Wie meinen?

Vorhin sprach ein Herr zu mir am Telefon von seiner eigener Unfehlbarkeit und erklärte mir meinen Job, Gott und die Welt und schloß mit den Worten: “So, junge Dame, nun wissen Sie, wie der Hase tickt.” Ach wissen Sie, Sie Anrufer, bevor ich mir die Mühe mache, Ihnen zu antworten: Lesen Sie doch Margarete Stokowskis Kolumne zum Thema: http://bit.ly/2d761vs.

Ich habe auch nichts gebucht und verspreche, mich bei Ihnen zu melden, “wenn ich einen geonkelt kriegen möchte.” Bis dahin kann ich ohne weitere Monologe Ihrerseits sehr gut leben.

Albanien

Ich weiß so gut wie nichts über Albanien, allenfalls ungefähr wo das Land liegt. Seit gestern weiß ich immerhin ein bißchen mehr; nämlich, dass aus Albanien ganz wunderschöne Musik kommt, vorgetragen von großartigen Musikern, nämlich dem Elina Duni Quartet. Und dass es dem Hörgenuß im Jazz sehr zuträglich ist, wenn man nur die Stimme genießen kann, ohne die Worte zu verstehen.

Gelegentlich wurde das Vergnügen durch das exzellente und wunderschön phantasievolle Deutsch von Elina Duni sogar noch gesteigert. Zum Beispiel, als sie ankündigte, sie werde nun die „Verschwindigkeit des Lebens“ besingen.

So eine schöne Wortschöpfung.

Der Herr Hasenpusch

… ist nicht, wie man bei dem Namen erwarten könnte, der a bisserl grauschüchterne Protagonist eines Kinderbuches, sondern gelernter Möbelverkäufer und hat sich schon früh auf Betten spezialisiert. Das ist gut, denn ich brauche eines. Dieses schöne neue Möbel haben wir beide nun aus allerlei Elementen zusammenkomponiert, darunter auch einer Rüschelhülse, der mir bis dato unbekannt gewesenen essentiellen Komponente für den erholsamen Nachtschlaf.

Alles recht, Herr Hasenpusch, wenn’s nur keine Erbse ist auf der ich dann ab Anfang Dezember schlafen werde.

Neu im Kino: Tschick

Ich glaube, ich habe noch nie in einer Filmkritik das Adjektiv “liebevoll” verwendet. Aber es gibt für alles ein erstes Mal: Fatih Akin hat mit Tschick einen warmherzigen, anrührenden, liebevollen Film gedreht. Gut besetzt, sehr atmosphärisch und ungeheuer stimmig.

Anschauen! Anschauen! Anschauen! Anschauen!

PS: Es ist noch nicht oft vorgekommen, dass ich vorher das Buch nicht kannte – Mann, freu ich mich aufs Lesen!

Im Kino verpasst: Snowpiercer (2013)

Dystopie? Da steh ich drauf. Hat auch der Algorithmus gemerkt und mir mitgeteilt, dass “Leser, die sich für … interessieren, auch “Snowpiercer – The Graphic Novel” erstanden hätten. Die Geschichte des Zugs nach Nirgendwo klang interessant, und frau gönnt sich ja sonst nichts, als her damit.

Snowpiercer ist einer der wenigen Fälle, in denen der Film das Buch um Längen übertrifft. Es mag mit daran liegen, dass die Bilder beim Lesen, dem Medium geschuldet, nur statisch daherkommen; es liegt aber vor allem daran, dass der Regisseur Bong Joon Ho unglaublich starke Bilder findet, pars pro toto die Vorbereitung eines Kampfes mit dem Imprägnieren von Äxten im Blut eines Fisches.

Worum geht es? (Achtung, Spoiler!). Die Welt ist aus den Fugen. Der letzte chemisch induzierte Schlag der globalen Wissenschaft gegen die Erderwärmung hatte die nächste Eiszeit zur Folge. Die einzigen Überlebenden fahren in einer neuzeitlichen Variante der Arche Noah, einem Perpetuum Mobile-Zug, im Kreis. Vorne die Reichen und Schönen, hinten die Armen. Dann, natürlich, Revolte. Was aus den Massenquartieren am Zugende quillt ist schmutzig, grau, verkrüppelt, hungrig und elend und betritt, je weiter das immer kleiner werdende Häuflein nach vorne kommt, eine immer bunter werdende Welt, mit Obstplantagen, Fleischkühlhäusern und Aquarien, einem fröhlich-farbenfrohen Schulklassen-Waggon (die Kinder (und die Lehrerin erst!) überwiegend blond, blauäugig und in Rüschen gekleidet), einem Friseursalon mit dicken Schnatterdamen in Goldlaméumhängen unter Trockenhauben – alles wie in dem “guten Amerika” der Stepford Wives. Natürlich kommt es zum Showdown im steril kühlen Tempel der “Sacred Machine”, deren Erfinder (Ed Harris) lakonisch die bisherigen Maßnahmen zum Erhalt der “Balance” aufzählt (Massenmord, Hunger, blutige Niederschlagung von Aufständen), um dann dem letzten der Aufständischen anzubieten, sein Nachfolger als Maschinist und Gott zu werden. Nix da! Und doch: Nach über zwei Stunden endet die Geschichte mit einem Fünkchen Hoffnung.

