…oder ich fress’ dich.

Es ist früher Morgen, und vor den Nachrichten muss Bayern 2 noch das Trällerlied einer hoffnungsfrohen Musikerinnenkarriereaspirantin (Mia Aegerter) spielen.

Du hast mein Herz auf dem Radar
Wenn ich Dich brauche, bist Du da
Du schlägst hier jeden um Längen
Dein Ego hat höchstens Größe M

Jener hier so furchtbar bereimte und musikalisch eher mangelhaft gepriesene junge Mann hat, wenn man der Vortragenden glauben darf, nur einen einzigen Fehler: “Du kommst zu früh”. Mein Morgenhirn nimmt leicht verwundert zur Kenntnis, dass man im Bayerischen Rundfunk heutzutage anscheinend ungestraft Ejaculatio praecox besingen darf, bis nach drei Refrainschleifen flugs noch ein “in mein Leben” drangeflanscht wird. Ja dann. Dann gehts auch im BR.

Isso: “Die Uhren der Begierde schlagen nie nur selben Stunde.”
Zitat der Marquise Sowieviel, geschuldet meinem unwahrscheinlich guten Gedächtnis für Trivia sowie meiner frühjugendlichen “Angelique”-Lektüre.

Der Lenz ist da!

Auf dem kurzen Stück Heimweg, das mich über die Ausfallstraße Richtung Starnberg führt, drei (3!) röhrende Cabrios mit offenem Verdeck.

Schneefall in den nächsten Tagen ist damit ausgeschlossen. Muss ausgeschlossen sein!

Vorerst letzte Folge: “Poker Face”

Die eine oder der andere mögen sich erinnern, wie sehr begeistert ich vor ein paar Wochen war, als ich diese Serie mit Natasha Lyonne gerade ganz frisch entdeckt hatte, die anderen können hier nachlesen: https://flockblog.de/?p=47621. Hat sich nichts geändert. Immer noch total begeistert. Nicht alle Folgen sind gleich stark, aber alle sind sie gut bis sehr gut und auch die Auflösung in dieser nun letzten ist sauber gemacht, wiewohl sie die Tür zu einer nächsten Staffel nicht ganz zuschlägt.

Ron Perlman brilliert hier noch einmal als alter weißer Casinoboss und erlaubt sich alles, was eigentlich nicht mehr geht. Man in Black, der eine erwachsene Frau stets und konsequent nur “Kid” nennt, Riesenstetson, Schlangenledercowboystiefel, Westernbimmelgeklimmelkrawattenersatz – und er kommt damit durch. Schön ist das.

Meine allerliebste Lieblingsszene ist jedoch eine Montage. Sie zeigt Cliff Legrand (Benjamin Bratt), den Mann hinter dem großen Mann auf der Verfolgungsjagd nach Charlie. Erst ganz siegessicher und dann zunehmend degenerierend in Billigmotels mit Billigfraß vor Billigfernsehen auf immer absteigenderen Ast. Triple-Hach! Alleine dafür möchte man sich diese letzte Folge mehrfach ansehen.

Also los jetzt: Anschauen! Anschauen! Anschauen!

“And the Oskar Goes To…”

Wenn ich denke, dass ich früher immer alle Filme im Wettbewerb kannte und die Verleihsonntagnacht in einem Kino verbracht und durch jeden Oscar für Licht und Ton und sonstwas Istauchwichtiges gesessen habe, bis endlich die Darsteller drankamen, um dann unausgeschlafen in den Arbeitsmontag zu starten…

…dann denke ich mir, dass das Alter auch sein Gutes hat und es mir inzwischen vollkommen ausreicht, im Laufe der Folgewoche davon zu lesen, wer Preise bekommen hat und die Filme vielleicht irgendwann anzuschauen oder vielleicht halt auch nicht, ohne dass die Welt untergeht.

Bleibt die Erkenntnis, dass er recht hat, der Nobelpreisträger mit der Nölestimme: The Times They Are a-Changin’.

Schlimmer geht immer

Ich dachte eigentlich, McDonalds hätte seinerzeit mit der “Los Wochos”-Kampagne die Peinlichkeitslatte gerissen.

Hab mich wohl getäuscht:

Noch in der Mediathek – Tatort Münster “MagicMom”

Hmmm. Warum die Medien gar so aufgeregt waren, kann ich gar nicht nachvollziehen. Liefers’ Boerne bleibt Boerne, trotz, hihihi, “Boern(e)-Out”, Prahls Thiel gewinnt an Umfang, nicht aber an Reife, zusammen sind sie und ihre teils bemühten Witzeleien letztes Jahrhundert. Alte weiße Männer halt. Die zweite Reihe (Urspruch und Meyer) macht in woke, einzig allein Mechthild Großmanns (diese Stimme, hach!) Figur, die Staatsanwältin Klemm, darf sich selbst treu bleiben und von hoher Warte weise walten.

Die Geschichte spielt im Neuland Internet, da, wo die wilden Influencer wohnen und sich gegenseitig im Wettbewerb um immer noch mehr Follower und Kommerz das Leben schwer machen und auf komplizierte Weise zu Tode kommen. Ich fands lustig, dass trotz aller vermeintlicher Neuzeit und Modernität, Mörder und Motiv ein uralter Klassiker waren.

Nix besonderes, aber auf Münsteraner Weise leidlich und weidlich unterhaltsam.

Dem kranken Herrn E. aus M. gewidmet

“Wie”, frage ich den jungen Mann, der sich bei uns um einen Ausbildungsplatz bewirbt, “wie hältst du es als Mitglied der Gen Z mit der Work/Life-Balance?”

Die Arbeit, hebt er an, die Arbeit sei auch wichtig. Aber man müsse schon auf sich selbst Acht geben und gelegentlich die Sehne baumeln lassen.

Und deswegen habe ich jetzt einen blutigen Zahnabdruck auf der Zunge.

Gelesen: Harry Rowohlt – “Und tschüs: Nicht weggeschmissene Briefe III”

Die treue (und aufmerksame) Leserschaft wird sich erinnern, dass ich jüngst erst den ersten Band der Kollektion in höchsten Tönen besang (s. hier: https://flockblog.de/?p=47626). Dem ist nichts hinzuzufügen.

Warum in aller Welt, mag man sich fragen, hält sich die Frau flockblog nicht an die Reihenfolge und liest Band 2 “Gottes Segen und Rot Front: Nicht weggeschmissene Briefe zweiter Teil” nicht vor Band 3? Ganz einfach: Nummer zwei ist aktuell nicht antiquarisch lieferbar und ich habe Zeit…