Linsengericht

Mit meinem Blogpost über Nahrungsmittel neulich habe ich was Schönes angerichtet – seitdem habe ich eine geradezu wahnsinnige Lust auf Linsen. Und nun? Es ist ja doch ein Glück, dass man so weltläufig ist. Was dem Schwaben seine Linsen mit Spätzle sind, sind nämlich dem Inder seine Daal mit Naan. Was aber, wenn die Linsengier wieder auftritt, und gerade kein kochenden Inder in der Nähe ist?

Ich kann nicht anders annehmen, als dass mich seinerzeit bei der Wohnortwahl ein hülsenfruchtaffiner Schutzengel geleitet haben muss. Auf San Brunos Hauptstraße gibt es drei Lebensmittelmärkte, einen mexikanischen, einen arabischen, einen indischen. Seit meiner Investigation heute morgen weiß ich: alle drei führen getrocknete Linsen in allen Regenbogenfarben im Sortiment – und alle drei haben sie auch in der Dose. Die größte Auswahl an indischen Daal-Fertiggerichten gibts beim (wo sonst?) Araber, der in der Kühltheke Joghurt mit normalem Fettgehalt sowie Labneh vorhält, deren Konsistenz sehr quarkartig anmutet. Und da suche ich das halbe Valley ab…

Sieht so aus, als könnte ich mein Erstgeburtsrecht behalten (1. Buch Mose 25:29-34).

Neu im Kino

In der letzten Zeit war ich abends immer zum Umfallen müde und hatte jetzt eine ganze Menge Kino nachzuholen. Blick ins Programm: wie? “Resident Evil” läuft schon nicht mehr? Was gibt es denn sonst, außer Mädchenfilmen und amerikanischem Humor (“Jack-Ass The Movie”, für den standen schon – passend zum Vorurteil –  die Leute mit den Popcorneimern und den Cola-Gallonen-Kübeln Schlange)? “Wall Street”? Ich weiß nicht recht, ich kann mich noch gut an den jungen Gordon Gecko erinnern, eine Kapitalismushymne brauche ich heute nicht. “Social Network”? Zuckerberg und Konsorten. Sollte man sich wahrscheinlich als Gastarbeiter im Silicon Valley antun, quasi als historische Dokumentation. Andererseits, ich bin den ganzen Tag von Nerds und Geeks umgeben, da ist mir abends eher nach Kontrastprogramm. “Red – Retired Extremely Dangerous”? Ein verfilmter Comic, Ex-CIA-Agent im Ruhestand aus heiterem Himmel auf der Abschußliste der Agency mit einer großartigen Besetzung. Ja! Verfolgungsjagden, Schneetarn, großkalibrige Schusswaffen, also Knall, Bumm, Gewalt – das klingt gut.

Die Story ist im Comic schon ein bißchen dünn und wird auf Spielfilmlänge aufgeblasen nicht gehaltvoller. Demgemäß ist das Drehbuch sehr konventionell. Was immer geschieht, ist vorhersehbar (es wird sogar in guter alter amerikanischer Fimtraditon der Neger geopfert). Wenn man darüber hinwegsieht, macht der Film Spaß (nicht zu verwechseln mit “Fun”). Die Umsetzung vom statischen visuellen Medium ins bewegte ist gut geglückt, das bißchen Filmmusik fällt nicht unangenehm auf und die Besetzung ist die helle Freude!

Bruce Willis IST Frank Moses. Ehemaliger CIA-Top-Agent und -Killer, nunmehr im leerlangweiligen Ruhestand in der Vorstadt von Smalltown, USA in der Adventszeit. Schöner Rundumschwenk auf die Nachbarhäuser, überall hängt, blinkert und flimmert Weihnachtsdeko, nur ein Haus steht schwarz und schweiget. Aus Notwehr stellt er auch einen beleuchteten Schneemann und ein Rentiergespann auf, die beim Attentatsversuch des Schwarze-Masken-CIA-SEK ganz wunderschön zersiebt werden.

