Scheißvieh

Kann man sich etwas schöneres vorstellen, als nach einem langen Arbeitstag endlich heimzukommen und dann erst mal die Schuhsohlen und die Fußmatten des Autos mit der Wurzelbürste und reichlich heißem Wasser zu schrubben sowie die Pedale und eigentlich den gesamten Fahrerfußraum mit Essigwasser zu wischen, weil nicht etwa die fälschlich verdächtigte Klimaanlage an dem Gestank im Auto Schuld war, sondern Stumpys “wee leaves”?

Ich kann. Katzenmordvarianten zum Beispiel.

Heidi

…war heute früh in allen Nachrichten. Und dass alles ganz schrecklich ist. Und es Obama sehr leid tut. Und dass er Leute und Material schicken wird, um Heidi nach dem Schock  zu helfen.

Hätte ich nicht am hellen Morgen schon spiegel online gelesen, wäre ich nie draufgekommen, dass Haiti halt amerikanisch ausgesprochen  klingt wie “Heidi”.

Robert lebt!

Ich konnte es kaum fassen: Robert, der Mann für Gebrauchsphilosophie in allen Lebenslagen und nebenberuflich Securitymann in unserem alten Bürogebäude in San Francisco hat heute angerufen, um ein Happy New Year zu wünschen und mir zu erzählen, wie sehr er uns alle vermisst. Wegen meiner Handynummer hat er sich bis zu unserer früheren Druckerei durchgefragt, die hatte noch die Vorlagen für die Visitenkarten.

Ich bin überaus gerührt. Vielleicht sollte ich doch mal wieder in die City fahren…

Neuer Job

Ex-Vizepräsidentinnenkandidatin und alaskanische -Gouverneurin Sarah Palin steht dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung. Sie ist nämlich jetzt Kommentatorin bei Fox News, in ihrer Wahrnehmung: “It’s wonderful to be part of a place that so values fair and balanced news’… Andere sehen es anders, diesen Kommentar fand ich am besten: http://weblogs.baltimoresun.com/entertainment/zontv/2010/01/sarah_palin_fox_news_bill_orei.html

Wir waren uns heute im Büro eigentlich nur darüber uneins, ob sie sich die Texte in Zukunft schreiben lassen soll (und dann verquast und verbaselt), oder ob der Aufwand gar nicht erst lohnt.

Stumpy

Gestern war Lyn (meine greise Nachbarin) zum Tee und seitdem hat das Scheißkatzenbiest einen Namen: wegen ihres Reststummelschwänzchens nennt Lyn sie liebevoll “Stumpy”. Das arme Kätzchen sei ja so scheu und schwer “traumatized” und dennoch eine ganz zauberhafte “little mommy” (3-4 mal im Jahr).  Deswegen brauche “poor wee kitty” auch viel Liebe und darüber hinaus zwei Mahlzeiten täglich. Lyns und meine Wahrnehmung unterscheiden sich erheblich: in meinen Augen ist das “arme Geschöpfchen” ein gut 10 kg schweres Monster, das meine Wäsche zerfetzt, sich auf meinem Liegestuhl haarend lümmelt und dessen ausgezeichnete Verdauung meinen Garten kontaminiert. Ich fürchte, ich habe bei Lynnie an Sympathiepunkten eingebüßt: sie war gar nicht begeistert, dass “Caribbean Black Pepper” die bisher beste Abschreckwirkung zeigt. Sie sei auch schon öfter in die “wee leaves” von Stumpy getreten – ob denn die Deutschen das Sprichtwort nicht kennten, dass das Glück bringt.

