Literaturhaus München – Ausstellung: “Christoph Niemann – Im Auge des Betrachters”

Wahrscheinlich hat jeder schon einmal Niemann-Bilder gesehen. Das Stoppelkinn aus Mohnbrötchen, der Pferdehintern ein Bananendoppel, die Kamera ein Tintenfäßchen?

Wie gesagt, sein Schaffen kennt man, nicht zuletzt von Titelbildern für den New Yorker und andere Publikationen. In dieser Ausstellung lernt man viel über seine Schaffensweise. Niemann läßt sein Publikum wie kein anderer an seinem kreativen Prozeß teilhaben, der Entwicklung seiner Bilder und seinen Gedanken beim Skizzieren, Malen, Zeichnen, Kombinieren.

Wenn ich mir ein Souvenir hätte wünschen dürfen, dann wäre es das Deutschheft gewesen und im speziellen die Deutschlandkarte, auf der Hessen östlich von Wessen? liegt, an einem Flußlauf die Weiler Döner, Mit und Alles und hoch oben im Nordosten die Seenplatte mit den Hauptgewässern Meer, Mehr und Mär und den angrenzenden Ansiedlungen Schweinchen, Licht! und Chenonkel. Aber sowas Feines führt der freundliche Herr im Giftshop nicht und drum müßt ihr selber hingehen und euch die Ausstellung ansehen, ansehen, ansehen! (Läuft noch bis 5. Mai.)

PS: Wer einen Besuch am Samstagnachmittag vermeiden kann, tue es. Man vermeidet dadurch ein Zusammentreffen mit einer überdurchschnittlich hohen Anzahl altkluger Kinder und ihrer Eltern. (Knapp Zehnjähriger, an der Mutter zerrend: “Mama, Mama, komm’. Da vorne das Bild mit den Yin/Yang-Augen. Das mußt du sehen.”)

Starkbieranstich: Auf dem Nockherberg 2019

Hmmmm. Mir fällt es schwer, zu Maxi Schafroth eine eindeutige Meinung zu haben. Dass er anders sein würde als die Mama Bavaria war klar und Voraussetzung. Ob es eine gute Entscheidung war, sich keine Rollenfigur zu wählen, sondern ein Alter Ego auftreten zu lassen? Eher ned. Dass er einem so weichgespült vorkommt, liegt bestimmt auch ein bisserl an Stimmlage und Physiognomie und dem so liebenswert harmlos daherkommenden Allgäuer Dialekt. Dass er über seine eigenen Witze oft zuerst und als einziger lachte, mag der Premierennervosität geschuldet gewesen sein. Dass er das Publikum so oft zum Applaus auffordern mußte, weil wieder eine Pointe versandet war, vielleicht auch, aber…

Aber es ist ein ganz schlechtes Zeichen, wenn die Derbleckten ihren Derblecker so derartig feiern. Der einzige, der wirklich vom Maxi auf die Mütze bekommen hat, war Innenminister Joachim Herrmann und der war auch angemessen beleidigt. Bei Typen wie Söder oder Scheuer gilt der alte Werbergrundsatz, dass jede Publicity gute Publicity ist – die könnte man nur irritieren, wenn man sie ignorierte. Der Stellvertretende Ministerpräsident Aiwanger? Über den hat die Luise damals schon alles gesagt: “Bei den Freien Wählern gibt es so viele herausragende hoch talentierte Charakterköpfe! Da gibt es den Hubert Aiwanger, den Hubert und den Hubsi! Und alle drei wollen Minister werden! Und zwar genau in dieser Reihenfolge!” Vor Frauen hat Maxi Schafroth höchsten Respekt. Das ehrt ihn, disqualifiziert ihn aber als Derblecker, wobei… Dass er das Publikum, ausgerechnet dieses Publikum zu Standing Ovations fürs Frauenwahlrecht animiert… Das war dann schon wieder ein Pluspunkt. So gings mir mit seinem Vortrag ständig. Eigentlich fad, eigentlich zu langatmig, eigentlich unkomisch und immer gerade, wenn ich mich mit mir selbst auf “Na, der isses nicht” geeinigt hatte, kam doch mal wieder ein winziges Juwelchen. In Summe hats aber nicht gereicht. Für ein Paulaner-Comedyfestival vielleicht. Aber nicht für ein so recht von Herzen hinterfotziges Derblecken.

