… das Mützle gibts ja auch in hübsch.
Gelesen: Sandra Newman – “The Country of Ice Cream Star”
Vorrede: So ein tolles Buch! So ein tolles einzigartiges großartiges Buch! Ich freue mich ja immer, wenn ich eine Rezension mit den Worten anfangen kann, dass ich dergleichen noch nie gelesen habe.
So etwas habe ich noch nie gelesen. Die Geschichte spielt in einer nicht zu fernen Zukunft in Amerika. Die Schreckensprophezeihungen sämtlicher White Supremacists sind wahr geworden: die Überlebenden einer schrecklichen Seuche vor ca. 80 Jahren sind alle PoC in diversen Schattierungen, organisiert in, in Ermangelung eines besseren Wortes, unterschiedlichen Stämmen und mit dem Fluch geschlagen, spätestens mit 18 an einer Lungeninfektion mit bösem Ausschlag zu erkranken, die spätestens mit 20 tödlich verläuft. Die Erzählerin und Chronistin dieser Gesellschaft ist die fünfzehnjährige Ice Cream Star.
Eine kluge Kämpferin, empathisch, fix im Denken und im Tun. Newman ist mutig und gibt ihrer Ich-Erzählerin eine ganz neue Sprache. Durch die ersten Seiten muß man sich lesend kämpfen; es gibt keine Stützräder, kein Glossar, nichts. Es dauert aber nicht lange, dann steht man mit atemlosen Staunen vor der Sprachgewalt und der Poesie, die sich hier auftut. Vor diesem seit einigen Generationen unbeschulten Geschöpf, das einen voll und ganz einnimmt.
Ich könnte stundenlang berichten, wie Newman die Strukturen dieser postapokalyptischen Gesellschaft beschreibt, wie die junge Heldin zu einer “Quest” aufbricht, um eine Medizin gegen die zerstörerische Krankheit zu finden, wie sie liebt und kämpft. Mache ich aber nicht. Bitte bitte selber lesen. Gegen Ende ist Newman ein bißchen zu verliebt in ihre Kriegsszenen, die hätte ich gekürzt. Aber sonst? Große Bewunderung! Große Begeisterung!
Die deutsche Übersetzung wird sehr gelobt, das englische Original ist hinreißend. Und jetzt nicht mehr rumtrödeln, sondern lesen! Lesen! Lesen! Lesen!
2020 ist bis jetzt kein wirklich gutes Jahr
Da! Du Jahr!
Jetzt haben wirs dir aber gezeigt!
For Blaise. Again.
“Schau doch”, sagt eine Freundin voller Begeisterung und zeigt mir ein Handyfoto. “Das bin ich. Und der See. Da war sonst nur ein einziger anderer Badegast. Nichts los. Keine Amokläufer im OEZ, kein Wurmbe-, kein Chemieunfall. Einfach nur ein See für mich.” Sage ich noch, dass es bei mir auch ganz einfach war, ein Ticket für Sonntag im Schwimmbad zu buchen und denke so bei mir, dass vielleicht doch viel mehr Münchener weggefahren sind, als man so glaubt.
Kann berichten: sie sind alle da. Alle! Der Parkplatz und die umliegenden Autoabstellabmöglichkeiten am Schwimmbad waren so kreuz und quer und unter Ausnützung aller illegalen Optionen vollgestellt, dass ich mein Fahrzeug erst 20 Fußminuten entfernt in einer Seitenstraße loswerden konnte. Verschwitzt und durstig bekomme ich mit meinem Barcode zwar Einlaß, aber meine hoffnungsfrohen Visionen von leerer Liegewiese und leerem Becken bleiben, was sie waren. Visionen. Unter lauter bunten Handtuchlagern ist kein Rasengrün sichtbar. Everybody and their brother rennen und springen durcheinander, stehen ratschend und untenrum kühl an den Treppen im Pool und verstopfen mir Zugänge zum ersehnten Wasser. Angesichts dessen versuche ich gar nicht erst, mein Handtuch irgendwo auszubreiten, stelle nur kurz meinen Rucksack ab, mogele mich, unter Mißachtung von Hygieneabständen (wie auch, überall tummeln sich badebehoste Hitzeflüchtlinge), an den Massen vorbei ins Wasser, schwimme um viele viele platschende Menschen herum ein paar Bahnen und verlasse diese Stätte wieder.
Durstig und verschwitzt komme ich beim Auto und eine knappe Viertelstunde später wieder daheim an. Man sollte wirklich unter der Woche mehr Tagesfreizeit haben und bei Visionen den Empfehlungen des Altkanzlers folgen.
Suburban Housewives*…
* … also dieser irrsinnige Stepford-Wives-Archetyp, den 45 wohl im Sinn hat, wenn er davon spricht, dass die Frauen aus den Vorstädten ihn wählen würden, weil Joe Biden ihnen nämlich schwarze Plünderer und Vergewaltiger auf den Hals hetzt, sind auch nicht mehr, was sie mal waren. Sie stehen auf und wehren sich gegen dieses alberne sexistische und rassistische Szenario. Pars pro toto: das suburbanste Housewife von allen, Marjorie Jacqueline Bouvier-Simpson, aka “Marge”.

