Neu im Kino: Tim Burtons “Die Insel der besonderen Kinder”

Wer regelmäßig den flockblog liest und außerdem noch ein gutes Gedächtnis hat, der mag sich erinnern, dass ich von Ransom Riggs “Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children” (s. https://flockblog.de/?p=21329) recht angetan war und schon im Januar 2014 empfohlen hatte, das Buch quasi vom Blatt weg zu verfilmen. Das hat Tim Burton nun getan und es besser bleiben gelassen. Nicht nur, dass seine Miss Peregrine (Eva Green) anmutet wie eine sehr strenge Gouvernantendomina, die es versehentlich ins Kinderheim verschlagen hat, nein, auch seine Auflösung der Geschichte, also fast das ganze letzte Drittel des Filmes ist eine reine quietschbunte CGI-Schlacht ohne Sinn und Verstand.

Ich bin wirklich ein Tim Burton Fan und ich habe sogar seine Alice gemocht. Von den Peculiar Children hätte er besser die Finger gelassen.

Nicht anschauen.

I can hear music

Mein Musikgeschmack ist irgendwann mal hängengeblieben, was aber nicht heißt, dass ich Neuem gegenüber nicht offen bin – nur: man muss es mir vorstellen, sonst bekomme ich es eher nicht mit. (Keine langen Autofahrten mehr zur Arbeit, kein Radio und irgendwie auch nicht der gleiche Hunger wie nach Büchern oder Theater oder Filmen.) Macht aber nix, dafür sind Freunde da.

Einer hat mich am Samstag zum großen BaVarious Voices Konzert im Gasteig eingeladen: ein Rudel Chöre aller Art und ein Orchester. Und eine Big Band (hach, die Big Band!). Das Bindeglied zwischen allen: Vortragende wie Komponisten gehören zur großen LGBT (und was auch immer noch für Buchstaben dazugekommen sind) -Familie. Wobei ich mich (und den einladenden Freund) ja schon frage, ob es nicht auch Ausgrenzung ist, wenn Heteros nicht mitspielen dürfen, aber das ist eine andere Frage, die ein anderes Mal diskutiert werden soll. Ich kann für mich nur feststellen: es gibt Chöre, die sich ernst nehmen und andere, die es nicht tun. An letzteren hatte ich mehr Spaß. Zum Beispiel die Philhomoniker – sie hatten zwar nicht einen Indianer dabei, dafür aber knapp 30 Mann in ganz knapp sitzenden kurzen Latzhosen, Stiefeln und roten Schutzhelmen, die sehr schön singen konnten, Spaß hatten und machten. Oder eine sehr junge Truppe aus Odessa, die Querty Queer, gerade mal zu siebt, mit herrlichen Stimmen und einer sehr klaren politischen Botschaft – auch wenn ich die Worte nicht verstanden habe (Ukrainisch ist nicht meine Stärke).

Montag wars dann ganz anders: eine Frau, ihre Gitarre und ihre Sansula (ein Lamellophon, das zu den Zupfidiophonen gehört*). Guðrið Hansdóttir von den Färöer-Inseln (50.000 Menschen, 100.000 Schafe, viel Nebel) stellte auf der kleinen Bühne im Volkstheater ihre neue CD “Painted Fire” vor und ich schließe mich der Meinung meines Begleiters an, das war so richtig Musik für die Seele – die wollte nichts von ihren Zuhörern, kein Mitdenken, nur da sein. Und das war auch sehr schön. Wer mag, darf sich die CD ausleihen.

 

* Ich red auch nur so gscheit daher, weil es mir so gut gefallen hat, dass ichs inzwischen nachgeschlagen habe. Ich erwäge das Erlernen.

Gut gemeint

Seit ich hier eingezogen bin, fordert der windschiefe Restaufkleber auf meinem Briefkasten dazu auf, “bit ung einwerfen”. Der Postler scheint den Code zu verstehen und – noch viel wichtiger – ich finde meinen aus den Unmengen von Anstaltsbriefkästen immer mit einem Blick heraus. Ein – vermutlich wohlgesinnter – Nachbar konnte den Anblick offensichtlich nicht mehr ertragen und hat jüngst dieses propere Schildchen

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appliziert. Und ich an diesem Abend meinen Briefkasten aber sowas von gesucht.

Lieber Herr Nachbar, liebe Frau Nachbarin: bitte nicht einem Menschen wie mir die Landmarke nehmen. Jetzt muß ich tatsächlich abzählen: 2. Reihe von unten und sowievielter von links.

