Ein Algorithmus, wo keiner mit muss

Warum mir dieser Film (“Wolves of War”) aufgrund meines bisherigen Sehverhaltens als sehenswert empfohlen wurde, wird ein Geheimnis des auswählenden Algorithmus bleiben.

Aber das untertitelte Szenenfoto, das fand ich schon lustig. Danke.

Gelesen: Madeline Miller – “Circe”

Circe? Ja, das ist die, die wir aus Homers Odyssee kennen. Die, die Männer in Schweine verwandelt.

Das tut Millers Circe auch, aber nur mit Männern, die es auch verdienen – quasi eine Me-Too-Geschichte aus der Antike mit angeschlossener Selbstjustiz. Nach 400 Seiten, gut geschrieben, phantasievoll und spannend habe ich gelernt, dass man es als Halbgöttin nicht leicht hat, in einer Welt, in der die “alten” Götter noch nicht ganz durch sind mit ihrem Kampf um die Vorherrschaft, Mischwesen aller Art Wasser, Luft und Land bevölkern und dann auch noch Sterbliche. Der Mensch an sich, das personifizierte Durcheinander.

Miller, eine gelernte Historikerin, läßt ihre Heldin alle vorstellbaren Qualen und Freuden durchleben, ganz im Sinne des Geheimen Rats aus Weimar*. Dabei mögen die Götter sie gar nicht. Aber ihre Autorin mag sie, und läßt daher auf ein gutes Ende hoffen. Mehr sag ich mal nicht, soll doch jeder und jede selber lesen.

Zu Miller und ihren Romanen demnächst mehr. Ich glaube, ich höre vorerst mit den Roman-Interpretationen antiker Nebenfiguren (meist Frauen, denn von den Männern wissen wir seit Homer genug) erst einmal wieder auf. Es besteht ein Risiko von Übersättigung.

* Johann Wolfgang von Goethe, 1777:

Alles geben die Götter, die unendlichen,
Ihren Lieblingen ganz,
Alle Freuden, die unendlichen,
Alle Schmerzen, die unendlichen, ganz.

Neu auf Netflix: “Nimona”

Ich hatte den Comic von Noelle (nunmehr “ND”) Stevenson schon 2016, kurz nach dem Erscheinen des auf einem Webcomic basierenden Buches sehr gemocht (Trüffelschwein, ich sags ja) und mich auf den Film gefreut.

Dass es den gibt, ist nämlich eigentlich ein Glücksfall. Denn die Disney Corp. kaufte im Jahre 2020 (ein Scheißjahr, wie wir uns alle erinnern) die 21st Century Fox und damit deren Animationsstudio Blue Sky, absorbierte die laufenden Produktionen, soweit sie den corporate Vorgaben genügten und machte Ende 2021 Blue Sky dicht. Damit war das Projekt “Nimona” gestorben. Vermutlich zu queer. Zum Glück nahmen die Annapurna Pictures and Netflix die Produktion 2022 wieder auf und schlossen den Film ab.

Er ist sehr gut geraten. Die Fantasygeschichte vom betrogenen Ritter Ballister (Riz Ahmed) und der Formwandlerin (ganz besonders sehr Hach!: Chloë Grace Moretz) funktioniert auf vielen Ebenen, ganz besonders, als dieses Odd Couple seine Chemie findet, ist witzig, großartig animiert (zieh dich warm an, Pixar), schnell und schlüssig.

Der ganze Wirbel um den schwulen Kuß am Ende? Der war mir auch eine Runde zu woke, aber wenn ich sehe, wer sich und sein Volk deswegen nun um diesen lustigen Film bringt, dann brauchts das wohl doch noch. Küßt doch alle, wen ihr wollt.

Nachfolgend der Trailer mit ein paar verdienten Seitenhieben gegen Disney. Wem das gefällt, dem verspreche ich eine unterhaltsame Zeit.

Fehlzündungen

Der Herr Doktor aus Wien hätte gewiss seine Freude daran gehabt, dass der Weg zu den Toiletten im Restaurant mit einem Schild zum Untergeschiß ausgewiesen wird.