Das Singspiel, spielend im Wellnessbereich im Kellergeschoß der Staatskanzlei, war gut. Die Story? Nein, die nicht. Ui schau, ganz symbolträchtig überhitzt die Heizung und fliegt ihnen um die Ohren, weil schon seit der Stoiber Ära jeder sagt, dass man was machen müßt’ und dann nix tut. Geschenkt. Die Geschichte ums haarige Bayerndusel* (Gerd Lohmeyer) und der Auftritt des sehr seltsam gealterten Volksmusikduos Marianne und Michael? Auch geschenkt. Aber die Musik? Wow! Und die Darsteller erst? Noch a moi: wow!

Söder-Double Stephan Zinner kann (und macht) alles und röhrt im lila Jogginganzug, dass man sich in einer Congregation in the Land of the Delta Blues wähnt und seinen Lord praisen will – Hallelujah! Stefan Murr spielt den Scheuer, Andi und man möchte sich wünschen, dass sein “Fluch” auch dieses Mal wirkt (wen immer er gespielt hat, von Guttenberg über Pronold bis Dobrindt war im Folgejahr nicht mehr dabei). Der Song vom “Auto-Schmuser Andi” ist ganz fraglos einer der Höhepunkte https://bit.ly/2TSxUuM. Ziemlich dicht gefolgt von Andrea Nahles (Nikola Norgauer, letztes Jahr noch Natascha Kohnen) Gummientennummer https://bit.ly/2ClJEMb. Die Bayern-SPD repräsentiert OB Reiter (Gerhard Wittmann) und der darf sich mit der Grünen kloppen, Sina Reiß als Katharina Schulze. Sina und Kata sehen sich in echt sehr ähnlich und es steht zu hoffen, dass Frau Schulze im wirklichen Leben ihr enthusiastisches Selfie-Hüpfgirlie ein bißchen besser im Griff hat als die Rollenfigur. Horst Seehofer (Christoph Zrenner) ist nur noch ein Turnbeutelverlierer, Angela Merkel (Antonia von Romantowski) ist Angela Merkel. Unaufgeregt. Raute. Ach ja und Hubert “Schöner Name” Aiwanger (Florian Fischer) war auch dabei.

Sehr gute Musiknummern, spitzenmäßig vorgetragen. Doch, das beste Singspiel seit Jahren.

* Der Titel war übrigens “Das kleine Glück oder da müsste mal was gemacht werden” – ich persönlich hätte ja “Meister Söder und sein Dusel” besser gefunden. Aber mich fragt ja wieder keiner.

Kann mir bitte jemand das Wasser reichen?

Ein trüber Tag im März. Im Wasser dümpeln die Grauköpfchen. Da… Hörst dus? Die Wassermusik erklingt. Wie? Nein, nicht Händel. Harpo. Das gefühlt seit 100 Jahren nicht mehr gehörte One-Hit-Wonder. Moviestar. Oh Moviestar, wenn du wüßtest…

Die Grauköpfchen sind aufgeschreckt. Wie ein Mann hasten sie wellenschlagend und wasserspritzend in ihre Reviere, bereit, sie gegen alles zu verteidigen, was nur entfernt nicht wie der eigene Schwarm aussieht. Sie entblöden sich nicht mal, nach den Außenseitern zu schnappen und sie mit den Worten “Hier ist fei der Stammtisch” zu verjagen.

Herrje, sind die Wasserweiber hierzulande bösartig. Gebt mir meine dicken kalifornischen Damen wieder…

Ein Nachmittag im Museum der Phantasie

Die Zeit verfliegt und es geht schon wieder straff aufs Wochenende zu, dabei habe ich doch noch gar nicht vom letzten Samstag und unserem Ausflug ins Buchheim-Museum erzählt.

Ich bin da gerne. Ganz egal, wie grau der Himmel und wie kalt der Wind, die Seelandschaft ist immer wunderschön und das Haus allein schon eine Augenweide. Angefangen haben wir, wie immer, bei den Expressionisten. Und weil das Buchheim-Archiv groß ist und die Spender und Leihgeber großzügig, hängen dort zwischen den alten Bekannten immer neue Exponate, so dass man, auch wenn man schon oft dort war, nie dieselbe Ausstellung sieht.

