Zusatzeffekt

Ich habe eine etwas zu große pechschwarze Maske aus der weltweit erfolgreichsten Design-Linie One-Size-fits-Nobody mit der ich aussehe wie Bonnie, die wegen Clydes akuter Unpäßlichkeit die Postkutsche heute alleine überfallen muss.

Als ich hinter dem Ungetüm getarnt vorhin aus der Tiefgarage hochfahre, werde ich gleich im Erdgeschoß von einer Mutter mit zwei Kindern niedergebremst. Meiner angesichtig, verstecken sich die beiden wimmernd hinter der Mama und wollen und werden auf keinen Fall “zu der bösen Frau” zusteigen. Die Frau Mutter resigniert und beschließt, auf die nächste Fahrt zu warten. Ich hingegen beschließe insgeheim, ein zweites Modell aus der Reihe zu erwerben. Mit Solofahrtengarantie.

Corona-Schnipsel

# Es sei, höre ich die eine Freundin in der samstäglichen Bäckerschlange zur anderen sagen, “ja gar nimmer so schlimm mit dem Corona”. Auf den fragenden Blick ihrer Begleiterin hin erklärt sie, dass es “am Angang ja echt abstoßend gewesen sei, mit den ganzen chirurgischen Masken”, man habe sich quasi permanent gefühlt wie im Krankenhaus. Aber jetzt, wo es so eine große Auswahl an “pfiffigen Modellen” gäbe, habe sie sich “schon so circa 100 verschiedene” zugelegt, so dass sie immer auch zu “Outfit und Stimmung” passten. “Mindstens fünf” davon habe sie “immer an der Frau”. Sei das nicht eigentlich “super”, dass es jetzt wesentlich leichter sei, je nach Situation die Maske zu wechseln, als sich “ständig umzuziehen”? Gleich nach dem Brötcheneinkauf müsse man übrigens noch zur Schneiderin, die habe da “so ein süße Maske” im Fenster. “Mit Chilis drauf.”

# Sommer dahoam. Kärnten ist Kult. Karwendel statt Katmandu. Seenplatten-Cruise-Kapitän. Nein! Nein! Nein! Ich habe das vor Wochen schon verboten und es wird durch Wiederholung nicht besser. Nur strafbarer.

# Neulich gabs ein (Unter-)Covid(-Bedinungen)-Konzert von Nena in Köln und anschließend keine Kritik, die ohne den Kalauer von den 99 Versuchsballons auskam.

# Nach den Masken-Muffeln sind Nacktnasen die nächstschlimmen Bösewichte.

# Das Virus ist an allem Schuld. Auch daran, dass inzwischen so wenig Münzen im Umlauf sind, dass die Banken wieder um mehr Barzahlung bitten.

# Demnächst zu erwarten: jede Menge Streaming-Dienst-Produktionen aus dem relativ neuen Genre “quar-horror”. Dürften sich von dem uralten “Cabin-in-the-Woods”-Grusel darin unterscheiden, dass der Axtmörder durch ein Virus ersetzt wurde. Macht die Dreharbeiten günstiger, außer in der Maskenbildnerei.

# Wahrscheinlich in der Geschichte der bis dato einzige Ministerpräsident Bayerns, nach dem eine medizinische Prozedur benannt ist (und der stolz darauf ist).

# Autokino ist ja schon wieder so Mai 2020. Jüdische Gemeinden auf der ganzen Welt feiern inzwischen “Car Mitzvah”.

# Was deutschen Protestlern die Gesichtswindel ist, nennen die Fans von 45 freedom muzzle (= Freiheitsmaulkorb).

# Wo mir gerade mal wieder ein Spammer “Einbruchschutz-Jetzt!!” anträgt, schießt mir der Gedanke durch den Kopf, ob die Einbruchszahlen eigentlich während der Wir-sind-alle-immer-daheim-Zeit gesunken sind und jetzt, wo der eine oder die andere den Ballermann bereist, steigen?

