Das 3. Geschlecht

Neulich in der U-Bahn. Junge Neuseeländer auf Europatour erproben ihre Deutschkenntnisse an den Reklametafeln.

Kiwi 1: “Oh look, they’re advertising equal job opportunities. For males, females and… divers? Why divers?”

Kiwi 2 [weiß Bescheid]: “It’s, like, ‘Searching for Aquaman’* (hihi, hoho).”

Kiwi 3 [kennt sich überhaupt am besten aus]: “Naha, you gotta say ‘Aquaperson’ in this context.”

Ich sitze derweil im Nachbarvierer, grinse mir eins und freue mich schon auf die nächste Stellenanzeige, die ich texten werde. Für Damen, Herren und Taucher.

 

* Kluger Kiwi, das. Verwendet Filmreferenzen. Gefällt mir.

Aus dem Vokabelheft

Wenn man in Amerika einen neuen Mitarbeiter ganz schnell auf den Stand bringen will (aka “Einarbeitung”), dann wird er fire-hosed, also mindestens aus einem C-Rohr dauerbestrahlt. Im Deutschen, habe ich neulich in einem Interview mit einer dem Ressort bis dato noch fachfremden Politikerin gelesen, nennt man dieses Vorgehen Druckimpfung.

Schöner ist das auch nicht.

Konzert in der Wolfsmühle: Gnadenkapelle

“Wie? Rausgehen? Jetzt?” Innerer ist entsetzt. Er hatte sich, wie jeder ordentliche Schweinehund, auf einen Abend auf dem Sofa eingerichtet, das Ignorieren von Wetter inbegriffen und sieht mir fassungslos beim Schuhe zubinden zu. “Hast du mal aus dem Fenster gesehen? Es gießt wie aus Eimern. Wie aus Kübeln. Rie-si-gen Eimerkübeln. Da schickt man doch noch nicht mal einen Hund vor die Tür. Wir haben hier doch alles, was wir brauchen, Mensch. Kuscheldecke, Wollsocken, Buch, Tee. Und dann willst du halbert nachtblind im Dunkeln und, falls du vorhin nicht zugehört hast, im strömenden Regen wo hinfahren, wo wir noch nie waren. Und das Navi kaputt. Wir werden ganz sicher vom Weg abkommen und elendiglich in der Pampa stranden und Unfall, Tod, Verderben. Außerdem, Live-Musik ist total überschätzt.”

Vor lauter Schimpfen bekommt Innerer kaum mit, dass wir schon aus der Tiefgarage fahren und schreckt auch erst hoch, als uns da einer mit hochaufspritzenden Wasserfontänen böse schneidet. Das ist Wasser auf seinen Mühlen (hihi, Wortspiel). “Da!”, triumphiert er, “ich habs ja gleich gesagt. Unfall, Tod, Verderben. Und die Patientenverfügung ist auch nicht ausgefüllt.” Ich würde so gerne auch mal zu Wort kommen und Innerer erklären, dass ich auf der Karte nachgesehen habe und die Strecke kindereinfach ist. Nur die A94 finden (kann ich, mach ich öfter), dort die richtige Auffahrt nicht verpassen und dann sind es grad mal noch 500m. Das schaffe selbst ich, Kreisvorsitzende der ODP* München Süd. Und ja, das Wetter ist greislich und die Scheibenwischer laufen auf höchster Stufe, aber dagegen gibt es das Zaubermittel “angepaßte Geschwindigkeit” – und da zieht es mir die Reifen weg. Aquaplaning. Huiuiui! Das hatte ich tatsächlich schon länger nicht mehr. Innerer hat Recht und seinen Spaß. “Habs gleich gesagt! Habs gleich gesagt!” singsangt er fröhlich vor sich hin. Ich schwimme derweil über den Mittleren Ring und frage mich, ob das mit dem in tiefdunkler Starkregennacht aufs Land zu fahren wirklich eine so gute Idee war. Würde ich aber nie zugeben. Schon gar nicht Innerer gegenüber. Ist auch gut so. Der Regen wird schwächer und auf der Höhe von Daglfing blitzt ein dramatischer Macbeth-Vollmond aus den Wolken. Jetzt nicht ablenken lassen. Einfach weiterfahren.

Innerer schmollt. Ist aber egal, er hält dabei die Klappe. Jetzt ist alles gut und wird immer besser. Zeitgleich mit meiner aus der anderen Richtung anreisenden Freundin parken wir unsere Autos nebeneinander, gehen gemeinsam zur wunderschönen Wolfsmühle (https://www.wolfmuehle.de/), wo draußen in großen Feuerschalen Holzfeuer lodern und drinnen gut geheizt ist. (Merken sie uns trotzdem mehr so für einen Ausflug im Sommer vor. Ohne Feuerschalen. Dafür mit Sonne.)  Dann ist Konzert und das ist sensationell (ich hab aber auch ein Saudusel mit meinen Künstlerfreunden!) und selbst Innerer revidiert sein Urteil, findet Live-Musik auf einmal “total klasse”, teilt ungefragt seine Lieblingslieder mit (“Noglnei” und “Auf ewig bis ma stirbt” – “Unterm Rosenstock” sowieso, aber das ist außer Konkurrenz) und hampelt im Takt auf dem Stuhl herum. Recht vielen Dank, oh Gnadenkapelle, für den schönen Abend!