Neu im Kino: Ice Age – Kollision voraus!

Es ist schon saupraktisch, wenn man ab und zu ein Leihkind zur Verfügung gestellt bekommt und dann besten Gewissens einen dessen Alter gerechten Zeichentrickfilm im Kino angucken kann. Ich scheine ein paar Ice Ages verpasst haben, denn Mammuts haben nicht nur eine Tochter, sondern sogar eine im heiratsfähigen Alter, der Tiger ist mit Tigerin unterwegs und sogar das Säbelzahneichhorn mit der Nußobsession hat es vom Vor- und Abspann in die Handlung geschafft und das ist gut so.

Meine Empfehlung: Kind ausleihen, anschauen.

G*-rated Movies

Es scheint da ein ganz simples Rezept zu geben… Die Zutaten sind:

  • eine Handvoll alter Schauspieler mit großen Namen.
  • eine kleinere Einheit wahnsinnig gut aussehender jüngerer Darsteller, berühmt sein ist kein Hindernis, aber auch nicht Bedingung – es zählen die äußeren Werte (strahlendes Lächeln mit vielen eigenen Zähnen, viel volles Haar, very bella figura, keine sichtbaren Einschränkungen wie Gehbehinderungen oder dergleichen).
  • die Alten sind per se witzig, originell, schrullig, ohne dabei eklig oder lästig zu wirken, abenteuerlustig, fit wie fußfreundliche Turnschuhe und voll aktiv. Auch beim Sex. Vor allem beim Sex.
  • Dazu reiche man blühende Landschaften, in denen die Alten noch einmal aufleben und es so richtig krachen lassen und die Jungen nicht weiter lästig sind, Hauptsache sie passen farblich zu Luxushotel und Pool.

Ein paar Mal umrühren, ein paar Tropfen aus der Tränendrüse, mit reichlich Champagner aufgießen. Fertig.

Rauskommen tut dann ein Film wie “Wild Oats”, in dem zwei lebenslange Freundinnen (Shirley MacLaine und Jessica Lange) nach einem kurzen Anfall von Skrupel losziehen, den irrtümlich viel zu hohen Scheck der Lebensversicherung des jüngst verschiedenen Gatten aber so was von auf den Kopf zu hauen. Dann alles: Business Class Flug (Product Placement der Fluggesellschaft), Luxushotel auf Gran Canaria** (Product Placement der Hotelkette), Shopping (Product Placement verschiedener Textilienhersteller), Friseur, Roulette und Black Jack, jungenhafter Gigolo, Alkohol, heiratsschwindelnder Greis, Candlelight Dinner mit Extra-Kerzen, romantische Stadtrundfahrt mit Kutsche (!) mit Pferden vorn dran (!) auf Kopfsteinpflaster (!), hach, altes Europa!, schurkischer Mafioso sowie Verfolgungsjagd (Akteure hier: Demi (Moore, gibt die Tochter) und soooo knapp vor der Pensionierung stehender Versicherungsdetektiv) und Schüsse aus der Halbautomatik (Latin Lover, der ein Verhältnis – und ein Kind – mit der Frau des Paten hat), dazu schwer historischer Wein, von C. Columbus selbst abgefüllt (oder so). Hach, altes Europa!

Großes Durcheinander. Dann Happy End. Die eine Alte heiratet den Gigolo, wg. echter Liebe und weil auch Ordnung sein muss, die andere ist auf einmal mit dem Detektiv liiert – was kümmert die denn die Storyline von vor fünf Minuten.

So ein hanebüchener Dreck ist mir noch nicht oft untergekommen! Dann doch lieber ein ordentlicher Weltuntergang. Oder ein Kinderfilm. Oder gar kein Kino. Manno!

* “G” is for Geriatrie.

** Gran Canaria? Aber ja. Das Eiland gildet bei zwei alten Amerikanerinnen als bestmögliche Luxusdestiantion. Außerdem hübsche alte Architektur und junge Spanier.

Bau dir ein Team

Seit den 11 Monaten, die ich nun schon in meiner neuen Firma arbeite, hat sich die Mitarbeiterzahl, wie es einem Start-up gebührt, fast verdoppelt und es war an der Zeit, mal wieder alle um einen Tisch zu versammeln. Zu… Ja, was? Firmenveranstaltung? Sofort verworfen, viel zu muffig. Team Event? Viel zu angelsächsisch, man ist ja bodenständig. Off-Site, also auf Deutsch quasi Abseits? Geht gar nicht.

