Treffend

Eine Freundin aus Kanada beschreibt ihr aktuelles Lebensgefühl damit, dass sie sich fühle wie der Mieter im Wohnblock, der die Wohnung über den komischen Vögeln mit der Chrystal-Meth-Küche erwischt hat.

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Du weißt, es ist immer noch Corona, wenn…

# deine heutige Online-Spanisch-Kurs-Lektion von einem gelangweilten (“estoy aburrido”) homebeschulten Knaben und seiner gestressten Mama handelt.

# die Staubschicht auf dem “Flohmarktmobil” des Nachbarn in der Tiefgarage schon wieder einen Zentimeter höher ist.

# der sexuell hochaktive Freund aus den USA per skype erfreut von “Hooking Websites” berichtet, wo neben Sympathie und kompatiblen Fetischen erotischer Natur nunmehr auch Quarantänephasen und Testergebnisse die Partnerwahl steuern.

# im Bus die erste Zweierreihe von einem gepiercten und bunt tätowierten Zweimeterzweizentnerkerl mit plattertem Quadratschädel in Camo mit apart konstrastierender Elsa-Frozen-Maske in Knatschrosa besetzt ist und der dahinter von einer zarten kleinen mandeläugigen Asiatin mit Söderrautenmundnasenschutz und du nur zur Kenntnis nimmst, dass es inzwischen wohl alle Motive in allen Größen gibt. Weil, absurd ist grade eh alles.

Bidde?

Ich bin zunehmend mehr davon überzeugt, dass beim Teebeutelphilosophen manche Körperteile weiter offen stehen als sie sollten.

Setzen, sechs!

Vorne stehen welche im Kostüm und sagen auswendig gelernte Texte auf. Ihnen gegenüber zahlende Zuschauer. So weit, so, ja, so was?

Es gibt nämlich in diesen eigenartigen Zeiten einen himmelweiten Unterschied, wie dergleichen behandelt wird. Einzig abhängig vom Veranstaltungsort. Oper? Theater? Kabarett? Ballett? Ih, nein, verbotten! Wg. Virus.

Kirche? Aber ja. Die darf. Bei der Ausübung von Religion steht das Grundgesetz höchstselbst für Virenschutz.

Wenn’s denn dem Schutz des Glaubens dient: ich für meinen Teil glaube weder an heilige Ein- noch Dreifaltigkeit, hingegen sehr an die karthatische Wirkung des Schauspiels und ich bin damit sicher nicht allein. Bei allem Respekt für den Lockdown light – in den entkernten Theatern wird weder hemmungslos gesoffen noch geschunkelt, sondern vielmehr sehr diszipliniert auf die Einhaltung von Hygienekonzepten geachtet.

Kultur, Kulturschaffende und ihr Publikum solchermaßen mit Füßen zu treten ist ein Armutszeugnis. Auch und gerade während einer Pandemie.

Dieser eigenartige Morgen…

…in diesem an eigenartigen Tagen nicht gerade armen eigenartigen Jahr, an dem man noch vor dem Wecker aus dem Bett springt und unter Auslassung der Morgentoilette sofort die Nachrichtenseiten der Welt konsultiert, ob sie denn nun über ihn gekommen ist, die vom eigenen Bubble bang herbeigesehnte “Blaue Welle” und ihn aus dem Weißen Haus gespült hat.

Nur um dann ernüchtert lesen zu müssen, dass es gekommen ist, wie’s das Worst Case Scenario befahl. Viele republikanische Wähler sind ihrem Präsidenten gefolgt und haben mehrheitlich am Wahltag abgestimmt und diese Ergebnisse sind schon bekannt, das Gros der (voraussichtlich für den demokratischen Kandidaten abgegebenen) Briefwahlstimmen wird erst noch gezählt werden. Natürlich hat er sich zum Sieger aus- und die Gerichte angerufen, alles, was nach dem 3. November noch nicht gezählt worden sei, in die Tonne zu treten.

Dann warten wir halt mal ab. Knapp wird’s werden, egal wie es ausgeht. Arme Gespaltene Staaten von Amerika. Und armer ROW*.

* Das habe ich auch erst in Amerika gelernt: es gibt die USA (first) und dann unter ferner liefen den Rest of World.