Sonderausstellungen gabs auch. Zum einen Skulpturen und Skizzen von Karen Müller “Auf der Bank”, zum anderen Otto Dix und Max Pechstein, “Der Erste Weltkrieg in Bildern”. Beide auf ihre Weise sehr schön und beeindruckend. Mit beiden war ich unglücklich. Warum müssen die Radierungen und Aquarelle der Herren Dix und Pechstein so dermaßen eng im furchtbar schlecht beleuchteten Kellerkammerl gehängt werden? Dixens Radierungen sind sehr fein detailliert, aber man muß förmlich in die Drucke hineinkriechen, wenn man eben diese Details erkennen will. Nicht gut.

Mit Frau Müller ist man fast noch übler verfahren. Das erste Exponat steht/hängt recht verloren im Gang vor dem eigentlichen Ausstellungsraum ganz hinten im Erdgeschoß, und ein weiteres steht/hängt vor einer farblich nicht passenden Wand zwischen zwei Türen arrangiert, bei denen einen nur wundert, warum darauf nicht “Damen” und “Herren” steht. Das geht doch anders. Da muß man halt mal ein paar kunstgewerbliche Gegenstände aus der Sammlung Buchheim kurzfristig in den Keller verbannen und dafür der Kunst Raum geben.

Nein, Ausstellungsverantwortliche, damit habt ihr den Künstlern einen Bärendienst erwiesen.

Die “Milchfrische Division” sucht…

Sachbearbeiter Milcherfassung (m/w/d)

Milch-Mission

Werte Stellenangebotsgestalter*innen, gestattet mir ein paar Fragen?

  1. Sollte das nicht korrekterweise Ihre Milch-Mission heißen?
  2. Sind Kühe in diesem Kontext mehr interne oder eher externe Stakeholder?
  3. Bitte sagt mir, dass das entsprechende SAP-Modul Milchmädchenrechnung heißt. Bitte.

Doch, Wecker: Genug ist genug!

Irgendwem da oben sitzt grad irgendwas gewaltig schief. Schmeißt mit dicken Schraupeln und Schnageln nach den armen Menschlein da unten und kriegt gar nicht genug vom Schnee- und Nochmehrschneetreiben. Sagamal du Depp, habts ihr bei dir daheim keinen Kalender?

Nicht? Dann schau in deinem Himmelsgoogle einfach nach Equinox. Und dann schleichst di.

Och nööö!

Schnee? Echt jetzt?

Und alles bloß, weil ich gestern zu faul war, die Wintersachen zu verräumen? Kommt nie wieder vor, großes Winterhasserehrenwort!

Appell

Wenn ich morgens aufwache, reicht mir selbst ohne Brille das bißchen Helligkeit im Schlafzimmer (keine Gardinen), um zu wissen wie spät es ist. Mit einer Abweichung von maximal plus/minus 10 Minuten.

Wäre es nicht herrlich, wenn schon dieses Mal das letzte Mal wäre, dass meine innere Uhr wieder mindestens eine Woche lang in einen verwirrten Taumelzustand geräte und diese dumme Uhrumstellerei auf dem Müllhaufen der Geschichte landete?

In der Nacht zum 31. März beginnt die Sommerzeit.

Hätt’ ich doch, ach, Theologie studiert

Theologie2

Dann würde ich vielleicht irgendwann herausfinden, was ein “Pastoraler Zukunftsweg” ist, wofür man da eine Referentin braucht und warum “Vollzeit” in der katholischen Kirche mit “Beschäftigungsumfang von 100%” übersetzt wird.

Nimmer ganz neu im Kino: “Mary Poppins Returns”

Es soll Kritiker geben, die einen Film nur ansehen, um ihn dann ordentlich zu verreißen. Ich ja nicht so, dafür ist mir meine Zeit viel zu schade. Außer wenn es um Mary Poppins geht, dann ist das ganz anders. Ich bin Puristin. Walter Disney und seine Company hingegen? Schmutzfinken. Böse kommerzgetriebene Ignoranten.