Ganz vorsichtig, Virus
Bisher hat man sich nolens volens mit dir arrangiert. Aber wenn sich wer am geheiligten Bierpreis vergreift, dann gehts ihm in Bayern an den Kragen…

Göttliches Amüsemang*
Gestern Abend noch schnell einen Einkaufszettel geschrieben, heute früh Tasche und Portemonnaie geschnappt, Schuhe und Maske angezogen, nach unten gefahren und dann angesichts der menschenleeren Straße ziemlich zeitgleich mit dem freudigen Gedanken “ui, ist ja gar nix los” realisiert, dass heute Feiertag ist. (Für Auswärtige: es handelt sich um Mariä Himmelfahrt. In Bayern ist das ein Grund, nicht zu arbeiten.) Eigentlich mein Lieblingsfeiertag, dieser Extratag mitten im August. Wenn er nicht gerade auf einen Samstag fällt. Wir sollten hierzulande wirklich langsam mal das eine gute Ding aus Amerika einführen, dass arbeitsfreie Tage einen festen Tag zugewiesen bekommen (erster Dienstag im April etc.).
Okay. Dann wird mein schiefer Brillenbügel eben nicht vom Fachmann beim Optiker gerade gebogen, der lange aufgeschobene Besuch beim Friseur bleibt auch aus und ich bin der Verpflichtung ledig, mich durch die kiloschwere Wochenendausgabe der Süddeutschen zu studieren. Eigentlich Yipppiiieeekayey, dann bleibt mehr Zeit für das wunderbare Buch**, das ich gerade mit großem Genuß lese. Andererseits kann ich aber auch nichts besorgen, was den Beinamen “Frisch-” trägt. Keine Milch, kein Brot, kein Obst, keine Wurscht, keinen Käse. Hmmm.
Man muß sich keine Sorgen um mich machen. Ich führe einen Schwäbische-Hausfrau-Haushalt. Schwäbische Hausfrauen haben ein Prepper-Naturell. Was in deren (und meinen) Standards als Mangelzustand gilt, ist bei normalen Menschen eine Die-Vorratsschränke-(ja, Plural)-nach-Großeinkäufen-(ja, Plural)-gesteckt-voll-und-in-den-nächsten-Wochen-nicht-mehr-einkaufen-müssen-Situation.
Werde ich wohl dieses Wochenende die heiligen Für-den-Notfall-Vorräte angreifen und für 2 (zwei) Tage auf Tomate-Mozzarella-Entzug gehen müssen.
* Frei nach Blaise Pascal – “Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen”.
** “The Country of Ice Cream Star” von Sandra Newman. Mehr dazu, wenn ich durch bin.
Meinst du das ironisch?
Bei fast jedem anderen Blatt wäre ich geneigt, das anzunehmen. Bei Bento? Bleiben Zweifel.

Außerdem: Kann mir wer erklären, warum das Bild unbedingt aus einer angelsächsischen Quelle stammen mußte?
Außerdem fehlt Klopapier. Ja, auch bei “Food”. Schließlich ist der Artikel an deutsche Junghamster adressiert.
Mehr erfahren?

Unbedingt!
Zum Beispiel: Trägt man, was Sie tragen, heutzutage überhaupt noch? Und wie, mein Herr, schaffen Sie einen Toilettengang, ohne die Hosen herunterzulassen?
