Gelesen: Genevieve Cogman – “The Invisible Library” – Serie

Ich habe eine ganze Weile überlegen müssen, wie man das, was Ms. Cogman schreibt, nennen könnte und bin dann drauf gekommen: es ist so eine Art Kochbox-Literatur.

Da ist zunächst die Heldin, Irene. Sie ist Bibliothekarin und Agentin der Unsichtbaren Bibliothek mit dem Auftrag, in den verschiedensten Parallelwelten Bücher zu klauen. Ihr jugendlicher Assistent ist der jüngste Nachkomme einer Adelsfamilie. Inkognito, denn adelige Abstammung ist gleichbedeutend mit ein Drache sein (je nach situativem Bedarf in Mensch oder Tiergestelt). Die Welten, die sie durch Portale der Bibliothek bereisen sind irgendwie immer ein bißchen Sehnsuchtsreiseziele sowie steampunky und bevölkert von Phantasiewesen wie Feen, Werwölfen, Vampiren etc. Solchen Geschöpfen kann man natürlich am besten mit Magie begegnen, und darum beherrscht Irene THE LANGUAGE. Eine linguistische Präzisionswaffe, die ihr erlaubt, Opponenten kurzfristig davon zu überzeugen (IN GROSSBUCHSTABEN), dass sie sich gerade vollkommen rechtmäßig in der Schatzkammer, dem Schlafgemach des Herrschers, im supergeheimen Archiv des Schurkenbibliothekars Alberich, kurz an jedem Ort, an dem sie nichts verloren hat, aufhält. Das sind die Zutaten zur Kochbox. Aus denen hat Ms. Cogman bis dato sieben Bände dieser recht erfolgreichen Serie gemacht und wenn der Verlag weiter bezahlt, legt sie nach.

Es ist nicht so, dass ich ihre Bücher nicht zwischendurch mal ganz gerne lese, dennoch bleibt meist das Gefühl von “guilty pleasure” – so, wie wenn man von Mama einen ganzen Stapel “Bunte” bekommen hat und die auf einen Sitz wegblättert, statt mal wieder Hamlet zu lesen.

Es geht alles vorüber

Gestern, als die Mutter einer Tochter das pummelige Tier mit dem Regenbogenschweif als “Nashorn” identifizierte, wußte ich zwei Dinge sicher: a) eine Zoologin wird sie in diesem Leben nicht mehr und b) auch die schlimmsten Modephasen enden irgendwann.

Wie schön. Einhörner sind zurück in der Märchenwelt, wo sie hingehören.

Semantik

Kann ein Lücke umfangreich sein? Nachdem diese Überlegung nun seit Tagen an mir nagt, teile ich sie mit meiner Leserwelt und freue mich auf Mitnachdenker*innen.

Herr, lass Hirn regnen

Vorgestern, in einem Hat-Store in Nashville, Tennessee… “The patches are here”.

… demnächst auch als Trucker-Caps erhältlich.

Früher war’s auch schlimm

Ich bin in den Siebzigern aufgewachsen und kann mich bis heute erinnern, welche Muster und Farben und Muster- und Farbkombinatinen für Gardinen, Teppichböden und Menschenkleidung angesagt waren und in welchen hanebüchenen Klamotten und Schuhen und mit welchen furchtbaren Haarschnitten wir die Welt verschandelt haben. (Schlaghosen, Rundhosen mit Reißverschluß hinten, Hemden mit Krägen bis zum Ellenbogen, Rüschenalpträume, Vokuhila.) Es ist kein Wunder, dass manche aus dieser Generation so sehr traumatisiert sind, dass sie es bis heute für “bunt genug” halten, wenn sie ihren Körper mit sehr schlichten Schnitten in mutigmausgrauem Anthrazit bedecken. Und man gehe mir weg mit Glamrock, Schulmädchenreport, Neckermannreisen und den anderen schlimmen Dingen aus dieser Zeit. Echt, jetzt… Wo war ich gleich?

Richtig. Siebziger. Schlimme Zeit. Und kein Entrinnen… Wie mich heute diese Filmempfehlung gelehrt hat, hätte selbst Auswandern nach Down Under nicht geholfen.

Andererseits: Ich glaube, mein Algorithmus ist urlaubsreif. Sonst kommt man doch nicht auf solche Ideen.

PS: Endlich bin ich drauf gekommen, an wen mich der Alvin-Darsteller erinnert. Na? Naha?



Genau: Der sieht doch aus wie ein etwas moppeliger Ilja Richter…

Gestern in der Unterfahrt: Insomnia Brass Band ‘Late Night Kitchen’

Eine, wie sag ich das jetzt am besten, eine, hmmm, sehr eigenwillige, um nicht zu sagen, eigenartige Combo. Wieder, wie neulich schon, Blech und Schlagzeug, auf der Bühne aufgebaut wie ein Triptychon: links Almut Schlichting (Bariton-Saxophon, was für ein exquisiter Klang), mittig und zentral Christian Marien (Drums, ein Feuerwerker) und rechts Anke Lucks an der Posaune. Letztere sehr überraschend im Einsatz als Rhythmusinstrument und “Zweite Stimme”. Ganz anders. Viel experimenteller, eher ungewohnt fürs Ohr.

Bei den Live-Streams, die ich bisher gesehen habe, waren häufig weit über 200 Zuschauer dabei, auch die 300er-Marke, im Club undenkbar, wurde oft gerissen. Gestern waren es am Anfang gerade mal 101 Zuschauer, und bis zum Ende sank die Zahl auf 79. (So wie an einem lauen-luftigen Sommer-Biergarten-Grillen-am-See-Abend im Keller.)

Die Wegschalter haben was verpaßt. Je länger das Konzert dauerte, desto mehr habe ich mich drauf einlassen können und desto mehr habe ich es auch genossen.

Neue Qualitäten

Unter den Angeboten auf dem Partnersuchmarkt ist nie ein dicker dummer fauler Angehöriger des Lumpenprekariats, vielmehr suchen immer feinsinnige, humorvolle, attraktive und gut situierte Menschen ein Pendant. Seit neuestem, wie ich in der aktuellen Wochenendausgabe der SZ in mehreren Annoncen lesen durfte, mit dem Zusatz-Attribut “doppelt geimpft”.

O Tempora, o Virus…

Maßgeschneidert

Mein rechtes Ohr ist anders geformt als mein linkes, was beim Anpassen einer jeden neuen Brille immer häufige Gänge zum Optiker erfordert, bis die Bügel endlich vollkommen unterschiedlich zurecht gebogen sind und die Brille richtig sitzt.

Seit das Tragen von FFP2-Masken Pflicht ist, hadere ich mit diesem Umstand viel mehr als früher, weil das rechte Ohr wegen der zu engen Schlaufe immer absteht und mit der Zeit eine unnatürlich ungesunde violette Färbung annimmt. Außerdem tut’s weh und das macht mich grantig.

Mein letzter Vorratspackungseinkauf stand aber wohl unter einem guten Stern. Ich habe eine Charge Masken erwischt, die der Qualitätskontrolleur übersehen hat und was andere als Makel empfinden würden, stimmt mich glücklich: die recht Schlaufe ist knapp einen Zentimeter länger als die linke. Und zum ersten Mal seit dieser ganzen Pandemiescheiße kommen zum schlechter Luft kriegen und Brille beschlagen und Feuchtbiotop im Gesicht endlich nicht auch noch ein von der Blutversorgung abgebundenes Ohr hinzu.

Ist das jetzt das Licht am Ende des Tunnels?