Wahrscheinlich suchen die Moderator*innen für ihren Home-Shopping-Kanal. Für das Segment Feinripp…
Traumjob
Biergartenleiterassinsten/in
Aufgabe: Durchführung der monatlichen Getränkeinventuren
(wobei Überschüsse offensichtlich umgehend wegzutrinken sind)
Merke: Das Verfassen von Stellenanzeigen sollte unbedingt vor der Inventur erfolgen. Unnsbeddingst!
So viele Fragen
- Sind Sie ein Sympateamträger? (Von mir aus. Sobald ich weiß, was das genau sein soll.)
- Machen Sie mit Haut und Herz Karriere? (Auch das. Mit jedem Organ, das die Anatomie kennt.)
- Möchten Sie Ihrer Leidenschaft nachgehen und Ihre Fußabdrücke hinterlassen? (Einen Fußabdruck, auch mehrere. Merke: nicht jede Übersetzung aus dem Englischen haut im ersten Anlauf hin.)
- Bringen Sie fließender Deutsch- und Englischkenntnisse in Wort und Schrift mit (ich schon) und sind neugierig an neuen Themen? (An, auf, über, unter, neben… was immer.)
- Die erste und wichtigste Voraussetzung ist: Es würde Sie nicht stören für Anwälten (w/m/d) in einer internationalen Wirtschaftskanzlei zu arbeiten. Sie stört es auch nicht andere Tätigkeiten in Vollzeit auszuführen. (Na gut. Wenn’s gar nicht anders geht. Dann halt Leistung gegen Geld. Sogar für Anwälten.)
Wer die Fragen bejahen kann, dem werden folgende Belohnungen verheißen:
- Ein ansprechendes Gehalt und weitere „Goodies“. (Ich hatte ja ein Gehalt bis dato immer als Entlohnung für geleistete Arbeit verstanden und nicht als extra Leckerli. Aber was weiß ich schon?)
- Ein eigenes Alpen-Bistro für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
- Lauf- und Workout-Gruppen, Skitage
- Unternehmenseigene Berghütte exklusiv für Mitarbeitende.
Ehring sprach in seinem Kabarettprogramm von den Fähigkeiten mancher Menschen, ihre Life/Life-Balance ausgeglichen zu halten. Da kommt so ein Alpenbistro mit Skilager doch grad recht, oder?
Wie immer: was kursiv gedruckt steht, ist wörtlich aus Stellenanzeigen übernommen.
Die Lümmel von der letzten Bank
Dienstag, High Noon im Stäblibad. Heute turnt Carola vor. Carola ist nicht mehr die Jüngste und war ganz gewiß nie die Schlankste und sieht daher von ekstatischem Rumgehample und -gespringe ab. Stattdessen arbeitet sie sehr aufmerksam, fast möchte ich sagen achtsam (wenn mir nur diese Reha-Trulla dieses Wort nicht so dermaßen verdorben hätte), sehr kleinteilig. Jedes arthritische Knöchelchen kommt mehrfach dran. Die Zielgruppe kann sich glücklich schätzen, jemanden wie Carola zu haben. Ich mag Carola.
Müßig zu sagen, dass der Stammtisch der Bösen Wasserweiber vollkommen anderer Ansicht ist. Sie hassen Carola. Und was tun sie? Statt a) entweder mitzumachen oder b) es halt sein zu lassen, entscheiden sie sich für Variante c). Stellen sich zu fünft mit verschränkten Armen in einer Reihe ganz hinten auf, kurz vor der Linie, wo das Nichtschwimmerbecken endet und der Boden abschüssig wird und sind dagegen. Mit erhobenen Stimmen tun sie einander kund, wie blöd sie diese und wie schwachsinnig sie jene Übung findet. Und das Schwimmbad tut, was ein Schwimmbad tut und trägt den Schall. Nach vorne, da wo Carola ganz sicher jedes Wort mitbekommen muß und Boney M kaum mehr eine Chance haben, den Takt zu halten. Man meint förmlich zu sehen, wie gelbe Giftschwaden durch die ohnehin schon chlorgeschwängerte Luft ziehen.
