Ich weiß nicht recht, wann es passiert ist, aber für mich hat Game of Thrones sein Haltbarkeitsdatum überschritten. Es ist mir inzwischen totwurscht, wer lebt, wer stirbt und wer grad mit wem schläft. Möge auf dem grundhäßlichen Eisenthron zum Schluß sitzen, wer mag – ich denke, mir reicht es, davon am nächsten Morgen in den Recaps zu lesen…
Gestern in der Unterfahrt: Buffzack
Es klang nach einer interessanten Instrumentierung: drei Blechbläser (Andreas Unterreiner (Trompete/ Flügelhorn), Lukas Jochner (Posaune) und Florian Mayrhofer (Tuba)) und ein Schlagzeug (Sebastian Wolfgruber).
War nett. Keine Auffälligkeiten, keine Improvisationen, kein schräger Ton. Quasi Safer Jazz.
Gelesen: Paolo Bacigalupi und Tobias S. Buckell – “The Tangled Lands”
Rings um das Schloss aber begann eine Dornenhecke zu wachsen, die jedes Jahr höher ward, und endlich das ganze Schloss umzog und darüber hinauswuchs, dass gar nichts davon zu sehen war, selbst nicht die Fahne auf den Dach. … Die Dornen, als hätten sie Hände, hielten fest zusammen, und die Jünglinge blieben darin hängen, konnten sich nicht wieder losmachen und starben eines jämmerlichen Todes.
Bacigalupi und Buckell haben mit “Tangeled Lands” ihre Version des Dornröschen-Themas abgeliefert. In vier lose miteinander verwobenen Kurzgeschichten erzählen sie vom lange untergegangenen prächtigen Reich Jhandpara, in dem jede/r seinen Alltag mit ein bißchen Zauberei schöner, leichter und lebenswerter machte. Bis der/die/das “Bramble” kam, ein undurchdringliches dorniges Dickicht, das sich von Magie ernährt. Felder, Dörfer, Städte, Reiche überwuchert und verschlingt und Menschen mit seinen giftigen Stacheln tötet. Ihre Fantasy-Geschichten sind Parabeln von Macht, Politik, Religion und deren Vehikel wie Fremdenhaß und Terror und sollten bei Gelegenheit gelesen werden.
Neues vom Auslandskorrespondenten
Der Auslandskorrespondent hat jüngst einen Online-Kurs bei seinem amerikanischen Arbeitgeber absolviert. Um sich und uns eine Freude zu machen, hat er als Kurssprache seine Muttersprache gewählt und ist dabei auf allerliebste Begriffe gestoßen, wie zum Beispiel:
- Volkszahlungsfunkfeuer
- Angereiztes Browsing
- Ungueltige Verkehrsbriefing
Das erste heißt im Original wohl “census beacon”, für die nachfolgenden beiden werden noch Wetten angenommen. Der schönste Vorschlag bekommt einen Preis.
a-changin’
Falls noch Zweifel bestanden haben sollten, dass der Klimawandel längst Realität ist, dann sollten sie spätestens heute angesichts dieser Ankündigung beim Bäcker in der U-Bahn ausgeräumt worden sein:
Unsere Osterspezialität – Zwetschgendatschi wie bei Mutter’n
(Die Apostrophunfähigkeit des Einzelhandels dürfte eh schon längst als unumstößliche Tatsache feststehen.)
Vom Älterwerden
Neulich, ich weiß aber nimmer wo, gelesen, wie ein Herr feststellt, dass er auf einmal nicht mehr der Jüngste ist. Sehr schön gefunden:
“How is it I went to sleep Han Solo and woke up Obi-Wan Kenobi?”
Swere Sprak
Wie ich soeben lese, bietet ein Unternehmen auf Mitarbeitersuche als Sozialleistung eine Bilinguale Kindergrippe an.
Gehe ich richtig in der Annahme, dass dort “Hatschi” in allen gängigen Sprachen unterrichtet wird?
Neu in der Lach- und Schieß: Constanze Lindner ist Miss Verständnis
Miss-Wahlen. In Schwabing. Und weil ja heutzutage überall an allem gespart wird, finden am Freitagabend gleich mehrere, ach was, alle, statt. Gekürt werden die Miss Verständnis, die Miss Geburt, die Miss Erfolg, die Miss Muschel (vom Fischereiverband), die Miss Trauen, die Miss Lungen und alle Titel gehen gleichermaßen an Constanze Lindner und nein, das ist keine Sparmaßnahme. Selbstverständlich nicht. Also bitte. Man möchte keine der Missen missen müssen.*
Constanze ist eine omnipräsente Naturgewalt. Wer hätte je eine Künstlerin erlebt, die schon den in der Kassenschlange Anstehenden ein morgenmoderatorfröhliches “Hallo und Willkommen” zuruft und sich vor Beginn der Vorstellung durch die dicht gefüllten Reihen schiebt, und so gut wie jede/n mit einer herzhaften Umarmung und vielen Küssen in ihr Programm aufnimmt? Hmmm? Diese Künstlerin liebt ihr Publikum nieder. Handke hat ja keine Ahnung!
