Gelesen: Margaret Atwood – “The MaddAddam Trilogy”; Band 3: “MaddAddam”

Vorangestellt: Erwerbstätigkeit ist der Untergang der lesenden Klasse.
Für den letzten Teil habe ich drei Mal so lang gebraucht wie für die ersten beiden zusammen. Ich plädiere sehr für die Einführung regelmäßiger Leseferien, zefix!

Hätte nicht geglaubt, dass nach den ersten beiden Bänden noch eine Steigerung möglich ist, aber es geht. Dieser dritte ist der beste.

Eine im Labor geschaffene Pandemie hat vor einem guten halben Jahr (!) die Menschheit so gut wie ausgelöscht; nur einige Mitglieder einer pseudoreligiösen Preppersekte und eine wie das Virus im Reagenzglas erzeugte Gruppe “neuer Menschen” sind noch übrig. Diese neue Menschen sind nackt, wie ihr “Gott” sie schuf. Ihre Haut ist temperaturreguliert, strahlt einen insektenabwehrenden Stoff aus und UV-Strahlung kann ihr nichts anhaben. Sie kennen keine Aggression, sind auf dem geistigen Reifestand von Fünfjährigen, ernähren sich von Gras und Blättern. Die sind allzeit verfügbar, noch dazu, wo die Vegetation ohne Menschen eh überhand nimmt; also fällt der Kampf ums Überleben, der Begriff von Eigentum, Geldwirtschaft und sonstiges Übel weg. Es gibt auch keine Auseinandersetzung um den Weitertransport von Genen in die nächste Generation, dafür hat ihr Schöpfer eine Paarungszeit und lustige blaue Rituale erfunden.

Atwood schreibt in einer wunderbaren beiläufigen Bösartigkeit hinter der totsicher sehr viel Arbeit steckt. Trüge man einen Hut, man bekäme vom ständigen Ziehen einen Krampf im Arm. Wie nebenher erzählt sie, was wir aus den früheren Bänden kennen, aus anderen Perspektiven neu, flicht eine Schöpfungsgeschichte ein, philosophiert über Sprache und Tradierung von Historie via geschriebenem Wort, ach, der Hut bleibt jetzt einfach ab. Und würde beim Lesen! Lesen! Lesen! Lesen! auch nur behindern.

Impf-O-Mat

Bevor ich meiner staatsbürgerlichen Pflicht zur Wahl der Exekutive nachkomme, befrage ich inzwischen gerne den Wahl-O-Maten, ob denn die bisherige Partei meiner Wahl und ich immer noch ein kompatibles Programm für die Zukunft dieses unseres Landes haben.

Sowas gibts jetzt auch für den voraussichtlichen Impftermin, ist aber weit weniger unterhaltsam.

Für die, die auch neugierig sind: https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/wissen/corona-impfung-wann-bekommen-sie-einen-impftermin-e292245/

Gestern Abend im Livestream aus der Unterfahrt – SiEA

Der Pressetext sagt: “SiEA ist Avantgarde-Pop, SiEA ist Disco-Funk, SiEA ist Techno-Ballade. SiEA schlägt ein, baut sich auf, von klitzeklein bis gewaltig. SiEA nimmt dich bei der Hand und erzählt dir Geschichten, SiEA stellt dir ein Bein und bringt dich zum Tanzen.” Das wollte ich mir, nachdem ich bei den Streams eine Weile ausgesetzt hatte, unbedingt ansehen.

Ich könnte mir vorstellen, dass ich in einem Live-Konzert in die Performance der sieben sehr vielseitig begabten Musikerinnen reingezogen worden wäre. Mit einem zwischengeschalteten Monitor und einem reichen Strauß an Nebenbeschäftigungen allzuleicht verfügbar hat es leider nicht funktioniert.

Alterserscheinung

Bis jetzt habe ich meinem neuen Alter nicht viel abgewinnen können. Keine Unterschiede, keine Vor-, keine Nachteile.

Nun aber. Habe eben in der Apotheke Berechtigungsschein 1 plus zwei Euro Zuzahlung gegen 6 FFP2-Masken eingetauscht. Danke, Jens.

Wiedergesehen: “Der Teufel trägt Prada”

Neulich irgendwo in einer Umfrage gelesen, dass die Mehrheit der Befragten “Der Teufel trägt Prada” für Meryl Streeps besten Film halten. Davon abgesehen, dass ihr bester “Sophie’s Choice”, dicht gefolgt vom unglaublich unterschätzten “Florence Foster Jenkins” und bei den Fernsehproduktion fraglos “Angels in America” ist, könnte diese Frau auch ein Spiegelei spielen und wäre besser als jedes Hühnerprodukt.

Das wollen wir doch mal sehen, dachte ich, und wandte mich meinem DVD-Regal zu (ich bin alt, ich habe sowas noch). Nur um feststellen zu müssen, dass meine “Sophie’s Choice”-DVD wohl dem Leihnehmer so gut gefallen hat, dass sie nicht mehr zu mir zurückgekommen ist. Hmmm. “Florence Foster Jenkins” hatte ich im Frühjahrslockdown erst wieder geschaut. Hmmm. Also doch die Fashion-Geschichte.

Der Filmplot taugt nix. Mir sind Schuhe und Klamotten wurscht und die Promis, die sich selbst spielten, hätten auch von der Straße weggefangene Statisten sein können, die kenne ich genauso wenig. Anne Hathaways Figur bleibt langweilig, weil von Anfang bis Ende vorhersehbar, dasselbe Schicksal teilt Emily Blunt. Einzig Stanley Tucci darf wenigstens ein bißchen schauspielen. Dagegen die göttliche Meryl, Triple-Hach. Ms. Streep schafft mit einem heruntergezogenen Mundwinkel mehr Weltekel als Houellebecq in seinem Gesamtwerk.

Fürs nächste Mal in 5 bis 10 Jahren würde mir ein Zusammenschnitt der Streep-Szenen reichen.