Junge, komm’ bald wieder

Die Radiomoderatorin hat einen neuen Begriff gelernt und baut ihn ganz verliebt in jeden Satz ein: “Der Austro-Alex dies…”, “Der Austro-Alex das…”. Bis ihrem Co-Moderator der Geduldsfaden reißt und er die Sache mal richtigstellt, ey. “Du, Kathrin, der Gerst is fei im Weltall und ned aus Österreich!”

Egal in welche Ränge die Arme im Rundfunk noch aufsteigt, das bleibt ihr Schalke 05.

Fernsehen: Der Tatortreiniger 2018

Die ARD Mediathek ist ja so ein bißchen wie der Schrank von Tante Hertha. Alles drin, auch wenn Tantchen nicht mehr so genau weiß, wo. Wer, sagen wir mal, auf der Suche nach einem Krimi, herumstöbert, der findet auf einmal drei der vier neuen Tatortreiniger-Episoden (“Currywurst”, “Rebellen” und “Der Kopf”) schon mal vor der offiziellen Ausstrahlung online. Streicht dann natürlich alle anderen Abendpläne und hängt begeistert vor der Glotze.

Schade, dass Drehbuch-Autorin Ingrid Lausund (Pseudonym Mizzi Meyer) nicht mehr weitermachen will, aber es muß ein schönes Gefühl sein, auf dem Höhepunkt ihres Schaffens aufzuhören. Alle drei Folgen, die ich bisher gesehen habe, sind Juwele und einen Favoriten habe ich auch schon, ich sage nur “Filzgleiter”.

Gehet hin und schauet an! Schauet an! Schauet an!

Fernsehen: Polizeiruf 110 – Tatorte

Das Föjetong hatte sich im Vor- und Nachgang zur letzten Matthias-Brandt-als-Meuffels-Folge in Lobeshymnen ergangen und dabei soviel gespoilert, dass ich beim Angucken erst mal schon Bekanntes abhaken mußte, bis ich zum gleichen Urteil kam. Wahrhaft eine Sternstunde des öffentlich-rechtlichen Fernsehens! (Sowas versöhnt wenigstens für die eineinhalb Stunden Krimi mit der Zwangszahlung von Gebühren, auch wenn man gar keinen Fernseher hat.)

Bei aller Nacherzählerei, über zwei Schlüsselszenen haben sich die Kritiker/innen nicht ausgelassen. Ich werde den Teufel tun, sie hier im Detail aufzuführen, nur so viel: Die Brandt’sche wird so lange vorbereitet, dass man am Ende froh ist, wenn “es” endlich passiert (Stichwort: Ins Auge gegangen!). Barbara Auers Szene hingegen ist wunderbar subtil perfide und nur deswegen richtig gut, weil dem Zuschauer die Auflösung versagt wird (Stichwort: weiße Socken).

Die Folge ist sicher noch für eine Weile in der Mediathek. Anschauen! Anschauen! Anschauen!

Nostalgie-Kino: Eine Leiche zum Dessert

Neulich war mir nach richtig altmodischer Unterhaltung, ohne CGI, ohne Verfolgungsjagden, wilde Schußwechsel und brennende Städte. Was komisches, politisch nicht korrektes, mit guten Schauspielern und gutgeschriebenen Dialogen.

Wem es ähnlich geht, der krame einfach auch “Eine Leiche zum Dessert” (im Original “Murder by Death”) aus dem DVD-Regal, blase den Staub weg und erfreue sich an der Crème britischer und amerikanischer Schauspieler der Siebziger. In einer Kriminalkomödie, geschrieben und inszeniert von einem Meister seines Fachs und so erfreulich harmlos unterhaltsam. Man muß nicht schenkelklopfend lachen, aber – ganz altmodisch auch hier – sehr viel schmunzeln.

Anschauen!

Straßenfeger

War grad am Container, Flaschen (naja, okay, war Geburtstag) und Plastikplastikplastik* wegbringen. Kann vermelden, dass auf diesem kurzen Wegstück wenigstens acht Kehrreviere aneinandergrenzen, die genauestens eingehalten werden. Das fördert Rutschpartien und ist kein Spaß.

Wo ist eigentlich das lärmende Kehrtriumvirat von unten, wenn man es wirklich mal braucht?

 

* Ich kann so bewußt und nachhaltig einkaufen wie ich will. Seit ich angefangen habe, jedes Fitzerl, Deckerl, Tüterl, Einwickelplastik der Wiederverwertung zuzuführen, kriege ich jede Woche eine Tüte voll zusammen. Geht das anderen eigentlich auch so?

