Binge-Watching – Fernsehen, Serie: “Forbrydelsen”, 2. und 3. Staffel

Irgendwann zwischen Weihnachten und jetzt hatte ich auch die letzten beiden Staffeln weggeguckt und wiewohl sich die Autoren neue Verbrechen, Verbrecher und Motive ausgedacht hatten, wurde der Aufbau der Serie nicht mehr verändert. Immer ist da Politik, die in irgendeiner Form, meist vertuschend, in jedem Fall aber auf ausgesuchte Handlungsstränge Einfluss nehmend, damit nicht der Wahlkampf oder das neue Antiterrorgesetz oder sonstwas “Schaden” nehmen. Das geht einem bei der schlechten Synchronisation, die auf schlechter Übersetzung beruht (“die da oben” sind aus dem Dänischen übertragen “die Führung” usw.) irgendwann gründlich auf den Keks.

Zudem wird Kommissarin Lund, je älter sie wird, immer weniger erratisch, kriegt aber dafür in der letzten Staffel einen laufend überreagierenden Kollegen, wird Oma und Henkerin (sprich, sie erschießt den, der sonst davon gekommen wäre, weil er quasi über dem Gesetz steht) – das ist, meine Damen und Herren Autoren, Verrat an der Figur und hätte absolut nicht sein müssen.

Schade.

Gelesen: Sally Rooney – “Mr. Salary”

Dass Sally Rooney Novel kann, wissen wir seit einigen Preisverleihungen und meiner Rezension zu “Normal People” von neulich (s. https://flockblog.de/?p=45897). Dass ihr die kurze Form (“Novella”) auch liegt, weiß ich, seit ich gestern in einer Franzen-Lesepause mal schnell “Mr. Salary” in einem Reclamheftformat weggeatmet habe. Meine Fresse, ist diese Frau gut – noch dazu bedenkend, dass sie höchstens Mitte 20 war, als sie ihre Figuren schuf.

Holla, die Waldfee!

Rooney lesen! Lesen! Lesen!

Schon lang nicht mehr im Kino. Sehr sehr lang: “The Last Unicorn” (1982)

Nach all dem, was im Staate Dänemark faul war, war ein Kontrastprogramm dringend angesagt. Neues hatte ich schon, also warum nicht mal was Altes? Obwohl… Dergleichen birgt ja immer Risiken, denn wenn sich der nostalgievernebelte Blick beim Wiedersehen klärt, dann stellt sich doch manches, das man als kindgerecht und schön in Erinnerung hatte, als rollenklischeebehaftet, sex- oder rassistisch heraus.

Peter S. Beagles Einhorn hat sich erstaunlich gut gehalten. Die Animationstechnik hat natürlich in den letzten 40 Jahren große Fortschritte gemacht, aber dieses 80er Jahre Produkt hat einen sehr eigenen, fast intellektuellen Charme und kann sich noch gut sehen lassen. Wie in jedem echten Märchen geht es nicht ganz ohne Grausamkeit (gut so) und die Rührseligkeit wird mit einem guten Maß an Comic Relief aufgewogen. Selbst der Soundtrack von America ruft eher ein nostalgisches Hach! hervor als – wie ich befürchtet hatte – ein genervtes “Geh-mir-doch-weg-mit-Eighties-Kitsch”.

Wie kindertauglich The Last Unicorn ist, wage ich nicht zu beurteilen. Aber ich sage ihm eine große Renaissance als Stonerfilm hervor, wenn “Legalize it” endlich durch ist… Mit vielen Munchies.

Gelesen: Florian Illies – “1913: Was ich unbedingt noch erzählen wollte”

Ein Büchlein wie ein Sorbet. Was für zwischendrin, leicht und nett und bald vergessen und vor allem dem Umstand geschuldet, dass Illies soviel Material für den ersten Band (https://flockblog.de/?p=40619) gesammelt hatte, dass es für einen zweiten reicht. Döntjes, Schnurren, Anekdoten über Künstler, Dichter, Mäzene, Maler, Erfinder, Autoren, Komponisten, Bildhauer, Weltenentdecker und *Innen.

Doch vorhin ist mein lang erwartetes Weihnachtsgeschenk von mir an mich eingetroffen: Jonathan Franzens “Crossroads” (Taschenbuch). Da kam Illies Fleißprojekt natürlich sofort wieder auf den Tsundoku*. Man möchte sich ja auch einmal wieder fordern…

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Gelesen: Sally Rooney – “Normal People”

In meiner Jugend gab’s so ‘ne Spontisprüche (schlagt es nach, junge Menschen), darunter einen, den ich immer sehr gemocht habe: “Nichts passiert, aber davon jede Menge”.

Genau darum geht es in Rooneys Zweitling. Zwei junge Menschen, Familien, Klassenunterschiede, Schule, Uni. An sich passiert nichts, aber davon jede Menge. In einer sehr klaren und klarsichtigen, analytischen Sprache geschrieben. Und ja, das Buch ist so gut, wie es alle Preisvergeber auch gefunden haben. Ich konnte es vom ersten bis zum letzten Buchstaben nicht aus der Hand legen.

Unbedingt lesen! Lesen! Lesen!

Analyse

Erst ist es nicht hell, weil noch Nacht ist und dann, weil aus donklen Wolken schon wieder so ein matschiger Schneeregen fällt.

Meine Jahreszeit wird das nicht mehr. Nie mehr. Nicht in diesem und nicht in allen möglicherweise folgenden Leben.