# Kommt einem bekannt vor? Man geht ins Bett, Licht aus und dann greift man noch einmal zum Smartphone, checkt Twitter oder sonst ein Soziales Medium, bevor man einschläft. Nirgends gute Nachrichten, aber man guckt trotzdem? Machen alle, und darum hat die wunderbar versatile englische Sprache auch schon ein Wort dafür erfunden: “doomscrolling”.

# Aus Venedig erreicht uns die Meldung, dass nicht nur die Gondoliere nicht mehr für ihre Passagiere singen, sondern das auch noch für weniger von ihnen. Die Anzahl von Passagieren pro Boot wurde um zwei reduziert, weil die Gäste während der Pandemie fetter geworden sein.

# Bravo Time Magazine. Wieder ein sehr hübsches Titelbild.

Grammatik, zefix!

… und zwar sie den ersten, dann er den nächsten Satz und so weiter und so fort. So schwer kann es doch nicht sein, Herrschaften Spon, dass hier “einander” hätte stehen müssen. Leistet euch doch gelegentlich mal wieder Korrektoren.

Lage, Lage, Lage

Die Erdgeschosswohnungen mit kleinem Gartenanteil hier in der Anlage sind besonders bei alten Menschen sowie Familien mit kleinen Kindern beliebt. Die einen haben dann immer was zu zupfen, zu gießen und zu mähen. Die anderen Auslauf für die Nachgeborenen.

Frage mich seit Tagen: Kann man ein quietschendes Trampolin eigentlich ölen? Und das brüllende Kind gleich mit?

Trump Bible Studies

Vorgestern hat 45 in einer Rede in einer Küchengerätefabrik (Whirlpool, ich hatte von denen eine Quirlwaschmaschine) in Ohio erklärt, dass Joe Biden es auf Gott abgesehen habe, und auf die Waffen der guten republikanischen Amerikaner. (In einem Atemzug.) Wörtlich: “He’s following the radical-left agenda: take away your guns, destroy your Second Amendment, no religion, no anything, hurt the Bible, hurt God. He’s against God, he’s against guns.”

Seit gestern hat Gott erweiterterten Personenschutz und Comedian J-L Cauvin dieses Video hochgeladen. Mein Favorit daraus ist das Buch Job (Hiob).

Sommer

Die aktuellen Temperaturen kann ich als Sommer gelten lassen.
Beweis: habe heute früh darauf verzichtet, meine Kaffeetasse vorzuwärmen. (Zum ersten Mal in diesem Jahr.)

Achtsam

Das aufdingliche Schar-ubb-Schar-ubb-Geräusch unter meinem Bürofenster gestern Nachmittag hatte ganz offensichtlich etwas damit zu tun, dass in den Pflastersteinzwischenräumen selbst mit einem guten Vergrößerungsglas kein Kieselschen, kein Stäubchen und ganz bestimmt kein Gräschen mehr zu sehen ist. Außerdem schien mein an der Schar-ubb-Schar-ubb-Gasse geparkter Corola abends von der linksseitigen Weißfleckenpest befallen zu sein. Eine Nebenwirkung? Ich hab zwar kein Problem mit verdreckten Autos, zöge es aber doch vor, wenn es mein Dreck wäre und nicht der anderer Leute.

Das habe ich dem Herrn Schar-ubb-Schar-ubber heute früh auch gesagt. “Mein armes Auto”, hab ich gesagt. Und dass so wohl ein Kollateralschaden aussieht. Hat sich der Mann angehört, verständnisvoll genickt und Mitleidsgeräusche von sich gegeben. Ah. Oh. Je. Und dann hab ich gedacht, dass es das wohl war (um den US-Präsidenten zu zitieren “it is what it is”, wobei der 1000 Corona-Tote am Tag meint und ich weiße Flecken auf Lack).

Weit gefehlt: wie ich grad vorhin heimfahren will, erkenne ich den Corola fast nicht wieder. In der Sonne blitzt und funkelt fleckenfreier Lack. Das Auto sieht auf einen Schlag mindestens fünf Jahre jünger aus sowie wesentlich zerkratzter und verbeulter, jetzt, wo die Schutzschicht fehlt.

So ein netter Herr.

Ist jetzt eigentlich die Moral von der Geschichte, dass laut genug Jammern hilft?