Ungefähr zur Halbzeit bläst die Rädelsführerin zum Abzug unter Protest und sie verlassen laut, sehr laut, das Becken, um für den Rest der Stunde am Rand zu stehen, und alle anderen, die das Programm nicht ungern mitmachen, mit verkniffenen Gesichtern zu beobachten. Fühlt sich an, als hätten sie vor, später bestmögliche Beschreibungen für den Polizeizeichner abgeben zu wollen. Was müssen diese bösen Weiber für armselige Leben führen, wenn ihnen so ein beschissenes Mobbingverhalten Erfüllung bietet? Die arme Carola, die denen ins Fadenkreuz geraten ist.
Lieber Gott, ich brauche sonst nichts, aber bitte, lass mich nie so werden. Danke, Amen and Out.
Grad mach ichs Maul zu…*
Halloho? Einen blogpost vorher red ich von Timing und dann ist auf amal draußen Schneetreiben? Spinnt ihr jetzt alle?
Frühling, hey! Blaues Band und so. Nix Flöckchen, Weißröckchen! Jetzt reißt euch aber mal am Riemen!
* “Grad mach ichs Maul zu…” ist eine sehr sehr sehr schwäbische Redewendung und bedeutet im Hochdeutschen ungefähr, dass man sich soeben den Mund fusselig geredet hat, um jemand anderen von irgendeinem Unfug abzuhalten und nun Zeuge wird, wie er genau das gerade erst recht tut. Beispiel: “Grad mach i’s Maul zua. Und jetztad? Langt der Seggel voll auf die hoiße Herdblatta no.”
It ain’t you, Babe
Gute Personaler/innen machen sich bei Absagen an Bewerber/innen viele Gedanken. Wie formuliere ich das Schreiben, damit der Mensch am anderen Ende nicht vollkommen demotiviert die Flinte ins Korn wirft und hinfort im schmuddeligen Feinrippunterhemd RTL2 glotzt? Ich kenne das Thema von der anderen Seite des Schreibtisches und habe oft genug an den Formulierungen gefeilt. Freundlich, wertschätzend, ermutigend, so, dass das Unternehmen dem/der Angeschriebenen gut in Erinnerung bleibt. Aber halt trotzdem “Du nicht”?
Das ist nicht leicht und gelingt den wenigsten gut. Meist liegt es daran, dass schon die gängigen Vorlagen unzulänglich sind. Der Job wird nicht einfacher, wenn man aus Angst vor Diskriminierungsklagen nicht ehrlich sagen kann/will/darf, warum der/die Kandidat/in nicht in die engere Wahl gekommen ist. Früher konnte man wenigstens noch einen Trostpreis in Aussicht stellen, indem man vorgab, man werde den Lebenslauf in den “Bewerberpool” aufnehmen, und bei einer geeigneten Position proaktiv auf den/die Bewerber/in zukommen. Geht aber seit Inkrafttreten der DSGVO aus Datenschutzgründen nimmer.
Viele Unternehmen lösen das Dilemma damit, dass sie keine Rückmeldung geben, nach dem Motto “nix xagt isch gnug abgxagt”. Andere nutzen die oben erwähnten Vorlagen, einige wenige geben sich sichtlich Mühe und manche verbiegen dabei die deutsche Sprache zu Formulierungen, dass einem beim Lesen die Plomben schmerzen. Es ist halt so: Nein bleibt Nein. Egal wieviel Schleifchen man darum bindet.
Was übrigens auch gerne unterschätzt wird, ist das Timing. Personaler/innen dieser Welt versetzt euch in die Lage eures Gegenübers und nutzt eure berufsbedingte Empathie. Will heißen: schickt die Absagen für die Woche am Freitagnachmittag raus. Es ist für den Menschen am anderen Ende allemal besser, mit der Information ins Wochenende gehen und die Zeit zum Weitersuchen zu nutzen, als am Montagmorgen zwischen 08:00 und 09:00 Uhr drei Neindankeschreiben nacheinander aufpoppen zu sehen.
Wo ist gleich nochmal mein Feinrippunterhemd?