Unbedingt anschauen! Anschauen! Anschauen! (Und große Freude an Tilda Swinton in wieder einer Paraderolle haben.)

Fast noch neu im Kino: Ghostbusters

Allem voran: nein, die Welt geht (selbstverständlich) nicht unter, wenn die Ghostbusters Frauen sind. Warum auch?

Sie fahren ein genauso schräges Auto (Onkels Leichenwagen) und sind genauso archetypisch besetzt wie seinerzeit die männlichen Darsteller: die Dicke, klug und lebensklug, nebenher geschäftstüchtig und erfreulich wenig betriebsnudelig (Melissa McCarthy), die hübsche Kluge, die, wenn vom angepaßten Businesskostümchen und den von der Männerwelt indoktrinierten Selbstzweifeln befreit, im Ghostbusteroverall auch ein loses Maul haben darf (Kristen Wiig), die Butch-Technik-Freak-Geekin, die sich, gedeckt durch ein leichtes Asperger-Syndrom, gar nichts scheißt (eine echte Entdeckung: Kate McKinnon) und die andere Dicke, ehemals Angestellte der Verkehrsbetriebe mit einem enzyklopädischen Wissen über die Architektur New Yorks sowie schwarz (Leslie Jones). Für die wenigen sexistischen (und meist selbstironischen) Witzchen muß ein California-Dreamboy-Blonddummchen-Kevin als Assistent herhalten (Chris Hemsworth).

Ansonsten wird strikt nach Vorlage gefilmt. Keiner glaubt an Geister, es gibt sie aber, keiner glaubt an die Ghostbusters, aber ohne sie wäre die Welt (also erst mal New York) dem Untergang geweiht. Ende.

Nicht ganz. Man sollte bis zum Ende des Abspanns durchhalten – da hat Sigourney Weaver noch ein witziges Cameo.

Man muß dafür nicht ins Kino. Aber man kann und wird gut unterhalten.

Aus dritter Hand

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal für die Lektüre eines Sammelbandes mit Kurzgeschichten eine ganze Woche gebraucht hätte und ob überhaupt je. Aber ich bin sehr guter Hoffnung, dass ich es heute Abend nach dieser mehrfach gebrauchten und schwer verbeulten Woche endlich schaffe, Stephen Kings “The Bazaar of Bad Dreams” auszulesen und dann mindestens eine Lieblingsgeschichte zu empfehlen.

Stay tuned.

Da könnte ja jeder kommen

Unser Nordbüro, das im Sommer nie wirklich warm wird, kühlt dafür nach drei Regentagen sehr empfindlich aus; das einzige, was noch kälter ist als meine Hände sind die Heizkörper. Dreilagig bekleidet bin ich dem Wetter angemessen ja schon, mehr geht erst mal nicht, also Vermieter anrufen, Heizkessel anstellen lassen.

Im allerruppigst möglichen Bayerngrant werde ich beschieden: “Schaugn’S in Eahna Vertrog. Koit is gemäß Paragraph 14 erst ab 15. November. Vorher brauchma ned heizn. Mochma a ned.”

Wo hatte ich gleich nochmal die dicken Wollpullis hin verräumt?

Aus dem Vokabelheft

“Zwischen zwei Jobs” oder wie ein amerikanischer Freund den Zustand seit letzten Freitag bis zum 1. Oktober nennt: “funemployed”.

Other Dimension

Bei den Raummaßen scheine ich mich hierzulande schon wieder akklimatisiert zu haben, denn heute stand ich in etwa genauso fassungslos vor einer 1,5-Liter-Packung Milch, wie vor nunmehr acht Jahren vor den amerikanischen Gallonenkanistern und ich kann mir schon fast nicht mehr vorstellen, dass mir ein Halbgallonentetrapack (= 2 Liter) mal klein und sehr normal vorkam.

Meine Wiedereingliederung macht Fortschritte.