Bis die Marketingabteilung die Namensfindung für “ein besseres Zusammenwachsen über die Standorte hinaus” endlich abgeschlossen hatte, blieben nicht einmal mehr zwei Wochen, um einen Ort zu finden, mit Raum für ein Dutzend Menschen zum Tagen, Essen und Schlafen, und schön mittig zwischen Köln und München gelegen. Dummerweise hatte ich meinen Button

bevor-du-fragst

vergessen und hastenichtgesehen, war der marginale Rest (finde eine Location (“billig, aber super und irgendwie originell”), schreib die Tagesordnung, verschicke die Einladung, organisiere Fahrgemeinschaften, stelle sicher, dass alles, vom Beamer über Schokolade bis zum Verlängerungskabel eingepackt und transportiert wird, treib die Leute zusammen, verbreite Frohsinn) meine Aufgabe.

Mei leichteste Übung. Mal schnell ein Schloß im Fränkischen aufgetrieben (http://barockschloss.de/) (wg. “billig (Kolitzheim), aber super und irgendwie originell (hey, wer tagt schon in einem Schloß? Schlo-hoß!”), mit der Schloßherrin Gemeinsamkeiten (“ah, Sie sind auch Literaturwissenschaftlerin…”) und Details (“sind Broodwerscht und Sauerkraut des Abends ein zu bürgerliches Mahl?”) sowie Freizeitprogramm (“Weinprobe. Die macht mein Sohn. Mit Wein von den eigenen Gietern.”) diskutiert und schon gings gestern morgen los, heute wieder heim und alle sind jetzt ein besseres Team. Gefälligst.

Für mich hatte die Gnäfrau ein Schmankerl reserviert. Das Maria-Stuart-Zimmer, mit Himmelbett (der nämlich echte historische Himmel aus dem Hause Stuart), Ottomane und niedrigen Sesselchen und auf dem reizenden Frisiertischchen im Weiß-der-Teufel-Stil einen biographisch-historischen Roman über das Leben Ihrer Majestät.

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Merke: Es empfiehlt sich für einen ruhigen Nachtschlaf, NICHT die ersten paar Seiten des Romans anzulesen. Weil: da schreibt die Königin ihrem Schwager in der Nacht vor ihrer Hinrichtung und das führt bei einem Menschen mit meiner blühenden Phantasie zu sehr seltsamen Träumen, in denen unter anderem die korrekte Schreibweise des Wortes Guillotine breiten Raum einnimmt.

Aus dem Vokabelheft

Gestern ist mir der aus dem Österreichischen stammende Begriff “Kapazunder” untergekommen, was so viel bedeutet wie “Kapazität auf einem Wissensgebiet”. Kommt aber halt so wesentlich gewichtiger daher, gell, Herr Magister?

Neues vom Auslandskorrespondenten

“Die Versicherung”, schreibt er, “schrieb neulich, und hatte mehrere Seiten Instruktionen in allen moeglichen Sprachen – allen moeglichen:

Selle Notice hot wichtige Information. Vielleicht brauchscht du eppes duhe bis en gewisse Daadem um dei Gsund Inschurans zu behalde odder mit Koschde zu helfe. Fer Helfe in Deitsch mit kenne Koschde, du kannscht die Nummer uff dei ID Kaarde aarufe.”

Hmmm, sieht für mich so aus, als hätten sich die aus dem süddeutschen Raum stammenden Einwanderer sprachlich etwas weniger assimiliert als, zum Beispiel, die Sachsen…

muddersproch

Im Auguscht 2008 hemmer en neier pennsylvanisch-deitscher Sticker drucke losse. Uff sell schteht gschriwwe: “Mer schwetze noch die Mudderschprooch”. Sell Sticker kammer anne bappe uff die Hausdeer, uff die Maschien un aryets schunscht. Und kaufen kann man sie bei Bedarf hier: https://hiwwewiedriwwe.wordpress.com/neiigkeete/

Sympathischer September

Wenn eine schon aus unerfindlichen Gründen um halb vier in der Früh wach wird und nicht mehr einschlafen kann, dann ist es schon sehr nett, wenn sie die Schlaflosigkeit unter sternenklarem Himmel im Nachthemd berauchen kann, ohne sich irgendwas abzufrieren.

Oktober, die Latte liegt hoch. Gib dein Bestes!