Neu im Kino: Kubo And The Two Strings

Kubo ist ein Animationsfilm mit Motiven aus japanischen Geistergeschichten und Märchen und es geht um einen Knaben, der sich viel zu jung auf eine viel zu schwere Reise machen muss, um sich und seine Familie vor bösen Mächten zu schützen. Ob ihm das in Begleitung einer liebevoll-ruppigen Äffin und eines dumm-vorlauten Käferkriegers sowie mit Papier und Shamisen gelingt, verrate ich nicht, das soll sich jede/r selbst ansehen. Nur soviel: diese LAIKA-Produktion hat das Zeug zum Klassiker. Was nicht zuletzt den Stimmen von unter anderen Charlize Theron, Art Parkinson, Ralph Fiennes, George Takei, Matthew McConaughey und Regina Spektors wunderschöner Coverversion von “While My Guitar Gently Weeps” zuzuschreiben ist.

Anschauen! Anschauen! Anschauen!

Zum 8. November 2016

Draußen ist es weiß, drinnen ist es kalt und drüben ist Trump schon fast Präsident.

Oder, wie der flockblog-Auslandskorrespondent schreibt, “Die Apokalypse ist nahe, ich verbarrikadiere mich vorsichtshalber schonmal…”

Die Ordnung

aka das neue Parteiprogramm der CSU passt auf genau 42 Seiten. Entweder ist der Säzzer ein Anarchist, oder die Christsozialen haben wirklich die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest.

Ich setze auf den Setzer.

6. November 2016

  1. In München fällt der erste Schnee im Winter 2016.
  2. Die Wettervorhersage für meinen Steg in Pacifica: 20° (Celsius!) und sonnig.

 

Himmelkruzitürken! Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte.

Neu im Kino: Doctor Strange

Marvel hat wieder keine Kosten und CGI-Mühen gespart, um noch einen Comicbuchhelden in bewegte Bilder zu transponieren und weil ausgezeichnete Schauspieler, nämlich His Arrogance, Benedict Cumberbatch, den Doktor und Her Wandlungsfähigkeit, Tilda Swinton, The Ancient One geben und mit Mads Mikkelsen jemand einen Schurken spielt, an den man sich als Zuschauer sogar erinnert, macht es richtig Spaß, sich den Film anzusehen. Noch dazu, wo die Story Sinn ergibt, mit rotem Faden und alles und die Computertechniker in Höchstform waren. Magie, Spiegeluniversen, Astralleiber – alles da. Außerdem reichlich Wortspiele mit dem Nachnamen des Herrn Doktor.

Wer bis zum Ende des Abspanns durchhält, sieht nicht nur einen, sondern sogar zwei Trailer für die nächsten Produktionen, wobei mir dafür schon die letzten 10 Filmminuten gereicht hätten, da gings nicht mehr um Auflösung, sondern nur noch um Fortsetzung. Marvel halt.

Man kann sich Dr. Strange gut ansehen (vor allem wg. Ms. Swinton und Mr. Cumberbatch), sollte aber ein anderes Kino wählen als das CineMaxx am Isartor. Wenn schon Blockbuster, dann lieber im Matthäser.

Wir fegen. Wir fe-he-gen.

Frühmorgens, in Hadern. Die Kirche gegenüber hat ihrem Hausmeister einen laut röhrenden Laubbläser spendiert, dazu Mundschutz und Helm (!) und der Mann bläst Blätter, als ginge es um sein Leben. Ein wenig weiter die Straße runter ist in jeweils drei Metern Abstand ein Feger in orangeroter Stadtwerkeweste zugange. Erst fegen sie die Blätter aus ihrem Zuständigkeitsbereich vom Gehweg unter die parkenden Autos, dann unter den Autos hervor und dann zu kleinen Häufchen zusammen. Die werden auf der viel zu engen und zugeparkten Straße umgehend von ausweichenden Kraftwagen zu Flachblattfladen gefahren. Das schert die Herrn in Oranje nicht. Sie sind inzwischen – die Augen geradeaus! – einen Zuständigkeitsabschnitt weiter marschiert und werfen keinen Blick zurück. (Besser ist das.) Von ganz ganz weit hinten kommt ein Wagerl mit einem ganz ganz großen Müllkübel angetuckert. Der Fahrer stoppt, der Schaufler schaufelt. Für diesen einen kurzen Moment ist dieser kleine Perimeter so gut wie laubfrei.

