Neu im Kino: Juliet, Naked

“Juliet, Naked” ist genau wie alle anderen Nick Hornby-Verfilmungen, very british delightful und leicht. Wie ein Schokoriegel, der in Milch schwimmt.

Die Besetzung ist hervorragend – eine jede Rolle, wie ihrem Schauspieler auf den Leib geschrieben. Einen nenne ich pars pro toto: das ist der hochverehrte Chris O’Dowd. Er IST Duncan, der in seiner Obsession für einen verschollenen Musiker aufgeht. Was dann wie verwickelt passiert und wie es sich wieder entwickelt und wo die Handlungsstränge dann hinführen, möge sich jede/r selbst ansehen.

Man erwarte kein großes Kinoerlebnis, auch scheppert, knallt und brennt nichts, aber aber man verläßt das Kino mit einem dummen glücklichen Lächeln auf dem Gesicht, weil es halt gar so nett war.

Hauptstaatsarchiv: Ausstellung “Getroffen – Gerettet – Gezeichnet. Sanitätswesen im Ersten Weltkrieg”

Gleich im Eingangsbereich ist ein Stahlhelm mit einem Einschußloch ausgestellt. Das sei zwar schlimm, informiert das Kärtchen, aber man habe daraufhin besseren Stahl entwickelt und neue Helme produziert, worauf die Zahl der Kopfverletzungen im Laufe des Krieges stark zurückgegangen sie. Dann Grabenkrieg, Infektionskrankheiten. Auch schlimm, aber zum Glück habe ein findiger Mediziner 1914 einen Impfstoff gegen Tetanus entwickelt und auch vielen anderen ansteckenden Krankheiten sei mit Reihenschutzimpfungen beizukommen gewesen. Gaskrieg. Arg schlimm, aber durch den frontnahen Einsatz der Sanitätstruppen habe man durch die schnelle Gabe von Sauerstoff oft das Schlimmste verhindern können, außerdem sei es deutschen Ingenieuren gelungen, die besten und undurchlässigsten Gasmasken zu entwickeln. Verbandsstationen, Feldlazarette, faltbare Tragen und OP-Tische, das Dreieckstuch, Verwundetentransporte, Heil- und Rehaeinrichtungen fern von der Front mit Krankengymnastikgerätschaften, die von den heutigen nicht weit entfernt sind. Unglaublicher Einsatz von Sanitätern, Ordensfrauen und -männern (mehr Frauen), Ärzten und unzähligen Krankenschwestern, über Stände, Berufe, Geschlechter, Religionen hinweg.

Schließlich die Nachkriegszeit und die schwere Aufgabe, Krüppel, Versehrte, Blinde, Taube, Lahme wieder in ein Berufsleben zu integrieren. Ein ihren Fähigkeiten entsprechendes Berufsleben, denn, wie eine Schrift des Blindenverbandes kündet: “Arbeit macht frei”. Noch ein kurzer Abstecher zur politischen Selbstorganisation der Kriegsbeschädigten in den frühen Zwanzigern und ein Hinweis darauf, welchen Nährboden diese Menschen für das Erstarken des Nationalsozialismus bildeten (Dolchstoß etc.) und dann ist man schon durch.

Interessant. Weltkrieg aus der Warte derer, die immer versucht haben, Schlimmeres zu verhindern oder wenigstens abzumildern.

Warum die Veranstalter (Bayerisches Hauptstaatsarchiv und Sanitätsakademie der Bundeswehr) ihre Ausstellung in Halbdunkel getaucht haben, bleibt eine offene Frage. Ist aber auch egal, gestern war der letzte Tag. Sonst hätte ich sie durchaus weiterempfohlen.

Abfent, Abfent

Eine etwas verzogene Kugelkerze, gescheckt in den Farben Unmöglich bis Ganzgrausig, ein amphorenähnliches Gebilde von einem, der sich trotz hoffnungsloser Unterlegenheit der Herausforderung eines Tonklumpens gestellt hatte, ein Küchengegenstand, zu nichts Nutze, als Schubladen zu verklemmen, etwas zerknülltes Geschenkpapier sowie eine Karte “Für meine*n liebe*n Kollege*in” mit sorgfältig gemalten Gendersternchen.

Der – ganz offensichtlich letzte Nacht draußen in der Kälte ausgesetzte – Karton läßt nur einen Schluß zu: die Weihnachtsfeiern in den Firmen haben begonnen und irgendein armer Mensch wurde zwangsbewichtelt.

R.I.P. CEBIT

Die Computermesse in Hannover war seit ihrem Bestehen eine Konstante in meinem Berufsleben, weil ich entweder dabei half, sie vorzubereiten oder selbst Standdienst hatte und birgt ein paar schöne Erinnerungen.

Sie geht jetzt in Rente. Dann ist es bei mir bestimmt auch irgendwann soweit. Wie schön.

Philharmonie: Sydney Symphony Orchestra

Wenn mein Drecksprovider mit den Punkten auf dem Ypsilon nicht wieder das Internet kaputt gemacht hätte (ja, bei sowas kann ich nachtragend sein, und zwar lange), dann hätte ich schon gleich am Dienstagabend nach dem Konzert erzählen können, wie wunder-, wunder-, wunderschön das Orchester aus Down Under unter der Leitung von David Robertson Dvořáks „Karneval“, MacMillans “Konzert für Schlagzeug und Orchester Nr. 2” und wie ganz besonders wunderschön Beethovens “7. Symphonie” vorgetragen hat. Ich hätte auch erwähnt, dass beim zweiten Stück am Schlagwerk wieder der Grubinger Martin herumgewirbelt hat.

Und wie beseelt wir nach diesem Abend nach Hause gegangen sind.

Es ist wieder da!

Das Unternehmen mit dem selten saudummen Kunstnamen, das vor Jahr und Tag auch meinen Internetprovider geschluckt hatte, ist weiter auf Einkaufstour und kann gar nicht an sich halten vor Begeisterung, wenn sie wieder jemand Neuen in ihre große Familie aufnehmen. Dann schicken sie mir immer einen Brief. Mit der Post. Inzwischen weiß ich, warum. Die Integration findet immer zur besten Technikerarbeitszeit ab ca. 09:00 Uhr morgens statt und dann fällt bei mir (und allen anderen Kunden dieses Sauladens) das Internet aus. Für einen oder zwei Tage. Oder drei. “Neulisch, in Nürnbersch, worns fimfe.”

Es ist ausgestanden und ich wieder on the line. Aber schön ist das nicht.

Neulich am Nebentisch

Kaum ist das Essen serviert, beginnt die junge Dame Fotos zu knipsen. Von ihrem und seinem Teller. Aus diesem und aus jenem Winkel, von oben und von der Seite, einmal auch im Kerzenschein (“Halt mal”). Ihr Begleiter läßt derweil in einer Mischung zwischen “peinlich berührt” und “ich bin gar nicht da” seine Augen durchs Restaurant schweifen, vermeidet aber angestrengt jeden Blickkontakt.

Woran erinnert mich das?

Daheim bin ich schließlich draufgekommen: der arme Mann sah während der Fotosession ähnlich fehlbesetzt drein wie ein Atheist beim Kirchenfrühstückstischgebet.