Ohne Atempause und nur mit allerschnellsten Requisitenwechseln (Kopfpütze) bevölkert sie die Bühne mit einem Universum schräger Frauen. Ein altes bösartiges Weib, von der ich vermute, dass Helmut Schleich die Fee an der Wiege war, desweiteren die grünbemützte Cordula “Dieses Gebiss” Brötke, die angeblich an Helga Feddersen angelegt sein soll, aber vor allem bei ihrem erste Auftritt eine Homage an Regisseurin Gabi Rothmüller ist und eine Fitneßtrainerin, die im Sinne des “Aerobischen Eids” agiert, agitiert und mir allerhöchste Bewunderung abnötigt. Nach deren sehr intensivem Auftritt mit vollem Körpereinsatz transiprieren Frau Lindner zwar leicht, haben aber offensichtlich überhaupt keine Atemprobleme. Hut ab! Bei dem Kalorienverbrauch hat sogar manche/r im Publikum ein paar Gramm abgenommen und schnauft etwas schwer… Aber wer wird sich in Negligéedenken ergehen?
Dann ist Pause und ich fühle mich, als hätte man mir mehrjährig mindestens zwei Überdosen Ritalin pro Tag zugeführt und leide an starker Reizüberflutung – und das nur vom Zuschauen. Constanze ficht das nicht an. Die brettert weiter mit ihrem Kreuzfahrtschiff nach Zalando mit einer Schleife über den Gesamt-BMI am Strand von Rimini, kennt Augenaufschläge, die ganze Landfrauenverbände in Paarungsbereitschaft versetzen, und spricht selbst bei einer breiten Auswahl an Bestattungsoptionen nicht schlecht von Toten. (Nilrisibisi und so…) In einem atemberaubenden Tempo verknotet sie am Ende der Vorstellung alle losen Fäden, bricht in einen finalen Countryjodler aus und hat nebenher einen Herrn aus dem Publikum als Tourbegleiter angeheuert. Meine Fresse! Halt, richtig, da war was: ich wollte ja auch einmal wieder Luft holen.
Constanze kann alles. Singen, Tanzen, Fee, mit Kopfsprung und doppeltem Salto von einer Rolle in die andere springen und hat wahnsinnig viel sehr Lustiges zu sagen. Tut es auch. Reschbeckt! Darauf einen Mohr im Schafspelz!
Die Samstagsvorstellung ist schon ausverkauft, aber man merke sich den 17. September im Lustspielhaus vor. Da kommt sie wieder und sollte gesehen werden. Unbedingt!
Nachtrag: So sehr es mich freut, dass die Menschen so dermaßen in die Vorstellung gedrängt haben: die ausverkaufte Lach- und Schieß hat doch sehr viel von einer Legebatterie. Von einer Legebatterie, in der man sich nichts mehr wünscht als stark anorexische Mithühner.
* Wenn mir doch eine Miss durchgerutscht sein sollte, bitte ich um Verzeihung. Bei so vielen Missen missed man möglicherweise auch mal eine.
Gelesen: Wilhelm Genazino – “Ein Regenschirm für diesen Tag”
Im Rahmen eines Buchaustauschprogramms zwischen Niederbayern und München ist neulich “Ein Regenschirm für diesen Tag” von Wilhelm Genazino bei mir gelandet. Natürlich hatte ich von Genazino gehört und auch immer vorgehabt, endlich mal was von dem allseits hochgelobten Autor zu lesen, aber dann war dies und dann ist wieder das dazwischengekommen und… kurz, ich kannte bisher nichts von ihm.
Das ist ungeheuer schade, denn er schreibt so wundersame Sätze wie “… ein Gefühl, das ich oft habe: Daß ich ohne meine innere Genehmigung auf der Welt bin.” und “Früher konnte ich damit aufhören, mein Leben zu verdächtigen, sobald ich die Wohnung betrat.” und “Auch dann, wenn man Ärmel an Ärmel mit anderen Menschen lebt, braucht man die Unangefochtenheit eines Mönches.” und “Ich frage mich, ob ich selbst winterhart bin. Ich bin es nicht, im Gegenteil, zur Winterhärte hat mir immer viel gefehlt, ich bin ja nicht einmal sommerhart.”
Sein Protagonist schlendert, während er solche Sätze denkt, müßig durch Raum und Zeit und man geht ein wenig fassungslos neben ihm her. Warum sollte einen das interessieren? Und stellt dann zur eigenen Verblüffung fest, wie überaus faszinierend diese Alltagsbeobachtungen sind und wie klarsichtig in Worte gegossen. Und geht noch ein Stückchen mit. Und noch eins. Oops. Da ist das schmale Bändchen auch schon zu Ende. Schade eigentlich.