Der Bläser hat inzwischen seine Blätter auf einen einzigen ganz großen Haufen zusammengetrieben, in dem gerade der Laster der Müllabfuhr wendet. Ist ihm aber wurscht – er zieht einen riesigen Sack auf das Hinterteil seines Gerätes und kippt den Schalter einfach auf “Saugen” (noch lauter röhrend).

Für die Nacht ist Wind angesagt. Ich schätze, der Glaubenskrieg geht morgen in die nächste Runde.

Reise in die Vergangenheit

Während ich im Eßzimmer meine Mutter beim Domino bescheißen lasse, verbringt mein Vater nebenan im Wohnzimmer den Nachmittag mit seinen Freunden im Fernseher. Wenn man dort die Rentner nicht mit Doku-Soap-Dreckzeug berieselt, zeigt man uralte Serien, solche, in denen die Bösen am Ende immer erwischt werden oder die Protagonisten gemeinsam in künstliches Lachen ausbrechen. Oft beides.

Ich habe mich angesichts der fuhurchtbar schlechten Synchronisation mehrfach beim Grinsen erwischt; ich meine, wann erlebt man es denn heute noch, dass der Tölpel den Simpel im Düffelmantel einen Tolpatsch heißt?

Herbstreise

Wie immer Ende Oktober mache ich mich auf den Weg, mit meinen Eltern ihre drei Tage auseinanderliegenden Geburtstage zu begehen, was, nachdem sie in diesem Jahr nach einigen Schlaganfällen und Herzinfarkten ihren Achtzigsten feiern, im wesentlichen darin besteht, Mamas Wunschzettel* abgearbeitet zu haben und anwesend zu sein.

Ich bin zum Mittagessen einbestellt und “gegessen wird um Viertel nach elf” und weil ich weiß, dass Zuspätkommen als Ausdruck mangelnder Kindesliebe gewertet wird, habe ich schon am Vortag aufgetankt und bin um 08:00 Uhr früh auf der Autohbahn. Obwohl wenig Verkehr ist, will kein rechter Spaß am Fahren aufkommen; der Himmel drückt schwer und naß, es ist neblig, grau und ähbä; Scheinwerfer und Scheibenwischer im Dauereinsatz. Richtig greislig wird es auf der Schwäbischen Alb, die paar ausgewaschenesfensterledengelben Blätter, die sich an den fast schon kahlen Bäumen festklammern, kann ich selbst mit allerbestem Willen nicht als fröhlich herbstliche Farbtupfer gelten lassen. Hinzukommt, dass Bayern 2 (ich hatte die handverlesene CD-Auswahl vergessen) eine Zweistundensondersendung über den Tod bringt. Die ist dann aber so gut und interessant, dass es sich anfühlt, als habe man mindestens drei Wochenendfeuilletons + Seiten Zwei der SZ gelesen.

Dann bin ich da, gut zu früh (altes Familienleiden), dann essen wir, waschen ab und sitzen rum. Ich zeige die Bilder aus den Ferien in Schweden (“wir kommen ja nicht mehr zum Reisen”), erzähle in sehr lektorierten Auszügen aus meinem Alltag (“wir waren ja das letzte Mal im Kino, als “Vom Winde verweht” gezeigt wurde”), spielen ein Brettspiel mit Mama, dann ist es auch schon halb fünf und Zeit zum Abendessen. In der ganzen Zeit lief der Fernseher mit an geriatrisches Hörvermögen angepaßter Lautstärke und wird noch einmal lauter gestellt, als mit der Tagesschau das gemeinsame Abendprogramm beginnt. Nach dem Spielfilm ist der Abend zu Ende und wir gehen ins Bett. (Ich habe was zum Lesen mitgenommen und mache das Licht nach Mitternacht aus.)

