. Man kann bei Großaufnahmen gar nicht hingucken. Was unter anderem daran liegt, dass synchronisierte Dänen ununterbrochen korrekt das Imperfekt anwenden (kam-sah-siegte) und den perfekten Konjunktiv beherrschen. Das mag beim Lesen funktionieren, in der gesprochenen Sprache irritiert es ungemein.

Sonst: auch von mir nur Lob. Die Besetzung, und zwar der ganze Cast, ist zum Niederknien gut, die Geschichte sauspannend. Ob der Plotpoint sexualisierte Gewalt (hübsche blonde Abiturientin wird grausam vergewaltigt, geschlagen, gehetzt und dann ersäuft) auch heute noch 1000 Minuten Film bis zur Aufklärung trüge? Weiß ich nicht. Wahrscheinlich ja. Spannend macht diese Serie das Szenario, in das diese Tat eingebettet ist: politische Machtspiele und Intrigen, die Erkenntnis, dass man nie einen anderen Menschen wirklich kennt, auch wenn es das eigenen Kind ist (Laura Palmer läßt grüßen), die aus dem Verbrechen resultierenden zwischenmenschlichen Dynamiken.

“Das Verbrechen” läßt sich auch 15 Jahre nach der Erstausstrahlung noch gut sehen und sei allen empfohlen, die sich den Magen an zu viel Süßem verdorben haben.

Stein vom Herzen

Eigentlich hätte man den Aufschlag mindestens bayernweit hören müssen: seit 10 Minuten sind meine Steuern für 2020 erklärt. Puaaahh.

Jetzt könnte ich auf meiner Todo-Liste nachschauen, was ich mir sonst noch so vorgenommen habe für die Zeit zwischen den Jahren.

Ich könnte das auch bleiben lassen und zum Beispiel endlich anfangen, den Bücherstapel wegzulesen. Ist seit Anfang Dezember ja nun auch nicht unerheblich gewachsen.

Licht ins Dunkel

Wer sich im Bauch der hiesigen Wohnanstalt ohne Nachtsichtgerät bewegt (also fast alle) drückt (Bewegungsmelder, ce sont les autres) auf funzlig glimmende Dingelein an den Wänden, hoffend, dass ihm infolgedessen ein Licht aufgehen möge. Geschieht im allgemeinen auch, und zwar immer beginnend mit einem schwachen Schimmern am äußersten anderen Ende des Ganges. Egal aus welcher Richtung man kommt, es ist immer das andere Ende.

Obwohl ich über dem Verbringen zweier Waschmaschinenladungen trockener Wäsche in ihre Transportkörbe über den Grund dafür nachgedacht habe, bin ich nicht dahinter gekommen, woran das liegen könnte. Folgende Lösungen habe ich bereits verworfen: Elektrotechnik im allgemeinen, das ist selbst aus meiner laienhaften Sicht Quatsch. Das Bestreben der Hausverwaltung im besondern, die doch schon recht geriatrische Bewohnerschaft der Anstalt auf einen Gang ins Licht vorzubereiten – nein, nicht doch. Die wollen nur viel Miete für möglichst wenig Aufwand. So metaphysisch sind die nicht druff.

Falls also jemand aus meiner geneigten Leserschaft über Weihnachten nichts besseres zu tun hat, helft:

Warum ist es immer hinten zuerst hell?

Aus der Wechstabenverbuchselei

Heute Nachmittag, erzählt die Freundin vorhin am Telefon, habe sie noch einiges zu erledigen. Unter anderem brauche sie einen PVC-Test.

Recht hat sie. Die Qualität von Polyvinylchlorid kann man nicht oft genug prüfen…

Zum Glück auf Amazon Prime – “Ich bin dein Mensch”

Regisseurin Maria Schrader, auf dem Weg zur Nominierung für den Oscar für den besten ausländischen Film, stellt sich und uns die Frage, was eigentlich Mensch-Sein ausmacht. So poetisch, so tief in der Seele bohrend, so anrührend, so komisch und so schön, dass ich sicher weiß, dass ich mir diesen Film immer einmal wieder ansehen werde und einer und einem jeden sehr sehr sehr ans Herz lege.

Anschauen! Anschauen! Anschauen!

Nachtrag: der ganze Film ist großartig besetzt, und aus diesem Cast ragt Sandra Hüller noch heraus. Hut ab!

Schlechte Wahl

Es sei doch, schimpft die Nachbarin, als wir, mit Einkäufen bepackt, schwer durch unsere Masken schnaufend, mit beschlagenen Brillen im Lift stehen, es sei doch wirklich nicht auszuhalten, dieses gleichzeitige Auftreten von Weihnachtszeit und Pandemie. Ich müsse doch, fuchtelt sie mich mit erhobenem Zeigefinger an, wohl auch zugeben, dass eines davon verboten gehöre.

Gar nix geb ich zu, Frau Nachbarin. Aus dieser Auswahl nehme ich nix – und stattdessen endlich mal wieder Sommer. Universum? Halloho?