Heimweg. Kein Niederschlag mehr, nirgends. Der große bleiche Vollmond schwimmt am Wolkenhimmel und spiegelt sich eitel in allen Pfützen und so schnell kannst du gar nicht schauen, wie wir wieder daheim sind. Innerer hat gemerkt, dass er nicht aus Zucker ist und verspricht, zukünftig nicht mehr gar so wuislert zu sein. Ja dann. Dann gehen wir demnächst mal bei Neuschnee spazieren, oder?

* ODP steht für “Orientationally Disabled Person” und wurde mir mal als Ehrentitel (bestimmt) verliehen.

Aus der Arbeitswelt

Da muß ich erst den Sportteil (!) der Süddeutschen lesen, um den mir bis dato völlig unbekannten Beruf des Bibermanagers zu entdecken.

Und was macht so einer den ganzen Tag? “Bibermanager klären auf und helfen, Konflikte zwischen Mensch und Biber zu lösen.”

Aha. Das ist… gut? Oder? Ja doch. Konfliktlösen ist gut.

 

PS: Sollte hier in der Gegend gerade keiner tätig sein, zeige man mir meinen Biber und wir klären, was immer zwischen Mensch und Biber stehen möge, direkt.

Bravo! (2)

Wenn ich ein Sturmtief wär’ und mit dem Namen “Stina” gestraft – ich würde mir auch die längste Nacht des Jahres zum Herumtoben und Leute wachhalten aussuchen.

Bravo!

Kurz vor Weihnachten hat die US-Regierung erst mal geschlossen. Am meisten dauern mich die Regierungsangestellten, die zwar kein Geld mehr kriegen, aber trotzdem arbeiten müssen. Und mit der Aussicht auf eine eventuelle Nachzahlung ausstehender Bezüge vertröstet werden. Wenn der Shutdown irgendwann vorbei ist.

Wenigstens können sie sich ihre Situation seit Mitternacht Washingtoner Ortszeit in der Capitol Lounge billig schön trinken.

Capitol Lounge2

Aus dem Vokabelheft

Eric Idle (ja, der von Monty Python) hat seine “Sortabiography” veröffentlicht. Ich bin darin über den folgenden wunderschönen Satz gestolpert und beiße mir nun schon seit Tagen die Zähne an der Übersetzung aus.

At fourteen I wanted to play guitar very badly. By fifteen I did.

Ich werds nicht schaffen. Hod wer a Idee?

Weihnachtswahnsinn

Vorhin im Supermarkt. Eingekeilt in Menschenmassen, die angesichts der dräuenden Hungersnot (drei Tage ohne Einkaufen, oi gewalt!) panisch immer noch mehr Lebensmittel in ihre eh schon übervollen Einkaufswägen hineintetrissen, um meine Beine Kindervolk, das zu bereits passierten Regalen zurückgejagt wird, um noch zwei Packerl dies und drei Tüten jenes zu holen (“Nein, das doch nicht! Das andere! Das, das wir immer haben! Legs weg und geh nochmal los! Und dieses Mal bringst du aber das richtige! Schratz, elendiger!”). Dazu Beschallung mit saisonalem Liedgut. “Stille Nacht”, ja mi leckst am Oasch!

Zwischen den Liedern preist ein Herr mit ganz furchtbar morgenmoderatorfröhlicher Stimme an, was weg muß. “Einen ganzen iberischen Schinken-Jamon am Knochen! Nur Heute! Für nur noch…” “Ein Glühweinschädelwehset mit Originalgewürzen* und viel zu viel Kandiszucker!” “Warum nicht einmal ein Tattoo-Removal verschenken?” Wahaaa? Mit einem liebevollen Gedanken für den Troll, der ihnen diesen Spot untergejubelt hat und gnädig das Gespräch der beiden Damen vor mir über die Zubereitung von “Barbarenenten” überhörend, stelle ich mich in der Kassenschlange an und freue mich schon jetzt, dass ich morgen nur noch einmal kurz runter muß, um die Zeitung zu kaufen und dann nimmermehr.

Ich wünsche mir endlich Ohrenlider (Mann, Evolution, wie oft denn noch?), allen Menschen Frieden und ein Wohlgefallen und dass die ganzen zusammengehamsterten Lebensmittel tatsächlich verspeist werden (wobei wahrscheinlicher ist, dass sie den Nachfeiertagsmüllberg vergrößern).

 

* In meinem Hirn entsteht sofort das Bild von Gewürzfälschergangs (Deckname “Spice Boys”) in amerikanischen Hinterwäldern, die unter Führung von Walter White in Wellblechschuppen synthetische Zimtstangen und Anissterne kochen und… Ruhig, Brauner. Ganz ruhig.

Fernsehen: Der Tatortreiniger – “31”

Die letzte Folge wie ihre durchlaufende Nummer zu nennen, ist nur einer der Abschiedsgeniestreiche, die einem die Trennung von diesem Höhepunkt deutschen Fernsehschaffens so schwer macht. Allein Merles Ansprache, hach!

Der NDR hat alle Folgen in die Mediathek gestellt und es gibt wahrlich schlechtere Zeitvertreibe, als sie sich noch einmal anzusehen.