Vorfreude…

… sagt der Volksmund, sei die schönste Freude. Der sagt allerdings auch, dass man aufhören soll, wenn es am schönsten ist und spätestens da ahnt man, dass der Volksmund keine Ahnung hat. Also bleibt festzustellen … worauf wollte ich gleich noch einmal hinaus?

Ah, richtig. Vorfreude. Seit der Ankündigung, dass Quadro Nuevo ihre neue CD “Mare” in der Unterfahrt vorstellen, habe ich mich drauf gefreut. Auf Schnitzelkönig-Niveau. Habs auch allen erzählt und in den Kalender eingetragen und vorsorglich noch mal Erinnerungs-SMSes verschickt. Und weitergefreut.

Dann aber war diese Woche alles anders und wir nicht, wie sonst immer, von DibisDo, sondern ausnahmsweise von MobisMi im Hunsrück. Weil aber die Frau flockblog ein Gewohnheitstier ist, hat sie am mittleren Hunsrückabend, der ja sonst der Mittwoch ist, erwartungsfroh das Laptop eingeschaltet und saß dann vor dem Countdown, der das Konzert für in 24 Stunden und 10 Minuten verhieß. Mahann!

Merke: Vorfreude ist nur dann was Schönes, wenn das erwartete Ereignis auch wie geplant eintritt. ImStauStehen und immer-noch-farfarfar-away-from-home-Sein ist als Ersatz nicht akzeptabel.

Daheim

Nach vielen Stunden Fahrt mit überraschend vielen Staus dafür, dass die Deutschen ihre Mobilität auf das allernötigste begrenzen sollen, fühle ich mich sehr willkommen, als beim Stop an der Ampel an der Kreuzung im Wald nach der Ausfahrt, kaum gedämpft durch das leise Surren des Chef’schen E-Panzers, das süße Lied einer Nachtigall durch die Nacht klingt.

Noch zwei Mal aufstehen, und dann rufe ich meine ganz persönlichen Ruhetage aus. Ich habe nämlich Osterferien. Ganz egal, wie oft die Kanzlerin noch um Verzeihung bittet.

Risiken und Nebenwirkungen

Ich habe mich schon immer gefragt, ob es bei Hotels eigentlich so eine Art Hand-me-down-Prinzip gibt, nicht zuletzt, weil mir bei meinen Streifzügen durch die USA immer wieder untergekommen war, dass die Bäder in ganz billigen Hotels (also da, wo ich zu übernachten pflegte) oftmals mit – wenn auch fadenscheinigen – Handtüchern mit den Schriftzügen wesentlich gehobenerer Häuser bestückt waren.

Vorhin fiel mir auf: Frau Wirtins Badezimmer bestachen in der guten alten Zeit mit flauschigen Frottee-Handtüchern in blütenweiß und dottergelb. Inzwischen scheint der Flausch in der Waschmaschine verblieben zu sein, und die Farben der Handtücher nähern sich im Eierschalenspektrum stark an.

Es will mir scheinen, als vergriffe sich das Virus auch an Waschraumtextilien.

Vorhin auf der Autobahn

Als Beifahrerin hat man ja heutzutage nix mehr zu tun. Keinen Fahrer irgendwo hin zu lotsen, keine Häppchen oder Getränke zu reichen, höchstens mal ein Pfefferminzbonbon. Das kann auf einer Fünfstundenfahrt ganz schön langweilig werden, und darum schau ich arg gern rum.

Heute nun ist mir ein seltsames Phänomen aufgefallen. Hinten an riesigen Trucks hingen unterhalb der Stoßstange so … ja wie heißt jetzt sowas? Woher soll ich das wissen? Ich rate mal. Spritzschutz? Schmutzfang? Es ist gar nicht so einfach, das Internet nach etwas zu fragen, für das einem die Worte fehlen. Geht aber. Gefunden habe ich den Begriff “Heckschürze” und die Recherche hat mich in die tiefen Abgründe der Welt der Autoverschönerung geführt. Weiah.

Phantasie und Kreativität sind keine Grenzen (außer der Breite des Lastwagens) gesetzt und die Werbung könnte verführerischer nicht formuliert sein.