Er sammelt die restlichen Überlebenden seiner alten Einheit ein, Morgan Freeman (eh unerreicht, auch wenn er für mich jetzt immer Nelson Mandela sein wird), John Malkovitch (in einer Traumrolle als mißtrauischer Paranoiker, der hinter allem Satelliten und Verfolger wittert – die CIA hatte an ihm zu Zeiten einen Menschenversuch unternommen und ihm ohne sein Wissen über einen langen Zeitraum eine ordentliche Tagesdosis LSD verabreicht – und – vorhersehbar, wie gesagt, mit seinen hanebüchen klingenden Wahnvorstellungen fast immer nah an der irrsinnigen Realität ist) und Helen Mirren. Helen kann alles, von Queen mit Kappothütchen über Landpfarrei-Calendargirl bis zur Ex-Auftragskillerin. Herrlich, wie sie, ganz Dame, auf einem Landsitz auf den Hamptons (“Eagle’s Nest”) im edel eingerichteten Ambiente gelbe Rosen arrangiert und mit verschämtem Augenaufschlag gesteht, sie nehme, um das langweilige Pensionistendasein erträglicher zu gestalten, gerne noch den einen oder anderen “Hit” an. Jüngstes Mitglied der Rentnerband ist Mary-Louise Parker, Bruces Sachbeabeiterin bei der Rentenstelle und seine sehr keusche Affäre. In den Nebenrollen haben wir Richard Dreyfuss (ganz böse schurkischer Schurke), Ernest Borgnine (wußte gar nicht, dass der noch lebt), als reizend antiquierter CIA-Archivar “Henry, The Records Keeper” und den jugendlichen Helden gibt Karl Urban, der a) aussieht, wie aus einem Bollywoodmovie entsprungen, b) sich im letzten Moment auf die Seite der Guten schlägt und c) in der Rolle Vater zweier kleiner Töchter ist, deren für einen Wimpernschlag sichtbare “Batman – and – Superman Pajamas courtesy of DC Comics” sind.

Die Bösen sind vom Großkapital gekaufte Politiker und das Upper Management der CIA, die Guten sind Rentner, die zum Glück aus alten Tagen noch größere Waffenarsenale im “Self Storage” vorhalten. Es wird geballtert, gerannt, gesprungen und gerast, manchmal quietschen Bremsen. Als Kulisse dienen Kansas City, New York, die Florida Keys, New Orleans, Langley, VA und Chicago. Nach dem Showdown sind die Bösen alle tot und wenn die Guten nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Schon wieder Donnerstag

Ach nein, ich habe diese Woche keinen Müll gemacht und auch keine Lust, die fast leeren Tonnen jetzt im Dunkeln an den Straßenrand zu rollen. Freitag morgens sehe ich, dass aus der großen grünen Gartentonne Ästlein lugen – hat Sam, der Gute, doch tatsächlich die Obstbäume zurückgeschnitten. Nun aber flugs gerollt, das Müllauto ist hörbar höchstens noch einen Block weit weg.

Mann, hab ich’s mit Sam gut getroffen! Am Samstag werde ich mir mal ansehen, wie weit er gekommen ist: im Moment ist es morgens noch zu dunkel und abends schon wieder.

Going postal again… and again… and…

Ich habe da seit letzer Woche ein Einschreiben nach München auf dem Schreibtisch liegen. Drücken hilft nicht: das muss diese Woche wirklich ‘raus.

Montag:
Frischfröhlich mit dem Kuvert in der Hand nach der Mittagspause losmarschiert und am Postamt vor verschlossenen Türen gestanden. F***, stimmt ja, es ist “Columbus Day”, einer dieser Feiertage, wo Post, Banken und Behörden geschlossen sind (alle anderen arbeiten selbstverständlich). Zurück zum Büro, mit einer Schleife über Izzy’s (koschere Bagelbäckerei und Coffee Shop). Keinen Kaffee bekommen, denn Izzy hatte, wie an jedem jüdischen Feiertag, geschlossen. Allerdings erst ab Mittag, also halbtags. Lange gegrübelt: ist das nun ein Indiz dafür, dass Kolumbus Halbjude war?

Dienstag:
Frischfröhlich mit dem Kuvert in der Hand nach der Mittagspause losmarschiert und am Postamt auf das Ende einer 25-Kunden-langen Schlange geprallt. Die Zeit gestoppt, die die eine einzige anwesende Fachkraft benötigt, um dem Herrn mit dem Turban  beim Versand des traditionellen Familienpakets (s. hierzu https://flockblog.de/?p=5593) behilflich zu sein. 6,5 Minuten und dabei bin ich erst im Laufe der Transaktion zur Schlange gestoßen. Nehmen wir mal bestenfalls als Untergrenze 10 Minuten pro Vorgang an, dann stehe ich hier noch 2,5 Stunden rum. No Sir!

Mittwoch:
Konfuzius sagt, dass die Wochenmitte ganz schlecht für Postbesuche ist.

Donnerstag:
Frischfröhlich mit dem Kuvert in der Hand nach der Mittagspause losmarschiert (man muss das positiv sehen, “Lunch Walking Groups” sind zur Zeit hier der letzte Schrei, es ist schön warm und mit tut beim Laufen nichts weh). Kurz vor dem Eingang sehe ich einen Asiaten mit einem schweren Paket auf die Tür zu schnaufen, beschleunige und bin vor ihm drin. Im Postamt warten 10 Menschen darauf, von 3 (drei) Fachkräften bedient zu werden. Die meine ist nett und willig, stempelt gerne (allein auf dem Kuvert hat sie 14 mal abgedrückt), trägt den “International Registered Letter” handschriftlich in’s “International Registered Letter”-Buch ein, stempelt darin auch ein bißchen rum; rasch bezahlen, 10 Minuten später wieder auf dem Rückweg.  Ich erwäge eine Ausdehnung meiner schreibenden Tätigkeit: Watch out for “flockspostblog”.