In der 3SAT-Mediathek: Deutscher Kleinkunstpreis 2019
Preisträger Christian Ehring (Sparte Kabarett), den ich bisher nur von der Heute-Show kannte, hat wirklich was drauf. Dota (Sparte Chanson/Lied/Musik) ist zwar noch sehr jung, reimt aber schon wie ein ergrauter Liedermacher, dass “Grenzen nicht aus Stacheldraht, sondern aus Respekt” bestehen sollten und beamt einen schlagartig in die Siebziger zurück. BlöZinger (Sparte Kleinkunst) kennt eh jeder, der hier ab und zu reinliest (https://flockblog.de/?p=37054). Lara Stoll (Förderpreis der Stadt Mainz), eine noch sehr junge Slammerin, hat mich total begeistert. Auf die sollte man ein Auge haben. Zum krönenden Abschluß (und das meine ich so) bekam Dr. Kurt Ostbahn (Willi Resetarits) den Ehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz und trug mit seine A-Capella-Combo Liedgut in burgenlandkroatischer Sprache vor.
Doch, damit kann man sehr zufrieden sein. Ein hübscher Abend, von Urban Priol nett moderiert.
Ist noch in der Mediathek und lohnt das Reinschauen!
Gelesen: Andreas Eschbach – “NSA”
Das Buch behandelt ein Gedankenexperiment, nämlich, was wäre gewesen, wenn die Nazis bereits über Computer- und Informationstechnologie verfügt hätten, die mindestens auf dem heutigen Stand ist. Nun, der Computer hätte Komputer geheißen, das World Wide Web Weltnetz und ein Paßwort wäre eine Parole gewesen, Bargeld abgeschafft, das Votel (Volkstelefon) neben seiner Funktion als Kommunikations- und Zahlungsmittel ein immerpräsenter Peilsender und ein jeder Mensch vollkommen transparent für den Du-bist-nichts-dein-Volk-ist-alles-totalitären Staat. Soweit, so brillant.
Mir sind in der Zeit in Amerika ein paar Eschbachs entgangen, der letzte, an den ich mich als gelesen erinnern kann, ist “Ausgebrannt”. Nun also “NSA”(die Abkürzung steht für “Nationales Sicherheits-Amt”). Wieder ein ganz typischer Eschbach. Die Idee einfach hinreißend. Die Verknüpfung historischer Fakten mit Dytospie großartig. Die Sprache klar, die Vermittlung komplizierter Sachverhalte gelungen, der Schreibstil flüssig und mitreißend. Aber.
Eschbach kann einfach keine Menschen. Seine Figuren bleiben holzschnittartig, für die (wahrscheinlich vom Verlag als auflagenerhöhend eingeforderten) Sexszenen möchte man sich auch nach dem x-ten Buch noch immer fremdschämen und wieder hat ihm niemand im Lektorat gesagt, dass auch dieses Buch besser geworden wäre, wenn um ein Drittel des Textes gekürzt. Er beginnt furios, dann folgt eine viel zu lange Rückblende, in der er, um im Bild zu bleiben, an den Biographien der Protagonisten herumschnitzt. Im letzten Drittel zieht er noch einmal alle Register und klittert sich die Weltgeschichte zurecht. Das ist dann wieder Holla!
Zum Ende der 800 Seiten löst er die Geschichte seiner Hauptfiguren auf. Das Schicksal der Frau erschließt sich mir nicht recht, dafür ist das des Mannes sehr schön perfide gelöst. Ein echter Eschbach halt.
Soll man des lesen? Ja. Sollte man.
Kindermund
50+x-Geburtstagsfeier. Einige Gäste haben ihren Nachwuchs mitgebracht, alles Einzelkinder. Da die drei Mädchen und der Knabe einander schon lange kennen und inzwischen so um die 12, 13 Jahre alt sind, beschäftigen sie sich im wesentlichen friedvoll mit sich selbst und die Erwachsenen können in Ruhe feiern.
Gegen Ende des Abends, im allgemeinen Aufbruch, erkundigt sich der Vater bei seinem Sohn, wie das denn nun gewesen sei, als einziges männliches Wesen bei weiblicher Überzahl. Der Sohn darauf: “Ach, Papa, lief heute soweit normal. Aber frag’ mich das in zwei Jahren noch mal…”
Nun frage ich mich: ist der Bub nun altklug oder doch eher frühweise?
