Gutmensch

Es will mir schon etwas widersprüchlich scheinen, dass ausgerechnet der bei jedem Zentimeterchen Streckengewinn laut röhrende Porsche im Stau vor mir diesen Aufkleber am schmalen Heck trägt.

denk-an-die-umwelt

Aber dann denke ich mir, dass der arme Mann am Steuer (Mittfünziger, Schnauzbart) sich einfach nicht anders zu helfen wußte, als beim Autoverleih die Teslas aus waren.

Internetfreie Zone

Nach einem doch recht anstrengenden Bautag und mehreren Besuchen bei Obi*… Wie? Nein, ich habe nicht gehämmert, gebohrt und geschraubt, aber ich habe entschieden – und das, sagt Zoran, sei genauso wichtig wie die Umsetzung. Also, nach einem total anstrengenden Tag als Bauaufsicht wollte ich abends mediatheken. Bißchen Heute-Show, bißchen Tatort, einfach berieseln lassen. Vielleicht noch etwas Online-Shopping.

Ja, nein, die Seite sei momentan wegen mangelnder Internetverbindung nicht erreichbar. Und diese auch nicht. Und die andere sowieso nicht. Pah, als alte IT-Häsin kenn’ ich mich aus: Router neu starten und dann… Nichts. Immer noch kein Internet. Es blinken auch nicht die richtigen Lamperlen am Modem. Hmmm. Durch den jahrelangen Umgang mit den Serviceverweigerern von San Bruno Cable gut trainiert, übe ich mich ein Eigendiagnostik und entwickle ich Plan B: hardwired. Nämlich vielleicht ist das W-Lan kaputt, also Ethernetkabel einstecken. Immer noch nix. Liegts an mir? An der Hardware? Am Provider? Da google ich doch flott mal, obs irgendeine Provider-Statusmeldung gibt. Ach so, ja, hab ja kein Internet. Aber ein Smartphone. Der Provider ist mit sich und der Welt zufrieden, er habe keine Probleme und die Hotline sei von Montag bis Freitag von 09:00 bis 17:00 Uhr zu erreichen. Für Notfälle habe man auch rund um die Uhr eine gebührenpflichtige Nummer. Halt a mal! Ihr baut Mist und ich soll dafür zahlen – da geht die Schwäbin in mir auf Autopilot. Nix da! Plan C: Buch und Büchsenfernsehen. Ihr kriegt von mir jetzt eine Nacht Zeit zum Reparieren und wenn meine heinzelgeputzte** Wohnung am Sonntagmorgen immer noch eine internetfreie Zone ist, dann überlege ich mir Plan D.

Ist sie nicht. Da habt ihr aber noch einmal Glück gehabt.

* Ich bin gerade in der Entscheidungsfindung, was für mich schlimmer ist: Schuhe kaufen oder Heimwerkerbedarf? Und wie es kommt, dass ich Blasen an den Händen habe.

** Da hab ich noch an die Heinzels geglaubt. Jetzt ist mir klar, dass Handblasen vom vielen Wischen kommen.

Alles Lüge

Also entweder sind die Heinzelmännchen nur für den Großraum Köln zuständig oder sie haben sich mit den Jahren einer gesünderen Ernährung zugewandt oder sie überwintern in südlicheren Gefilden – meine ganze Zuckerstreuerei hat nämlich nichts gebracht, außer einem verklebten Balkon.

Hmmm. Dann halt. Selbst wischt die Frau.

Spracherweiterung

Wenn der Plural von Bambus nicht längst Bambi lautet, dann habe ich das hiermit erfunden.

(Sowas kontempliere ich, während ich den bambibedruckten Regenwaldduschenkarton brav für den Altpapiercontainer zerkleinere.)

“Not my President”

Eigentlich wußte ichs eh, aber seit Mittwoch ist es wirklich deutlich: der Kalifornier an sich und meine dortigen Freunde im besonderen sind keine Trump-Wähler. Fast jede/r hat in seiner/ihrer E-Mail-Signatur nun den blogposttitelgebenden Satz stehen und/oder weiß aus eigener Erfahrung zu berichten, wie es war, als die kanadische Immigration-Webseite zusammenbrach.

Good luck, folks!

Thanksgiving

Es ist zwar eigentlich noch ein paar Tage hin, aber ich habe heute schon Grund, mich sehr zu bedanken. Zunächst bei meiner Freundin Gerti, die mir auf mein Wehklagen, dass in der Wohnung zwar noch viel zu tun, ich aber bedauerlicherweise immer noch nicht zum Heimwerker mutiert oder mit einem praktischen “Du, Schatz” (s. https://flockblog.de/?p=29374) versehen sei, einen Handyman* empfahl, der alles könne und dies zu erfreulich moderatem Preis auch tue, außerdem bei Obi, der für kleines Geld tageweise auch XXL-Super-Schlagbohrhammer** vermietet und dann natürlich bei Wunderwerker Zoran, der nur deswegen an letzter Stelle steht, weil es das Alphabet so vorsieht.