Zug gefahren bin ich diese Woche auch mal wieder. Und nur eine gute Stunde zu spät gekommen, weil der Zug davon abgesehen hat, in San Bruno zu halten. Muß er ja auch nicht jeden Tag tun, bloß weil’s so im Fahrplan steht. Wahrscheinlich hat Konfusius, Schutzheiliger des CalTrain, dem Fahrer auf dessen Glückskekszettel geweissagt, dass er nur in jedem 2. Bahnhof mit “San” im Namen anhalten soll. Mal sehen, “flockslokblock” klänge doch ganz gut.

Jim aus Nebraska

sucht einen Job. Also hat er sich auf eine unserer Stellenanzeigen beworben und – nachdem ich ihn zum Interview eingeladen hatte – mit Überraschung realisiert (also zum ersten Mal nach unten gescrollt), dass wir in Kalifornien sitzen, er aber 3000 Meilen weit weg ist. Da wäre ihm der commute doch zu weit, er werde sich erst einmal “local opportunities” ansehen. Ich habe ihm viel Glück gewünscht und geschrieben, er könne sich ja melden, wenn er seine Meinung hinsichtlich eines Umzugs noch einmal ändere.

Hat er heute getan: “I am done with my three interviews.  They all loved me but I would really love to interview with you and your company.” Ich finde, dass man eine Person, in deren Leben es so viel Liebe gibt, unbedingt kennenlernen sollte…

Bandiera Rossa

Die Zeitungen schreien es von den Titelseiten, im Radio überschlägt sich die Stimme des Nachrichtenmannes beim Vortrag der Nr.1-Meldung, wahrscheinlich war’s sogar im Fernsehen (wenn ich einen hätte, wüßte ich’s): Über Kalifornien weht die Rote Fahne! Wie? Was? Hab ich was verpasst? Sind die Russen/Chinesen/Nordkoreaner einmarschiert? Kimchi statt Burger?

Alles ganz anders: es ist heiß (was man eben so nennt, so an die 30° C). Schon länger (also vielleicht gerade mal 2 Wochen). Und um diese Jahreszeit brechen die Santa Ana Winde (http://en.wikipedia.org/wiki/Santa_Ana_winds) über Kalifornien herein und entfachen nach dieser extremen Trockenperiode gefährliche Waldbrände (“wild fires”).

Also keine neuen Machthaber in Sacramento. Doch die Wahl am 2. November abwarten.

Go, tell it … everywhere!

Seit gestern gibt es eine Einstweilige Verfügung, nach der das US-Militär”Don’t Ask Don’t Tell” (siehe auch https://flockblog.de/?p=6068) nicht mehr anwenden darf. Die Schwulenbewegung feiert das als ganz großen Durchbruch: “Lifting the ban on open service will allow our armed forces to recruit the best and brightest, and not have their hands tied because of an individual’s sexual orientation” so Christian Berle, speaker der Log Cabin Republicans (auch wenn’s der Name nicht vermuten läßt, ist das eine der größten Schwulenorganisationen).

Mir ist eh wurscht, wer mit wem was treibt, solange alle Beteiligten klaren Verstandes ihre Zustimmung gegeben haben – ich verstehe bloß nicht, warum die Besten und Hellsten ausgerechnet in die Armee eintreten wollen sollten?

Wer nichts wird,

wird heutzutage nicht mehr Wirt, sondern “irgendwas mit Marketing”.

So auch meine heutige Bewerberin des Tages, die gerne Marketing  Director werden will (wir suchen auch für diese Position dezidiert Menschen mit Branchenerfahrung): A member of the 2001 startup WUSA organization, the United States’ first ever women’s professional soccer league.  Responsible for its own success within the organization. Managing the Lil’ Gauchos fan club. Additional duties included the successful execution of various game operations such as sponsor promotions, ticket sales and crowd activities.

Genau. Verantwortlich für den eigenen Erfolg in der Organisation, eine Jugendorganisation führen und dann auch noch die Massen in den Stadien anheizen – vielleicht wäre sie in der Politik besser aufgehoben?

“Poppycock”

bedeutet nicht etwa, wie man leicht hätte vermuten können “Mohnhähnchen” oder so, sondern steht für Blödsinn, Unfug, Papperlapapp. Ich finde, das ist mal eine ausnehmend hübsche Vokabel.