Das haben bestimmt auch die Trucker gedacht, an denen wir heute vorbeifuhren: 1 x Prinzessin, 1 x Frauenpower und 1 x Bitch, in allerliebster Frakturschrift. Da waren sie sich den Blicken ihrer Truckerkollegen aber mal totsicher.

Sie sind mir allesamt allemal lieber, als das Unternehmen, das eine Doppel-D-Tief-Dekolletee-Dirndlschönheit über die ganze LKW-Länge dafür werben ließ, man habe “Steine vor der Hüttn”.

Alle Vöglein sind schon da

Als ich mich für eine Zigarettenlänge auf den Balkon meines Stammzimmers bei der Hunsrücker Frau Wirtin niederlasse, sitzen im Baum gegenüber drei schwarze Vögel (keine Ahnung welcher Art) und machen ordentlich Rabatz. Einen Dummschwafelartikel von einer Karriere-Coachesse, die einer 56-jährigen Sachbearbeiterin noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt verheißt, wenn sie nur offen, flexibel, aktiv, mutig und gut vernetzt ist, später (ja, so geht Schachtelsatz), ist der Baum rappelvoll und inzwischen weit über 60 Herren und Damen Vögel haben ihre Schlafpositionen eingenommen und halten die Schnäbel.

Bis Nachbars Katze über den Rasen schleicht. Hui, da fliegt die ganze Baumbesetzerschaft auf einmal auf und zieht wild schimpfend Kreise am Himmel. Nach ein paar Minuten beruhigt sich die Lage, und das Federvieh kehrt geschlossen zum Schlafbaum zurück.

Jetzt ist Ruhe und das letzte Licht im Schwinden. Schlaft gut und wehe, ihr holt mich morgen früh zum Sonnengruß schon aus dem Schlaf! Dann schenke ich dem Nachbarn einen Puma.

Archiv

Meine Großeltern hatten die Angewohnheit, Zeitungsartikel zu historisch bedeutsamen Themen (Kriegsende, Währungsreform, Kennedy-Attentat, Mondlandung und so weiter) fein säuberlich zusammenzufalten und dann dem vierbändigen dicken schweren Meyers Konversationslexikon einzuverleiben. Ich war eines jener Kinder, die zum Zeitvertreib in Lexika blättern und kann mich noch gut erinnern, wie spannend ich es jedes Mal fand, wenn ich wieder so ein schon recht brüchiges zeitgeschichliches Dokument entfaltete.

Nun bin ich so alt, dass ich selbst viel Zeitgeschichte erlebt habe und immer, wenn ich einen aufzubewahrenden Artikel für die Nachwelt falten will, merke ich, dass in meinem Haushalt ein Meyer fehlt. Ich hab ja noch nicht mal mehr einen großen braunen Diercke Weltatlas.

Werte Nachgeborene, wenn sich da nicht noch was tut, müßt ihr euch auf Wikipedia verlassen.

Alle mal lachen

Nach sechs Jahren erschien in der Märzausgabe der Titanic die letzte Folge der Intimschatulle von Heinz Strunk (wer sich erinnern mag, das ist der Autor von Fleisch ist mein Gemüse). Die Schatulle ist eine Art öffentliches Tagebuch voller Lappalien und Sottisen und soll dem Vernehmen nach komisch sein.

Ich habe diese beiden Seiten in diesen mehr als halben Jahrzehnt nach den ersten ein, zwei Malen nur noch quergelesen und krampfhaft versucht, irgendetwas darin zu finden, das mich zum Lachen bringt. Falls es wer geschafft hat, wäre ich dieser Person sehr verbunden, wenn sie mir den Strunkschen Witz erklärte.

Ich hoffe, es kommt was besseres nach.

Gut gewählt

Diese Woche, erzählt ein Bekannter, habe man Gäste eingeladen. “So wie früher”, zu einem gemeinsamen Mahl, Gesprächen und Getränken. Und genauso sei es auch abgelaufen. Wie geplant. Wie früher.

Wie das? Der kluge Mann ist mit einem Ärzteehepaar befreundet und statt Blumen und Bonbonnieren, so wie früher, hatten sie das Gastgeschenk der Neuzeit dabei: Covid-Tests.

@AlledafürVerantwortlichen: Das will ich auch! Her mit den Tests! Sofort!