Zoran kam heute früh um 09:00 Uhr, studierte beim Willkommenskaffee mit mir meinen Wunschzettel, diktierte mir eine Baumarkteinkaufliste und fing schon mal an, während ich Besorgungen machte. Als ich nach Hause kam, hing die Küchenlampe im Schlafzimmer und in der Küche die im letzten Jahr hierfür erworbene Strahlerleiste. Im Laufe des Tages kamen dann alle verbleibenden Bilder / Regale/ Magnetleisten / Spiegel / Garderoben an die dafür vorgesehenen Wände, wurden Regenwalddusche und Kosmetikspiegel*** installiert, ganz furchtbar schreckliche Kabelbastellüsterklemmenprovisorien durch ordentliche Ineinemstückkabel ersetzt, Löcher verputzt und hätte Obi mir nicht so eine lumpige Siliconpistole verkauft, die gleich nach 10 Minuten kaputt war, dann wären auch noch die Fenster im Wohnzimmer ordentlich isoliert. Phhh, sieht Zoran total gelassen, dann kommt er halt mal nach Feierabend mit seinem Profigerät für ein Stünderl vorbei, dann sei das auch erledigt. Und wenn nun Ende des Monats auch noch mein neues Bett kommt, dann bin ich eingerichtet und es hat noch nicht einmal ein Jahr gedauert.

Habe eben reichlich Zucker auf dem Balkon verstreut, damit die Heinzelmännchen wissen, wo sie heute Nacht putzen sollen, nicht, dass das am Ende morgen an mir hängen bleibt.

 

* Gibts für diese Art von Alleskönnerhandwerker eigentlich einen und wenn ja, welchen deutschen Begriff?

** Die teuren XXL-Super-Schlagbohrhammerbohrer sind im Mietvertrag nicht inbegriffen, die hat der ausleihende Kunde tunlichst zu kaufen – der Baumarkt heißt ja schließlich Obi und nicht “Altruisti”.

*** Frau gönnt sich ja sonst nichts.

Der Lufthans

… ist inzwischen mein Favorit, wenn es um unsinnige Fehlermeldungen geht. Ich will einen Flug buchen, die website hat aber keinen Bock und schreibt:

umleitungsfehler

(Wenn der Screenshot schlecht zu lesen ist, einfach doppelklicken, dann wird er groß.)

Auch neu im Kino: The Great Gilly Hopkins

Die recht vorhersehbare Geschichte dreht sich um Galadriel (Gilly) Hopkins (Sophie Nélisse), eine Zwölfjährige, die schon viel zu viele Pflegefamilien durchlaufen, und sich gegen die nächste Enttäuschung mit einer dicken Haut, einer fetten Attitüde und einem ordentlichen Batzen Aggression gewappnet hat.

Dass der Film trotzdem sehenswert ist, ist dem guten Drehbuch und vor allem den Schauspielern zu verdanken; pars pro toto: Octavia Spencer als Lehrerin, Bill Cobbs als blinder Nachbar und natürlich der anbetungswürdigen Kathy Bates, die ein Südstaatenmuttertier gibt, das sich gewaschen hat. Gutbesserambestenmensch, ständig am Wischen und/oder Kochen (nichts ist besser gegen Pubertätswehen als ein reichliches Mahl), in tiefer Sorge um angenommene Kinder und Nachbarn, die Kirchengemeinde und alle anderen und die, grade als sie dem Zuschauer genauso auf die Nerven geht wie sie das bei Gilly tut, dann doch mit Humor, Kampfgeist, Herzenswärme und Lebensklugheit besticht. Glen Close spielt auch mit, bleibt aber gegen Kathy Bates ganz merkwürdig farblos.

Ich bin ja sonst kein Fan von rührseligen Geschichten, aber die ist gut geraten und kann gut angesehen werden.

So long, Leonard!

Und ganz egal, wohin du gehst, ich bin sicher, die dortigen Chöre covern “Hallelujah”!

PS: You want it darker.

Aus dem Vokabelheft

Jetzt, wo mir nicht mehr ständig Amerikanismen über den Weg laufen, ist Toni unter die Wortjäger gegangen und hat neulich den hübschen Begriff besmirching gefunden, was so viel heißt wie besudeln, beschmutzen, verdrecken und auch ganz genauso klingt. Der Linguist nennt sowas Onomatopoesie.