Jam Session in der Unterfahrt

Die session-betreuende Hausband (Moritz Stahl Quartett – Moritz Stahl (sax), Sam Hylton* (p), Nils Kugelmann** (b), Zithong Xu (dr)***) war heute ausschließlich mit Schülern der Musikhochschule besetzt und ein jeder dieser doch noch sehr jungen Männer einzeln und gemeinsam ein rechter Ohrenschmaus und sie sind ganz offensichtlich auch als Komponisten sehr begabt.

Ich freue mich schon drauf, deren weitere Wege zu mitzuverfolgen und irgendwann sagen zu können: “Den kannte ich ja schon, da war der noch ganz jung…”

 

* Komposition: “Poor – Wise Man”

** Komposition: “No Time”

*** Hatte heute rote Puschelbesen im Einsatz, die aussahen, wie vom Room-Service eines hawaiianischen Tiki-Hotels geklaut.

Aus der Rubrik “Mythologie und Niedertracht”

“Kassandra! Hera! Michaela!”, unterbricht die alleinsitzende Dame im Vierersitz das fröhliche Fangerlesspiel im Waggon, “kommt zur Mama. Wir steigen die nächste aus.” Während ich noch kontempliere, welches der Mädchen mit seinem Namen am meisten geschlagen ist, wird die Kleinste mit den Worten “Hera, du stinkst!” in ihren Kinderwagen geschnallt.

Dann wäre das auch geklärt.

Versteckt auf Amazon Prime: The Scottish Play

“The Scottish Play” ist ein in Theaterkreisen bekannter Euphemismus für “Macbeth”. Wenn der angeblich mit einem Fluch belegte Klarname im Theater (außerhalb des Stückes selbst, wo er als Anrede oder dergleichen ausnahmsweise fluchfrei verwendet werden darf) ausgesprochen wird, droht allerlei Unbill und es bedarf komplizierter Rituale, um das Haus vom Bösen zu läutern.

Vor dieser Prämisse hat Weetus Cren eine lustige kleine Serie (sechs Folgen à 25 Minuten) und sich selbst die Rolle des Haustechnikers auf den Leib geschrieben und so viele hübsche kleine Details versteckt (T-Shirt-Aufdrucke, Poster, Handzettel und die ultimative Parodie auf Starbucks. Hach!), wie gerade noch reinpaßten.

Wer Stücke über Stücke, wie zum Beispiel den “Nackten Wahnsinn”, mag, ist damit einen Abend lang sehr gut unterhalten.

“Nehmen Sie eigentlich immer noch Drogen?”

Hmmm. Das ist jetzt eigentlich keine Frage, die ich gerne in der Öffentlichkeit von mir wenig bekannten Menschen gestellt bekomme. Auch und gerade, wenn’s die Demirsche aus dem Dritten wissen will, die mir ganz offensichtlich an den Briefkästen auflauert. Also erst einmal nachgefragt: “Wie meinen?”

Gebeugten Rückens und schmerzverzerrten Gesichts manövriert meine Gesprächspartnerin daraufhin ihre Hand Richtung Lendenwirbelsäule (ihrer eigenen, wohlgemerkt) und teilt mit, sie “hobe solche Schamerrzen. In Riiiiieckn.” Ah ja. Schlimm. Und das hat mit meinem vermeintlichen Drogenkonsum wie zu tun? “No, wie Sie sind gehangen an der Kriiiecke, hobben Sie doch genommen Drogen? Mit kleine Kugerl drin? Und hobben mir gägäbn, wie ich auch gehobt Schmerrrrzen. Und donn war Schmerrrrz wäck. Wie Bliiietz!”

Jetzad. Wir sprechen von der Zeit, als ich Entzündungshemmer gefressen habe, wie andere Leute Smarties und die Dinger immer und überall an der Frau hatte. Brauch ich nicht mehr, hab ja jetzt El Knie. Der leidenden Dame kann trotzdem geholfen werden. Wie Bliiietz (Kunststück, nemmich Aufzug) eile ich nach oben, und bringe der guten Frau eine Diclo sowie eine leere Packung, auf dass sie die ihrem Arzt oder Apotheker vorlege. Und ab sofort ihre eigenen Drogen nehmen kann.

Dealerin ist einfach nicht mein Traumberuf.