Nachdem wir das gekärt hätten, ein kurzer historischer Abriß: Die erste Verfilmung aus dem Jahre 1964 mit Julie Andrews und Dick van Dyke (wobei die Frage schon damals war, wieso braucht Mary einen Dick?) war eine Frechheit*. Verkleistert mit Wagenladungen bunten Zuckers (merkt wer, wie geschickt ich die “spoon full of sugar”-Unsäglichkeit weitergesponnen habe?) und bis oben hin zugestopft mit dem, was Autorin P.L. Travers explizit ablehnte, nämlich Animationsfilmsequenzen (ihrer Zeit entsprechend. Also nach heutigen Sehgewohnheiten billig und ungelenk). Außerdem Musikeinlagen. Ms. Travers, die im Gegensatz zu mir eine Dame ist und etwas von Contenance versteht, hat sich offensichtlich nach ihrem anfänglichen Entsetzen gefangen und bemerkte zur Verfilmung einige Jahre später nur, dass sie gelernt habe, damit zu leben. Es sei ja auf seine Art ein recht netter Film geworden, habe aber halt mit ihren Büchern nicht viel zu tun. (“I’ve seen it once or twice, and I’ve learned to live with it. It’s glamorous and it’s a good film on its own level, but I don’t think it is very like my books.”) Weniger höflich, aber dafür sehr deutlich, hat sie in ihrem Testament festgelegt, dass Disney nie wieder Hand an die Figur legen darf. Man sollte seinen Erben nie trauen.

Über die zweite Verfilmung läßt sich exakt dasselbe sagen. Der Film ist perfekt. Und “glamorous”. Und bunt. Und er hat mit den Büchern nichts zu tun. Ungefähr alle Viertelstunde singt wer mit perfekter Stimme, meist wird dazu auch perfekt getanzt, oft in größeren Gruppen oder gar kombiniert mit perfekten Animationssequenzen (der hyperschlaue Kutscherfuchs “Shamus the Coachman ” gesprochen von Chris O’Dowd, Mensch) und unter Einsatz von viel CGI. London im “Slump” (Krise) zum Beispiel. So “dickensian”, dass Mr. Charles Dickens sich eine Scheibe davon hätte abschneiden wollen. Gaslaternen, Kopfsteinpflaster, Näaäbel (so dicht, da reicht ein einzelnes “Nebel-E” nicht) und Elend. Perfektes Elend, aber hallo! Frauen und Mädchen in Kittelschürzen, Jungs in kurzen Hosen und Kniestrümpfen, Männer mit Hosenträgern und Schiebermützen und alle mit Schmutz im Gesicht, wg. arm. Aber, trotz Hunger, Armut, Schmutz und Elend, immer ein Lied auf den Lippen und einen Tanz in den Füßen. wg. Disney.

Ms. Poppins selbst wurde für diese Fassung offensichtlich einer Gehirnwäsche unterzogen. Wenn sie den Banks-Kindern den Tod ihrer Mutter erklärt, mündet das in der Behauptung, man habe die Mama, wie alle die guten Dinge im Leben manchmal, nur “verlegt” (“misplaced”). Aber es wird schlimmer: Im luftigen Babylon-London-Kostümchen singt sie im Zirkus (!!) zweideutige Vaudeville-Nümmerchen und schwingt dazu die Beine. OMG, Disney hat aus der strengen Nanny eine frivole Moulin-Rouge-Tanzmaus gemacht! Doch damit nicht genug, die neue Mary Poppins liebt Nervenkitzel, geht Schwimmen, Tauchen, Rad- und Kutschefahren – eigentlich fehlt nur noch die Tamponwerbung. Um noch einmal Ms. Travers zu zitieren: “I don’t think it is very like my books.” Very much überhaupt gar nicht! Aber immer, wenn man glaubt, dass es nimmer schlimmer werden kann, dann geht das in diesem Film doch: in der Kurz-vor-Schluß-und-alles-wird-gut-Szene lassen sie den 93-jährigen Dick van Dyke auf dem Tisch tanzen.

Kann man an der neuen Verfilmung denn gar kein gutes Haar lassen? Doch. Zwei sogar. Gleich zu Anfang gibt es eine Szene, in der Marys Spiegelbild Mary nachsieht. Das ist ein Zitat aus dem ersten Film, aber trotzdem, Hut ab vor Emily Blunt und all dem, was sie in diesen Blick legt. Das zweite gute Haar ist Meryl Streep. Die könnte einen Mettigel spielen und man sähe darin den Höhepunkt des globalen kulinarischen Schaffens aller Zeiten. Hier nun gibt sie Topsy Turvy, Marys Kusine 2. Grades, deren Welt an jedem 2. Dienstag auf dem Kopf steht. Hach! Hach! Und Hach im Quadrat!

Aber was sind schon zwei winzige Lichtblicke in einem Film, der auf seine Art nicht übel ist, aber halt mal mit Mary Poppins nichts zu tun hat? Ich hoffe, sie lassen bei Disney jetzt endlich die gierigen Grabschfinger von ihr.

 

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