Aus der Zeit vor unserer Zeit

Ich habe neulich eine Serie auf DVD geguckt. Die war so alt…

Wie alt war sie denn, Sabine?

Die war aus einer Zeit vor der Erfingung des Binge-Watchens – es gab nicht einmal einen “Play All”-Button. So alt war die.

Kauf das! (Des Rätsels Lösung)

Letzte Woche hatte ich an dieser Stelle gefragt, was ich hier wohl kaufen sollen tun täte. (s. https://flockblog.de/?p=48202)

Die Auflösung:

Na? Naha?

Wir sind alle doof: der halbierte bunte Plastikpenis ist natürlich ein Ballonzuzwirbler. Mon Dieu.

Ach, ihr habt dieses Ding gelöst?

Dann habt ihr natürlich recht. Glückwunsch. Nasenmassagegerät aus Harz, Bienenwachs, Nasenschaber. Ich lasse sämtliche dieser Lösungen gelten…

Neu im Fernsehen: “Maggie Moore(s)”

In Amerika glaubt man an die Wunderheilkraft von Hühnersuppe. Kein Wunder, dass es, wo man neben Kruscht noch Bücher feil bietet, ganze Regalmeter Chickensoup-Ratgeber zu kaufen gibt. Also quasi Kruscht zwischen Buchdeckeln.

Nun aber zu den Maggies. In einem amerikanischen Wüstenkaff werden zwei Frauen gleichen Namens ermordet. Police Chief Sanders (Jon Hamm) und sein halb so großer Deputy-Side-Kick (Nick Mohammed) ermitteln. Ersterer verliebt sich dabei in die neugierige Nachbarin (Tina Fey) und ist damit schon Teil von zwei Odd Couples, letzterer ist für die dummen Sprüche zuständig und wird dann vom Chef gerne milde gerügt.

Dann haben wir noch die Messrs. Moore. Deren einer (Christopher Denham) entpuppt sich als schurkischer Lügenbold mit einem Keller voller Nazi-Glump aber ganz reizender Fassade. Der andere (Micah Stock) ist Franchisenehmer einer Sandwichkette, immer in ganz schrecklichen, leicht angeranzten Corporate Polo-Shirts, immer in Geldsorgen, so sehr, dass an ganz schlimmen Tagen der Schnauzer richtig tief hängt. Außerdem in dunkle Geschäfte verwickelt.

Zusammengefaßt: in einer idyllischen Kleinstadt ist keiner, was er zu sein scheint und weil der Film ja mal zu Ende gehen muss, klärt Jon Hamm das auf.

Man hätte sich ja eigentlich denken können, dass nur eine ganz böse Aneinanderreihung von Klischees herauskommt, wenn eine Produktionsfirma namens “Chickensoup for the Soul” Filme in Auftrag gibt. Es ist aber dann doch verblüffend, wie dermaßen Reißbrett eine Produktion sein kann. Meine Fresse!

Geschäftsmodell

Er habe, wanzt sich im Wir-kaufen-zu-Feierabend-noch-schnell-was-ein-Gedrängel im Supermarkt ein leicht schmieriger Herr von hinten viel zu nah an mich heran, er habe da einen Super-Tip für mich. Da, diese Selbst-Aus-Check-Kasse, der “Blech-Depp” da, habe ja keine Möglichkeit, meinen Pfandbon als eingelöst zu markieren und ich brauchte mich nur noch mal an der Kasse anzustellen und bekäme dann das Geld doppelt. Naha?

Werter Herr, wenn ich mich bei dem schwülen Wetter mit meinem bissele Kleinzeug an einer der wenigen besetzten Kassen hätte anstellen wollen, hätte ich das getan und nicht die paar Sachen selbst vor den Scanner gehalten. “Aber”, kommt mir eine Idee, “wollen Sie vielleicht…?” Ich kann gar nicht so schnell schauen, wie der Herr samt Pfandbon verschwunden ist.

Frage mich allerdings, ob Vorschub zum Pfandbetrug als gute Tat für den Tag gildet?

Sobald das Gewitter durch ist, werde ich darüber nachdenken. Dann funktioniert mein Hirn bestimmt wieder.