Am nächsten Morgen haben wir alle schlecht geschlafen und die Suche nach dem Grund führt zur ersten von zwei lebhaften Diskussion. Schuld ist der Neumond, nein, die Zeitumstellung, ach Quatsch, der Erbseneintopf, weil ich sowieso immer nicht schlafen kann, wegen dem abschüssigen Gästebett, wegen der Marder draußen, wegen der Fliege drinnen, weil im Gästezimmer noch Licht war, weil dein Vater schnarcht. Bei der anderen geht es um die jeweiligen Gesundheits-, nein Krankheitszustände und wer wem was vererbt hat und dass sowohl mein Bruder wie ich “mit sowas viel früher dran” sind, als unsere Nachkriegs- und Aufbaugenerations-Eltern.

Dann trudeln die ersten Muttergeburtstagsgratulanten ein, Bruder, Schwägerin, Nichte mit Gatten und Tochter und das arme Kind wird vorgeführt und soll der Omama ein Ständchen bringen (“des hemmer g’iebt”) und mag nicht und dann sitzen wir alle rum und haben einander auch in der großen Runde nicht viel zu erzählen, außer, dass meine Mutter die Gelegenheit nutzt, darauf hinzuweisen, dass sie sehr glücklich ist, dass mein Bruder (im Gegensatz zu ihrem anderen Kind) vom Fernweh verschont geblieben ist und dann wünsche ich mir wie schon als Teenager, dass ich ein Adoptivkind wäre. Bin ich aber nicht. Wir kommen aus demselben Genpool, haben dieselbe Körperhaltung, dieselbe Mimik, sind alle kurzsichtig und neigen zu Gelenkerkrankungen. Und wenn heute das Mittagessen vorbei ist, habe ich schon mehr als die Hälfte meiner Anwesenheitspflicht erfüllt.

Nachmittags schauen die wenigen noch lebenden bzw. mobilen Nachbarn sowie Nichte Nr. 2 mit Mann vorbei. Man erzählt vom Häuslebauen. Ein Lebensentwurf ohne Eigenheim und Partner stößt auf Unverständnis und bestenfalls Bedauern; in dieser Welt ist halt die Kehrwoche doch das Maß aller Dinge. Ich meine, Kupfer zu schmecken – blutet meine Zunge eigentlich schon? Wieviele Stunden noch? Wieviele davon schlafen?

Endlich darf ich heim. Die Fahrt wird mit zunehmender Distanz schöner; der Himmel blau, die Sonne strahlt, ein Indian Summer leuchtet um mich, ich muss diese Reise dieses Jahr nicht mehr machen und als ich mir dann an einer Raststätte noch einen Kaffee mit Geschmack und Koffein hole (“wir haben noch nie Kaffee aus so einem Pappbecher getrunken”) und auf einem Bänkle ins Licht blinzle und weiß, dass mir immer noch ein freier Tag bleibt, fahre ich den Rest, ohne ständig die Geschwindigkeitsbegrenzung zu übertreten.

Der trotzige Vorsatz “Ich will nicht werden, was mein Alter ist” ist mit den Jahren der resignierten Erkenntnis gewichen, dass ich in den Spiegel schaue und meine Mutter sehe. Es sei denn, es fände sich im Nachlaß doch noch diese verdammte Adoptivurkunde.

* “Ein Schlemmerkorb, aber nicht mit den komischen Sachen, die du magst.”

Aktenzeichen XY gelöst

Wer sich schon immer gefragt hat, was wohl aus Ede Zimmermann und seinen Mannen in der Schweiz bzw. Österreich geworden ist, dem kann ich helfen. Die haben nämlich klammheimlich den Beruf gewechselt und stehen jetzt Wärmepumpenverbänden vor. Hier das Beweisphoto.

gelost