Den Rest der Teestunde haben wir über unverfänglichere Themen gesprochen, nämlich über unsere Kriegserlebnisse, vor allem World War 2 und Korea. (Meine Beiträge sind meist Zitate, fußend auf dem intensiven Studium von “Band of Brothers” und “M*A*S*H”, ihre sind selbst erlebt – wichtig ist immer nur, dass wir uns am Ende darauf einigen, dass Krieg die Hölle ist, und wir das nie nie wieder erleben wollen…)

Shake it

Ein kleiner Erdstoß hat hier gerade das ganze Haus zum Hüpfen gebracht – wir hätten vielleicht doch beim California Earth Quake Training besser aufpassen sollen…

4.1 Richter – das sei nix, sagen die Locals.

Nebel im Januar macht ein nasses Frühjahr

– so sagt angeblich eine alte Bauernregel. Wenn das stimmt, dann stehen uns feuchte Zeiten bevor.

Ich fahre zur Zeit (mein Automiteigner ist noch im Heimaturlaub) jeden Morgen über den Highway 280 zur Arbeit. (Den Highway 101 kann man nur zu zweit benützen, wegen der Car-Pool-Lane, alleinfahrend steht man mindestens (mindestens!) eine halbe Stunde im Stau.) Der 280 ist achtspurig einfach über die Topographie gelegt worden, über Hügel und Täler, vorbei an Kuhweiden und Stauseen. Das alles führt dazu, dass man die ersten 15 Meilen durch eine Waschküche stochert. Dann gewinnt die Sonne an Kraft und färbt die Nebelschwaden in allen vorstellbaren psychedelischen Tönen von Mattzitronengelb bis Feuerblutrot – stellt euch einfach eine Disco in den Sechzigern vor. Kurz vor Palo Alto sieht man dann wieder klar.

Das Trend-Auto der Saison ist der neue Landrover. Mit vielen extrahellen Halogenscheinwerfern, da, wo auch bei anderen Autos die Scheinwerfer sind und nochmal einer Zusatzreihe auf dem Dach. Deren Fahrer, wohl in der irrigen Annahme, dass, wenn diese Headlights schon bei Nebel für gute Sicht sorgen, dies am hellichten Tage einen umso großartigeren Effekt haben muss, lassen die Lampen brennen.

Ganz falsch! Ihr macht die nichtlandroverfahrenden Menschen blind! Bleiben lassen! Widrigenfalls ich dafür sorgen werde, dass dieses Zitat zur Anwendung kommt: „Auf Nebel stark füllt Tod den Sarg.“ Hah!

The harder they fall…

Einen Block weiter auf meiner Straße war eine Krippenszene in quietschebuntem Vollplastik aufgestellt, über die ein Engel mit sanft wedelnden Flügeln wachte. (BTW: was tun Flügel? Wehen, Rauschen, Wedeln, Schlagen?) Schon Mitte Dezember war mir aufgefallen, dass die eine Schwinge lahm herunterhing, während die andere nur noch unbeständig zuckte und jetzt zwischen den Jahren muss der arme Kerl einen Kurzschluß gehabt haben, der ihm das Haupt in Teilen abgeschmolzen hat – nur das leicht tumbe Lächeln stand noch auf dem Hals, in allen Flügeln war Ruh’.

Jetzt liegt er kopfvoraus  in der Mülltonne. Fallen Angel.

Heute im Supermarkt…

Ein paar Männer (weiß, schwarz, latin) an einem Infostand, gepflastert mit solchen Plakaten:

Hinter dieser und anderen Aktionen dieser Art steht ein Mann namens Alex Jones, der via Radio http://www.infowars.com/audiobox.html und Website die wildesten Verschwörungstheorien ins Land bläst. Man kann alle seine Elaborate auch kaufen (http://infowars-shop.stores.yahoo.net/faofreprofba.html), zum Beispiel in Bündeln als besondere “Holiday”-Schnäppchen.

Die einkaufenden Bürger haben den Stand mehrenteils ignoriert; im Supermarkt wurde der Marktleiter bekniet, dem Unfug ein Ende zu machen und die Cops zu rufen. Sind wohl doch (noch) nicht alle Anhänger von Glenn Becks Fox News. http://www.foxnews.com/glennbeck/newrepublic/index.html